Ist eurer Meinung nach die Wahrhaftigkeit die Pflicht eines Menschen und ist das Lügen moralisch vertretbar?

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11 Antworten

Ob Lügen moralisch vertretbar ist, darüber kann man sicher streiten. Ich halte es aber für eine Tatsache, dass ein gewisses Maß an Unehrlichkeit notwendig ist.

Selbstbetrug ist ein wichtiger Aspekt unserer Psyche. Wir verdrängen unangenehme Erlebnisse, oder reden sie uns schön, bis wir sie akzeptieren.

Wir machen beispielsweise andere Menschen für Probleme verantwortlich, die wir selbst verursacht haben, obwohl wir es eigentlich besser wissen.

Wir erhöhen uns selbst gegenüber anderen und nehmen uns in einer übertrieben positiven Weise wahr - meist sogar ohne es zu merken.

So drängeln wir uns beispielsweise vor, weil wir unsere Anliegen und Termine für wichtiger halten - auch wenn das gar nicht der Wahrheit entspricht.

Schließlich haben wir irgendwann die Erinnerung an die "gute alte Zeit", in der alle Krisen und Probleme durch die Rosa Brille weichgezeichnet werden.

Auch sozial wäre das Zusammenleben in der jetzigen Gesellschaft deutlich schwieriger, wenn man sich zu absolute Ehrlichkeit verpflichtet fühlen würde.

Wer seinen Mitmenschen immer ehrlich und offen mitteilt, welche Meinung man von ihm hat, wird vermutlich massive soziale Reibungen erleben.

"Das Kleid steht dir ausgezeichnet" -"Ja Chef, da haben sie Recht" - alles kleine Unwahrheiten und alltägliche Lügen, um den Frieden zu wahren.

Auch wer im Bezug auf seine Worte und Handlungen immer ehrlich ist, wird damit in dieser Gesellschaft in Schwierigkeiten geraten.

"Ja, ich habe dich, bevor ich mich schließlich zur absoluten Ehrlichkeit verpflichtete, dreimal mit deiner Schwester betrogen"

Manche Wahrheiten sind für die Person vielleicht auch emotional nicht zu verkraften, so dass Unehrlichkeit, Verschweigen und Lügen notwendig sind.

Sonstiges

Ich halte es für wichtig, das man sich gegenüber so ehrlich ist anzuerkennen, das man zu sich selbst und anderen gegenüber unehrlich ist.

Wenn man in die Bibel liest, dann sieht man, das Jesus auch Menschen vergeben hat, die zB wie Zöllner, potentiell unehrlich waren.

Vielleicht war aber jener Zöllner sich selbst gegenüber ehrlich genug, dazu zu stehen, ein geldgieriger Halsabschneider zu sein. Deshalb wurde ihm vergeben.

Es ist nämlich durchaus möglich, sich alles schönzureden;

"Ich bin ja bloß das Werkzeug - die Entscheidung trifft ein anderer und wenn ich es nicht mache, dann würde es eben ein anderer machen".

Mit dieser Argumentation haben sich Massenmörder vielfach selbst belogen, anstatt sich ihrer Verantwortung für ihr Handeln zu stellen.

Andernfalls würde er womöglich von Schuldgefühlen geplagt werden und seine subjektive Lebensqualität sinken - das verhindert der Mensch mit Selbstbetrug.

Ich denke also, das ein gewisses Maß an Unehrlichkeit in unserer gegenwärtigen Gesellschaft notwendig ist.

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Lügen kann man auch bezüglich der Veränderungen in den Denkstrukturen betrachten.

Mit einer Lüge beabsichtigt man an irgend einer Stelle einen Vorteil. Doch parallel zur Lüge verändern sich auch Teile der Denkstrukturen, z. B. dadurch, daß man sich selbst zu einem Verhalten zwingt, durch welches die Lüge möglichst nicht auffliegen soll. Das geht natürlich nur, indem man sich bei jedwedem betroffenen Anlaß erneut verstellt, was dann schlichtweg eine Lügenerweiterung ist.

Durch Lügen baut man deshalb in sich selbst eine Lügenstruktur auf und erweitert diese auch regelmäßig. Das Ergebnis ist, daß man selbst zur Schleuder falscher Informationen wird, die bei anderen dann zu Falschwahrnehmungen und Fehlentscheidungen führen können.

Irgendwann kommt das alles zum Urheber zurück, entweder direkt oder auch um 7 Ecken (die über Umwege Getäuschten sagen unwissentlich die Unwahrheit und reagieren unwissentlich falsch, was dann auch dem Urheber der Lüge einen Schaden bringt).

Interessant ist an einem solchen Werdegang, daß dann oftmals die Getäuschten vom Urheber der Ursprungslüge auch noch als Lügner dargestellt werden.

Moral hat in meinem Denken nichts mit Ethik gemeinsam. Moral sehe ich in weiten Bereichen mehr als zweckgerichtete Schönrederei an. Insoweit können Lügen zwar moralisch vertretbar sein, aber nicht ethisch.

