Ist eurer Meinung nach die Evolutionstheorie mit dem glauben an den biblischen Gott vereinbar?

28 Antworten

Hallo DerneueWeg,

ich erinnere mich noch an so manche Diskussionen über dieses Thema - und auch so manche Ratlosigkeit. Dazu gab es viele Meinungen zu einer Teleologie - wie man sagt - dass es eine schöpftende Macht oder Persönlichkeit geben müsste.

Mit der einen Überlieferung, wie sie auch im Christlichen Umfeld unterwegs ist, tut sich die Evolutionstheorie schwer. Gehen wir davon aus, dass diese Überlieferung einer Anschauung der Menschen in einer sehr alten Epoche war - wir heute auch mit Modellbildung und Forschung schon etwas weiter und genauer sind.

Als Beobachter oder Forscher sieht man, wie sich alles Leben entwickelt hatte und kann das modellieren. Man sieht nicht, was dahinter steckt. Da beginnen dann Glaubensinhalte, Überlieferungen - aber auch philosophische Modelle.

Ich bin eher für Letzteres - und hier ein ganz einfaches: es ist einfach alles da, und die Raumzeit kann das alles mit ihrer Physik, Chemie, Biochemie und Biologie. Da spreche ich auch von einer Teleologie. Da ich aber nicht mehr von einer schöpfenden Macht oder Persönlichkeit ausgehe, vermute ich ein Konzept (und sage dann schwache Teleologie zu der Ansicht).

Da wissen wir immer noch nicht viel, was in diesem Konzept steckt - und können es vielleicht nur (noch) nicht denken. Wenn man jetzt doch wieder eine Persönlichkeit oder Intelligenz vermutet, stellt sich sofort die Frage, wie die zustande gekommen ist. Wenn man das weiterdenkt, findet es keine Ende.

Christlich gesehen mag man jetzt sagen, alles ist doch ein Geschenk Gottes, denn Gott ist im Christlichen Glauben Liebe. Das Interessante ist, dass sich Liebe auch frei jeglichen Glaubens modellieren lässt - dann wiederum keinen Gott braucht, sondern alleine mit eine Eigenschaft, die ich gerne Göttlich nenne, zu Rande kommt. So lässt sich sagen, dass dieses Konzept Göttlich ist; einfach gegeben, so dass es uns: bewusste Lebewesen letztlich kann. Ob das das Ziel des Konzepts ist, bleibt weiterhin fraglich.

Mi vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

Woher ich das weiß:Hobby

Ja, sie ist mit dem Glauben an Gott vereinbar:

Man kann einfach sagen, der liebe Gott habe die Evolution erfunden und in seine Schöpfung eingebaut, und zwar so, wie die Evolutionsbiologen das auch sehen. Dann braucht man nur noch hinzuzufügen, die Bibel sei symbolisch und mythologisch zu betrachten. Damit ist die Evolution im Sinne der Darwinschen Theorie automatisch mit dem biblischen Gott vereinbar.

Etwas merkwüediger wird es, wenn man erkennt, dass es einen Unterschied gibt zwischen Mikro- und Makro-Evolution. Die Mikro-Evolution als Herausbildung artspezifischer Merkmale kann, wie es scheint, mit der Evolutionlehre erklärt werden. Bei der Makro-Evoltion handelt es sich um die Entstehung völig neuer Arten innerhalb kürzerer Zeiträume, so dass dafür die Fossilien fehlen oder noch nicht entdeckt wurden. Auf jeden Fall können komplizierte Entwicklungszyklen, die innerhalb so kurzer Zeit verlaufen, nicht mehr mit Darwin erklärt werden.

Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Gottgläubigen. Unter der Bezeichnung intelligent design erklären sie, da wäre eindeutig Schöpferkraft im Spiel, und so könnte man Gott sogar wissenschaftlich beweisen. Die Wissenschaftler lassen sich davon natürlich nicht beirren. Sie sagen, die Belege, nämlich die Fossilien, würden bestimmt noch entdeckt werden und beweisen, dass auch hier Darwin richtig liegt.

