Ist Kapitalismus besser als Planwirtschaft bzw. Kommunismus?

16 Antworten

Was ist was? Streichen wir mal Kommunismus, denn das ist eine Utopie, die sich erst lange nach einem erfolgreichen Sozialismus einstellen soll. Das ist eine Wunschvorstellung und die mit der Realität zu vergleichen ist unfair, weil in Wunschvorstellungen alles Hinderliche der Realität weggedacht oder erst gar nicht mitgedacht wird.

Kapitalismus und Planwirtschaft sind kein Widerspruch. Der reale Sozialismus war ein Staatskapitalismus, in dem die "führende Partei" über die Verwendung des gesellschaftlichen Kapitals entschieden hat.

Es gibt eigentlich seit Spezialisierung und Arbeitsteilung kein Wirtschaften ohne Kapital. Arbeitsgeräte und die Einrichtung von Arbeitsorten nennt man Kapital und ebenso Geld, das man sich z.B. leihen muss, um sich entsprechende Arbeitsgeräte zu besorgen. Bis zur Industriealisierung hatte das begrenzte Ausmaße (ausgenommen im Fernhandel, da wurden große Risiken finanziert). Arbeitseinrichtungen und menschliche Arbeit hielten sich die Waage. Mit der Industriealisierung haben nicht nur Maschinen als Arbeitsgrät einen Bedeutungssprung gemacht. Auch die Finanzierung der Maschinen und Industriellen Anlagen verlangte hohen Kapitaleinsatz mit entsprechenden Risiken. Seit diesem Qualitätssprung sprechen wir in der Ökonomie von Kapitalismus. Historisch war das mit Privateigentum verknüpft, weil nur wenige die Gelder hatten (Adel, reiche Händler und Banker), solche Industrieanlagen zu finanzieren.

Man sollte, wenn man genau sein will, mehrere Dinge trennen.

Kapitalismus bedeutet nicht unbedingt freien Wettbewerb. Adam Smith hat freien Wettbewerb als politisch-ökonomisches Programm der Aufklärung gegen den diktatorischen Feudalismus gefordert, als der Kapitalismus ökonomisch noch in den Kinderschuhen steckte. Dass Kapitalismus und freier Wettbewerb zusammengehören ist eine Ideologie. Da hat Marx recht, dass historisch das Aufkommen des Kapitalismus dem Niederringen des Feudalismus Bremsklötze zwischen die Füße geworfen hat, denn alte Feudalherren und große Kapitalgeber waren oft ein und dieselbe Person, die so ihre alte Macht in neuem Gewand fortführen konnten.

Man muss zwei Dinge trennen: Die neue Qualität der ökonomischen Organisation und die historisch gewachsene Verfügungsgewalt. Die Planwirtschaft ändert nicht die neue Qualität der ökonomischen Organisation (die treibt von allein immer weiter voran - inzwischen haben wir anstelle der Schwerindustrie die digitale Ökonomie) sondern nur die Verfügungsgewalt. Mir kommt die Planwirtschaft vor wie die behauptete "unsinkbare Titanik". Der Mensch übernimmt sich und das Konstrukt geht bei der ersten unvorhergesehenen Belastung unter. Die marxistische Wirtschaftstheorie hat in vielen Analysen richtig gelegen. Doch in ihrer klassenkämpferischen Fixierung auf zwei Klassen als Grundlage ihrer Analyse hat sie sich selbst zeitgebunden überholt.

In Rückgriff auf die Qualität der ökonomischen Organisation zusammen mit der Grundidee der Aufklärung, dass über möglichst freie Märkte alle freien Bürger möglichst großes Mitspracherecht erhalten (was heute nirgend wirklich gegeben ist) und zwar ökonomisch wie politisch, mit großer Vorsicht vor menschlicher Selbstüberschätzung aller Systemtheoretiker, wäre meiner Meinung nach ein neues Durchdenken nötig hin zu einer freieren Gesellschaft. Doch solange sich z.B. die sog. Sozialisten weigern, aus dem Desaster des Sozialismus und den Fehlern des Marxismus überhaupt Lehren zu ziehen, auf die reine Verteilungsseite fixiert bleiben, statt miteinzubeziehen, dass nur verteilt werden kann, was auch produziert wurde und dass die Anteile am Produzieren Berücksichtigung beim Verteilen beanspruchen können, solange sehe ich keinen Fortschritt sondern ein Schlittern von einer Krise in eine andere. Als Epikureer und Popperfan bin ich ein Gegener großer Entwürfe sonder bevorzuge das Abarbeiten von Reparaturlisten. Solange aber erst gar keine Reparaturlisten erstellt werden und einer nur dem anderen die Fehlerursache in die Schuhe schiebt, bewegt sich nichts.

