Ist es ratsam als introvertiert-melancholisch dem Daodejing zu folgen?

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3 Antworten

Grüß Dich Depressi0n!

Jeder Mensch ist anders. Auch ich habe oft melancholische Seiten. Der eine hat sie, der andere weniger. Doch Gefühle die man hat, sollten anerkannt werden. Diese melancholische Seite gehört offenbar zu Deinem Wesen. Für mich habe ich das anerkannt. Sie hat aber den Vorteil, mehr als Otto-Normalmensch über das Leben nachzudenken. Das ist in jedem Falle richtig. Darüber brauchst Du nicht zu weinen, denn dann würdest Du denken, Du würdest falsch denken oder wärest ein Schwächling oder sonstwas. Und das ist sicher nicht richtig und fördernd.

In der griechischen Philosophie gibt es die Stoa. So nennt man diese philosophische Richtung und es gibt bedeutende Vertreter davon. Einer davon ist Seneca. Abgeleitet ist das Wort stoisch, das eine bestimmte Haltung meint, aber doch verfremdet und daher falsch verstanden wird.

Natürlich kann der Mensch lernen in vielen Dingen Gelassenheit an den Tag zu legen und sie ist nützlich und sehr gewinnbringend. Du kannst daraus ungeheuer viel lernen und sie hat bis heute überlebt und sich auch gewandelt. Aber es gibt auch einen heiligen Zorn, den der Mensch nicht übergehen sollte, wenn er denn berechtigt ist und auf Strömungen gerichtet ist, die das Menschsein unterminieren. Man darf sich nur nicht darin verlieren und sich selbst dabei entfremden. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa

Herzlichen Gruß

Rüdiger



vonGizycki 28.08.2015, 12:05

Noch ein Zitat des stoischen Philosophen Seneca, der in Rom lebte, Erzieher Neros und Spanier war. Leider hat Nero nicht auf ihn gehört.

„Der letzte Lebenstag, vor dem Dir so graut, ist der Geburtstag der Ewigkeit. Wirf alle Last von Dir! Wozu das Zögern? Hast Du nicht einst auch den Leib verlassen, der Dich der Welt verbarg, und das Licht des Tages erblickt? Du zögerst und willst nicht? Auch damals hat Dich die Mutter unter schweren Leiden ans Licht gebracht. Du seufzest und weinst? Das tun auch die Neugeborenen.“

Seneca hatte schon vor zweitausend Jahren enorm was auf dem Kasten.


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Hallo,

ich weiß nicht, wie alt du bist, daher ist es sehr schwierig, dir Ratschläge zu geben. Das chinesische Buch (oder auch Seneca) ist natürlich ganz toll. Der Haken dabei ist, dass man als jüngerer Mensch erst einmal alle (auch die unangenehmen) Gefühle und sich selbst (Möglichkeiten, Grenzen, Kreativität, Freude usw.) entdeckt und ein wenig gelebt haben sollte, bevor man sie wieder mit dem Bemühen um stoische oder sonst eine Ruhe für den Rest seines Lebens wieder aufgibt.

Es gibt keine wirklichen Abkürzungen auf dem Weg der Lebensweisheiten. Man muss auch dem Lauf der natürlichen seelischen Entwicklung eines Menschen folgen. Wenn du mich festlegen würdest, dann würde ich als Grenze für den Umschwung bei ca. 25 Jahren ansetzen.

Viel Freude - egal was du tust!

Michele

PS: Melancholie  ist an sich kein erstrebenswertes Ziel. Man sollte sie halt kommen lassen, wenn sie kommt und wieder vorüberziehen lassen, wenn sie wieder gehen will. Am besten ist eindeutig, dass man sie gar nicht beachtet, dann regelt sie sich meistens von selbst. Es gäbe theoretisch den Übertrick, in der Melancholie die nachhaltige Lebensfreude (das wäre ein erstrebenswertes Ziel!) zu suchen. Aber das würde ich Menschen jenseits der 40 Jahre überlassen.

Wenn du mehr über dich lernen willst, dann vermeide es, melancholisch da zu sitzen und zu grübeln. Du solltest täglich meditieren, in dich hineinhorchen und erkennen, wann dein Ego dir etwas vormachen will. Nur dein wahres Inneres kann dir die Wahrheit sagen. Versuche es zu erlauschen, von ihm zu lernen. Dann vergeht die Melancholie von selbst. Denn die Melancholie ist nur ein Teil des Ego, der Teil, der dich zum grübeln bringt. Also das ist nicht erstrebenswert.

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