Ist es möglich, Wirtschaft zu verstehen?

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12 Antworten

Und zwar die Weltwirtschaft, das gesamte System, sodass man wirklich darüber urteilen kann, was gut für die Welt ist und was nicht?

Wenn's möglich wäre, dann würde es die Wirtschaft in heutiger Form nicht geben weil man alles berechnen könnte. Es gibt zwar immer neue Mathematiker, die behaupten alles Mögliche in der Wirtschaft berechnen und vor allem voraussagen zu können aber insgesamt ist die Sache zu komplex.

auf Aussagen wie "Schafft die Zinsen ab!" von selbsternannten Finanzexperten

Das ist eine vernünftige Aussage aber es wäre die grösste Revolution der Weltgeschichte mit entsprechenden Opferzahlen. Fast die gesamte Welt lebt im Kapitalismus, dessen Grundlage der Zins ist. Das ist keine Frage der Wirtschaft, sondern eher der Politik. Die gesamten Machtverhältnisse würde man umstürzen mit so einer "Reform". Solche Probleme kann die MEnschheit (leider) nicht gewaltlos lösen.

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EminemVEVO 28.03.2014, 01:05

Dann unterliege ich tatsächlich einer gewaltigen Fehlannahme? Ich muss mich nicht jahrelang mit dem Thema beschäftigen, um alle dem System verbundenen Fragen beantworten zu können?

Was muss ich tun, um die Welt zu verstehen? Charaktereigenschaften, also individuelle Voraussetzungen außen vor gelassen...

Ich lerne nämlich noch Geschichte, Biologie, Psychologie/Soziologie und Politik. Was könnte noch helfen?

Heißt das jetzt, meine Pläne, etwas über BWL/VWL, Börse etc. zu lernen, ist zum Verständnis der Welt nicht notwendig? Oder ist die Zinsfrage eine Ausnahme (dass man sie so leicht beantworten kann, scheinbar)?

Ich kann nicht so recht glauben, dass diese Frage so leicht zu beantworten ist mit den Zinsen... aber wenn es sich nur auf die Banken beziehen sollte primär, dann wäre das ja wiederum vielmehr eine politische Frage und somit tatsächlich für den Laien ersichtlich. ..... mmhhhhhh :/

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aptem 28.03.2014, 03:52
@EminemVEVO

Es ist wie auf jedem Gebiet. Das Eine ist verstehen wie etwas funktioniert, das Andere konkrete Aufgaben bewältigen. Ich verstehe auch ziemlich gut wie ein Auto funktioniert und kann auch ein Problem ausmachen wenn mal was nicht funktioniert, aber ohne Ingenierssstudium kann ich kein neues Auto entwickeln. Weil man z.B. ganz spezielle Kenntnisse brauch wie Materialkunde.

Genauso ist es mit der Wirtschaft. Die Grundprinzipien zu verstehen gehört schon denke ich zur Allgemeinbildung. Und es reicht auch um sich ein Urteil zu erlauben über solche Sachen wie die Rolle des Zins. Heisst aber nicht, dass Du in der Lage bist eine Risikoberechnung zu machen oder eine Investitionsentscheidung zu berechnen. Dazu braucht man solide mathematische Grundlagen und Kenntnisse in der Wirtschaftswissenschaft.

Gerade beim Problem vom Zins ist wichtig, dass man einen Gegenvorschlag hat. Days kapitalistische System, in dem das Kapital eine so wichtige Rolle spielt mag ja nicht perfekt sein oder sogar schlecht, aber es funktioniert irgendwie. Wenn man daher kommt mit dem Vorschlag das Ganze umzuschmeissen, dann sollte man auch eine Idee haben wie man es anders machen würde. Sonst ist es einfach leerer Unmut über die Zustände.

Doch viele tun genau das und wiederholen einfach solche "Mantras" wie "der Zins muss weg" ohne dei Konsequenzen zu verstehen.

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EminemVEVO 28.03.2014, 19:07
@aptem

Leider kann man hier kein "hilfreichstes Kommentar" geben, fand dieses Kommentar nämlich weitaus besser als die eigentliche Antwort. ;-)

Sehr guter Vergleich, so langsam leuchtet's mir ein. Hast du simpel und sehr gut verständlich geschrieben, vielen Dank, bringt mich weiter!