Danke für Deine Antwort, berkersheim!

Ich verstehe inhaltlich das meiste, allerdings noch nicht alles. Aber das macht nichts, das kommt noch.

Du sprichst von dem Erstellen von Reparaturlisten und dem Abarbeiten dieser. Was sind deiner Meinung nach Dinge, Missstände, etc., die auf einer solchen Reparaturliste aktuell stehen sollten?

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@sophie1235

Prinziell ist mein Eindruck, dass der Trend zu mehr Größe, ob bei Banken, Konzernen, Staaten und Staatenverbänden (EU) die Tendenz zu weniger Demokratie und Mitbestimmung in sich hat. Auch die Entwicklungen unseres Parteiensystems halte ich für diskussionswürdig. Die verselbstständigen sich immer mehr, finanziell, verwaltungsmäßig (Parteibuchbeamtentum, Parteibuchkarriere im öffentlichen Dienst) und Medienmäßig. Die Rechssprechung soll unabhängig sein. Doch schaut man sich an, wo die Richter des Bundesverfassungsgerichts herkommen, ehemalige Politiker natürlich mit Parteibindung. Meiner Meinung nach sind bereits Seilschaften zwischen Politik, Medien, Großbanken und Großkonzernen entstanden, in denen man sich die Bälle zuschiebt über die Köpfe und auf Kosten der Bürger und ihrer Zukunft. Ich bin mir nicht sicher, wie weit das alles noch zurückzudrehen ist. Die jetzige Geld-, Euro- und Griechenlandpolitik enteignet nicht nur die Sparer als verdeckte Zusatzsteuer für "Vermögende" (es sind ja die kleinen Vermögen, nicht die großen), sie enteignet alle Vorsorge und wie in den USA werden die Rententräger in absehbarer Zeit pleite sein. Marktwirtschaftliche Regeln gelten in Ausnahmen doch nur für die kleinen und mittleren Unternehmen. Die Großen können sich von ihrem Versagen freikaufen. Die Manager wie die Politiker stauben weiter Millionen ab (VW, Flughafen Berlin), egal wieviel Mist sie zu verantworten haben. Es kommt eine Menge zusammen. Aber alles das bräuchte wache Bürger. Selbstbewusste und informierte, kritische Bürger. Aber die lassen sich von den Medien einlullen. Die lassen sich von einem Experten der ING DIBA erzählen, dass Frau Lagard im Recht ist, wenn sie verlangt, dass die deutschen Steuerzahler griechische Schulden übernehmen sollen. Die ahnen nicht, dass das ein Interessenvertreter einer Großbank ist, die schon bei der Erstkreditvergabe an Griechenland gut mitverdient haben, sich dann über den ersten Schuldenschnitt haben auslösen lassen. Wenn wir dann jetzt als Steuerzahler die Schulden Griechenlands übernehmen, bekommen die wieder Luft, neue Schulden zu machen. Bei wem wohl? Z.B. bei der ING DIBA. Und dann verdienen sie wieder und bei den einfachen Griechen kommt genausowenig an wie bei den ersten Milliardenschulden. Das ist Umverteilung von oben zu Gunsten der Reichen. Und die SPD z.B. spielt mit dabei! Den Schuldenschnitt müssten die tragen, die als erste mehr Kredite vergeben haben als Griechenland je bedienen konnte. Aber die haben es mit Hilfe unserer Politiker geschafft, diese Kredite auf die Steuerzahler zu verlagern. Und wer sich dagegen wendet ist rechts. Na bravo.

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@berkersheim

(zu deinem Kommentar; Teil I)

Marktwirtschaftliche Regeln gelten in Ausnahmen doch nur für die kleinen und mittleren Unternehmen. Die Großen können sich von ihrem Versagen freikaufen. 

Das ist allerdings purer Aberglaube, berkersheim. Er beruht auf der Annahme, es gäbe "unabhängige Kontrollsysteme". Doch in einer Gesellschafts-Wirtschafts-Form, in der Wirtschaft über Gesellschaft steht, ist das absolut ausgeschlossen. 

