Ist es so schlimm zu stillen?

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In einer etwas anderen Fragestellung habe ich so ähnlich schon mal eine Frage beantwortet... - für Dich also nochmal neu:

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Hallo; zur Beantwortung der Frage stelle ich erstmal eine andere Frage in den Raum:

"Wie wird Langzeitstillen überhaupt definiert?"

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Eigentlich ist der Begriff „Langzeitstillen“ unpassend, weil er impliziert, dass die normale Stillzeit natürlicherweise kürzer ist. 

Dabei ist eine lange Stillzeit in vielen Ländern noch immer üblich und auch hier in Deutschland wurde noch vor 100 Jahren wesentlich länger gestillt als heute. Nur weil langes Stillen in den westlichen Industrieländern nicht mehr verbreitet ist, wird es jetzt hier als unnormal bzw. unnatürlich angesehen.

Fragt man die stillenden Mütter, so fühlen sie sich meist dann selbst als „Langzeitstillende“, wenn sie regelmäßig auf die Frage „Stillst du immer noch?“ antworten müssen bzw. wenn sie in ihrem Umfeld keine anderen Mütter mit gleichaltrigen Kindern kennen, die ebenfalls noch stillen.

Was „langes“ Stillen ist, ist also relativ, und sagt eigentlich nur etwas darüber aus, wie lang (bzw. besser gesagt: kurz) die übliche Stilldauer in der Kultur bzw. der jeweiligen sozialen Gruppe ist. 

In unserer Gesellschaft ist es leider so, dass Mütter, die ein 9 – 12 Monate altes Kind noch stillen, schon die große Ausnahme sind und die entsprechenden Erfahrungen mit ihrem Umfeld machen.

Und nun die Antwort, was für ein langes Stillen sprechen könnte?!

1) Es ist ganz natürlich und fühlt sich richtig an, da es dem Mutterinstinkt der meisten Mütter und ebenso dem Bedürfnis der meisten Kinder entspricht.

2) Es gefällt Mutter und Kind, ist schön und vertraut. Warum sollten sie es dann vorzeitig beenden?

3) Auch nach der Einführung von Beikost sind gestillte Kinder besser mit Nährstoffen und Kalorien versorgt.

* Studien aus vielen Ländern machen deutlich, dass die Menge der täglich produzierten Muttermilch zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat des Kindes zwar abnimmt, aber dennoch durchschnittlich rund 500 ml beträgt und nach Bedarf erhöht werden kann.

Kinder im 2. Lebensjahr decken ihren Energiebedarf zu 31 % durch Muttermilch. Stillkinder im Alter von 13 – 18 Monaten erhalten bei gleicher Nahrungsmenge 25 % mehr Energie als nicht gestillte. Ältere gestillte Kinder erhalten dadurch 17 % mehr Energie.

* Weiter decken Kinder im 2. Lebensjahr aus der Muttermilch ihren Eiweißbedarf zu 38%, außerdem ihren Vitamin- und Mineralienbedarf anteilig folgendermaßen: Vitamin A zu 100 %, Vitamin C zu 95 %, Niacin zu 41 %, Riboflavin zu 21 %, Folsäure zu 26 %, Kalium zu 44 %, Eisen zu 50 %.

* Die Vitamin C-Konzentration der Muttermilch für ein Kind gegen Ende des 1.Lebensjahres ist 3,3 mal höher als im Blutplasma seiner Mutter. Selbst wenn die Mutter erniedrigte Vitamin-C-Werte hat, wird es in der Milch 6 – 12fach angereichert.

Stillkinder erhalten so höhere Konzentrationen an Vitamin C als Kinder, die mit Vitamin-C-angereicherter künstlicher Babynahrung, Gemüse und Früchten ernährt werden.

4) Muttermilch schützt das gestillte Kind weiterhin vor Krankheitserregern.

Die Muttermilch enthält im zweiten Jahr des Stillens ein höheres Maß an bestimmten Antikörpern, so erreicht sie teilweise eine ähnlich hohe Konzentration der Abwehrstoffe wie das Kolostrum unmittelbar nach der Geburt. 

