Ist mein Schreibstil Buchladenreif?

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5 Antworten

Gerade das erste Kapitel von "Lily" gelesen und ich muss sagen, dass mir das zu viele Füllwörter sind und ich auch ein paar Rechtschreibfehler und seltsame Ausdrücke gefunden habe. Achja, und einige an fehlgeleiteten Binde- bzw Trennstrichen.

Ich finde auch, dass das Geschriebene zu wenig konkret ist. Du schreibst nicht schlecht, aber durch dieses ständige in der Luft gehänge und nicht wirkliche Ziel und fehlende Klarheit. Es ist als, ob du um den heißen Brei herum redest, um künstlich Spannung aufzubauen.

Ich sehe die Idee dahinter, ich glaube auch, dass die Idee ansprechend sein könnte, aber so wie es aktuell geschrieben ist, fehlt irgendwie das Salz in der Suppe. Lily fährt durchs Leben und mit ihr, der Leser, aber passieren oder konkret interagieren tut sie – zumindest in den ersten beiden Kapiteln – kaum. Lily erzählt, ohne uns am Geschehen teilhaben zu lassen, das macht es für mich besonders schwierig einen Einstieg zu finden und mich mit der Figur zu identifizieren. Ich glaube, daran könntest du noch einiges schrauben.

Also für mich ist das noch nicht wirklich "verkaufsreif" – aber das sind ja die meisten ersten Entwürfe nicht ;)

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"Buchladenreif" bedeutet für mich, du möchtest eine Kritik haben, die dir ganz klar sagt, wo deine Schwächen liegen. Ich habe eben in "Lily" mal reingeschaut. Bitte werte diesen Text nicht als persönlichen Angriff. Dich Fertigzumachen liegt mir fern und dazu habe ich auch keinen Grund. Alles Negative, was du gleich lesen wirst, soll dir bloß dabei helfen, dich zu verbessern.

Kommen wir zuerst mal zu den positiven Dingen. Der Schreibstil ist nicht schlecht, aber  auch nicht wirklich gut. Was du ganz fein machst: Du verstehst es gut, den Charakter deiner Hauptperson dem Leser nahezubringen. Man kann sich in das Mädchen ganz gut hineinversetzen, aber noch nicht so tief, dass man deine Figur auch wirklich kennenlernt. Sie erzählt zu viel, ohne dass der Leser verstehen kann, was sie meint. Hier könntest du noch etwas dran feilen und mit noch mehr Emotionen arbeiten. "Show, dont tell" heißt die Devise: Lass die Figur auf bestimmte Situationen reagieren und bringe ihre Gefühle dabei zum Ausdruck, dann bekommt deine Figur etwas mehr Farbe.

Inhaltlich hat das erste Kapitel mir jetzt noch nicht besonders viel gegeben. Jedenfalls nicht genug, dass es mich begeistert hat und ich weiterlesen möchte. Das Ende ist zwar ganz okay geworden, aber hier solltest du es dramatischer gestalten und den Leser etwas neugieriger machen. Lass plötzlich irgendetwas passieren und hör dann auf (Cliffhanger). Man muss sich am Ende die Frage stellen, wie es wohl weiter geht. Sonst liegt das Buch erstmal wieder auf dem Nachttisch und man hat am nächsten Tag vergessen, worum es eigentlich geht. Du willst doch nicht, dass in den Köpfen deiner Leser dieser Denkprozess abläuft: "Weiterlesen... Joa... morgen vielleicht. Ach hey, diese Geschichte hier ist doch viel besser, also lese ich erstmal die!"

Deine Rechtschreibung ist weitestgehend in Ordnung, aber ich habe trotzdem einige Fehler entdeckt. Woran es ganz besonder hapert, ist die Grammatik. Du beherrscht die deutschen Fälle leider nicht besonders gut und mit der korrekten Zeichensetzung, der Darstellung von wörtlicher Rede und Gedanken hast du ebenfalls Probleme. Auch sprachlich und beim Ausdruck holperst du manchmal ganz gehörig. Hieran musst du unbedingt arbeiten.

Die Kritik war zugegeben hart, aber herzlich. Du hast gefragt, ob dein Buch reif für die Buchläden ist: Das ist es noch lange nicht und da hast du noch einiges an Arbeit vor dir. Damit ein Verlag dein Buch überhaupt zur Kenntnis nimmt, muss deine Leseprobe, die du ihm schickst, absolut fehlerfrei sein. Natürlich darf bei einem mehrere hundert Seiten langen Manuskript mal der eine oder andere Fehler drin sein, aber die Leseprobe muss glänzen! An deinem Schreibstil wird es allerdings nicht liegen, wenn man deine Geschichte ablehnt. Daran must du zwar noch etwas feilen, aber ich denke, dass du den Geschmack einiger Leser durchaus zu treffen verstehst. Also: Bleib am Ball und arbeite an dir und deiner Geschichte! Vielleicht siehst du dann dein Buch tatsächlich mal in einem Buchladen. Ich wünsche dir dafür viel Erfolg und weiterhin viel Spaß beim Schreiben!

Liebe Grüße,

Markus

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Kommentar von Deponentiavogel
17.10.2016, 21:27

Dürfte ich ein Beispiel für fehlerhafte Grammatik haben?

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Ich habe die gleichen Gedanken wie lillian92. 

Man schwebt als Leser in der Luft oder eher in einer abstrakten Erzählebene, in der auch Lilys Erzählstimme herumgeistert. 

Als guter Autor führt man den Leser in einen Raum, baut eine räumliche und sinnliche (die Sinne des Protagonisten anregende) Szenerie auf und lässt dort Spannung durch Handlung oder Dialog entstehen. 

Jede Szene braucht eine Einführung, um dann ihre volle Kraft entfalten zu können. Es kann auch Zeitsprünge und Übergänge geben, aber grundsätzlich hantelt man sich als Leser von Szene zu Szene. Das ist bei dir nicht der Fall.

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Also soweit ich das verstanden habe kann man auf Wattpad alles kostenlos einsehen oder? Dann wird es schwierig werden, das, was du da schon veröffentlicht hast, nochmal einem Verlag schmackhaft zu machen. Aber wenn du mir nen Link schickst, schau ich gern mal rein, was den Stil so angeht. Nur nicht vor Freitag. Hausarbeit und Klausur des Todes stehen noch an ;P Ich bin halt auch nur Laie. Was Lesen und Schreiben angeht. Aber ein anspruchsvoller, wenn dir das hilft ;)

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Ich bin nicht bei Wattpad registriert und werde mich dort auch nicht registrieren, denn ein Seite, die ihre AGB nicht glasklar darlegt, ist mir suspekt. Und sollte auch jedem Autor aufstoßen, der ernst genommen werden will. Was ist mit den Rechten? Gilt hier deutsches Recht? Usw.

Wenn du also wirklich einmal deine Bücher im Buchhandel sehen willst, solltest du andere Wege wählen. Es gibt viele gute Schreibforen, in denen man Tipps bekommt und sich gegenseitig kritisieren kann (z.B. www.leselupe.de). Meist lernt man auch dort, wie man an Verlage herantritt.

Außerdem gibt es auch Schreibgruppen im realen Leben, zumindest eine Volkshochschule, die recht gute Schreibkurse für kleines Geld anbietet. Es lohnt sich!

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