Außerdem bekräftigt es mich darin, weiter zu lernen, denn wer pöbelt, muss es erst einmal besser machen. :-)

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Dass die internationalen Beziehungen der Weltwirtschaft immer komplexer und unübersichtlicher werden, ist keine Frage. Das hat aber nichts mit der Frage der Zinsen zu tun. "Zins" ist der Name für einen speziellen Preis, den es für eine bestimmte Leistung der Finanzverschiebung über die Zeit gibt. Wer heute ein Auto kaufen will, das er erst in insgesamt 10 Jahren finanzieren kann, der ist froh, wenn ihm jemand einen finanzierbaren Preis dafür nennt, dass er ihm das gesamte Geld vorstreckt. Der vorstreckt verzichtet ja darauf, über 10 Jahre das Geld selbst anderswo ausgeben zu können. Leute, die gern jetzt etwas konsumieren oder investieren, was sie jetzt nicht alleine bezahlen können, wird es immer geben und hat es immer gegeben, seit es in entwickelten Kulturen Tauschhandel gibt, noch bevor "Geld" erfunden wurde. Geld ist nicht die Voraussetzung für Zins, sondern ein Bedarfsgefälle derer, die jetzt etwas wollen ohne es zu haben und denen, die jetzt mehr haben als sie gerade ausgeben wollen. Ein Teil dieses Preises ist auch Risikoabdeckung, denn wer Geld verleiht, läuft das Risiko, es nicht mehr zurückzubekommen. Diese Bezüge bestehen in JEDER Wirtschaftsform. Der Unterschied ist dann nur, wer das Risiko trägt und wie weit durch ein Ausbremsen der Verleihbereitschaft auch die Wirtschaftsentwicklung ausgebremst wird. Denn das Verleihsystem ist ein echter Wirtschaftsmotor, weil brach liegende Mittel in produktive Anwendung gebracht wird.

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Fang mal hiermit an: http://www.mwkel.rlp.de/File/Wie-funktioniert-die-Wirtschaft-pdf/

Das ganze System ist sehr komplex mit vielen handelnden Akteuren und damit eben von deren Handlungen auch anhängig Und ich wette, das es - wenn überhaupt - nur sehr wenige Menschen gibt auf der Welt, die das komplexe System vollständig verstehen und "vorhersagen" / berechnen können, welche Handlung welche Folge haben wird.

Das wäre schon eine schöne Aufgabe für einen Mathematiker/ Informatiker - ein solches Modell mal zu erstellen und dann auch noch zu programmieren.

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Also Erstens, glaube ich nicht, dass man für alles studieren muss im Sinne eines akademischen Abschlusses, man muss sich nur damit beschäftigen, das aber eben auf eine bestimmte Art und Weise.

  • Vorurteilsfrei
  • Alle Aspekte beachtend ( siehe z.B. das Beispiel von Saatgut, sicher nicht seine/ihre Idee, sondern die Idee "der Linken" im Allgemeinen. In dem Beispiel sind so viele Dinge unberücksichtigt, dass das Ganze für den Müll ist )
  • sich an die Naturgesetzte halten ( gerade in Wirtschaft buchen viele nur per oder an, aber nie doppelt, was eben garnicht funktionieren kann )
  • sich das Zweifeln erhalten, nichts einfach nur glauben, sondern so lange nachhaken, bis man es wirklich nachvollziehen kann.

Wenn man das beherzigt, kann jeder Laie einen Teil zumindest gut verstehen. Die Frage ist nur, ob einem dieses Wissen dann viel nützt.

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Auf der einen Seite ist es eine einfache Rechnung: soundsoviel wird produziert, soundsoviel wurde reingesteckt. Manche Dinge lassen sich aber nicht in die Berechnung (und es geht ja in der Regel um Prognosen und nicht um den Ist-Zustand) mit einbeziehen. Zugang zu Rohstoffen, Motivation der Beschäftigten, Embargos, Politische Entwicklung etc. Das schlimmste aber ist, dass jede Aussage über die wirtschaftlichen Zusammenhänge immer auch ein Politikum ist (Paradebeispiel Armutsbericht). Das merkt man beispielsweise bereits, wenn man versucht sich so etwas einfaches wie eine objektive Arbeitslosenstatistik zu besorgen. Soll heissen: die Dinge sind komplex, aber wenn jemand die Wahrheit kennt, dürfte er sie nicht sagen.

