Ist es normal, dass die Leute in unserer Gesellschaft "Dreck am..." haben, nur keiner spricht darüber, obwohl es alle wissen. Erst, wenn es bewiesen ist, dann?

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2 Antworten

Nein. Es liegt an einem ganz grundsätzlichen Credo in der demokratischen Gesellschaft: In dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten. Man darf einen Menschen nicht verurteilen oder bestrafen für etwas, das nicht bewiesen ist. Auch üble Nachrede gehört da irgendwie dazu. Solange jemand nicht angeklagt ist, und niemand konkrete Beweise vorgelegt hat, ist er kein Verbrecher.

Das hat gute Gründe, denn es schützt vor (staatlicher) Willkür und Denunziantentum. Wie wir alle wissen, sind gerade Gerüchte eine schöne Quelle an unbewiesenem Wissen, das alle Leute aber glauben, denn "ich kenn einen, der hat einen Bekannten, dessen Schwager weiß ganz sicher, dass dieser Typ ein ganz übler Verbrecher ist und heimlich in Bordelle geht". Gerüchte können Menschenleben zerstören, Karrieren, sogar ganze Familien und auch Konzerne und so auch Arbeitsplätze kosten.

Natürlich kommt es ebenso vor, dass manche Verbrecher nicht angeklagt werden. Dass Politiker Dinge abstreiten, die sie am Ende trotzdem getan haben. Es braucht eben einen Mutigen, der Anklage erhebt und Fähige, die Beweise finden. In dubio pro reo hat natürlich auch einige negative Seiten, klar, dennoch überwiegen die positiven und perfekt existiert in einer unperfekten Welt nicht. Absolute Gerechtigkeit wird vermutlich nie herrschen, außer bei Disney.

Ehrlich gesagt finde ich aber, gerade bei Clinton, heute noch, dass die privaten (ehelichen) Probleme nicht in die Öffentlichkeit (gezerrt oder getragen) gehören und vor allem keinerlei Bezug zu den beruflichen Fähigkeiten eines Menschen haben. Es gibt sogar äußerst erfolgreiche geschiedene Eheberater.

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Kommentar von Sirias
27.05.2016, 09:45

Ja, das Clinton Beispiel ist vielleicht nicht das Beste.

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Bill Clinton hat mit seiner Affäre seiner Frau geschadet und vielleicht seinem Seelenfrieden, der Allgemeinheit jedoch nicht. Andere haben schlimmeres getan - Vergewaltigungen, Morde, Vernichtung von Existenzen. Was du ansprichst ist eine der wesentlichen Stützen unserer Kultur: die Unschuldsvermutung. Man benötigt hieb- und stichfeste Beweise, bevor man jemanden anprangert oder verurteilt. Das wird immer wieder aufgeweicht, ist aber ein hohes gut.

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Kommentar von Sirias
27.05.2016, 09:34

Doch, Bill Clinton hat gelogen und somit deutlich gezeigt, welchen Charakter er hat und somit auch dem Amt des Präsidenten geschadet. Er hat damit doch allgemeines Vertrauen verspielt.

Wer also freiwillig etwas zugibt ist selbst Schuld?

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Kommentar von JanRuRhe
27.05.2016, 09:46

Hallo ???
Hast du noch nie gelogen?
Ich kenne nicht einen Politiker , der nicht lügt. Man muss die Tragweite und die Dreistigkeit der Lüge in Betracht ziehen. Die Treibjagt auf Clinton damals war unglaublich- und hat letztendlich auch zu seinem Machtverlust geführt. Da hat die Gerechtigkeit einen Pyrrus-Sieg erreicht, denn wir bekamen George W. Bush.

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Kommentar von JanRuRhe
27.05.2016, 17:04

Ich stimme dir im Prinzip 100% zu.Auf der anderen Seite sagt man jeder Frau wie gut sie aussieht, und sage mir keiner das ist alles ungelogen.
Aber Bill Clinton ist ein Beispiel, wo er für seine Lüge bezahlt hat.
Was ist mit Kohl, Schröder und allen anderen, die sich hinstellen und was erzählen, was definitiv nicht stimmt?
Die Atom-Manager in den 80ern, was sie erzählt haben? oder Wirtschaftsführern wie Siemens-Chefs die sagen "Mitarbeiter sind unser höchstes Gut" und keine 3 Jahre später 5000 Leute rausschmeißen? Adenauer sagte: was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.  So sind sehr viele unterwegs. Ja - jeder hat irgendwie was auf dem Kerbholz. Meist ist es weniger schlimm. George W. Busch hat zum Lügen eine ganze CIA-Armee im Hintergrund und damit einen der folgenschwersten Kriege aller Zeiten ausgelöst. Das ist schlimm, bewiesen und trotzdem ist er nie so auseinandergenommen worden wie Clinton.

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