Das Lysozym, zum Beispiel, ein Enzym, das die Zellwand der Bakterien zerstört, ist in der Milch der Mutter eines 18 Monate alten Kleinkindes in größerer Menge zu finden, als in der Milch der Mutter eines Sechsmonatigen. 

Die Mutter produziert auch weiterhin Antikörper gegen die Krankheitserreger, mit denen sie konfrontiert wird, und schützt dadurch ihr Kind indirekt über die Milch, solange sie stillt. 

Kinder, die jahrelang gestillt werden, sind bedeutend seltener krank und die Mütter berichten meist, dass ihre Kinder noch nie eine Antibiotikabehandlung brauchten.

Noch ein Vorteil des langen Stillens: bei akuten Erkrankungen, wie z.B. Brechdurchfall, verweigern Kleinkinder meist jegliche Nahrung außer der Muttermilch, nehmen dadurch dann deutlich weniger an Gewicht ab und müssen kaum einmal wegen Austrocknung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bei nicht mehr gestillten Kleinkindern ist dies leider anders.

5) Kurz (oder gar nicht) gestillte Kinder haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für viele Krankheiten.

* Allergien

Kinder, die weniger als 6 Monate gestillt wurden, haben häufiger Allergien (36%) als die, die 6 Monate oder länger gestillt wurden (5%). (Strimas JH, Chi OS, 1988).

* Haemophilus Influenza Typ B

: Stillen länger als sechs Monate schützt gegen diese bakterielle Infektionskrankheit. (Takala, AK, et al, 1989).

* Mittelohrentzündungen

: Stillen von weniger als sechs Monate erhöht die Häufigkeit von Mittelohrentzündung auf das Drei- bis Fünffache bis zum Alter von 27 Monaten. (Teei, DW, Klein, JO, Rosner, B, 1980).

* Gebissanomalien

: Als die Stilldauer von 12 auf 3 Monate reduziert wurde, stieg die Häufigkeit von Zahnfehlstellungsanomalien von 3 % auf 16 % (Labbok, MH und Hendershot, GE, 1987).

* Lymphknotenkrebs in der Kindheit: 

Für Kinder unter 15 Jahren ist das Risiko fünf- bis achtfach höher, wenn sie weniger als 6 Monate (oder gar nicht) gestillt wurden (Davis MK, Savitz, DA und Graubord, BI, 1988).

* Diabetes: Wenn Kinder 12 Monate oder länger gestillt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung dieser Krankheit nur etwa die Hälfte von der zu nicht-gestillten Kindern.

* Multiple Sklerose

: Ein 2 – 3fach erhöhtes Risiko für diese entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems entsteht, wenn ein Kind weniger als 7 Monate oder gar nicht gestillt wurde.

* Übergewicht: Je kürzer ein Kind gestillt wurde, desto größer ist sein Risiko später an Übergewicht zu leiden (Von Kries, R, Koletzko, B, et al 1999).

* Lernschwächen

: Geringere intellektuelle Leistungen von Flaschenkindern wurden von Forschern dokumentiert. Sie fanden heraus, dass Flaschenkinder im Alter von 1 – 2 Jahren bei einem Test ihrer mentalen Entwicklung weniger Punkte erzielten. Dabei bezogen sich die Ergebnisse direkt auf die Dauer der Brusternährung. (Morrow-Tlucak M, Houde RH, Ernhart CB: 1988).

Bei einem Test der Fähigkeiten von 3jährigen Kindern, erzielten diejenigen wesentlich niedrigere Ergebnisse, die am wenigsten gestillt worden waren. (Bauer G, Ewald S, Hoffman J, 1991).

* Psychische Störungen

: Kinder, die länger als sechs Monate lang gestillt wurden, hatten im späteren Leben seltener psychische Probleme. Die Untersuchung hat erstmals gezeigt, dass insbesondere langes Stillen gut für die Kinder ist (Oddy, WH, et al, 2009).