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Im Prinzip kann niemand uneingeschränkt die Folgen gewisser Maßnahmen in der Wirtschaft zweifelsfrei voraussagen etc. Daher gibt es ja auch unter sogenannten Experten immer so unterschiedliche Meinungen. Wenn man sich Gedanken macht was Wirtschaft denn überhaupt ist, wird einem bewusst, dass alles andere auch sehr merkwürdig wäre:

Wirtschaft ist das zusammenspiel von circa 7Mrd Menschen. Diese Menschen gesalten zB Angebot und Nachfrage etc. Man müsste voraussagen können wie sich alle Leute verhalten. Wie sie auf bestimmte Situationen reagieren. Für einige Dinge ist das tendenziell möglich. (Aber halt auch nur tendenziell) Für andere Dinge muss mans ausprobieren um es zu wissen (was nicht die Garantie dafür ist, dass sie beim nächsten mal wieder genauso reagieren...)

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Das scheitert schon im Ansatz, denn es gibt zig verschiedene Meinungen, was "gut für die Welt" ist.

Das Studium überschätzt Du. Es kommt auf eine geeignete Mischung zwischen akademischen und prakmatischem Vorgehen an. Und das kann nicht eine Person alleine stemmen.

Das fokussieren auf einen Teilaspekt ist nahezu immer kontraproduktiv. Es kommt schliesslich darauf an, dass alle Teile zusammenpassen. Hinzu kommt die eher esoterische Erkenntnis, dass es nichts gibt was nur positiv oder nur negativ ist.

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EminemVEVO 27.03.2014, 23:26

Bei mir läuft sowieso prinzipiell alles über Selbststudium. ;-)

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Du kannst durchaus ein gewisses Grundverständnis im Bereich des Geldsystems und der damit zusammenhängenden Wirtschaft haben.

Niemand weiß alles über alle Teilbereiche, aber über die wichtigsten kann man sich durchaus informieren.

Naja, das kommt auf die Aussage drauf an, auch als Anfänger kann man ein paar Aussagen treffen, wenn man sich dessen Auswirkungen bewusst ist. z..B "schafft die Zinsen ab" klingt im ersten Moment ganz gut, aber ohne Zinsen würde unser komplettes System nicht funktionieren und niemand kann sagen welche Alternative die wirklich bessere wäre.

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Wenn man sich mit der Wertschöpfung (Geld) mal auseinander gesetzt hat, kann man sich sehr wohl eine Meinung zum System bilden. Wie Wirtschaft im kapitalistischem System funktioniert, kannst Du fast überall nachlesen. Um sich eine eigene Meinung, egal zu welchem Thema, bilden zu können, muß man sich informieren und sich Gedanken dazu machen, aber nicht unbedingt studieren.

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Wer wollte dann vielleicht noch Geld verleihen, wenn es keine Zinsen gäbe? Nur, um dabei das Risiko der ausfallenden Rückzahlung zu tragen, würden sich wohl weder eine nennenswerte Anzahl Privatpersonen, geschweige denn Banken, dazu bereit finden. Kredite sind aber lebenswichtig für die Wirtschaft im Großen genau so wie beim kleinen Gemüsehändler. Was die Guthabenzinsen betrifft, sind sie ja schon fast geschafft. Zum Nachteil der vielen Menschen, die sich an andere Anlagen nicht herantrauen und somit jedes Jahr weniger Geld von ihrem Ersparten besitzen. Erleben wir tatsächlich noch die Abschaffung des Bargeldes, was keineswegs utopisch ist, dazu Minuszinsen, dann ist das Glück vollkommen. Für Regierungen hätte es einige Vorteile. Dann wäre nämlich schwarz und bar auf die Kralle nicht mehr möglich. Plötzlich kommt man in Brüssel darauf, dass jeder Mensch Anrecht auf ein Girokonto hat. So ein Zufall aber auch. Etwas spät, meine ich.

