Ist es normal, dass man sich mit Politik als Jugendlicher noch unsicher ist?

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9 Antworten

Ich kann deine Ansicht durchaus nachvollziehen, weil es mir teilweise ähnlich geht. Mal abgesehen davon, dass ich nicht mit deiner politischen Ansicht übereinstimme. Wir hatten hier ja schon mal diskutiert aber da bin ich ja wie so oft auf Ablehnung gestoßen, eben jene, die du selbst erlebst nur in einem anderen Kontext. Vielleicht erinnerst du dich noch es ging um Homosexualität.

Ich habe mich in jüngeren Jahren auch oft gefragt, ob irgendwas mit mir falsch ist. Natürlich habe ich herausgefunden, dass dem nicht so ist. Du beschreibst auch, dass du das Gefühl hast zu einer Minderheit zu gehören. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern Fakt aber sei es drum ich musste mich auch damit abfinden zu einer Minderheit zu gehören. Man gewöhnt sich dran. 

Ich hatte auch Angst vor den Reaktionen anderer Jugendlicher ähnlich wie du aber ich wurde nur bedroht und zum Glück nicht angegriffen. Aber ich kann diese Situation gut verstehen, da ich andere Homosexuelle kenne, die angegriffen wurden, übrigens auch von deinesgleichen also eher dem rechten Spektrum.

Ich traue mich manchmal auch nicht offen in der Gesellschaft zu mir zu stehen. Manchmal frage ich mich auch warum manche Menschen kein Verständnis und Toleranz zeigen.

Ob dieses Gefühl mit dem älter werden weg geht kann ich dir leider nicht beantworten aber ich habe es schon seit Jahren und ich mache mir auch in Zukunft Sorgen und nicht nur wegen des Rechtsrucks durch die AfD.

Wie du siehst haben wir beide ein ähnliches Problem und ich verstehe dich sehr gut, weil ich ähnliches erlebte. Wie ich oben schon erwähnt hatte weiß ich ja, dass du Homosexualität ablehnst. Dementsprechend kann ich dir gegenüber nun mal auch keine Toleranz/Respekt zeigen. Schließlich erwarte ich ja selbiges von dir, was aber aufgrund deiner rechten Gesinnung eher unwahrscheinlich ist. 

Ich hoffe ich konnte dir meine Ansicht etwas erklären und du denkst auch mal über deinen rechten Standpunkt nach. Ihr fordert immer nach Toleranz und Respekt aber für die meisten habt ihr genauso wenig Toleranz und Respekt übrig, wie euch heute von den meisten entgegengebracht wird. 

Think different!

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Ich selbst würde mich als national- konservativ  bezeichnen und ich habe
starke patriotische Ansichten, also ich tendiere in Richtung AfD und
habe auch Kontakt zu Funktionären dieser Partei. Ich bin auf ganzer
Linie von dieser überzeugt, ... Ich habe schon immer national gedacht ...

Ich kann nicht erkennen, dass der Fragesteller "mit Politik als Jugendlicher noch unsicher ist"! Denn politisch hat er sich doch eindeutig positioniert (sh. obiges Zitat).

Nein, es ist etwas anderes, was die Unsicherheit hervorruft, nämlich die z. T. heftige Ablehnung der politischen Positionen, die er vertritt. Das hat er auch schon selbst begriffen, denn er schreibt:

Trotzdem kommt es vor, dass ich mir manchmal sehr unsicher bin, gerade
was die Reaktionen anderer betrifft. Ich bekomme ja mit, dass ich mit
meinen Ansichten nicht gerade beliebt in der Gesellschaft bin.

Insofern offenbart sich der Sinn der ganzen Fragestellung nicht ohne weiteres. Wenn man genauer hinschaut, dann geht es um tief sitzende Ängste:

Ich fühle mich manchmal wie jemand, der einer Minderheit angehört,
gerade unter Jugendlichen und habe manchmal Angst vor den Reaktionen anderer, da ich auch schon mal angegriffen und bedroht wurde. Dieses Gefühl belastet mich manchmal und ich weiß nicht immer, wie ich damit umgehen soll. ... Aber werde ich, was Politik betrifft, immer der gehasste sein? Das macht mir ein wenig Sorge, wenn ich ehrlich bin.

