Ist Integration eine Einbahnstraße?

Das Ergebnis basiert auf 23 Abstimmungen

Jein 35%
Ja, weil 30%
Nein, weil 17%
Sonsitges 17%

16 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Nein, weil

Integration ist keine Einbahnstraße, denn der Mensch der sich Integriert muss auch auf Menschen treffen die diesen Menschen integrieren wollen. D.h. auf beiden Seiten muss es Anstrengungen geben. Wenn sich ein Migrant bspw. auf dem Bürgeramt sehr viel Mühe beim Deutsch sprechen gibt, dann muss man auch die Geduld aufweisen und das anerkennen.

Aber aus meiner Sicht ist dieser Integrationsbegriff der heute politisch gebraucht wird sowieso vollkommen falsch und fast schon rassistisch. Der heutige Integrationsbegriff leitet sich aus dem Gedanken ab, dass es in Deutschland eine "Leitkultur" gäbe, die alle Deutschen eint und aus einem Menschen einen Deutschen machen. Aber 1. stimmt das nicht, denn auch ohne Migranten wäre unser Land sehr divers und es gäbe sicherlich nicht eine einzige Sache die ALLE Deutschen charakterisiert und 2. wird der Integrationsbegriff lediglich auf Migranten angewendet obwohl die Abwesenheit von Integration auch bei Deutschen vorzufinden ist.

Deswegen muss der Integrationsbegriff im öffentlichen Diskurs eine neue Bedeutung bekommen. Integration darf nicht ein politischer Begriff der Migrationspolitik sein, wo ein Fremder sich bei den Einheimischen andienen und anpassen muss. Sondern er sollte für alle Menschen in Deutschland gelten.

Wenn bspw. gesagt wird: Ein Migrant der kein oder schlechtes Deutsch spricht, nicht arbeitet, kriminell ist, usw., dann ist er nicht integriert. Da ich selbst schon mit vielen Arbeitslosen gearbeitet habe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen - bis auf die Tatsache, dass manche von den Leuten mit denen ich gearbeitet habe einen deutschen Pass haben - passt dieser Integrationsbegriff auch auf viele Deutsche die am Rande der Gesellschaft leben.

War der Terrorist von Halle integriert? Waren die NSU-Terroristen integriert? Waren Menschen die aus Einsamkeit oder Armut Selbstmord begehen integriert? Nein, waren sie nicht.

Der Staat hat in den letzten 20 Jahren sich zunehmend aus der Gestaltung und Förderung des zivilgesellschaftlichen Zusammenhalts zurückgezogen, indem er durch Sparpolitik und eine arbeiterfeindliche Wirtschaftspolitik Strukturen zerstört hat, an denen Integration stattfinden könnte. Vereine, Bildungszentren, Freizeitzentren, Sportstätten, Musikschulen werden zunehmend geschlossen oder sind für viele Leute unerschwinglich. Viele Ort wo desintegrierte Menschen leben, sind arm und es gibt keinerlei Anlaufstellen, wo Integration stattfinden kann.

Daher ist Integration keine Einbahnstraße und auch kein Entgegenkommen von Deutschen und Ausländern, sondern es ist eine Aufgabe derjeniger die durch gute ökonomische, soziale und kulturelle Verhältnisse in der Mitte der Gesellschaft sind, diejenigen mit einzubeziehen die durch schlechte ökonomische, soziale und kulturelle Verhältnisse an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden.

Ja, weil

sich der Einwandernde den Grundwerten (bei uns Menschenrechte westlicher Prägung, Trennung von Kirche und Staat etc...) seiner neuen Heimat anschließen muss um tatsächlich integriert werden zu können.

Natürlich kann sich auch ein Einwanderer diesen Werten verschließen, aber er wird dann auch ein Fremdkörper in der Gesellschaft bleiben (genau wie eingeborene Reichsbürger oder Extremisten aller Couleur).

Wer mit was kocht und ob mit Stäbchen oder Gabeln gegessen wird ist sekundär...

Jein

Die Menschen, die im Land leben müssen sich nur bedingt ändern.

Dumme Nazis müssen sich ändern. Menschen müssen ihre Vorurteile loswerden.

Der Staat muss Einwanderer aktiv integrieren.

