Ist Kinderarmut ein Problem in Deutschland?

21 Antworten

Ich habe mitten im zweiten Absatz aufgehört, Deine weltfremden Unterstellungen zu lesen. 

Zu den Fakten:

Eine der Vorgängerinnen dieser Kraft erklärte vor einigen Jahren mit vor bösartigem Stolz triefender Stimme, dass selbstverständlich deutsche Jugendämter die Väter dabei unterstützen, sich ihrer Verantwortung den Kindern gegenüber entziehen zu können. 

Und genau dies ist eine der Hauptursachen für Kinderarmut in diesem Staat. 

Eine andere Ursache ist darin zu finden, dass heute nun mal kaum noch eine Einzelperson eine Familie alleine ernähren kann. Als ich Kind war, war es noch selbstverständlich in unserer Gesellschaft, in der Wirtschaft und auch in der Politik, dass nur eine Person Vollzeit arbeiten gehen braucht um eine Familie mit mehreren Kindern gut über die Runden bringen zu können. 

Selbst im Mittelstand ist diese Norm heute nicht mehr erfüllbar in sehr vielen Fällen. Dank sogenannter Lohnpolitik, vor allen Dingen von den C-Parteien zunächst und der FDP massiv eingefordert, später auch von der SPD übernommen. 

75% aller deutschen Kinder leben in Armut. Meine Zahl im Kopf ist zwar ein wenig alt, aber verbessert hat sie sich sicherlich nicht. 

Ich erinnere den Versuch der Kinderklinik der Universität München, gegen Mängel bezogen auf Kinder vorgehen zu wollen. Das war in den 1980-iger Jahren,ist leider dort auf der Homepage nicht nachlesbar:

Damals schon fielen manche Kinder dadurch auf, dass sie sogenannte Alterserkrankungen hatten, die stationär behandelt werden mussten. Als dann ein neunjähriger Junge eine schwere Osteoporose hatte, wurden die Fachmenschen aktiv. Denn tatsächlich war eindeutig klar, diese schweren sogenannten Alterserkrankungen sind ernährungsbedingt verursacht. 

So. Die Behandlung kostet ein Heidengeld. Prävention kostet einen Bruchteil. 

Die Fachmenschen taten sich also zusammen und sprachen die Mütter an. Väter anzusprechen ist in einem solchen Fall eh sinnfrei, denn nur 5% aller deutschen Väter kümmern sich um die Folgen ihrer sexuellen Betätigungen. 

Tatsächlich waren die Mütter sehr dankbar, dass ihnen ein Kurs und Beratung angeboten wurde bezogen auf Ernährung. Sie machten sehr fleißig mit. Und waren auch bereit, sich daran finanziell zu beteiligen. Auch, wenn sie nur den Mindestsatz an Sozialleistungen erhielten. 

Nachdem die Klinik bei den stationär behandelten Familien so erfolgreich gewesen war, ging sie auf die Stadtoberen zu und schlug vor, gerade da, wo solche Unterstützung großen Sinn macht, entsprechende Kurse anzubieten. Die Krankenkassen wollten sich raushalten, deshalb der Vorschlag an die Stadt. 

Die Stadt lehnte ab. Sei zu teuer. 

Vergleichbar argumentierten Gewerkschaften, Politik und Arbeitgeberverbände, wenn es darum ging zu sorgen, dass eine durchschnittliche Familie von einem Einkommen leben könne. 

Das Gegenteil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in unserem Staat breit gemacht: 

Konsum ist das oberste Gebot. 90% aller jungen Erwachsenen bis 40 sind heute unfähig, sich selbst eine Mahlzeit zuzubereiten. Das ergab eine statistische Erhebung am Rande vor einigen Monaten. 

Als ich vor Jahrzehnten noch Kind war, war es schlicht selbstverständlich, dass zumindest ein Elternteil täglich kochte. 

Kinderarmut ist politisch gefördert und gewollt. Nachweise dazu gibt es massenweise. 

Ich erinnere aus Anfang der 1970-iger Jahre Vorschläge für Sendereihen, in denen Familien und Ortsteile bzw. Dörfer um die Wette einen Haushalt versorgen sollten. Als Spiel, auszustrahlen in der ARD. Wurde abgelehnt. Auch Spiele rund um handwerkliche Fähigkeiten ähnlich wie damals "Spiel ohne Grenzen" wurden abgelehnt. 

Mittlerweile sehen sich Lehrkörper gezwungen, bei der Kommunalverwaltung Druck zu machen, dass es Schulspeisung gibt. Denn die Kinder erhalten auch dann zuhause Nichts zu essen, wenn ausreichend Geld zur Verfügung steht. 

Und dann haben wir ja diese Mega-Studie aus USA, welche über mehr als 20 Jahre lief und Mitte der 1980-iger Jahre abgebrochen wurde, weil die finanzierende Politik das Geld lieber in Aufrüstung stecken wollte. Aus dieser geht eindeutig hervor, dass es nicht bei den armen Menschen asozial zugeht sondern bei den besonders reichen. Was sich bis heute immer wieder neu bestätigt. 

