Ist Individualismus etwas schlechtes?

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6 Antworten

Mit dem Individualismus verhält es sich, wie mit allem anderen auch - eine einfache schwarz oder weiß Kategorisierung ist nicht möglich. Gleichmaßen trifft es auch auf die Anpassung zu, diese stellt natürlich keine Ausnahme da.

Bevor man sich jedoch an eine Überlegung zu diesem Thema wagt, muss der Rahmen festgelegt werden, in dem man sich bewegt. Bei einer Einschätzung von positiv und negativ, bewegen wir uns grundsätzlich in einem subjektiven Rahmen und können, gerade im Detail, keine allgemeingültigen Aussagen treffen. 
Warum dies so ist und warum man für manche Einschätzungen auch mit Gegenwind rechnen müsste, kann man an der Stelle auch gleich als Beispiel heranziehen - geschuldet ist das schließlich der Individualität.

Die Individualität beschreibt in erster Linie nicht mehr als den Umstand, dass sich Menschen in bestimmten Merkmalen unterscheiden - die von dir genannten Beispiele treffen hier zu. Ergänzen würde ich deine Beispiele noch um drei ganz entscheidende und das ist das Weltbild, die Moral und die Ethik. 
Eben aus diesen drei Faktoren heraus, wird eine detaillierte Tendenzbeurteilung in "eher positiv/neutral/eher negativ" et cetera immer an Kritiker stoßen - wir unterscheiden uns genau in dieser Einschätzung. Was das fördert ist einen Diskurs und einen Austausch, denn wer gegen eine Meinung spricht, hat zumeist selbst eine und so werden einzelne Argumente und Sichtweisen ausgetauscht und debattiert. Würde ich also die Antwort schließen mit dem Satz:

"Der Individualismus ist eher positiv einzuschätzen."

dann wird sich vermutlich jemand an einem gewissen Punkt denken "Nein, dass sehe ich anders, in meinen Augen ist eher negativ weil [...]" - und das ist in meinen Augen, wie erwähnt befinden wir uns in einen subjektiven Rahmen, großartig.
Eben dieser Austausch von Gedanken ist, wenn eine angemessene Diskussionskultur gepflegt wird, sehr wertvoll und fördert auch eine Entwicklung im eigenen und womöglich sogar gesellschaftlichen Denken. Wie groß solche "individuellen Ausbrüche" sein können, zeigt beispielsweise die Aufklärung, die einen ungemein wichtigen Impuls, für den gesellschaftlichen Fortschritt geliefert hat - auch wenn vieles davon immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint.

Ohne diese individuellen Impulse, ohne den Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, würde es das nicht geben. Es gäbe keine Diskussionen, keine Gespräche und daraus resultierend auch keine konstruktive Weiterentwicklung. Es würde eine völlige Stagnation einziehen und das wäre pures Gift, denn den Individualismus kann man nicht abschaffen - ihn nur in die Köpfe verbannen.
Kein Mensch kann sich vollends von jeder Individualität frei machen. Das beginnt bei der Optik, geht über die sexuelle Orientierung bis hin zu weiteren Vorlieben und dem Intellekt. 

Menschen sind von Grund auf ungleich, ähnlich aber nicht gleich. 

Allerdings hat dieser positive Effekt des Individualismus dort seine Grenzen, wo ein Austausch gar nicht mehr möglich ist. Damit wir beispielsweise miteinander kommunizieren können, bedarf es eine Grundlage - so beispielsweise eine angemessene Diskussionkultur, die persönliche Angriffe ausschließt. Es gibt dementsprechend einen gemeinsamen Konsens, einen Rahmen, in dem wir diesen Individualismus ausleben können.

Dieser gemeinsame Konsens sichert unser Zusammenleben. So haben sich über viele Jahre hinweg Grenzen etabliert, die sich in Gesetzen manifestierten. So wird beispielsweise, über jeweilige Konsequenzen, geregelt, dass man nicht mordend durch die Stadt laufen oder über eine rote Ampel fahren darf - diese Handlung wäre die Konsequenz eines radikalen Individualismus und dieser wäre entsprechend, so denke ich, vollends destruktiv. Wenn jeder tut und lässt was er möchte, bricht das gesellschaftliche Zusammenleben zusammen. 