Zudem vernachlässigt es den Fakt, dass es zentrales Kernelement - und zugleich einer der größten Vorteile - der Marktwirtschaft ist, Störfaktoren und Beschränkungen völlig selbständig entweder zu beseitigen oder zu umgehen. Und "Kontrolle" IST "Störfaktor & Beschränkung" zugleich. Immer. Ausnahmslos.

Platt ausgedrückt: JEDES Unternehmen unterliegt dem absoluten Zwang, die Kontrolle zu umgehen, weil schon allein die Sorge, dass es anderen Unternehmen vorher gelingt und damit Marktanteile verloren gehen, ein mächtiger Motor ist.

Mithin ist exakt das, was du als störend empfindest, ZENTRALES WESEN der Marktwirtschaft. Du kannst es vielleicht verzögern; etwa durch rigorose Gesetzgebung und deren ebenso rigorose Verfolgung. Doch du kannst es nicht verhindern, ganz egal, was du dir einfallen lässt.

Aber alles das bräuchte wache Bürger. Selbstbewusste und informierte, kritische Bürger.

Auch das klingt nett; doch es ist nicht wirklich durchdacht. Denn was nutzen dir "selbstbewusste, informierte, kritische und wache Bürger", wenn sie gar nicht in der Lage sind, die Kontrolle auszuüben?

Auch hier nur ein Beispiel: Toll Collect; also die Firma, die zum Betrieb der Maut gegründet wurde. Die Verträge mit Toll Collect (T-Systems, SIEMENS, et al.) sind so geheim, dass nicht einmal die Abgeordneten sie sehen dürfen. Trotzdem - also OHNE EINSICHT IN DIE VERTRÄGE - musste der Bundestag letztes Jahr über die Fortführung der Verträge mit Toll Collect abstimmen.

Was es wirklich bräuchte, wäre TRANSPARENZ. Es wäre niemals möglich, beispielsweise Groß-Projekte des Staates so uferlos wuchern zu lassen, wie etwa den BER, wenn es Transparenz gäbe: Öffentlicher Zugang zu den Verträgen. Öffentlicher Zugang zu den Rechnungen. Das - und NUR DAS - könnte dem gepflegten Klüngel zwischen Industrie und Politik entgegenwirken.

Doch das würde ein völlig neues System erfordern. Eines, in dem Banken (wieder) nur Erfüllungsgehilfen sind. Eines, in dem die Luft nach oben immer dünner wird. Eines, in dem man umso leichter fallen kann, je höher man steigt.

... also ein System, das bestenfalls utopischer Traum ist und höchstens für kurze Zeitspannen aus der Utopie zu holen wäre.

Warum? Auch das ist einfach: Macht korrumpiert. Immer.

Sobald sich die ersten Machtansammlungen (Marktanteile, politische Macht, etc.) bilden, wird dieses "völlig neue System" in Windeseile ausgehöhlt, wie ein Schweizer Käse. Und wieder wäre es der "zentrale Motor der Marktwirtschaft", der das bewirken, befördern und beschleunigen würde. Denn "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst."

Die lassen sich von einem Experten der ING DIBA erzählen, dass Frau Lagard im Recht ist, wenn sie verlangt, dass die deutschen Steuerzahler griechische Schulden übernehmen sollen.

Naja, ... auch Frau Merkel und Herr Schäuble trugen (und tragen bis heute) ihren nicht unwesentlichen Teil dazu bei. Etwa, wenn Herr Schäuble insistiert, dass der IWF Dauergast der Griechenland-Rettung zu sein habe; obwohl er weder wirtschaftlich, noch finanziell, noch politisch involviert ist. Einfach nur als Rückendeckung für den neoliberalen Schwachsinn, den CDU, CSU, SPD, FDP und GRÜNE von Beginn der "Griechenland-Rettung" an verzapft haben und bis heute verzapfen.

Bis heute verschweigt der deutsche Finanzminister dem deutschen Volk die herbe Nachricht, dass seine Rechnung nicht aufging und nie aufgehen konnte; und dass der deutsche Steuerzahler sich schon mal auf Milliarden-Abschreibungen - "Schuldenschnitt" genannt - gefasst machen kann. Abschreibungen, die Varoufakis und Wagenknecht bereits vor dem ersten Rettungspaket ankündigten.

Worauf hat Schäuble also gesetzt? Darauf, dass er stirbt, bevor es soweit kommt? Oder glaubt er wirklich, es gäbe genug Einfältige unter den deutschen Steuerzahlern, die bereit sind, zu glauben, der IWF samt Frau Lagarde wären die eigentlichen Versager in diesem Spiel? Zumindest mit letzterem liegt er wohl doch nicht so falsch, hm?!