6) Gesunde Kinder haben bis zum Alter von 4 – 6 Jahren ihren Sauginstinkt. Daher findet es auch hier bei uns kaum jemand unnormal, wenn ein Kleinkind, das älter als 6 Monate ist, oder sogar ein drei- oder vierjähriges Kind noch regelmäßig einen Schnuller bekommt. 

Wenn also für uns Menschen eine Stilldauer von 4 – 6 Monaten natürlich wäre, dann hätte die Natur es auch so eingerichtet, dass nach dieser Zeit die Milch versiegt und der Sauginstinkt verschwindet.

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Und was spricht nun gegen langes Stillen?

Im Grunde spricht nichts wirklich gegen eine lange Stillzeit. Die meisten Argumente dagegen, sind in Wahrheit Vorurteile, die auf Unwissen beruhen.

Gleichwohl beklagen manche lang stillenden Mütter, dass sie für ihr Kind unersetzbarer sind, z.B. abends schlecht weggehen können oder nicht übers Wochenende wegfahren können.

Viele Mütter haben aber dagegen auch die Erfahrung gemacht, dass ihr älteres Stillkind auch problemlos damit klar kommt, wenn Mama mal länger nicht da ist. Dann wird eben solange Mama weg ist nicht gestillt und beim Wiedersehen ist durch das Stillen gleich wieder ganz viel Nähe möglich und die vorübergehende Trennung ist schnell wieder vergessen. 

Viele der Mütter haben auch selber gar kein Bedürfnis danach mehr Zeit ohne ihr Kind zu verbringen und vermissen nichts, wenn sie einige Zeit nicht ausgehen können.

Oft wird behauptet, dass das Stillen die Mutter zu sehr auszehre. Dem ist aber nicht so, denn erstens legt die Natur in der Schwangerschaft extra Fettreserven für die lange Stillzeit an, und zweitens kann eine stillende Mutter auch über eine gute Ernährung (d.h. ausreichend, gesund und abwechslungsreich) alle Nährstoffe und Kalorien zu sich nehmen, die sie benötigt. 

Leider kommen manche Mütter mit kleinen Kindern nicht dazu genug zu essen, weil sie heutzutage in unserer Kultur recht früh mit Haushalt und Kinderversorgung alleine gelassen werden, dies betrifft aber die nicht mehr Stillenden genauso. 

Dann könnten zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate für die Mutter sinnvoll sein, wenn es nicht möglich ist, mehr Unterstützung und Hilfe im Haushalt zu organisieren.

Keinen (oder nur sehr wenig und nur zu bestimmten Zeitpunkten) Alkohol zu trinken, macht den meisten lange stillenden Müttern ebenfalls in der Regel nichts aus. Ansonsten sind während der Stillzeit keine Einschränkungen in Bezug auf die Ernährung der Mutter notwendig, sondern beruhen größtenteils auf Fehlinformationen und Ammenmärchen. Auch dieses Gegenargument ist also nicht haltbar.

Auch die Einnahme von Medikamentenoder kleinere Operationen während der Stillzeit werden manchmal problematisch gesehen, müssen dies aber gar nicht sein. 

Tatsächlich kann in den meisten Fällen von mütterlichen Erkrankungen in der Stillzeit bei sorgfältiger Planung und Auswahl von stillverträglichen Medikamenten durchaus weitergestillt werden. 

Leider sind hier oftmals die verordnenden Ärzte nicht bereit sich zu erkundigen, welche Medikamente auch für das gestillte Kind unbedenklich sind, sondern beharren darauf, eine wirksame Behandlung sei erst nach dem Abstillen möglich.

Manche Väter reagieren etwas neidisch oder eifersüchtig auf die innige Nähe durch das Stillen zwischen Mutter und Kind und fühlen sich ausgeschlossen.