Das größte Problem aber ist der Fragesteller selbst, denn er zieht aus seinen Ängsten die falschen Schlussfolgerungen:

Ich stelle ja meine Denkweise nicht in Frage, aber weiß eben, dass sie "anders" ist.

Und das ist der Kardinalfehler, den viele - junge oder ältere - Menschen machen und mangelnde Eignung als Politiker befürchten lassen: die Unfähigkeit oder der Unwille - das kann ich nicht beurteilen -, eigene Meinungen ständig kritisch zu hinterfragen und ggf. auch ganz oder in Teilen zu korrigieren.

Was z. B. besonders kritisch zu hinterfragen ist, ist das widersprüchliche Weltbild des Fragestellers: national, konservativ, patriotisch.

Konservative und patriotische Ansichten schließen sich nicht aus, sind, wenn sie wohlverstanden sind, demokratische Einstellungen. Die klare "nationale" Überwölbung dieser Einstellungen aber trifft mit Recht bei allen demokratisch denkenden, auf dem Boden unserer Verfassung, des Grundgesetzes, stehenden Menschen auf deutliche Ablehnung. Diese Ablehnung beruht auf genauer Kenntnis der geschichtlichen Vorgänge seit Entstehung des Nationalismus am Ende des 18. Jahrhunderts, der in allen Ländern das eigene Volk als allen anderen überlegen betrachtete. Die Folgen sind hoffentlich bekannt.

Im Gegensatz zu rechten und linken Extremisten, die als "Diskussionspartner" gerne mal zu brachialen Argumenten greifen, hätte der Fragesteller von demokratischen Diskutanten allenfalls verbalen Gegenwind zu spüren. Das aber ist in einer Demokratie, in der Meinungsfreiheit herrscht, ein normaler Vorgang, sodass die entgegengesetzten Meinungen auch einmal hart aufeinanderprallen. Das muss man, wenn man in die Politik gehen will, zu ertragen lernen. Jedenfalls gibt es trotz aller Gegensätze im politischen Detail unter Demokraten immer einen Grundkonsens: die uneingeschränkte Akzeptanz der Werte unserer Verfassung, des Grundgesetzes, die von Extremisten unmissverständlich abgelehnt, gelegentlich auch gewaltsam bekämpft werden.

Die AfD ist aufgrund der Äußerungen etlicher ihrer Mitglieder in den Verdacht geraten, den demokratischen Grundkonsens - sagen wir mal: höchst flexibel zu handhaben und damit in Richtung Extremismus zu driften. Als Parteimitglied bist du von dieser Meinung der Demokraten mitbetroffen. Es wird an dir liegen, ob du einen solchen Kurs der AfD unterstützt oder zu korrigieren hilfst. Entsprechend wird man dir in Diskussionen begegnen.

MfG

Arnold

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Geht dieses Gefühl mit dem Älterwerden weg?

Ja. "Älter werden" hilft dabei ungemein. Aber du wirst vor allem entspannter, wenn du in der Argumentation sicherer wirst und - dank vertieftem Wissen - begründen kannst, was du denkst.

Aber werde ich, was Politik betrifft, immer der gehasste sein?

Sagen wir es mal so: Nationalisten und Patrioten sind gemeinhin nicht gerade mit Intelligenz gesegnet. Es gibt einzelne darunter, doch sie sind rar. 

(Das ist nicht meine Meinung, sondern das Ergebnis zahlreicher Studien.)

Insofern wirst du dich immer einem "im Schnitt höheren Intelligenzquotienten" gegenüber sehen. Ob das nun auf Hass hinausläuft, ist wohl eher eine Frage der Emotionen; aber nationalistische Ansichten lassen sich nicht sauber verargumentieren; du wirst also bei vielen Diskussionen den Kürzeren ziehen. Und das meint nicht die emotionale Basis, sondern die Fakten-Basis.

In diesem Sinne wirst du im Laufe der Zeit selbst feststellen, dass du dein Weltbild partout nicht schlüssig machen kannst. Und dann wirst du es modifizieren.