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@Unsinkable2

(zu deinem Kommentar; Teil II)

Aber die haben es mit Hilfe unserer Politiker geschafft, diese Kredite auf die Steuerzahler zu verlagern. Und wer sich dagegen wendet ist rechts.

Nicht ganz. "Rechts" ist eigentlich nur, wer nur "Nein!" sagt und dabei das Grundprinzip vernachlässigt, das ihm selbst im Großen und im Kleinen immer wieder den Hintern rettet, wenn er sich mal "neben der Spur" befindet: Solidarität. 

Der Rest ist "links". Und dieser "linke Teil" hat bereits vor rund 8 Jahren gesagt, dass es einen anderen Weg gibt. Einen, den vor allem jene finanzieren müssen, die sich an der Entwicklung des Problems eine goldene Nase verdienten. 

Und dieser Weg hieß: "Schuldenschnitt, solange die Verluste noch auf die Konten der Banken und Spekulanten gingen. Danach Rekapitalisierung mit langläufigen Krediten. Daraus folgt: NULL- bzw. NAHE-NULL-Verlust für den europäischen Steuerzahler. Und gleichzeitig steht Griechenland innerhalb weniger Monate/Jahre wieder auf den Beinen bzw. hat zumindest die - für den Steuerzahler risikoarme - Chance dazu."

Stattdessen sitzt man bis heute da und hofft auf die Selbstheilungskräfte der Marktwirtschaft...

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Wieder einmal: Chapeau, berkersheim! (Wie kann ich sichergehen, dass der Account nicht entführt wurde? ;))

Nur ein paar Anmerkungen:

Der reale Sozialismus war ein Staatskapitalismus

Binde dem Mädel doch nicht so einen Bären auf, berkersheim!

Auch Staatskapitalismus braucht ZWINGEND die "Profitmaximierung" als Zielvorgabe. Der essenzielle Unterschied zum "normalen" Kapitalismus, also jenem, der im Westen praktiziert wird, ist die Staatsbeteiligung an gewinnorientierten Unternehmen. Und davon war die DDR mit ihrem "real existierenden Sozialismus" weit entfernt. Stattdessen pflegte sie ein - zweifellos diskussionswürdiges - Umlage-Verfahren. (U. a. deshalb grenzte man sich auch vom "Sozialismus" mit diesem Begriff ab: Es war offensichtlich, dass der Weg eine Sackgasse war.)

Die Planwirtschaft ändert nicht die neue Qualität der ökonomischen Organisation (die treibt von allein immer weiter voran - inzwischen haben wir anstelle der Schwerindustrie die digitale Ökonomie) sondern nur die Verfügungsgewalt.

Das ist nur sehr bedingt richtig und grenzt selbst innerhalb dieser Bedingungen mehr an Religion als an Fakten.

Die "ökonomische Organisation" wird nicht, wie du suggerierst, von der Marktwirtschaft vorangetrieben. Plakative Beispiele umzingeln dich geradezu. Und beispielhaft sei die Flächenrodung von Urwaldflächen zur Bereitstellung von Palmöl genannt. Die einzige "ökonomische Organisation" ist das "Heuschrecken-Verhalten": Weiterziehen und die nächsten Flächen roden, wenn der aktuelle Boden nichts mehr hergibt. Zirkulation, Restaurierung oder auch nur Werterhaltung sind Fremdworte in dieser Planungsform.

Stattdessen wird EINZIG auf die Interaktion "Unternehmen - Markt" abgestellt und suggeriert, dies sei kraft ihres sporadischen Verhaltens eine nachhaltige Wirtschaftsform.

inzwischen haben wir anstelle der Schwerindustrie die digitale Ökonomie 

... was NICHTS am bestehenden Problem endlicher Ressourcen innerhalb einer zwangsweise unendliches Wachstum generierenden Wirtschaft ändert. Auch die "digitale Ökonomie" ist von (begrenzten) Ressourcen und dem "endlosen Wachstumszwang" abhängig.

Nur ein Beispiel aus einer unendlichen Reihe von Fehlkonstruktionen der Marktwirtschaft: Volkswagen selbst hat bekannt gegeben, dass der Konzern mindestens 2 Prozent Wachstum pro Jahr benötigt, um alle Beteiligten (Stakeholder, Angestellte, etc.) verlustfrei befriedigen zu können. 2. Prozent. Wachstum. Pro. Jahr. Und all das nur, damit niemand entlassen werden muss. Und immer unter der Maßgabe, dass der Automatisierungsprozess nicht voranschreitet; denn das ist für jede "soziale" Marktwirtschaft das Worst-Case-Szenario schlechthin.

