Ist im Islam die Zwangsehe Verboten?

10 Antworten

Offiziell ist sie das wohl. Aber eine Religion, die lockere voreheliche Beziehungen (mit allem was dazu gehört) verbietet oder als Sünde betrachtet, oder die überdies das Ausleben gleichgeschlechtlicher Vorlieben verbietet und die auch sonst total verklemmt herüberkommt, hat immer eine Art von Zwang im Hintergrund.

Ein Verbot oder auch nur eine Ablehnung von Freiheit ist auch eine Art von Zwang.

Stellt sich die Frage, was Zwang ist. Wenn die Eltern eine künftige Hochzeit ihrer Kinder bereits im Kindesalter arrangieren, weil sie der Meinung sind, ihre Kinder geben geeignete Kandidaten für eine Ehe ab  (Cousinen-Heirat, z.B.) ... ist das kein Zwang? 

Natürlich kann man die Kinder so erziehen, dass sie auch der Meinung sind, die auf diese Weise zustandegekommene Heirat sei das beste, was ihnen passieren konnte. Aber das gilt nur für die, die sich überzeugen lassen. Denn sie haben jedenfalls nicht gewählt. Also war die so vorgeschriebene Heirat ("Präskriptive Heirat", d.h. eine Heiratssystem, das die Gattin vorschreibt) nicht freiwillig. Also kann man von Zwang sprechen.

Buraida ﺭ.ﻉ sagte, dass eine junge Frau zum Propheten ع.ص.م kam und sagte: „Mein Vater verheiratete mich mit dem Sohn seines Bruders, um sein Ansehen unter den Leuten zu erhöhen.“ Der Prophet ع.ص.م machte darauf die Gültigkeit der Ehe von ihrer Entscheidung abhängig. Daraufhin sagte die junge Frau: „Ich akzeptiere und befürworte die Entscheidung meines Vaters, doch ich wollte den Frauen nur beweisen, dass Väter in dieser Sache keinen Zwang ausüben können. (Überliefert in Ibn Majah, und Imam Ahmad and Al-Nasa’i)

Abdullah ibn Buraida berichtet, dass Aisha sagte, dass eine junge Frau zu ihr kam und sagte: „Mein Vater verheiratete mich mit meinem Cousin, um sein Ansehen zu steigern und ich möchte dem nicht zustimmen.“ Aisha sagte: „Setze dich und warte, bis der Prophet ع.ص.م, kommt.“ Der Prophet ع.ص.م kam und Aisha berichtete ihm von der Situation. Daraufhin lies Muhammed ع.ص.م ihren Vater einladen und erklärte ihm, dass die Entscheidung in der Hand seiner Tochter läge. [..] usw. (Sunan al-Nisaa’l, Kitaab al-Nikaah)

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