Ganz nebenbei:

Im Schnitt bekommt eine deutsche Frau 1,4 Kinder. Und Kinder sind die einzige Ressource, welche wir haben. Wir haben keine andere. 

Naja, das Grundgesetz darfst Du tatsächlich auch mal lesen. An seiner Lektüre stirbt kein Mensch. 

DH!

In den USA wurde unter Obama in einigen Regionen freie Schulspeisung fuer alle eingefuehrt (damit Kinder nicht aus Scham darauf verzichteten) - Freuhstueck und Mittag. Das Ergebnis: enorm hoehere Leistungen in der Schule, gesuendere Kinder. Die Gesellschaft profitiert davon auf lange Sicht und vermeidet viele, viele Kosten, eine Plusrechnung.

(Wie es aussieht, wird u.a. dieses Pogramm unter Trump abgebrochen werden, damit er eine Mauer bauen und aufruesten kann.)

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Ich hab heute drei zdf.reportagen gesehen, von denen die erste sich um Kinderarmut drehte:
https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-reportage/armes-reiches-deutschland-100.html

und die beiden anderen um Armut im Alter und um die Mittelschicht, die ebenfalls abwärts geht. Ich beschäftige mich schon etwas länger damit und es war eher Zufall, dass ich heute diese drei Reportagen gefunden habe - aber es macht mir Bauchweh, Zufall hin oder her.

Japp, ich denke schon, dass das ein Problem ist, aber ich warne davor, den Sündenbock an die Eltern zu reichen. Großfamilien sind völlig okay, vor allem, weil die Kinder schon früh lernen, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Ich kenne Großfamilien und ja, sie haben ein Problem mit dem Geld, aber irgendwo muss ja mal Schluss sein damit, dass Wirtschaftlichkeit über Menschlichkeit gestellt wird. Es kann nicht sein, dass Eltern von mehreren Kindern die Sündenböcke für wirtschaftliche Engpässe werden.

Wer ist denn dann der Sündenbock für die steigende Altersarmut? Die alten Leute, die nicht früh genug sterben?
https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-reportage/armes-reiches-deutschland-102.html

Ganz klar:
SO gehts nicht, insbesondere, weil ja auch der Mittelstand langsam aber sicher Probleme kriegt:
https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-reportage/armes-reiches-deutschland-104.html

Man darf nicht alt werden, man darf keine Kinder kriegen (das Risiko in die Armut abzurutschen beträgt schon bei 3 Kindern 25 % ), krank werden geht auch nicht. Es wird möglicherweise echt Zeit, dass 'uns' was anderes einfällt.
Es ist zwar möglich, dass es auch wieder bergauf geht, aber ich gestehe, dass ich da meine Zweifel habe. Ich fürchte so ein bisschen, dass unser System ausgereizt ist, eine gute Ausbildung ist nämlich auch kein Garant mehr, sorgenfrei leben zu können. Es muss was passieren - wie es ist, gehts jedenfalls abwärts, zumindest auf der Basis der bestehenden Wirtschaftsregelungen. Auf allen Ebenen, nicht nur im nationalen sozialen Bereich, sondern wohin man auch kuckt. Was wir brauchen ist eine Basis, die uns dient anstatt dass wir ihr dienen müssen - wie es derzeit nunmal ist.


Kürzere Arbeitszeiten und höhere Löhne sind Wunschdenken. Die Zahl derer, die mehrere Jobs annehmen müssen, steigt sprunghaft an, aber die meisten Unternehmen haben auch keinen Goldesel. Klar gibts einige große Unternehmen, aber die sind in den meisten Fällen nicht so erfolgreich, weil sie ach so sozial eingestellt sind. Wenn man an einer Stelle ein Loch stopft, tun sich an anderer Stelle 3 neue Löcher auf - es ist nicht so simpel, wie manche zu glauben scheinen.

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@ancanei

Du hast Recht, das liegt unter anderem daran, dass wir tatsächlich keinen Fachkräftemangel haben.

Du hast geschrieben, dass du Menschlichkeit über Wirtschaftlichkeit stellen möchtest, das hört sich zwar schön an, aber ich finde es völlig unmenschlich gegenüber den beschriebenen Arbeitnehmern, wenn diese die Kinder anderer finanzieren, und dafür sogar mehrere Jobs annehmen müssen. Diejenigen, die sich ihre Kinder durch Hartz4 finanzieren lassen haben, auch wenn sie nur ein einfaches Leben führen können, im Vergleich dazu das große Los gezogen, da sie sich durch ihre Kinder selbst verwirklichen können.