Das mag nicht viel klingen. Doch du weißt sehr genau, was es bedeutet. Verkaufte VW in 2014 noch 10 Mio Autos, müssen es in 2035 bereits 15 Mio sein; in 2050 bereits 20 Mio; in 2070 schon 30 Mio und in 2085 mal eben 40 Mio. Nicht zur "Gewinnsteigerung". Nur - und einzig - zum Erhalt des status quo.

sophie1235 muss also schon in 25 Jahren 1,5 Mal so häufig ein Auto kaufen. Und ihre Kinder müssen erst 2, dann sogar 3 Mal so häufig ein Auto kaufen. Da heute statistisch alle 10 Jahre neue Autos gekauft werden, müssen schon ihre Enkel jedes Mal ein neues Auto kaufen, wenn der Tank das zweite Mal leer ist.

Nochmals: Der Konzern Volkswagen gewinnt dabei keinen einzigen Euro zusätzlich. Er schafft es bei dieser Verkaufsfrequenz nur, den status quo, also den aktuellen Stand, zu erhalten.

Und bei dieser kleinen Überschlags-Rechnerei haben wir noch nicht einmal berücksichtigt, dass auch andere Automobilkonzerne, Staubsauger-Hersteller, Fernseher-Produzenten, Bäcker, Friseure, und ... und ... und ... ihren Anteil von sophie1235's Kaufkraft brauchen, um nicht hinten rüberzufallen. Das Argument der "Prämissen-Verschiebung" kannst du also gleich in der Garage lassen, berkersheim. Selbst WENN sophie1235 ihre Prämissen verschiebt: Sie wird gar nicht in die Lage versetzt, alle zu bedienen. Sie kann sich also nur entscheiden, WER AM ENDE HINTEN VERHUNGERT.

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Nicht ohne Grund versucht die Marktwirtschaft deshalb ganz automatisch, dem entgegenzuwirken und (idealerweise) - Achtung! zentral gesteuerte ;) - Monopole oder (sekundär) - Achtung! zentral gesteuerte ;) - Oligopole zu bilden: 

Es ist nichts anderes als PLANWIRTSCHAFT, NUR EBEN IN PRIVATER HAND. Zentrale Steuerung unter vollständiger Marktbeherrschung. Allerdings mit dem Nachteil der Interesselosigkeit an Kostenfaktoren.

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=> Lange Rede, kurzer Sinn: Marktwirtschaft ist nicht lebensfähig. Sie kann kurzzeitig einspringen. Sie kann Lücken füllen. Aber sie ist NICHT IMSTANDE, NACHHALTIG zu wirken. Dazu fehlt ihr schlicht die Mechanik. Deshalb endet jeder ihrer Wege IMMER in der Planwirtschaft. Nur nennen wir das "Mega-Konzern" oder "Monopol", weil das als Ziel "hübscher" klingt und weniger irritierend in der Propaganda ist...

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@Unsinkable2

@Unsikable2

Nun ja, wie oft soll ich Dir noch sagen, dass wir beide einen verschiedenen Aberglauben haben. Den Deinen teile ich nicht. Schon die ersten beiden Sätze sagen mir wieder, dass ich mir Deinen Sermon zu lesen sparen kann. Wenn Du schon behauptest, ich glaubte an „unabhängige Kontrollsysteme“, dann Rückfrage: Unabhängig wovon? Ich bin bekannter- und bekennenderweise kein Systemfanatiker. Systeme werden von Menschen eingerichtet – manchmal auch unbewusst – und ausgefüllt und – das hat schon Karl Marx und besser noch Max Weber gezeigt, Systeme entwickeln eigene Tendenzen aus einer vorher oft nicht beachteten „inneren Logik“ heraus. Bevor jetzt jemand „Aha“ schreit – bitte genau lesen: Tendenzen, keine unumgehbare Automatik. Menschen können die selbstgemachten Systeme ändern, ihnen eine andere Steuerung geben usw.. Der Mensch ist meiner Meinung nach nie aus der Verantwortung. Auch die Hoffnung mancher, man müsse nur die richtigen Systeme einrichten, halte ich für eine totale Überschätzung des eigenen Vermögens.