Gänzlich anders schaut es aus bei den Kreationisten und den Materiegläubigen. Die lehnen aufgrund ihrer Extrempositionen jegliche Vereinbarkeit von Bibel und Darwin ab. Die Kreationisten kennt jeder. Die Materiegläubigen sehen die Welt als materielles Zufallsprodukt, dass sich ohne Zutun eines Geistes im Laufe der Zeit aufgrund immer schon da gewesener Naturgesetze so herausgebildet hat, und alles Geistige sei nur ein Ergebnis komplexer materieller Strukturen. In einem solchen Weltbild wird der biblische Gott in den Bereich der Märchen und Mythen verwiesen. Aber ein toleranter Wissenschaftler wird die Religion natürlich nicht ablehnen, sondern er wird sagen, der Glaube erfülle eine wertvolle seelische Funktion und darf daher ruhig weiter neben der Wissenschaft weiter bestehen, nach dem Motto "Glaube ist nicht Wissen".

Hierzu noch einen Link:

https://www.bistum-regensburg.de/news/sr-lydia-la-dous-spricht-ueber-nicht-wissenschaftliche-vorentscheidungen-in-den-naturwissenschaften-vortrag-im-regensburger-presseclub-intelligent-design-als-eine-echte-gefahr-fuer-die-evolutionstheorie-1926/

Bei der Makro-Evoltion handelt es sich um die Entstehung völig neuer Arten innerhalb kürzerer Zeiträume,

Was verstehst du unter kürzeren Zeiträumen? Eine Million Jahre ist ein kürzerer Zeitraum, wenn auch nicht für uns.

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Viele Gottgläubige, die zunächst auf "anti-Evo" konditioniert worden waren, haben sich inzwischen folgende Ausrede und Gedankenkonstruktion einfallen lassen:

Ihr Gott hat alles "geschaffen" und dann für deren Entwicklung die Evolution in Gang gesetzt.

Typisches Anpassungsverhalten, das immer dann durchschlägt, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse den Gottesglaube ad absurdum führen!

... und es gibt Wissenschaftler, die aufgrund ihrer Wissenschaft anfangen zu glauben!

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@wiele

@wiele : Der umgekehrte Fall dürfte allerdings weit häufiger sein. Jedenfalls ist der Prozentsatz an Gläubigen nirgends so niedrig, wie unter Naturwissenschaftlern. ( Sozial-, Wirtschafts- und sonstige Wissenschaftler stehen auf einem anderen Blatt.)

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@Midgardian

Das ist interessant. Könntest Du mir bitte entsprechende Statistiken oder Untersuchungen verlinken oder zeigen, die dies unterstützen? Das wäre nett, danke.

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@wiele
  • ...und es gibt Wissenschaftler, die aufgrund ihrer Wissenschaft anfangen zu glauben!

Zitat "wiele":

  • Das ist interessant. Könntest Du mir bitte entsprechende Statistiken oder Untersuchungen verlinken oder zeigen, die dies unterstützen? Das wäre nett, danke.

Im Übrigen: es gibt auf allen Seiten Versager bzw. die rühmlichen Ausnahmen, die die Regel bestätigen!

Sieh mal in den Spiegel!

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@wiele
Der Anteil an Atheisten ist nach Erhebungen in den USA bei Wissenschaftlern besonders hoch: Nur sieben Prozent der Mitglieder der amerikanischen Akademie der Wissenschaften glauben an die Existenz eines personalen Gottes. [23] Eine Umfrage unter Mitgliedern der American Association for the Advancement of Science von 2009 ergab, dass 51 % der amerikanischen Wissenschaftler an Gott oder eine höhere Macht glauben, wesentlich weniger als in der Allgemeinbevölkerung.
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@Midgardian

Sorry, Quelle vergessen. Der Text ist von Wikipedia, interessant ist aber vor allem der Link unter [23]

