Ist in einem System der freien Marktwirtschaft das Aufrechterhalten einer Demokratischen Grundordnung überhaupt auf lange Sicht möglich?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Die freie Marktwirtschaft hat so ihre Nachteile, die man nicht wegleugnen kann. Was ich persönlich aus sehr schlecht empfinde, ist dieser ständige Drang nach Gewinn und Wachstum. Als Mathematiker kann ich sagen, dass unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist. Wenn es ab heuer jedes Jahr ein Wirtschaftswachstum von 5% gäbe, hätten wir im Jahre 2116 im Vergleich zu 2016  eine 131 (!) Mal so starke Wirtschaft. Entspräche einem direkten Wachstum von über 13.000%! Wie soll das funktionieren? Dann müssten wir ja alle in Fabriken wohnen. 

Ich finde, man sollte daraf schaun, einen Wohlstand anzuhäufen, von dem man leben kann ohne Probleme zu haben, der aber nicht so reich macht, dass man im Luxus jeden Sinn für Vernunft und Realität verliert. Ab einem gewissen Einkommen geht es einem nicht mehr besser, sondern wieder schlechter, wenn man es überschritten hat. Auch auf die Umwelt sollte geachtet werden. 

Außerdem sind Großkonzerne eine große Gefahr. Was da beim TTIP-Abkommen droht ist wirklichdas Ende der Demokratie. In Deutschland ist die Stimmung ja recht positiv diesem Absurdum gegenüber, bei uns in Österreich haben alle Parteien, von nationalistisch bis kommunistisch, von neoliberal bis sozialdemokratisch erkannt, dass es so nicht kommen darf. Da sollen amerikanische Großkonzerne einzelne Europäische Staaten klagen dürfen, wenn ihnen die dortigen Gesetze (Steuer, Umweltschutz, Arbeitnehmerrechte...) nicht gefallen. Und da hört die Demokratie auf. 

Demokratie. Herrschaft des Volkes, oder halt Herrschaft der vom Volke gewählten Vertreter. Nicht "Konzernokratie". Wenn ein Land seine Gesetze dem Willen von McDreck, Monsanta, Googel, Kraft und Co anpasst und nicht dem Willen des Volkes ist das definitif keine Demokratie mehr. 

Jetzt habe ich mittlerweile vergessen, was überhaupt die Frage war, aber ich hoffe, ich habe dennoch ein paar intelligente Äußerungen hinterlassen können. Liebe Grüße. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MarkusKapunkt
05.04.2016, 22:56

Du hast mir und wahrscheinlich vielen Menschen aus der Seele gesprochen.

2

Zwischen der Theorie der Freien Marktwirtschaft und der aktuellen Realität liegen Welten. Wenn man die frühen Theoretiker wie Adam Smith liest, merkt man, dass in Auseinandersetzung mit dem Feudalismus die Vertreter der Freiheit für alle Bürger ein sehr optimistisches Menschenbild hatten. Das ist eine Krankheit aller großen utopischen Entwürfe: Das jeweilige Menschenbild ist eher auf die Utopie zugeschnitten als die Utopie auf die realen Menschen. Im Prinzip gab es nie eine große Mehrheit politisch aktiver Bürger noch einen wirklich neutralen Staat, der Fairness auf den Märkten durchgesetzt hat.

Doch wenn ich folgende Zeilen lese:

In Zeiten von Bankenkrisen, Staatsverschuldung, Wirtschaftsflucht,
dubiosen Freihandelsabkommen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit
verhandelt werden, Wirschaftslobbyismus, Alters- und Kinderarmut, und
selbst bei uns in Deutschland einer drastisch negativen Entwicklung im
Blick auf die Schere zwischen Arm und Reich ist diese Sicht auf mein
Heimatland, der Europäischen Union und der Westlichen Welt jedoch immer mehr ins Wanken geraten.

