Ist es verwerflich Demenz erkrankte „anzulügen“?

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Man sollte Demenzkranke mit derartigen Wahrheiten nicht konfrontieren, wenn sie selbst es nicht tun.

In diversen Schulungen lernt man im Umgang mit demenzerkrankten Menschen, die Leute dort abzuholen, wo sie sich befinden. Es nützt also nichts und schadet eher, wenn man den Leuten direkt ins Gesicht sagt, "Ihr Mann ist doch seit einem Jahr tot, sie waren doch zur Beerdigung", oder so was. Es ist für die Leute nur immer wieder ein neuer Schock und aufgrund ihrer Erkrankung merken sie sich das auch nicht, sodass man auch keine "Erfolge" mit solchen Aussagen schaffen kann.

Anstatt die Leute also zu verunsichern, sollte man sich lieber auf ihre Ebene begeben und Ihnen das gehen, was sie in dem Moment brauchen.

Wenn also jemand sagt, "ich frage mich, wo mein Mann bleibt", sagt man nicht, er ist schon vor Jahren gestorben. Idealerweise hört man aus der Aussage zum Beispiel heraus, dass sie ihren Mann vermisst und einsam ist, und darauf kann man reagieren. Zum Beispiel sich Zeit nehmen, miteinander reden und Sicherheit geben - auch mit solchen Aussagen wie deine Mutter gegeben hat. Also sie macht alles korrekt und einfühlsam, finde ich.

Das ist kein Lügen - diese Art und Weise, wie Deine Mutter auf die Menschen eingeht, nennt sich auch "spiegeln" und dient dazu, dass durch die Bestätigung der Resterinnerung, eine gewisse Ruhe in den Patienten einkehrt!

Es dient also wirklich nur zur Beruhigung!

Stell Dir vor, Du könntest ab sofort sämtliches Geschehen um Dich herum nicht mehr zuordnen. Nun erinnerst Du Dich aber noch an vertraute Menschen und Situationen. Du hast aber vergessen, dass es diese Menschen gar nicht mehr gibt, weil das Geschehen noch nicht so lange zurück liegt.

Bei Menschen, die an Demenz erkranken, funktioniert das Langzeitgedächtnis noch am Besten und genau da kann man diese Menschen noch erreichen.

Deine Mutter macht also alles richtig. Du kannst stolz auf sie sein. Das ich echt ein harter Job!

Moin,

Sicherlich nicht ganz einfach. Ich denke in der Ausnahmemedizin sind Notlügen oft sogar notwenidig. Ich denke da zwar in erster Linie an die Notfallmedizin aber in gewissen Weise könnte man auch diese Fälle hierzu zählen.

Wieso sehe ich dies so? ganz Einfach. Sage ich einem Menschen, der gerade aus dem Auto geschnitten wurde, dass der Lebenspartner (oder Vater, mutter, Kind, ...) nicht überlebt hat sinken auch dessen Überlebenschancen drastisch.

Jeder der mit Demenz - Patienten zu tun hat weiß wie schnell deren Weltbild aus den Fugen gerät wenn sie mit "Wahrheiten" konfrontiert werden die sie nicht mehr einordnen können.

Deshalb denke ich, dass, wenn es dem Schutz und der Fürsorge dient ist dies durchaus vertretbar.

Ein gesundes Maß an Selbstkritik kann bei der Verwendung aber nicht schaden.

LG

Woher ich das weiß:
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