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Die übliche Schöpfung-Evolution-Debatte basiert auf dem Streit zwischen Darwin und den Vertretern der spätzeitlichen Auslegungstradition im 19. Jahrhundert. Der Klerus hatte den Glauben an Instantschöpfung (plötzliche Erschaffung von Augenblicklich fertigen Dingen) aus spätbabylonischen Mythen übernommen und mit biblischen Komponenten vermischt (,,Kreationismus"). Dem wurde damalige Evolutionsverständnis gegenübergestellt. So entstanden zwei Zerrbilder, die bis zum Himmel stinken: Auf der einen Seite ein menschengleicher ,,Gott", der alles geschichtslos per Fingerschnippen in Rekordzeit ins Dasein ruft und damit einen ,,Masterplan" verfolgt, und auf der anderen Seite eine planlos vor sich hin werkelnde Evolution, die für jeden Fliegenschiss ,,ewig" braucht. Einbeziehung neuer Erkenntnisse? Fehlanzeige, auf beiden Seiten! Schon in meiner Zeit als Christ hätte ich einen Teufel getan, mich für eins von beiden zu ,,entscheiden", worauf die Betonköpfe beider Lager ja dauernd beharren. Auch viele andere gemäßigte Gläubige (und nicht nur die) sind glücklicherweise so open-minded, diese offensichtlich fingierten Widersprüche als solche zu erkennen und so nicht hinzunehmen. Leider auf die Gefahr hin, auf ,,verlorenem Posten" zu stehen, denn wirkliches Wissen um Alternativen, gerade was Bibel und Schöpfung angeht, ist schwer zu finden.

Die Bibel braucht kaum mehr als einen einzigen Satz, um das vermeintliche Dilemma mühelos und fair zu lösen: Dies ist die Stammesgeschichte (hebr. Toledot) von Himmel und Erde in ihrem Erschaffenwerden (hebr. bara), der Tag, an dem YHWH Elohim die Erde und den Himmel machte (hebr. asah), Gen 2.4.. Toledot ist der hebräische Inbegriff für Abstammung und Verwandtschaft, es bezeichnet in der Bibel immer wieder Abstammungsverzeichnisse sowie die damit verbundene Familiengeschichte. ,,Erschaffen" hat im Hebräischen eine andere Bedeutung als in der deutschen Umgangssprache. Nur völlig neuartige und einzigartige Dinge werden mit diesem mächtigen Wort bedacht. In der Schöpfungsgeschichte sind das nur folgende drei Entitäten:

  • Das Universum (Raum, Zeit und Materie; Gen. 1.1)
  • ,,Höheres" Leben (Seelen, Gen. 1.21)
  • Die spezifischen geistigen Fähigkeiten des Menschen (Gottebenbildlichkeit, Gen. 1.27)

Es sind zeitgeschichtliche ,,Quantensprünge", die auch auf Seiten der Naturwissenschaften ,,explosive" Bezeichnungen haben, wie Urknall und kambrische Explosion. ,,Asah" hingegen ist ein Allerweltswort, in der Schöpfungsgeschichte aber weichenstellend, weil es die Zubereitung bestehenden Materials bezeichnet. Dies steht im krassen Widerspruch zur tradierten Interpretation, die fälschlicherweise alle Entstehungsvorgänge als funkensprühende Schöpfungswunder im Sinne von bara behandelt.

Bemerkenswert ist auch, dass obiger Vers das ganze Geschehen zu einem einzigen ,,Tag" zusammenfasst, was die Kurzzeit-Deutung ad absurdum führt. Unbestimmte Zeitabschnitte lassen sich problemlos zu einem zusammenfassen, bei Kalendertagen geht das beim besten Willen nicht.

Buchtipps:

,,Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" von Karel Claeys

,,Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

Woher ich das weiß:Hobby – Mein Lieblingsthema von klein auf

Für mich ist das vereinbar, weil unterschiedliche Fragen gestellt werden. Die Naturwissenschaft fragt: wie ist der Mensch (bzw. die Welt) entstanden, die Religion bzw. Philosophie fragt warum/wozu ist er entstanden?