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Tach,- wenn du Wert auf eine Gesellschaft legst, die auch wie eine Gemeinschaft funktionieren soll gilt für Teil 1 deiner Frage uneingeschränkt: Ja. - Ethik ist ein rational organisiertes Prinzip. Ich habe die Freiheit, dagegen zu verstoßen so wie ich behaupten kann, dass 2 + 2= 7 ist. Falsch bleibt es trotzdem - sogar wenn die Mehrheit einer Gruppe das befürwortet.

Für den 2. Teil deiner Frage wäre zu klären wie der Begriff Lüge nach Inhalt und Umfang definiert werden soll (wie jeder andere Begriff eigentlich auch damit man weiß wovon man spricht).

Ich bevorzuge die Definition, dass eine Täuschung genau dann eine Lüge ist, wenn ein Akt sozialer Interaktion zur Beeinflussung des Denkens und Handeln des Anderen in rationaler Ziel- und Umsetzung Täuschung organisiert, um einen eigenen Vorteil zulasten des Anderen zu realisieren. - Dies gilt im übrigen auch für die bekannten Psychotricks zur Ausschaltung des eigenen Gewissens (faule Kompromisse bzw. selbstorganisierte Täuschung des eigenen Gewissens) . - Ich kann auch nicht mit 3 Promille jemanden überfahren und mich dann hinterher auf meinen alkoholbedingten "Kontrollverlust als Schicksalsereignis" berufen. ;-)

Was dann noch als sog. "Notlüge" übrig bleibt ist davon ausdrücklich nicht betroffen wenn die Absicht des Verbergens einer Information aus Mitleid oder Respekt erfolgt und nicht auf das Ziel hin organisiert ist wie oben beschrieben.

Gruß

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Auf jeden Fall ist es wichtig, sich selbst nicht zu belügen. Das ist auch das Schwerste, denn die Verlockung von Illusionen ist immer groß. Besonders , wenn diese von anderen bestätigt werden. Denn mit Illusionen entfernt man sich immer mehr von einer realistischen Wahrnehmung.

Aber die Wahrheit kennen und die Wahrheit sagen sind zweierlei. Dabei kommt es zum Einen darauf an, wieviel Wahrheit dein Gegenüber vertragen kann.

Zum Anderen aber auch, was der andere mit der Wahrheit machen will. Zum Volkszählungsboykott hatten wir mal den Spruch: Wer die Wahrheit liebt, verrät sie nicht! Für diktatorische Systeme gilt das besonders.

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Das kommt wohl auch auf die Umstände an.
Angenommen die Mutter eines Kindes schwebt nach einem Unfall in Lebensgefahr. Die bittere Wahrheit wäre für das Kind vielleicht gar nicht zu ertragen, da ist eine Notlüge durchaus angebracht, um es zu schützen. Und man muss ja nicht mal unbedingt lügen. Manchmal reicht es auch, nicht das ganze Ausmaß der Wahrheit zu erzählen.

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Wahrhaftig zu sein sein heißt nicht, immer die Wahrheit sagen zu müssen; es gibt jede Menge denkbare Situationen, wo man aus Rücksicht und Taktgefühl besser schweigt.

Es gibt Wahrheiten, die nicht zumutbar sind und mehr Schaden anrichten als sie Nutzen haben, und es gibt die sogenannten "frommen Lügen" die manchmal notwendig sind, um jemanden zu beschützen.

Wahrhaftig zu sein bedeutet, nicht zu täuschen, um einen Vorteil zu erringen; etwas vorzuspielen, was gar nicht stimmt, weil man sich für sich selbst etwas davon verspricht und irgendein egoistisches Ziel erreichen will.

Entscheidend immer der Grund, warum man etwas tut und letztendlich gibt es nur eine einzige Richtschnur für das Handeln, das über jedem Prinzip und jedem Gesetz steht: Das Gewissen.



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Manchmal muss man lügen, wenn man überleben will. 

Moral ist etwas vom Menschen Erfundenes. Ich finde, solange man mit Lügen keinem schadet und sich selbst damit sehr nutzt, dann kann man es durchaus machen. 

Schliesslich geht es beim Lügen um das Täuschen eines Menschen. Es kommt immer darauf an, wer getäuscht wird. 

Als Kind musste ich lügen, damit ich einigermassen mein Leben schützen konnte. Da ist nichts Verwerfliches dran. Einem Mörder gegenüber z.B bist du vielleicht auch nicht ehrlich.

Es ist schön sich durch Ethik Regeln zu geben, aber im Endeffekt wird sich das Leben nicht daran halten. 

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Lügen ist im Prinzip moralisch nicht ausdrücklich ,,erlaubt" aber es gibt Situationen, wo ,,nicht lügen" erheblich schlimmere moralische Folgen hat als ,,lügen". (Aussage gegenüber die Geheimpolizei in einer Diktatur)

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lügen ist immer nicht vertretbar, denn die wahrheit kommt immer ans licht

man trifft sich IMMER zweimal!

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Unsere Gesellschaft ist ohne Lügen nicht denkbar.

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Kommentar von mulano
03.02.2017, 16:44

Richtig, du Klugscheißer, ähm ich meinte ich
stimme dir vollkommen zu ^^

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Vertretbar hin, vertretbar her.....gelogen wird doch überall, nicht nur in der Politik

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Kommentar von mulano
03.02.2017, 16:46

Da aber besonders...
...und bei den Banken

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