Doch "gehasst zu werden" sollte dich nicht dazu bringen. Denn Emotionen sind nie ein guter Ratgeber. Auf keiner Seite.

Ich habe schon immer national gedacht und mich auch in jüngeren Jahren immer gefragt, ob etwas mit mir "falsch" ist.

Nein, "falsch" ist mit dir gar nichts. Dir fehlt nur die (Lebens-)Erfahrung und das Hintergrundwissen, um deine Meinung besser gewichten zu können.

Anders ausgedrückt: Je älter du wirst, je mehr Erfahrung du sammelst, je mehr Wissen du anhäufst, desto zweifelhafter wird dir vorkommen, was du heute noch als "ultimativ richtige Einstellung" zu kennen glaubst. Nicht ohne Grund liegt die Hauptzielgruppe extrem rechter Organisationen in eben diesem Alter zwischen 15 und 27 Jahren: Sie sind sehr viel empfänglicher dafür, auf etwas stolz zu sein, für das sie nie einen Finger gerührt haben...

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Trotz alledem: Lasse dich nicht unter Druck setzen! Die Dinge brauchen ihre Zeit. Auch die Entwicklung einer eigenen Meinung. Probiere dich aus! Teste deine Meinung! Prüfe sie auf dem Schleifstein der Diskussion!

Bewahre dir nur die Fähigkeit, die dich zu dieser Frage trieb: Also die Fähigkeit, an dir selbst zu zweifeln! Der Rest ergibt sich irgendwann von ganz allein.

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Du wirst in 2 Monaten 18. Ich war 18 und 2 Monate als ich im 2. Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen wurde. Nach 5 Jahren kam ich aus der Gefangenschaft zurück.

Damals gab es nur die einseitige Propaganda. Der habe ich geglaubt. Erst nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft habe ich gelernt, Nachrichten und Informationen kritisch zu betrachten.

 Ich habe nach wie vor meinen Nationalstolz. Das heißt aber nicht, dass ich stolz darauf bin, ein Deutscher zu sein. Ich bin Stolz auf meine Vorfahren und auf die Generationen, die aus dem Trümmerhaufen Deutschland nach dem 2. Weltkrieg eine der führenden Industrienationen geschaffen hat.

Ich bin und fühle mich aber auch als Europäer. Aus meinen Erfahrungen kann nur ein vereintes Europa Kriege zwischen den einzelnen Staaten  verhindern. Falscher Nationalstolz führte schon zum 2. Weltkrieg.   

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Da du dich seit 3 Jahren politisch bildest, bist du in deinem Umfeld bereits eine Minderheit. Schau dich nur hier bei GF um, wie albern und ignorant hier argumentiert wird. Man weiß es nicht besser, aber ist dagegen.

Geh in die Jugendorganisation einer Partei. Haben wir nicht schon mal darüber gesprochen?

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julianmaxi 07.06.2016, 20:55

Ich bin ja bei der AfD und trete dort auch bald bei. Aber das ändert ja mein Gefühl nicht. Als offizielles Mitglied werde ich ja nur noch mehr angegriffen.

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Zunächst mal finde ich es gut, dass du deine Meinungen sachlich (und auch gut formuliert) vortragen kannst. Mir ist dann folgende Sache aufgefallen: einerseits schreibst du, dass dich das Gefühl belastet, "angegriffen" zu werden (das kenne ich, dabei sind wir politisch gesehen an verschiedenen Stellen des politischen Spektrums, inhaltlich gesehen). Andererseits schreibst du, dass du deine Denkweise nicht in Frage stellst.

Letzteres ist ein bisschen verwunderlich für mich, denn das klingt für mich danach, als ob der Denkprozess (mit 18 Jahren in deinem Fall) als "abgeschlossen" befunden wurde (warum?), was danach klingt, dass eine Entwicklung im nächsten Lebensjahrzehnt erst mal als unerwünscht angesehen wird. Vielleicht täusche ich mich da ja auch.

Nur ein einziges Mal hatte ich (als jemand, der eher den Grünen nahe steht) so etwas wie leichte "Zustimmung" zu AFD Positionen bei mir bemerkt, als Lucke seine (immer sachlichen, und nie unfreundlichen) wirtschaftlichen Positionen vortrug. Mit der neuen Partei (vor allem mit den unsäglichen Gauland und Höcke) kann ich gar nichts mehr Positives assoziieren.