Diese besagte Grenzsetzung darf man natürlich kritisieren und die Grenzen verschieben sich auch immer wieder - ein Blick auf die Homosexualität genügt an der Stelle. Jedoch dürfen sie nicht blindlings von jedem übergangen werden und wir müssen uns an diese Anpassen. 
Ein gravierendes Problem entsteht durch die Anpassung jedoch in seiner radikalen Form. Jeder müsste, in einem System welches ein enges Korsett von Verhaltens- und Denkweisen vorschreibt, Teile seiner selbst vollends zurückstellen. Es gäbe dementsprechend auch keinen Nährboden mehr, um dieses zu kritisieren und einer Veränderung herbeizuführen.
Gerade in seiner radikalsten Form wird die Angepasstheit zu einem teilweise qualvollen Zwang zu Unterdrückung.

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Anpassung und Individualität stehen, wenn sie einen positiven Effekt erzeugen wollen, in einer Wechselwirkung. In ihren radikalen Formen befeuern sie entweder Unterdrückung oder Anarchie - zwei Formen des Zusammenlebens, die ich ablehne. Gleichen sich beide jedoch aus, so bieten sie, im einem utopischen Optimalfall, persönliche Freiräume und "individuelle Ausbrüche" aber gleichzeitig auch einen Rahmen, der ein friedlichen Zusammenleben sichert. 

Also ja, Individualismus ist wichtig, ungemein wichtig sogar. Wenn man diesen ablehnen würde, sich eben nicht mehr seines eigenen Verstandes bedient, fördert man damit gleichermaßen das gegenüberstehende Extrem und das halte ich nicht für ein erstrebenswertes Ziel.

Liebe Grüße.

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Hallo!

Das kommt drauf an, wie man sich als Individualist bezeichnet bzw. wie man diesen dehnbaren Begriff persönlich definiert. Eigene Wege zu gehen, sei es klamottenmäßig oder von der menschlichen Denkweise her, finde ich ist nie verkehrt & es zeugt auch von einer gewissen Stärke, die man beweist wenn man sich nicht nach dem Mainstream richtet & einem schiefe Blicke oder unqualifizierte Worte anderer die sich dazu veranlasst sehen das zu kommentieren bedeutungslos sind.

Allerdings gibt es dann auch "alternative Individualisten"...für sie sind die anderen oftmals Obergurken, die ihnen NIE das Wasser reichen können: Ich persönlich empfinde "intellektuelle Freigeister" meist als Leute, die sich für was Besseres halten, das anderen auch mehr oder weniger direkt zeigen (wollen) & total eigenbezogen sind; Ausnehmen bestätigen die Regel. Dazu gehört auch wie schon geschrieben, dass die andere Menschen nicht als gleichwertig erkennen oder auch nicht beachten/nicht an sich heranlassen. Sorry wenn ich so hart schreibe, aber genau deswegen halte ich persönlich mich von solchen Menschen auch fern. Ich weiß warum!

Hoffe, dass ich dir helfen konnte ;)

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Gute Frage. Wir machen im Prinzip immer so eine Gratwanderung zwischen unseren eigenen Beduerfnissen und denen unserer Gesellschaft. 

Beide sind wichtig, aber ich finde dass in Deutschland der Gemeinschaftsgeist mehr und mehr verloren geht und extrem viel Gewicht auf das das Ich gelegt wird. Ich denke nicht, dass man sich anpassen muss, aber ich denke jeder von uns muss nach sinen Kraeften dafuer sorgen, dass es der Gemeinschaft gut geht und nicht nur sich selbst.

Was Mode angeht, wollten schon immer die meisten Leute besonders aussehen, mit dem Ergebnis dass am Ende alle doch gleich aussehen, das ist nichts Neues :)

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Sehr komplexes Thema. 

Ja und Nein. 

Ich finde es gut wenn jeder entscheiden kann wie er in seiner Freizeit rumläuft da es einfach nur Dumm sich da Gesellschaftliche Normen zu beugen.


Aber in der Schule ist das was anderes. 

Ich fände es zb. gut wenn man in der Schule eine Schuluniform tragen würde. 

Denn in der Schule ist die Gesellschaft der Schüler viel Rustikaler als später im Leben. Mehr wie in der Steinzeit.

Da wird sehr auch darauf geachtet ob man denn Coole Kleidung anhat. 