Die Marktwirtschaft beseitigt gar nichts. Wenn sich Menschen an die selbst gesetzten Regeln halten und diese durchsetzen, hat dieses Verfahren eine höhere Flexibilität als eine starre Planwirtschaft. Selbst in der Planwirtschaft hat man – allerdings vergeblich – versucht, mehr Flexibilität einzubauen, weil man gemerkt hat, dass ein starrer zentraler Plan undurchführbar ist.

Dann kommt Deine grandiosen Sätze: „Und "Kontrolle" IST "Störfaktor & Beschränkung" zugleich. Immer. Ausnahmslos.“ Hast Du wirklich mal über diese Sätze nachgedacht? Das ist der größte Quatsch, den ich je gelesen habe. Du solltest mal das Wort „Kontrolle“ in seiner Bedeutung klären und dann seine möglichen Funktionen in einem Prozessablauf. Wenn man Kontrolle natürlich nur wie Stalin verstehen kann, werden die Sätze nachvollziehbar. Aber nicht überall ist Stalin.

Dann kommt schon der nächste Absolutheitsanspruch, was wohl Dein Markenzeichen ist. „JEDES Unternehmen unterliegt dem absoluten Zwang, die Kontrolle zu umgehen.“ Sowas entspringt einer krankhaften Vorstellung von Wettbewerb. In Deiner Vorstellung gibt es wohl nur Menschen mit Zwangssteuerung. Für Dich ist die Welt wohl ein Maschinenpark und wir nur noch Rädchen darin. Wenn es so ist, warum quälst Du Dir dann so lange Sermone ab? Auch zwanghaft? Deine Analyse: Maschine Marktwirtschaft taugt nicht – Erlösung kommt durch Kommunismusmaschine. Tja, Deine Glaubenszuversicht auf Erlösung wird nur noch von Rom übertroffen.

Damit habe ich ausreichend festgestellt, dass es zwischen uns keine Gemeinsamkeiten gibt. Also schon Deine Tastatur. Deine Begriffewelt ist eine Widerspiegelung Deiner Glaubensdogmatik. Wie kann man willkürliche Staatseingriffe „neoliberal“ nennen? Ich weiß, „neoliberal“ ist Dein Aufkleber auf alles, wo bei Dir „Feindbild“ aufleuchtet. Aufmerksame, noch nicht ideologisch verdorbene Leser werden allerdings den Kopf schütteln bei soviel dogmatischer Verzerrung. Deine Art, Worte wie „rechts“ oder „links“ so zu definieren, wie sie im Nachhinein zu Deinen Wünschen passen, ist mit Verlaub, zum erbrechen.

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Kapitalismus ist besser, weil dort alle Menschen eine Teilhabe haben, ob als Konsument oder als Produzent. Selbst ein Bettler oder Hartzer ist mit dem wenigen, das er hat, Teil des Systems und als solcher auch ein Entscheider, in welche Richtung die Entwicklung gehen soll, als eine Stimme unter Millionen von Stimmen, als ein Konsument unter vielen.

In der Planwirtschaft dagegen wird von einigen wenigen an der Spitze vorweg entschieden, was alle anderen gefälligst zu wollen oder zu brauchen haben. Da aber die wenigen, verhätschelten und meist sehr wohlhabenden Typen an der Spitze selten diejenigen sehen, die ganz unten stehen, stimmen vorgegebenes Angebot und tatsächlicher Bedarf oft nicht überein oder hinken einander hinterher.

Im Vergleich der Systeme darf man nie vergessen, daß hinter den Systemen ganz unterschiedliche Konzepte stehen, während der Kapitalismus viel auf Eigenverantwortung, Eigeninitiative und auch auf Unterschiede zwischen den Menschen setzt - nicht alle wollen das gleiche essen oder anziehen oder in gleichen Wohnungen leben, nicht jeder ist gleich faul oder fleißig oder wählt den gleichen Lebensweg - geht die Planwirtschaft von einem von oben verordneten rigorosen Einheitsbrei für alle aus, bei dem alles, was irgendwie aus der Reihe tanzt, unerwünscht ist und deshalb oft beseitigt wird (in Planwirtschaften sind die Gefängnisse voll mit "Dissidenten", als Abweichlern).

Ist Kapitalismus besser als Planwirtschaft bzw. Kommunismus?

Gestatte mir zunächst, deine Frage zu konkretisieren. Korrekt sollte sie lauten:

Ist Marktwirtschaft besser als Planwirtschaft?

Und die kürzestmögliche Antwort darauf lautet: "Im Großen nein; im Kleinen ja."