Schwierigkeiten gibt es immer dann, wenn ein Wissensgebiet versucht, sich in die Domäne des anderen zu mischen, etwa wenn ein Ethiker erklären will, wie die Welt entstanden ist, oder ein Physiker versucht, den Wert des menschlichen Lebens zu bestimmen. Natürlich gibt es Überschneidungen (z.B. wenn eine Versicherung den Wert eines Menschenleben nach mathematischen Kriterien bestimmt, um eine Entschädigungssumme zu berechnen), und da gibt es dann immer wieder Reibungspunkte.

Ich kann genau wissen, wie Babys entstehen, aber wenn ich meine kleine Tochter im Arm halte, ist es für mich trotzdem ein Wunder.

Den letzten Satz kann ich nur unterstreichen - sehr schön ausgedrückt!

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Ja, mir gefällt der letzte Satz auch gut - wie kann so ein kleines Wesen durch einen einzigen Zeugungsakt entstehen!? Da gibt die ET nun wirklich keine Antworten!

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@Stine1224

Doch, das schon. Nur wenn wir etwas nicht verstehen und voll begreifen können, muss doch nicht irgendein Gott oder ein anderes Wesen dafür verantwortlich sein.

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@Stine1224

Das weiß man eigentlich genau, wieso so ein kleines Wesen entsteht. Denk mal an die Bienchen und die Blümchen....

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@okieh56

Und warum nicht? Macht doch Spaß, Dinge zu erforschen und zu begreifen! Und das am meisten, wenn man weiß, dass ein Gott aus Liebe zu uns Menschen das gemacht hat.

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@Stine1224
wenn man weiß, dass ein Gott aus Liebe zu uns Menschen das gemacht hat.

Das weiß man aber nicht, das glaubt man nur.

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@Stine1224

Dinge zu erforschen und begreifen - dagegen spricht nichts!

Aber ich halte es für sehr naiv, irgendeinen Gott dafür verantwortlich zu machen. Wenn schon, kann man von Glauben sprechen, nicht von Wissen! Glauben kann man schließlich alles, denn des Menschen Fantasie ist unergründlich.

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@Meatwad

Das glaubt man aber nicht, weil man sich das ausgedacht hat!

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@okieh56

Siehe meinen Kommentar an Meatwald. Ich gelte gern als naiv; bis jetzt hat diese Naivität mir aber in keiner Weise geschadet. Es verwundert mich nur, dass Menschen, und das sind ja nicht nur so einfache Leute wie ich, mit Adjektiven beehrt werden wie "naiv" und das ist noch eines der höflichen Bezeichnungen. Wie gesagt, ich wundere mich nur, bin aber nicht wirklich überrascht.

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@Meatwad

ja, das glaubt man, weil man auch nicht dabei war! Aber da gibt es die ET und die erleichtert es uns, an einen liebevollen Schöpfer zu glauben!

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@Stine1224

Wenn es dir gut dabei geht, ist das völlig in Ordnung. Jeder kann glauben, was er will, egal was andere davon halten - das ist das Vorrecht des Menschen.

Jeder Mensch ist anders albern ;-)

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@okieh56

Ich denke, das Wort Wissen hat einfach zwei verschiedene Bedeutungskreise. Es gibt objektives und subjektives Wissen. Letzteres ist einfach eine feste, innere Überzeugung. Wenn ich sage "Ich weiß, mein Mann liebt mich", ist das nichts objektives. Aber zu sagen "ich glaube, mein Mann liebt mich" klingt irgendwie … nach Ehekrise.

Religion gehört für mich in den Beziehungsbereich. Wenn ein Glaubender sagt "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt", ist das die sbjektive Form des Wissens. Problematisch wird es immer dann, wenn es von ihm (oder anderen) als objektive Form des Wissens gedeutet wird. 

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@Aroanida

Da hast du völlig recht. Es gibt das theoretische Wissen, dass auf nachprüfbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und das praktische Wissen, das auf Erfahrungen und auf eigene Erlebnisse und Erkenntnisse aufbaut. Beide sind erweiterbar und ggf. auch korrigierbar - man lernt eben nie aus ;-)

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