Da lang stillende Kinder meist auch mit ihren Eltern im Familienbett schlafen, gibt es auch einige Männer, die ihre Partnerin gerne nachts wieder für sich hätten. Auch dies sind keine wirklichen Gründe gegen das lange Stillen oder das gemeinsame Schlafen, denn es gibt sowohl viele Möglichkeiten, die Beziehung zwischen Vater und Kind innig und intensiv zu gestalten; und Zärtlichkeiten und Sexualität zwischen Mann und Frau kann es, statt nachts im Bett, auch zu anderen Zeiten und an anderen Orten geben.

Selbst die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit der Mutter und die damit verbundene Fremdbetreuung des Kindes ist kein Grund gegen eine lange Stillzeit, sondern lässt sich bestens mit dem langen Stillen vereinbaren, wie viele Mütter immer wieder festgestellt haben.

Bis wann können bzw. sollten Kinder gestillt werden?

Das Stillen kann solange fortgeführt werden, wie es Mutter und Kind gefällt. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage sorgt dafür, dass die Muttermilch in der Brustdrüse immer wieder neu gebildet wird, solange sie regelmäßig abgefordert wird.

Die meisten Kinder stillen sich von alleine zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr ab, aber es gibt auch Kinder, die auch nach dem 4. Geburtstag noch regelmäßig stillen wollen. 

Das biologische Abstillalter liegt, laut verschiedenen Berechnungen der amerikanischen Anthropologin Katherine Dettwyler, bei mindestens 2,3 Jahren bis maximal 6 – 7 Jahren.

Ich hoffe, dass ich etwas helfen konnte!? Liebe Grüße Karin

PS: Du machst alles Richtig!!

Da kann man wohl nichts mehr hinzufügen! :) Tolle Antwort!

1

Ich habe vom Stillen an sich keine Ahnung und bin auch keine Kinderärztin. Ich schreibe nur meine persönliche Ansicht.

In westlichen Ländern scheint langes Stillen einfach verpönt zu sein. Warum weiß ich nicht. Wenn ich böse wäre, würde ich da auf Werbekampagne gewisser Hersteller tippen. Solange Du und Dein Sohn sich dabei wohl fühlen, spricht meiner Meinung nach nichts dagegen. Es gibt heute noch Länder, da wird jahrelang gestillt. Soll laut Untersuchungen ja auch gut fürs Immunsystem sein.

Zum Nährstoffgehalt kann ich nichts sagen, aber wenn das wirklich stimmen sollte, müßten vor noch Hundert Jahren oder so verdammt viele Kleinkinder verhungert sein, da die Mütter sicherlich so lange wie möglich gestillt haben, weil es kostenlos war. Und püriertes Essen im Glas gab es auch nicht und eine Milchkuh hatte auch nicht jeder. Mal abgesehen davon, daß Kuhmilch für Kleinkinder wohl gar nicht so gut sein soll. (Noch mal: Da habe ich keine Ahnung von, aber ich meine, mich an Zeitungsartikel in der Richtung zu erinnern.)

Ich würde einfach das Gewicht und Wohlbefinden des Sohnemanns im Auge behalten und wenn sich da irgendwas Negatives zeigt, das auf Mängel in der Ernährung hinweisen könnte, gegensteuern.

solange man dir nicht attestiert dass es schädlich ist würde ich mich davon nicht beeinflussen lassen.

jede mutter denkt sie sei die beste der welt und wenn andere etwas anders machen wird das erstmal sehr kritisch bewertet. wenn die ärztin einwände hat ist das natürlich was anderes, aber sie sagt ja auch nicht es wäre kontraproduktiv.

du kannst selbst am besten beurteilen was dein kind braucht. achte einfach auf dein gespür, und versuch halt auch das kind zu unterstützen selbstständiger zu werden - dazu zählt auch irgendwann von der muttermilch los zu kommen. also stell dir selbst die frage warum du noch stillst. weil du denkst, es tut deinem kind gut, oder weil du angst hast es würde sich dadurch ein kleines stück weiter von dir abnabeln?

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