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Erklärung

Das ist auf die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Wirtschaftsformen zurückzuführen: Die Marktwirtschaft braucht die kurzfristigen Erfolge; sie kann weder größere Zusammenhänge implizieren, noch langfristige Planungen leisten. Die Planwirtschaft ist das genaue Gegenteil davon: Sie kann kurzfristig so gut wie gar nix reißen. Ihre Stärke liegt in der Einbeziehung von Zusammenhängen und langfristigen Plänen.

Infolgedessen ist die Marktwirtschaft agiler und kann relativ schnell und fast schon "vollautomatisch" auf Schwankungen im Markt reagieren. Stelle sie dir vor, wie viele kleine Schiffe, die Waren zu einer Insel bringen. Wenn's da mal stürmt, gehen vielleicht haufenweise Schiffe unter; aber einige erreichen immer den Hafen. Die Planwirtschaft ist in diesem Vergleich eher ein großes Schiff, das von einer einmal eingeschlagenen Richtung nicht mehr so schnell abzubringen ist; sich dafür allerdings auch um Stürme keine großen Sorgen machen muss.

Das gilt aber nicht ultimativ. Vielmehr sind es Tendenzen, die beide Wirtschaftsformen aufweisen.

Der große Vorteil der Planwirtschaft ist allerdings ihre Ressourcen-Nutzung. Sie ist schlicht sparsamer mit Ressourcen (Bodenschätze, Wald, Wasser, Menschen, etc.) als es die Marktwirtschaft naturgemäß sein kann.

Beispiel: Angenommen "Teak-Holz" (das ist ein tropisches Edelholz) wird wieder modern. 

In einer Marktwirtschaft ziehen dann noch am gleichen Tag Hunderte Unternehmen mit Motorsägen in den Wald und holzen so schnell wie möglich ab, was ihnen unter die Finger kommt. Das so gewonnene Holz wird umgehend auf den Markt geworfen, bis dieser entweder zusammenbricht (Überangebot), die Nachfrage sich auf, sagen wir, "Mahagoni-Holz" orientiert oder kein Teak-Holz mehr vorhanden ist.

In einer Planwirtschaft wird zunächst der Bedarf festgestellt und dann ein Ressourcen-Plan entworfen: Wie viel Teak-Holz gibt es? Wie können wir den Bedarf langfristig stillen? Welche weiteren Maßnahmen - etwa "Aufforstung" - brauchen wir dazu? etc. Erst dann beginnt der Holzeinschlag.

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Auch, wenn das Beispiel ein bisschen hinkt: Es ist sicherlich leicht zu erkennen, dass Marktwirtschaft und Planwirtschaft völlig unterschiedlich an die Dinge herangehen. Und nun ist die eigentliche Frage:

"Was ist dir wichtiger? Ist es wichtiger, schnell Teak-Holz zu bekommen? Oder sollen auch die Kinder noch Teak-Holz haben können?

Je nachdem, was dir wichtiger ist, wird auch deine Antwort ausfallen: "Marktwirtschaft" oder "Planwirtschaft".

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Im Großen ist die Planwirtschaft also ... nun, sagen wir, "logischer", weil sie nachhaltiger mit den Ressourcen umgeht. 

Im Kleinen ist jedoch die Marktwirtschaft eindeutig im Vorteil. 

Beispiel: Brötchen vom Bäcker.

Die Planwirtschaft würde erst mal Analysen machen, wie viele Brötchen gebraucht werden, welche Sorten angeboten werden sollen, etc. 

Die Marktwirtschaft pfeift wieder darauf und bietet einfach an: Wird's gekauft, wird mehr davon produziert. Wird's nicht gekauft, wird eben weniger oder gar nichts davon produziert. So kann man blitzschnell auf Änderungen im Geschmack der Leute reagieren.

Eine "deckelnde" Planwirtschaft bräuchte sich also nicht mit den Details befassen, sondern könnte sich mit der Frage nach "Wie viel Mehl, Salz, etc. wird von diesem Bäcker benötigt?" zufrieden geben und dementsprechend steuernd auf die Landwirtschaft einwirken.

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Insofern wäre die vollständige Antwort auf deine Frage:

  1. Es hängt von deiner persönlichen Perspektive ab. Bevorzugst du schnelle oder langfristige Lösungen?
  2. Keine der beiden Wirtschaftsformen ist für sich allein "besser". Sie können aber im Zusammenspiel ihre jeweiligen Stärken ausspielen, ohne dabei die eigenen Nachteile allzu wirksam werden zu lassen.

