Ist es üblich das im Offenstall nur einmal in der Woche gemistet wird?

12 Antworten

Da es sich um einen Offenstall handelt, ist das durchaus üblich. Solange der Stall jeden Tag mit frischem Stroh übergestreut wird, reicht das völlig aus, wenn er nur einmal die Woche gemistet wird. Pferde sind von Natur aus Tiere, die sich Tag und Nacht draußen aufhalten. Beobachte sie mal eine Weile 'heimlich' und Du wirst schnell merken, dass sich (die meisten) Pferde ohnehin nur zum Ausruhen in den Stall begeben. Oft schlafen sie sogar draußen, gerade ältere Pferde tun dies viel lieber. Man muss stets im Hinterkopf bewahren, dass Pferde in freier Wildbahn auch keinen Stall zur Verfügung haben. Interessant ist auch, dass sie sich selbst im Regen viel lieber draußen aufhalten und sich mit dem Hintern in den Regen stellen. Menschen haben die (mir unerklärliche) Angewohnheit, ihre eigenen Verhaltensweisen (im Regen ins Haus gehen) auf die Pferde übertragen zu wollen. Pferd sind keine Menschen und somit auch nicht so pingelig und anfällig wie sie. Aber um jetzt nicht abzuschweifen:

Pferde werden die wenigste Zeit des Tages/Nacht im Stall verbringen. Vielleicht zum Ausruhen oder Fressen, aber das wars auch schon. Daher reicht es vollkommen aus, dass der Stall ein mal die Woche gemistet wird :D

Außerdem wärmt eine gute Matte im Stall besonders im Winter sehr gut und ist nicht schädlich, insofern täglich ausreichend frisches Stroh übergestreut wird.

je nach Anzahl der Äppelhaufen sollten diese natürlich entfernt werden. Komplettes misten ist aber übertrieben

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Es hat mit Offenstall nichts zu tun, es ist eines von mehreren möglichen Einstreukonzepten:

Entweder man mistet täglich alles nasse und dreckige aus, lässt nur die saubere Einstreu drin und streut nach, was man raus hat.

Oder man arbeitet mit Matratzen. Die Matratze ist nicht so schlecht, wie man es sich vorstellt. Dabei bleibt alles drin und Urin sickert nach unten durch. Oben auf liegende Äpfel werden weg genommen, täglich wird nachgestreut. Wichtig bei der Matratze ist, dass definitiv jeder, der möglicherweise eine Mistgabel in die Hand nimmt, weiß, was eine Matratze ist und wie die funktioniert, denn die Matratze bindet schön den Ammoniak des Urins und stinkt nicht, hat eine saubere, ordentliche Oberfläche. ABER: Wenn sie geöffnet wird, also z.B. mit der Mistgabel angestochen, DANN muss sie raus. Komplett, denn die geöffnete Matratze ist gesundheitlich bedenklich und auch ziemlich unappetitlich. Normal lässt man Matratzeneinstreu länger als eine Woche drin. Bei wöchentlichem Wechsel rechnet sich die Matratze nämlich nicht, geht vom Streugut her ziemlich ins Geld, die ersten zwei, drei Wochen, in der eine Matratze aufgebaut wird, sind die teuersten.

Es gab Zeiten, da haben die Einsteller noch nicht versucht, Kosten zu sparen, indem sie mithelfen bzw. auch nicht an jedem schräg liegenden Hälmchen rum kritisiert, sondern sich auch auf die Kenntnis ihres Stallbetreibers verlassen (so bis zur Jahrtausendwende etwa, als man auch dem Futtermeister - meistens hat das auch der Stallbetreiber gemacht - vertraut hat, dass Heu und Hafer in sinnvoller Menge passt). In der Zeit hat man die Matratze in Intervallen von einmal monatlich (die Nobelställe, die den meisten zu teuer waren) bis einmal jährlich (der normale Reiterhof) gewechselt. Heute geht das nicht mehr, weil sich immer irgendein Besserwisser findet, der die Gabel rein rammt und sie verletzt. Dann muss man in den nächsten Tagen neu machen.

, sondern sich auch auf die Kenntnis ihres Stallbetreibers verlassen (so
bis zur Jahrtausendwende etwa, als man auch dem Futtermeister -
meistens hat das auch der Stallbetreiber gemacht - vertraut hat, dass
Heu und Hafer in sinnvoller Menge passt).

Tja, und dann musste man einsehen, dass Kontrolle besser ist als Vertrauen. Ich kenne leider viele Ställe, wo der Stallbetreiber vor allem auf sein Geld guckt. Da wird dann 1 kg Heu/pro kg. Pferd gefüttert, etc... etc... etc... Dazu gehören auch Ställe, deren Betreiber ein sog. Pferdewirtschaftsmeister ist.

