Ist julius cäser tod gerechtfertigt?

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5 Antworten

Die Antwort auf die Frage wird immer unsicher sein. Es wird Menschen geben, die die Frage bejahen, Menschen, die sie verneinen. Die Gründe für die Antworten können mannigfaltg sein, die meisten Menschen bewerten die Geschichte aus ihrer Zeit heraus.

Ich möchte so antworten: Caesars Ermordung war nicht unlogisch.

Die römische Republik war schon lange vor Caesar nicht mehr das, was sie angeblich zur Zeit der Vorfahren gewesen sein soll. Jedenfalls war Rom nicht mehr der Stadtstaat, als welcher es seine Weltkarriere begann. Rom wurde ein italienischer Flächenstaat und seit den punischen Kriegen durch sein Vordringen in die griechisch-hellenistische Staatenwelt allmählich ein Weltreich. Durch den kulturellen Einfluss der griechisch-hellenistischen Staatenwelt öffneten sich die Römer, konkret: die römischen Führungsschichten neuen und "modernen" - im damaligen Sinne - Vorstellungen und Ideen auf vielen Bereichen des Alltags und der Politik. Damals konstruierten die Römer ihre angeblich trojanische Abstammung und gaben vor, Teil des griechischen Kulturkreises immer schon gewesen zu sein. Im 1. Jahrhundert v. Chr. traten auch immer mehr Einzelpersönlichkeiten in den politischen Vordergrund, die sich ihrer besonderen Leistungen und Stellung bewusst waren und entsprechende Ehrung und Berücksichtigung erwarteten. Marius und Sulla gingen voran, aber der erste "Princeps" war dann Pompeius, der sich den Regeln der republikanischen Politik nicht mehr gebeugt hat, sondern zusammen mit Crassus und Caesar seine Interessen rücksichtslos durchsetzte. Crassus verschwand bald von der politischen Bühne, es blieben Pompeius und Caesar, die beide für ihre persönliche Machtstellung das damalige römische Reich in einen langwierigen, blutigen Bürgerkrieg stürzten. Zwar hat Caesar den Sieg davon getragen, aber hätte Pompeius gewonnen, wäre auch er ein "Caesar" geworden. Jemand hat die "clementia Caesaris" angeführt: man darf sich von dieser Propaganda nicht blenden lassen. Es mag sein, dass Caesar eine gewisse persönliche Neigung zur Milde hatte, aber er konnte auch rücksichtslos-brutal sein. Es war vernünftig genug, zu versuchen, sich durch Großzügigkeit die Mitarbeit erfahrener Senatoren und Ritter zu sichern - und sie haben ihm schließlich durch ihre Beschlüsse auch gewährt, was er brauchte und wollte: die Diktatur auf Lebenszeit. Ob er die Monarchie in ihrer eindeutigen Form mehr oder weniger anstrebte, ist umstritten. Der Verdacht bestand, und das schuf ihm Neider, Rivalen und Gegner, die er anders als Octavianus/Augustus nicht mit seiner Stellung zu versöhnen verstand. Möglicherweise hat ihn dieser Versuch, mit der alten römischen Elite zu kooperieren, das Leben gekostet. Antonius und Octavianus/Augustus ließen von der alten republikanischen Elite, die als Rivalen aufzutreten wagten, nicht mehr viel übrig.

Pompeius wurde ermordet, Caesar auch. Was geschah? Niemand der Verschwörer hatte einen Plan, was nach der Ermordung Caesars geschehen sollte, wie man die Republik mit der Stellung herausragender und erfolgreicher Politiker vereinbaren könnte. Wiederherstellung der Republik? Fehlanzeige Die Republik war seit Jahrzehnten im Grunde tot. Pompeius und Caesar wurden durch zwei - im Grunde vier - neue Rivalen ersetzt: Antonius und Octavianus/Augustus gegen Brutus und Cassius, danach Octavianus/Augustus gegen Antonius. Siegreich war Octavianus/Augustus, der seine Feinde vernichtete, den vielen neuen Senatoren und Rittern, die Augustus ihren Rang verdankten, die für die Republik gewöhnliche Stellung und Ehrungen überließ, sich die wesentlichen republikanischen Machtbefugnisse und vorallem den Befehl über das Gros der Legionen übertragen ließ. Augustus war Monarch, gestützt auf seine Legionen, ausgestattet mit den wesentlichen Machtbefugnissen der Republik, die er gemäß Senatsbeschluss als Sondervollmachten erhielt, und von seiner Stellung offiziell nicht mehr als der "princeps senatus", ein republikanisches Ehrenamt.

MfG

Arnold

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Das müsste man wohl mit Brutus ausdiskutieren.

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Nein, Caesar war die letzte Hoffnung der Republik.

Durch den Mord verspielten Brutus, Cassius und co. die Chance auf eine Restaurierung der Republik und provozierten einen erneuten Bürgerkrieg mit Octavians Aufstieg als Folge davon.

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Kommentar von PayamNeu
18.06.2017, 01:58

die römische geschichte scheint wirklich interessant zu sein :)

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Wie definierst Du die Rechtfertigung eines Todes? Da jedes Lebewesen nur endlich lange lebt, ist die Antwort wohl "ja".

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Das kommt drauf an. Er hat gegen die Befehle des Senats seine Truppen befehligt und hat in Gallien brutale Kriege geführt, bei denen er viele Zivilisten abgeschlachtet hat.

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Kommentar von ScoreMagnet
18.06.2017, 01:58

Und wer auch immer den Dislike gegeben hat: Das stimmt. Falls du dich auf de bello gallico beziehen willst: Ein Buch, das er selber geschrieben hat, glorifiziert ihn natürlich

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Kommentar von Antimachiavell
18.06.2017, 01:58

Das war jedoch nicht der Grund für seine Ermordung.

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Kommentar von ScoreMagnet
18.06.2017, 02:00

Ja, deswegen schrieb ich "Das kommt darauf an". Er war einerseits ein äußerst brutaler Diktator, aber andererseits auch wichtig.

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Kommentar von ScoreMagnet
18.06.2017, 02:27

Antimachiawell: Glaube das nur, wenige Minuten Google werden dir beweisen, dass er selbst für damals äußerst brutal vorging

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