Ist es nicht eigentlich möglich, Photonen aus einem schwarzen Loch zu lösen, wenn man eine genügend starke Gravitationsquelle in die Nähe bringt?

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2 Antworten

NoTrolling,

du gehst in deinem Kommentar weiter unten davon aus, daß man eine beliebige "Gravitationsquelle" in die Nähe eines SL bringen kann, um einen Effekt zu erzielen.

Dann nimm doch mal einen Stern, meinetwegen einen Blauen Überriesen von 50 Sonnenmassen und ein dagegen geradezu mickriges SL von 5 Sm. Die Gravitation fällt mit dem Quadrat der Entfernung, weshalb das SL den Stern durchaus auf einer stabilen Bahn umkreisen kann. Auf diese Entfernung sind die gravitativen Effekte des Sterns in unmittelbarer Nähe des Ereignishorizontes (EZ) aber minimal.

Wenn beide Objekte sich aber nähern, dann ist nicht die absolute Masse eines Objektes entscheidend, sondern deren Konzentration, der Gradient der jeweiligen Schwerkraft. Es treten enorme Gezeiteneffekte auf und dann nützt dem Stern seine große Masse garnichts. Er wird von dem viel kleineren SL einfach zerrissen und das bedeutet, daß seine Masse nicht länger konzentriert bleibt, sondern sich auf eine Akkretionsscheibe verteilt.

Solche Effekte sind bei einem kleinen SL viel zerstörerischer als bei einem großen, also betrachten wir lieber ein supermassives, z.B. unseren schlummernden, dunklen "Kumpel" im Zentrum der Milchstraße.

Bei der Annäherung an selbigen steigt der Gravitationsgradient langsamer als bei einem stellaren SL, aber ein Stern hat trotzdem schlechte Chancen einen meßbaren, gravitativen Effekt zu bewirken, denn dort ist die Relation immerhin 4 Mio. zu 50 - der 50 Sm-Stern kann nicht "in einem Stück" nahe genug kommen, um eine "gravitative Delle" zu bewirken - dieses Objekt würde Sagittarius A* wohl kurzzeitig in einen Quasar verwandeln, während es sich die "Mahlzeit" schmecken läßt.

Man benötigt also auch bei Sag.A* eine hinreichend konzentrierte Masse mit einem enormen Gravitationsgradienten und was haben wir da zur Verfügung, das nicht bereits ein SL ist?

Nehmen wir einen Neutronenstern. Ein kleines SL würde auch den zerreißen, aber bei Sag.A* hätte der N-Stern Chancen sehr nahe zu kommen. Dabei wird er zwar seine Form verlieren und sich strecken, aber der riesige EZ von Sag.A* kann ihn in einem Stück "verputzen" - im letzten Moment könnte ein Effekt eintreten, der den EZ lokal neutralisiert, also die von dir gewünschte Delle erzeugt.

Ob sich im Moment der Kollision Photonen aus dem SL "befreien" wage ich zu bezweifeln, denn die hängen zwischen 2 Schwerkraftpotentialen und bereits Millisekunden später ist das Potential von Sag.A* noch ein klein wenig größer als zuvor.

Die Berechnung solcher Vorgänge ist nur extern (jenseits des EZ) zuverlässig, denn wir haben ja keinerlei Beobachtungsdaten, die hinter den EZ reichen. Von der ART wissen wir sicher, daß sie im Kern eines SL ihre Gültigkeit verliert, aber wir wissen nicht mit Sicherheit wie weit hinter dem EZ sie noch gültig ist?

Ein N-Stern hätte auf jeden Fall den massivsten Effekt einer noch konventionellen Masse auf ein SL, aber ich bezweifle ob das wirklich reicht? Ein stellares SL würde bei der Kollision mit Sag.A* auf jeden Fall deutlichere Effekte bewirken, aber ob dadurch Photonen entfleuchen könnten.....

Die Theorie geht nämlich davon aus, daß ein Informationsaustausch mit irgendetwas hinter dem EZ unmöglich sei und "entfleuchende" Photonen wären genau das. 

Andererseits haben unsere Theorien über SL noch deutlichen Nachbesserungsbedarf und solange das noch der Fall ist, darfst du dir deine eigenen Gedanken machen....

Viel Spaß dabei

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Bei nochmaligem durchlesen war ich versucht den kompletten Text wieder zu löschen, oder mindestens zu überarbeiten, aber nachdem ich schon mal meine Fingerkuppen traktiert habe lasse ich es als metaphysikalischen Beitrag stehen.

Danke für deine Antwort! Warum bist du mit deinem Beitrag nicht zufrieden?

"Die Theorie geht nämlich davon aus, daß ein Informationsaustausch mit irgendetwas hinter dem EZ unmöglich sei und "entfleuchende" Photonen wären genau das."

Diese Tatsache ist der Grund dafür, dass mir meine Überlegung seltsam vorkommt. Meine Frage war auch eher darauf ausgerichtet, eine Gegenthese zu hören, als Bestätigung zu suchen. Ich glaube nicht, dass renommierte Wisenschaftler bisher noch nicht über dieses Problem nachgedacht haben!

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@NoTrolling

Warum ich nicht zufrieden bin - bischen durcheinander und mehr Metaphysik als mir vorschwebte...

Was deine letzte Frage betrifft: mußt mal Hawkings "Kleine/kürzeste Geschichte der Zeit" lesen. Hawking hat sich vorrangig mit SL's beschäftigt, besonders mit dem Informationsparadoxon. Er kommt letztlich zu dem Schluß, daß keine Information völlig verloren geht, weil auch die massivsten SL's irgendwann zerfallen und dabei wieder Information freigeben (Billiarden Jahre) - finde ich irgendwie eine lustige Vorstellung.

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Dankeschön

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Das einzige was eine stärkere Gravitationskraft hat als ein schwarzesloch hat, ist ein größeres schwarzes Loch. Möglich wäre es aber

Danke zunächst mal für die Antwort!

Ich glaube nicht, dass es nötig ist, ein ähnlich großes Gravitationsfeld zu erzeugen. Allein wenn das Feld am EH etwas neutralisiert wird, gelangen Photonen, die ursprünglich direkt darauf waren, in den Bereich außerhalb und können dadurch abstrahlen.

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@NoTrolling

Interessante Denke.

Dann würde jede beliebige Masse ausreichen, um den Ereignishorizont an bestimmten Stellen "einzudellen", während sie aber gleichzeitig auf der gegenüberliegenden Seite des Schwarzen Loches den Ereignishorizont etwas ausbauchen lassen.

Auf so einen Gedanken muss man erst mal kommen.

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mojoi so Antwortet man, wenn man nur halbwissen besitzt was man von einem YouTube Kanal her weiß (clixoom) 😏 die Begriffe vom schwarze Loch her kenne ich und weiß auch was sie bedeuten, aber mit photonen kann ich nichts anfangen. da sich glaube aber alles ziemlich gleich verhält in einem schwarzen Loch, schien mir das iwie logisch

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Das einzige was eine stärkere Gravitationskraft hat als ein schwarzesloch hat, ist ein größeres schwarzes Loch

Paradoxerweise wäre es genau umgekehrt:

Ein kleineres SL hat am EZ einen höheren Gravitationsgradienten und deshalb einen stärkeren Effekt. 

Falls also irgendetwas aus einem SL "gerissen" wird, dann vom größeren ins kleinere - das gleich darauf selber verschluckt wird, also auch keine "Freiheit für Photonen" :)

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