Ich habe meine ("linke") Denkweise durchaus zeitweilig in Frage gestellt, aber dann war die Realität einfach so, dass nun Leute in der AFD das Sagen hatten, die ich nicht mehr unterstützen konnte (aufgrund einer nicht mehr gegebenen sachlichen Übereinstimmung, und aufgrund einer nicht mehr gegebenen stilistischen Übereinstimmung). Das AFD-Programm ist übrigens gerade nicht das Problem (ich traue einigen der Menschen nicht).

Ich stimme der Aussage von wolfgang11 völlig zu. Wichtig ist vor allem, dass die Menschen in Europa gemeinsam friedlich leben können, daran sollten wir gemeinsam arbeiten. Es gilt, die Gemeinsamkeiten, und nicht die Unterschiede zu betonen.

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Das Gefühl geht mit den Älterwerden nicht zurück! Es verstärkt sich Richtung Dreißig. Nur dann wirst du auch genau unterscheiden können mit wen du darüber reden kannst und mit wen nicht. 

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Dein Problem ist dein soziales Umfeld, bzw. das soziale Umfeld was man als Heranwachsender normalerweise hat.

Speziell bei den unter-20 Jährigen dominieren linke Weltanschauungen, weil es eben wesentlich einfacher ist sich die Welt wie sie sein sollte zurechtzuträumen, anstatt zu akzeptieren das es bestimmte Regeln und Gesetzmäßigkeiten gibt nach denen soziale Gemeinschaften und ganze Gesellschaften funktionieren und die man nicht so einfach nach gutdünken über den Haufen werfen kann.

Außerdem ist es besonders in jungem Alter den meisten enorm wichtig, ja nicht aus der Masse herauszustechen...: sprich die meisten von denen man in der Altersstufe umgeben ist sind einfach nur Mitläufer die sich ( nicht nur politisch ) dem Mainstream angepasst haben.

Hinzu kommt dann noch, daß sich die Linken nur allzu gern als " die Guten " sehen, sich für moralisch höherwertig halten und sowieso prinzipiell auf der angeblich " richtigen " Seite stehen......: das gibt einem Heranwachsenden der meist noch nicht das geringste für die Gesellschaft geleistet hat ein dauerhaftes Belohnungsgefühl.

Übrigens  gibt jeder Angriff auf " jemanden wie dich " solchen Leuten sogar noch ein zusätzliches Belohnungsgefühl, weil sie ja für sich in Anspruch nehmen gegen " das Böse " in Form von jedem der eine abweichende, oder sogar konservative Einstellung hat vorzugehen.

Deine Unsicherheit wird sich sofort legen, sobald du aus der schulisch-/ studentisch geprägten Umgebung heraus bist. Da wo du es vorwiegend mit normalen...erwachsenen Menschen zu tun hast die nichts weiter wollen als in Ruhe leben und ihre Familie durchbringen wirst du auf wesentlich mehr Zustimmung zu deiner Weltanschauung stoßen.

In der Umgebung wird dann der meiste Wiederstand von Leuten kommen, die von den derzeitigen Verhältnissen in irgendeiner Form profitieren. Und Varianten dieses " profitierens " gibt es jede Menge.

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julianmaxi 07.06.2016, 21:54

Was meinst du mit dem letzten Absatz? Und mein soziales Umfeld ist eigentlich ziemlich normal und besteht aus überwiegend "linken" jugendlichen, Leute mit meiner Anschauung habe ich nur in meiner Partei. Und ich habe mir die Meinung ja selbst gebildet, also sie kommt auch nicht von Eltern o.ä, da diese sich eher in Richtung CDU/ CSU bewegen und ich ja dann doch ein Stück weiter "rechts" bin.

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ach lass sie reden, die Gesellschaft ist falsch gepolt ;)

Gibt sich mit der Zeit vielleicht, pendelt sich ein

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julianmaxi 07.06.2016, 20:49

Was pendelt sich ein? Damit umzugehen oder die Gesellschaft?

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