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@Dahika

1 kg Heu pro kg Pferd? SOOOO VIEL? ;-)

Ja, aber das ist auch mit eine Folge des überkritischen und des ständigen "ich zahl soooo viel, da muss xyz mit drin sein". Früher gab's Heu und Hafer und die Pferde sahen irgendwie gut aus. Heute werden die Pferde mit Zuckerkram von den Besitzern so vollgestopft, dass sie muskulär total abbauen, sehen dann nach weniger aus, dieselben Besitzer fordern dann 4 kg Heu pro 100 kg Pferd (man muss das mal wiegen, wenn man seinem Stallbetreiber sagt, man möchte so einen Berg Heu, diese Forderung ist keine Seltenheit) und dann muss man sich wundern, wenn dem Stallbetreiber sein Heu hinten und vorne nicht reicht. Auch darf dieses Pferd nicht ganztags raus, weil es sonst so schlapp ist und jenes darf nicht ganztags raus, weil es sonst zu viel Gras frisst und, und, und ... früher gab's da einfach kein Einmischen. Wenn man die Tiere wo eingestellt hat, wo es genug Wiese gab, wurden die früh raus gestellt und abends wieder rein und keine Sonderwünsche. Jetzt stehen diese Freizeittierchen überwiegend 2 Stunden auf der Koppel und den Rest langweilen sie sich, inhalieren Heu und natürlich ist das dann schnell weg, der Organismus läuft auf Überschussstoffwechsel, weil ja so viel kommt und der Zucker lässt die Viecher trotzdem abbauen. Ich kenne keinen einzigen Stall, wo sie wirklich weniger als das an Heu kriegen, was eigentlich ausreichen würde, dass sie ständig zunehmen, aber viele Pferde, die aufgrund von Stoffwechselstörungen eben trotzdem rippig sind und noch viel mehr, die schlicht und ergreifend zu fett sind. Wenn die Besitzer sich beschweren, das sei so wenig Heu, wird mal eine Zeitlang gewogen - und dann sind ziemlich alle erstaunt, wieviel das eigentlich ist.

Dass der Pferdewirtschaftsmeister auch nicht mehr über Fütterung weiß als der Landwirt, sollte sich nun wirklich rumgesprochen haben. Was immer unglücklich ist, sind die Vereinsställe, wo keiner in der Lage ist, die Qualität des eingekauften Heus zu bewerten und die somit immer das kaufen, das kein anderer haben wollte. Und beide kochen nur mit Wasser, müssen mit dem Geld wirtschaften, das die Leut zahlen.

UND zudem sind viele Pferdebesitzer bereit, für eine Reitanlage mit noch einem weiteren Trainingsplatz > 100 Euro mehr zu zahlen als für eine, die ansonsten gleich ist, aber die weitere Trainingsmöglichkeit nicht hat. Für den Zukauf einer weiteren Betriebseigenen Wiese, von der dann mehr Heu in derselben pferdegerechten Qualität gemacht werden könnte hingegen würden sie nie so viel mehr zahlen.

Das ist jetzt nicht von mir an den Haaren herbei gezogen, sondern das sind langjährige Erfahrungen der Tierernährungswissenschaftler, die ich kenne und die sowohl Pferdebesitzer als auch Ställe beraten.

Interessanterweise sind das dieselben Pferdebesitzer, die jeden Abend ihre Stallbetreiber aus deren Wohnung läuten, um sich zu beschweren, der Pfleger würde seine Arbeit nicht oder nicht richtig machen, es sei schließlich um 19.00, wenn sie im Stall ankommen, ein Haufen in der Box oder ein paar Haufen im Offenstall. Man weiß offenbar nicht, dass Pferde im Schnitt täglich 20 Haufen absetzen und somit die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass seit der Pfleger Feierabend um 17.00 keins mehr geäpfelt hat. Die dann erzürnt über die Ignoranz zur Mistgabel greifen und die komplette Box leer schaufeln - und bei denen man keine Matratze anlegen könnte ;-)

Ja, in den letzten Jahren werden diese Leute immer mehr. Mir wär lieber, sie würden ihre Zeit mit Weiterbildung verbringen anstatt mit motzen, auch wenn ich selber gar keinen Stall betreibe, sondern auch nur Einstellerin bin.

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Hallo, 

wir haben das davon abhängig gemacht, wie dreckig der Stall war. Abgeäppelt wurde jeden Tag. Da die Pferde meist draussen waren und relativ wenig im Stall oder auf der Liegefläche wurde dementsprechend auch weniger sauber gemacht. 

Das handhabt jeder Offenstall anders. Wenn man es noch verwenden kann, dann muss man es ja auch nicht unnötig entsorgen. 

Mit freundlichen Grüßen

VanyVeggie

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