Das hat doch nichts mit Freier Marktwirtschaft zu tun. Das sind doch alles staatlicherseits verursachte Verzerrungen. Die übermäßigen Staatsverschuldungen, die das ganze Finanzsystem durcheinander bringen. Und wer verhandelt unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Politiker! Die Bankenkrise hatte eine politische Ursache und dass danach keine selbst von Ökonomen geforderten Konsequenzen gezogen wurden, hat doch auch mit dem Klüngel von Banken und Politik zu tun, genauso, dass Steuerzahler marode Banken retten müssen. Wer hat uns denn den blödsinnigen EURO gegen die Warnung von Ökonomen aufs Auge gedrückt? Ich habe hier schon mehrfach dargelegt, dass die Griechenland- und EURO-Rettung ein Umverteilungsapparat ist von Steuergeldern zu den Reichen! Wer macht das denn gegen den Willen der Menschen? Und Wirtschaftslobbyismus lohnt sich nur, wo man durch Bestechung von Politikern Vorteile rausholen kann. Und wer sind die meisten Lobbyisten? Ehemalige oder gar noch aktive Politiker. Demokratie ist bedroht, wo Bürger widerspruchslos die Seilschaften aus Politik, Banken, Großkonzernen und Medien wurschteln lassen. Brüssel wird immer mehr zur undemokratischen Zentrale. Davon ist der mittelständische Unternehmer genauso negativ betroffen wie der Steuerzahler.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wie soll denn eine Gesellschaft eine demokratische Grundordnung schaffen bzw, eine solche aufrechterhalten, wenn die alles bestimmende Grundlage, die Wirtschaft, undemokratisch, nämlich privat organisiert ist?

Es ist doch nicht der Staat, der sich eine Wirtschaft zimmert. Es ist die Wirtschaft, also die Art und Weise der Produktion einer Gesellschaft, die sich den ihr passenden und erhaltenden Überbau, den Staat, schafft und somit auch darüber bestimmt, wie demokratisch es in der Gesellschaft zugeht.

Wir leben in einer Zeit zunehmender Kapitalkonzentration in den Händen immer wenigerer Menschen. Denen werden die Korsette der Nationalstaaten zunehmend zu eng. Nationalstaatlichkeit wird zugunsten "freier" möglichst unregulierter Märkte abgebaut. Die starken Wirtschaften unterwerfen sich so durch niederkonkurrieren die schwächeren mit allen damit verbundenen sozialen Folgen. Das ruiniert die demokratischen Elemente in den westlichen Gesellschaften. Von ruinierter Demokratie rede ich dabei gar nicht, weil es DIE Demokratie (siehe mein Anfang) gar nicht gibt, gab und geben kann.

Der Neoliberalismus, der sich seit den 80er Jahren weltweit durchsetzt, hat mit seiner Arbeitsproduktivität den Sozialismus erfolgreich niedergekämpft. Jetzt bläst er zum Angriff auf jede Form von demokratischer Mitbestimmung, die seinen Kapitalverwertungsinteressen im Wege sind. Sozialabbau und Demokratieabbau stehen deshalb auf der Agenda. Dem ist mit der Wahl von reformwilligen Politikern, Parteien und Regierungen nicht beizukommen. Die ökonomischen, propagandistischen, politischen und als ultima ratio auch militärischen Waffen der Profiteure dieser Entwicklung sind zu mächtig.

Tut mir leid, keine guten Aussichten.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Deine Beschreibung stimmt, daraus leite ab, dass Demokratie und individuelle Freiheit des Durchschnittsbürgers immer mehr eingeschränkt wird. Die Herrschaft der Konzerne allgemein, die des Finanzkapitals insbesondere,  ist nun mal per se undemokratisch, höhlt Demokratie systematisch aus.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die freie Marktwirtschaft ist die unverzichtbare Basis einer demokratischen Grundordnung.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von robi187
22.03.2017, 18:48

und die soziale marktwirschaft?

0

Ich sehe keinen Widerspruch darin.

Die Politik kann ja immer noch die Rahmenbedingungen für die Unternehmen vorgeben

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von MarkusKapunkt
05.04.2016, 20:50

Nicht, wenn die Unternehmen die Rahmenbedingungen für die Politik vorgeben.

1

Was möchtest Du wissen?