Ich sehe ein, dass es den Kindern gegenüber unmenschlich ist, dennoch bin ich dafür, dass die Eltern mehr Verantwortung übernehmen sollten. Wenn eine Familie unverschuldet in Armut gerät, sollte ihr geholfen werden, aber wer die Gesellschaft wissentlich belastet, sollte dafür nicht belohnt werden. Aus Sicht des Arbeitnehmers wird die Chance, dass dieser Kinder bekommen kann, durch Armuts-Familien definitiv reduziert, da die hohen Steuer-Abgaben und langen Arbeitszeiten am Ende auch deshalb nötig sind, um die Transferleistungen erbringen zu können.

Mir ist natürlich klar, dass man das Problem nicht lösen kann, da es wohl kaum denkbar wäre, Eltern ihren Kinderwunsch erst genehmigen lassen zu müssen.

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Natürlich finde ich Großfamilien auch in Ordnung, unter der Voraussetzung, dass die Eltern ihre Kinder versorgen können. Leider sieht die Realität in der Regel häufig anders aus. Wenn ich an das Wort Großfamilie denke, kommen mir eher die kriminellen, arabischen Einwandererfamilien (Clans) in den Sinn, die der Gesellschaft großen Schaden zufügen, oder eben andere bildungsferne Menschen, die zumindest auf Kosten der Steuerzahler leben.

Ich möchte niemanden zum Sündenbock machen, der aus welchen Gründen auch immer in die Situation gekommen ist, seinen Kindern keine Perspektive zu bieten, aber ich finde es unverantwortlich und sehr egoistisch, Kinder in die Welt zu setzen, wenn man schon in einer Situation ist, in der man die Kinder nicht ernähren kann. Aus dem Grund sollte man die Gesetzeslage so anpassen, dass diejenigen die Möglichkeit bekommen würden, Kinder zu bekommen, die auch eine Leistung für die Gesellschaft erbringen.

Ein Kind, dass in einer dauerhaft von Hartz4 versorgten Familie aufwächst, wird vermutlich in der Regel diese Lebensweise auch im Erwachsenenalter fortführen, was natürlich auch an den geringeren Erfolgschancen bei der Schulbildung zu tun hat. Im Endeffekt subventioniert der Staat so Kinder, die zwar später die Renten sichern sollen, aber in Wirklichkeit nur Leistungsempfänger sein werden.

Den Begriff des Armutsrisikos kann ich nicht wirklich deuten: Es könnte bedeuten, dass die Wahrscheinlichkeit angegeben ist, dass jemand der bereits 3 Kinder hat, arm wird. Aber vermutlich ist es eher andersrum: Von den Familien mit 3 Kindern ist der gegebene Prozentsatz arm, unabhängig davon, ob man es schon war, bevor man Kinder hatte. Falls letzteres der Fall wäre, würde ich die Verantungslosigkeit eher bei den Eltern sehen, und es nicht beführworten, dass die Gesellschaft diese Probleme auffangen muss.

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Deine Idee wäre im Ansatz sinnvoll, aber weder optimal noch politisch durchsetzbar.

Wählerstimmen bekommt man, indem man die Armen entlastet, nicht indem man sie "bestraft". Deshalb wäre ein Politiker, der negatives Kindergeld vorschlägt, sehr schnell abgewählt.

Das Rentensystem basiert auf wachsender Bevölkerung. Es funktioniert nur, wenn es mehr Junge als Alte gibt. Wenn ärmere Leute keine Kinder mehr bekämen, wäre ein kompletter Systemumbau nötig. Davor haben Wirtschaft und Regierung verständlicherweise Panik.

Doppelverdiener würden trotzdem nicht mehr Kinder bekommen. Denn der Arbeitsmarkt würde Eltern nach wie vor bestrafen. Mütter finden schwerer Arbeit und werden auch noch schlechter bezahlt als Kinderlose. Teilzeit kann man(n) theoretisch beantragen, praktisch wird man(n) dafür von der Geschäftsleitung gemobbt.

Bevor Arbeit und Kinder vereinbar werden, muss ein Umdenken in der ganzen Gesellschaft stattfinden. Insbesondere Väter werden sich erst in Teilzeitstellen trauen, wenn sie dafür nicht mehr von (meist älteren) Kollegen diskriminiert werden. Kindergärten müssen flexiblere Öffnungszeiten bieten und so weiter.

Das heißt, solange der Betreuungs- und Arbeitsmarkt im 20. Jahrhundert feststeckt, sind Kinder während der beruflichen Karrierephase leider ein Problem.

Was also tun? Die moderne Medizintechnik bietet Lösungen:

Man sollte Paare dabei unterstützen, später Kinder zu bekommen. Eizellen und Sperma einzufrieren ist heute kein Problem mehr.

So könnten die Eltern lange studieren, Vollzeitkarriere machen, sich finanziell absichern, ein Haus bauen und so weiter. Wenn sie dann geistig reif und gut etabliert sind, ist die beste Zeit zum Kinderkriegen.

Das hätte sogar den positiven Seiteneffekt, dass die Eltern mehr Lebenserfahrung hätten und ruhiger wären. Es gäbe auch eine gewisse Auslese: Die Fitness bis ins hohe Alter würde sich vererben, so dass in wenigen Generationen alle Menschen länger leben.

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