ist Judas in der Hölle?

10 Antworten

Hallo!

Die moderne Theologie kennt beispielsweise den Ansatz der Hoffnung auf Vollendung aller. Er besagt, dass jeder Mensch in der Begegnung mit Gott, (der die Liebe ist), selber im Angesicht dieser Liebe erkennen kann, wo er dieser Liebe im Leben entsprochen hat, oder auch nicht und daran vorbei lebte. Das ganze funktioniert aus theologischer Sicht deshalb, weil der Mensch vernunftbegabt ist und aus dieser Vernunft heraus ist ein solches erkennen möglich. Es ist also nicht Gott der, der richtet, sondern der Mensch selbst erkennt und richtet sich. Gott aber richtet den Menschen auf und hilft ihm richtigzustellen, was in seinem Leben misslungen ist. > Darin besteht also das Gericht. Der Mensch bekommt von Gott die Möglichkeit, in seine Ewigkeitsdimension einzutreten; selbst, wenn er sich der Liebe Gottes in seinem Leben verschlossen hat. Dieser "Läuterungsprozess" kann natürlich von Person zu Person unterschiedlich ablaufen (und muss ja auch..). Dennoch besagt das nur, dass Gott keinen verloren gibt (und/oder verdammt), sondern, dass Gott jedem auch im letzten Moment noch die Möglichkeit gibt umzukehren. Es ist aber ebenso nötig zu denken, dass es für den Menschen möglich ist dieses Liebensangebot Gottes abzulehnen, da die Theologie die Willensfreiheit des Menschen lehrt. Das würde dann Gottesferne bedeutet. (Das ist das was die Theologie auch unter Hölle versteht.) Dennoch kann man fragen, ob Gott nicht ein solches Liebesangebot dem Menschen macht, dass sich kein Mensch dem verweigern will. Daher kommt der Gedanke, dass die Hölle leer ist/ sein könnte.

Diese Argumentation würde dann auch Judas, Hitler o.ä. Persönlichkeiten einschließen, von denen man aus menschlicher Perspektive sagen würde, dass es für sie wohl kaum möglich wäre in den Himmel (die Gemeinschaft mit Gott) zu kommen.

Und noch was..: Wenn Jesus (von dem wir sagen, dass er wahrer Mensch und wahrer Gott ist) die Menschen doch immer wieder zur Feindesliebe aufruft.. Mit welcher Berechtigung können wir Menschen dann behaupten, dass Gott seine Feinde verwirft.

Natürlich könnte man jetzt auch noch diskutieren, in wie weit der Verrat im Heilsplan Gottes inbegriffen war (was dem dann einen anderen "Wert" geben würde). Die Aussage der Kirche, dass Christus durch seinen Tod die Menschen erlöst hat, setzt aber nicht voraus, dass Gott das Leben Jesu auf den Kreuzestod hin ausgerichtet hat. Vielmehr kann man auch sagen, dass der Kreuzestod zeigt, wie weit Gott bereit war zu gehen (nämlich bis zu Äußeren> Dem Tod wie eines Verbrechers am Kreuz).

Eine Antworttendenz dazu kann man direkt aus den Evangelien ableiten: als Jesus beim Abendmahl sein eigenes Ende und Judas' Verrat ankündigte, sagte er, für seinen Verräter wäre es besser gewesen, er wäre nie geboren worden. Insofern kann man wohl davon ausgehen, dass Judas zumindest nicht in den Himmel aufgenommen werden wird.

In der Hölle ist er trotzdem nicht, weil es diese Hölle garnicht gibt. Sie ist eine Erfindung der Kirche, abgeleitet von den Unterweltsmythen anderer alter Religionen. Die Bibelstellen und diversen Jesusworte, die gern zur Rechtfertigung der kirchlichen Höllenlehre herangezogen werden, sind fehlerhaft übersetzt worden - wahrscheinlich in vollem Bewusstsein, und mit böser Absicht. Das liegt zumindest bei Luthers Übersetzung praktisch auf der Hand, und auch die Katholiken berufen sich auf die gleichen Texte.

Natürlich ergibt sich durch Jesus' Vorankündigung des Verrats noch ein anderes Problem: diese Begebenheit spielt den Befürwortern der menschenverachtenden "Prädestinationslehre" in die Hände. Hatte Judas überhaupt die Wahl, ob er Jesus verraten wollte? Laut Jesus selbst nicht, denn er "musste" ja seinen Feinden ausgeliefert werden, um seine "Mission" auf Erden zu erfüllen. Wenn Judas' Verrat aber von oben her vorbestimmt war, wie kann er dann für diese Entscheidung, die Jesus ja letzten Endes sogar seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt hat, bestraft werden?

Die Bibel spricht beim Tod nur von zwei Alternativen — vorübergehende Nichtexistenz mit Hoffnung auf Auferstehung oder ewiger Tod. 

Wer keine Auferstehung verdient, kommt in die „Gehenna“ oder den „Feuersee“ (Matthäus 5:22; Markus 9:47, 48; Offenbarung 20:14). Das bedeutet ewiger Tod ohne Hoffnung auf Auferstehung.

Dazu gehören die ersten Menschen, Adam und Eva, der Verräter Judas Iskariot und Personen, die durch ein göttliches Strafgericht umgekommen sind, wie die Zeitgenossen Noahs oder die Bewohner von Sodom und Gomorra.

Alle, die auf eine Auferstehung hoffen dürfen, kommen beim Tod in den Scheol oder Hades — das allgemeine Grab der Menschheit. 

Judas ist also in keiner Hölle. Diese Höllenlehre ist unbiblisch. Er ist für ewig Nichtexistent.

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