Das gilt für ein Land wie Deutschland. In anderen Ländern ist das so ohne weiteres nicht gültig.

Der Staat muss Einwanderer aktiv integrieren.

Das klingt zwar schön, funkrioniert aber auch nur, wenn der zu integrierende Mensch aktiv mitarbeitet.

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@DieSchildmaid

An der Mitarbeit der Menschen liegt es oft nicht, zumindest anhand meiner persönlichen Erfahrungen bei meiner Tätigkeit in einem Flüchtlingscamp.

Die Integrationsmaßnahmen sind überwiegend das Problem.

Zwar werden Deutschkurse angeboten und fragwürdige Unterkünfte, aber der Staat tut Recht wenig einen Flüchtling in den Arbeitsmarkt, die Bildung und Wohnungsmarkt zu integrieren.

Dabei sind genau das Maßnahmen, die Frustration senken würden.

Bei uns im Camp wohnen mind 2 Flüchtlinge in einem Container, der ca 4-5 mal 2 Meter groß ist. Ausgelegt und geplant ist das ganze für 3 pro Container.

Sobald ein Flüchtling Einkünfte erzielt, muss er die Miete selbstständig zahlen, was bei ca 250 Euro monatlich liegt.

Ein Job, der ehrlich und fair bezahlt wird ist fast aussichtslos, eine Ausbildung oder ein besserer Schulabschluss ist nahezu unmöglich zu finden, bzw es mangelt schon an guter Beratung. Diejenigen die arbeiten bekommen nicht mehr als ca 800 Euro im Schnitt.

Damit eine Wohnung zu finden, die bezahlbar ist ist schwer und der feuchte Traum eines Vermieters ist ein Flüchtling auch nicht gerade.

Das Ergebnis ist, dass sie weiter in dem Camp verbleiben, trotz Vollzeittätigkeit und trotz ausreichender Deutschkenntnisse.

Da im Camp die Toiletten und Küchen gemeinschaftlich geteilt werden, sehen sie eben aus wie die schlimmste Bahnhofstoilette, was nicht an Unsauberkeit der Flüchtlinge liegt, sondern am genau gleichen Effekt, weswegen eine Bahnhofstoilette so aussieht, wie sie aussieht. In die Küche kommen teilweise Ratten.

Der Flüchtling arbeitet Vollzeit, versauert in einer zu engen Unterkunft, die teuer ist, ist unhygienischen Bedingungen ausgesetzt, kann trotz Sprachkenntnissen keine würdige Existenz aufbauen und dann wird ihm noch vorgeworfen, er sei undankbar und verweigere die Integration.

Natürlich gibt es auch Menschen, die nicht wollen oder können. Wir haben einen Flüchtling, der Alkoholkrank ist durch die miterleben Kriegshandlungen und 2 Flüchtlinge, die 21 Jahre alt sind und nur Blödsinn im Kopf haben, aber auf über 300 Flüchtlinge sind es ca 1%

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@Lazybear

Ja, die prekären Bedingungen sind natürlich menschenunwürdig und ein riesiges Problem. Das geht gar nicht.

Auch finde ich es ungünstig, dass die Flüchtlinge nicht besser verteilt werden. Also individueller, in kleineren Wohneinheiten. Wenn sie in so einer grossen Gruppe sind, wo alle zum Beispiel Arabisch sprechen, sehe ich nicht, wie sie da Deutsch lernen sollen.

Diese überfüllten grossen Unterkünfte sind doch das reinste Ghetto.

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@DieSchildmaid

So ist es.

Die Leute sind nicht anders als wir und sie wollen auch keine Sonderbehandlung, was sie wollen ist einfach gleiche Chancen zu haben und genau da hat der Staat meiner Meinung nach versagt.

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In erster Linie sollte sich selbstverständlich der Einwanderer ändern, sprich sich integrieren. Aber auch die Menschen im Land sollten sich anpassen und entsprechend ändern für ein optimales Miteinander.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Integration ist erster Linie eine Bringschuld der Person, die einwandert.
Diese will etwas von uns bzw. dem Land und nicht umgekehrt herum.
Das sollte eigentlich selbstverständlich sein und ist auch überall sonst so auf der Welt.

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