(Hat jetzt nichts mit der Steinzeit zu tun aber die Gruppenbildung und die Tatsache wie ein paar Leute zum Anführer werden wenn sie der Stärkste sind usw)

Da variiert zwar auch von Schule zu Schule und Klasse zu Klasse aber in meiner zb. haben fast alle vorallem die ''Coolen'' (Steinzeitaffen)  haben sehr darauf wert gelegt das man Coole Kleidung anhat. 

Da geht es dann sehr um Statussymbole. 

Ich wurde immer gefragt wenn ich neue Kleidung habe ob dass denn jetzt eine G-Star Hose wäre oder nicht oder eine Alphajacke oder kp irgend so ein Zeug. 

Und ich hatte in der 6 Klasse immer nur irgendein Zeug an was meine Mum gekauft hat und nie irgendwelche Coolen Sachen weil es mir total egal war in dem Alter. 

Die Sachen waren Potthässlich da meine Mum nur darauf Wertgelegt hat dass die Sachen nützlich sind und wie zb. solche Cargo Hosen mit 100 Taschen oder riesige Winterstiefel und als Normale Schuhe immer solche Joggerschuhe wie beim Leichtathletik. 

Aber in der Schule war es nur cool Turnschuhe wie Chucks etc zu tragen. 

Da war man dann schnell ''komisch'' ''anders''  und wurde etwas gemobbt weil man eben nicht das andere Zeug trug.

Ich habe erst mit 16 angefangen mir eigene Sachen zu kaufen. 


Wenn man eine Schuluniform hätte würde dieser Blödsinn wegfallen und es würde auch ein Einheitsgefühl erzeugt werden.

So dass alle Schüler gleich sind. 

Mit der Freien Kleiderwahl sagt man ja will man dass sich die Kinder freier entfalten usw. Aber das ist Blödsinn. 

Die meisten Kaufen sowieso nur das was in Mode ist weil es Cool ist was hat das mit Entfaltung zu tun. 

Außerdem ist es ja nicht so als würde man es dadurch schaffen das jeder für sich selbst steht. 

Es führt nur verstärkt dazu dass sich Gruppen bilden wie die ''Coolen'' Starken Affen die in der Klasse den Ton angeben und die meisten wollen zu ihnen gehören. 

Eine Schuluniform wäre in der Schule auf jeden Fall besser. 

Wenigstens bis zu einem Gewissen Alter ab da ist es dann nicht mehr wichtig.

Aber ich finde gerade in der 5-8 Klasse wird auf die Kleidung schon sehr geachtet.

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Kommentar von Artus60
05.02.2017, 17:17

Was denn für eine Schuluniform?

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Kommentar von Steffile
05.02.2017, 17:25

Stimt, ich lebe in einem Land, wo die Kinder zwar keine englische Schuluniform tragen muessen, aber schon Schul-TShirts und heile Jeans oder Hosen in Blau oder schwarz. 

Trotzdem finden die Kids immer einen Weg, sich individuell hervorzutun, aber laestern ueber Klamotten tun sie tatsaechlich weniger.

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Naja, kommt drauf an, ob du überhaupt ein Individuum sein möchtest. Es gibt durchaus Leute, die sich in der breiten Masse wohl fühlen und gar nicht das Bedürfnis haben, herauszustechen. Und wenn man sich wirklich, nehmen wir in diesem Fall Kleidung als Beispiel, irgendwie individuell und auffällig kleiden möchtest, weil man das z.B. als Ausdruck seiner Persönlichkeit ansiehst, dann sollte man sich auf keinen Fall anpassen und sich so darstellen, wie man es möchte. Aber dafür braucht man natürlich das nötige Selbstbewusstsein.

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Kommentar von Artus60
05.02.2017, 17:18

Sagte der Protzer.

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Individualisierung ist mist! Schwimme mit dem Strom! Sei genauso Mainstream, wie alle anderen!

Nein Quatsch.. "Anders" zu sein kann Kraft kosten! Lohnt sich aber, solange du dich selbst damit wohl fühlst. Der Gesellschaftliche Druck ist wahnsinnig hoch, besonders bei Jungen Menschen! Wenn man angepasst ist, hat man es viel einfacher, man wird sich selbst aber nicht gerecht.. 

Eine Identität wird in Interdependenz zur Gesellschaft gebildet

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