Ist man asozial und verachtenswert, wenn man...?

11 Antworten

Hallo,

ich würde es nicht pauschal beantworten, sondern differenzieren.

Leider gibt es nur sehr selten eine qualifizierte fachmännische Beratung. Meistens wird nur vorgegeben gut zu beraten. Wer über gewisses Hintergrundwissen verfügt, erkennt es schnell. Das bezieht sich auf viele Branchen.

Gratisweinproben sind grundsätzlich gratis. Es besteht keine Kaufverpflichtung.

Weinproben mit hochkarätigen Tropfen kenne ich fast ausschließlich von großen Auktionen, wie bei Christie's oder Sotheby's. Bei normalen Weinhändlern werden in der Regel keine teuren Tropfen gratis angeboten.

Verkäufer, die gratis Weinproben anbieten, können zwar nicht erwarten, dass alle Interessenten kaufen, aber sie sind darauf angewiesen, dass wenigstens ein echtes Interesse besteht.

Bei einer diletantischen Weinprobe hätte ich kein schlechtes Gewissen, zu gehen, ohne zu kaufen.

Wenn es ausnahmsweise anders laufen sollte, wäre es moralisch verwerflich, wegen ein paar Euro anderswo zu kaufen.

Gruß, RayAnderson

Es ist auf lange Sicht vor allem nicht so egoistisch, wie man das selbst eventuell annimmt. Es wird ja einen triftigen Grund dafür gegeben haben, dass Du nicht Onlinerezensionen als Grundlage für Deine Kaufentscheidung genommen, sondern den direkten Weg in ein Fachgeschäft gewählt hast. In dem höheren Preis ist die Beratung, die Du genossen hast, inkludiert. Wenn viele Leute so handeln wie Du, gräbt das dieser klassischen Form des Fachhandels den Markt ab. Man lernt also, dass es finanziell keine zusätzlichen Erträge generiert, sich mit Kunden wie Dir abzugeben und ihnen eine ausführliche Beratung angedeihen zu lassen. In der Folge wird dieses Geschäft sukzessive aussterben. Die Unternehmen lernen, dass es lukrativer ist, mehr wie eine Lagerhalle als wie ein Fachgeschäft zu funktionieren und sich auf den Onlinemarkt zu konzentrieren. Ergo wirst Du selbst bald nur noch als Informationsmöglichkeit Fach- und Laienrezensionen online haben, Verkostungsmöglichkeiten wird es, wenn überhaupt, dann nur noch im privaten Rahmen geben.

Je nachdem, wie Du das siehst, schneidest Du Dir mit Deiner Entscheidung also auf lange Sicht ins eigene Fleisch.

Ich kenne keinen wirklich guten Weinladen, in dem edle Tropfen regelmäßig gratis ausgeschenkt werden. In "meinem" Weinladen bezahle ich für die "hochwertigen" Weinproben, und das tue ich auch gern, denn: Qualität hat ihren Preis. Und ich bin bereit, für Qualität auch zu zahlen.

Aber Anbietern der "mittleren Kategorie" - ich denke hier zum Beispiel an Jacques - würdest du mit solchem Verhalten das Wasser abgraben. 

Ich glaube allerdings nicht, dass du die dortigen Angebote im Netz wesentlich billiger bekommen wirst.

Schofelig ist ein solches Verhalten aber allemal.

Was möchtest Du wissen?