Ziemlicher Unsinn...:-) Es ist offensichtlich, dass die Planwirtschaften des vermeintlich real existiert habenden Sozialismus nicht im entferntesten "nachhaltiger" mit natürlichen Ressourcen umgegangen sind.

Vielmehr haben sie solche natürlichen Rahmenvoraussetzungen, u.a. Umweltverschmutzung, gar nicht erst preislich bewertet! Nur so lässt sich z.B. "Bitterfeld" und der ganze DDR-Dreck erklären...

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@atzef

Es ist offensichtlich, dass die Planwirtschaften des vermeintlich real existiert habenden Sozialismus nicht im entferntesten "nachhaltiger" mit natürlichen Ressourcen umgegangen sind.

Ist es das? Das "System SeRo" - also die Rückführung von Sekundär-Rohstoffen in den Wirtschaftskreislauf - beispielsweise hat in der DDR wunderbar funktioniert. So wunderbar, dass verschiedene Länder das System adaptierten und sich dazu Experten aus der DDR einkauften.

Der "Duale Punkt" (eine Kopie des SeRo aus der DDR; allerdings nach "marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten" optimiert) macht hingegen fast nur Negativ-Schlagzeilen; beispielsweise bei der Verklappung von Elektro-Schrott in afrikanischen Häfen und Küstengebieten.

Vielmehr haben sie solche natürlichen Rahmenvoraussetzungen, u.a. Umweltverschmutzung, gar nicht erst preislich bewertet! Nur so lässt sich z.B. "Bitterfeld" und der ganze DDR-Dreck erklären

Es steht zweifellos außer Frage, dass die Planwirtschaft in der DDR nicht "perfekt" umgesetzt wurde. Doch wenn ich mich richtig entsinne - du kannst mich gern korrigieren -, war die Frage nicht nach der Planwirtschaft der DDR, sondern nach Planwirtschaft im Allgemeinen.

Und du kannst dich gern informieren: Es gibt nur wenige Ökonomen, die der Ansicht sind, dass die Planwirtschaft der Marktwirtschaft nicht in allen makroökonomischen Belangen vollständig "überlegen" wäre. 

Dass man sie dennoch nicht in Betracht zieht; ist eine POLITISCHE, bestenfalls noch eine finanzielle Entscheidung; aber keine ökonomische. Denn Planwirtschaft setzt einen starken Staat und eine ihm strikt folgende Wirtschaft voraus; also das genaue Gegenteil dessen, was Reichtum und Macht in unserem Land ausgeklüngelt haben...

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Hi,-was meinst du mit besser? - Effizienter? Wenn ja, effizienter für oder in Bezug auf Wen oder Was? Wer Zeitung ließt und Nachrichten schaut erkennt wahrscheinlich schnell, dass beides in der Form wie es bislang praktiziert wurde einfach nur bescheuert ist und ein Ettikettenschwindel im Sinne einer Ideologie.

Anmerkung: bei den Auswirkungen des Kapitalismus können wir uns tatsächlich auf langjährige konkrete Erfahrungen beziehen. Kapitalismus scheint jeder ok zu finden, solange er nicht direkt von seinen Auswirkungen betroffen ist.- Was den Kommunismus betrifft funktioniert das im Konkreten eher nicht - den gab es realexistierend nämlich so noch gar nicht. Was sich da so nannte war "Staatskapitalismus" wobei du dir hier als "Staat" nicht eine Wirtschafts- sondern eine Funktionärselite vorstellen mußt. Es geht da also um zwei Varianten von Kapitalismus bei denen sich Variante 1 im Sinne einer Wertschöpfungseffizienz als "besser" erwiesen hat - zu Lasten derer, zu denen wir sicher nicht gehören möchten.

Ein funktionierender Kommunismus wäre für den Einzelnen das beste System. Nur leider hat noch niemand eine Möglichkeit gefunden, die menschliche Gier und die menschliche Faulheit auszuschalten. Daher ist bis her jeder Versuch kläglich gescheitert.

Grundsätzlich muss man den Märkten die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und ihr Gleichgewicht zu finden. Der Versuche von sozialistischer oder kommunistischer Planwirtschaft haben nie funktioniert. Der reine Kapitalismus jedoch endete immer in Ausbeutung und Unterdrückung.

Ich denke, unsere soziale Marktwirtschaft als Kapitalismus mit sozialem Boden ist kein schlechter Ansatz.

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