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EminemVEVO 28.03.2014, 01:38

Hehe, also doch nicht so leicht zu beantworten, nicht wahr?

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Sonnenstern811 28.03.2014, 02:09
@EminemVEVO

Nein, das ist es gewiss nicht. Mehr Wirtschaftsfachleute als Juristen im Deutschen Bundestag und in der Regierung wäre auch nicht schlecht. Leider ist das Verhältnis krass umgekehrt und somit gehen wir mit unseren Schulden auch wieder "herrlichen Zeiten" entgegen. 1914-18 kam leider was Anderes dazwischen. Diesmal ist es die Staatspleite, für die wir Alle noch kräftig werden löhnen müssen.

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EminemVEVO 28.03.2014, 02:32
@Sonnenstern811

Nur, damit wir uns nicht missverstehen: Stehst du demnach auch den anderen Antworten hier skeptisch gegenüber (zumindest irgendeiner, die aussagt, man könne sich auch ohne Expertenwissen dazu eine fundierte/ausreichende Meinung bilden)?

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Oderdochnicht 28.03.2014, 14:15
@EminemVEVO

Schon lustig, wie Aussagen ausgelegt werden können. Für Dich steht demnach fest, daß Expertenwissen nur durch ein Studium erreicht wird bzw. nur Studierte über Expertenwissen verfügen? Na, das laß alle anderen lieber nicht hören..

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Sonnenstern811 29.03.2014, 00:09
@EminemVEVO

Dann wäre wohl erst mal zu klären, ab wann man sich Experte nennen darf. Ein Studium braucht es ganz gewiss dazu. Ich selbst möchte mich keineswegs als Experte bezeichnen. Einiges Wissen über Ökonomie, die Österreichische Schule und ein paar Bücher lesen, z.B. von Dimitri Speck, aber auch von Anderen, hilft da schon ein ganzes Stück weiter. Besonders spannendes Thema: Goldpreis Manipulation.

Man erkennt dann schon, was der Ex- und eigentlich immer noch Goldman Sachs Mann Draghi, Alan Greenspan, Helikopter-Ben und Andere angerichtet haben und immer noch Schlimmes anrichten.

Ein ganz einfacher Satz genügt zum Verstehen: Schulden kann man nicht mit noch mehr Schulden bekämpfen. Der Tag X kommt, wo auch diese Blase platzt.

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Oderdochnicht 29.03.2014, 10:10
@Sonnenstern811

Ein ganz einfacher Satz genügt zum Verstehen: Schulden kann man nicht mit noch mehr Schulden bekämpfen

Ja, das sehe ich ganz genauso. Doch leider werden Schulden von bestimmter Seite nicht als etwas gesehen, daß bekämpft werden muß. Schulden sind ein Mittel zum Zweck und werden gefördert, denn sie garantieren Abhängigkeit. Schulden sind ein Machtmittel, nichts anderes.

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Sonnenstern811 01.04.2014, 01:36
@Oderdochnicht

Es ist halt eine irre Zeit. Eigentlich schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten für die Börse, weil der Geldhahn weiter offen bleibt und umgekehrt genau der selbe Wahnsinn. Sowas kann auf Dauer niemals gutgehen. Noch keiner "Schulden-Dynastie" war ein langes Leben beschieden. Nur, den Preis zahlen leider wir Alle.

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Der Hinweis "schafft die Zinsen ab", dem wird von der Linken wie folgt begegnet: Alle Kredite werden nur noch von der EZB vergeben und sind völlig unabhängig von den sonstigen Banken. Nur die EZB vergibt die Kredite und nur sie legt überhaupt den Zinssatz feast. Dazu gehört natürlich auch, dass die EZB keinerlei Gelder von anderen Banken leiht, von diesen annimmt, denn sie besitzt ausreichende Geldhohheit. Tritt solch eine Bestimmung ein, dann kann ernsthaft über einen sehr geringen Zinssatz befunden werden. Alles jenseits davon im Rahmen des Kapitalismus ist völlig illusorisch.

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Sonnenstern811 29.03.2014, 00:16

Und ich dachte immer, die EZB leiht den Banken Geld. Wie könnten denn bitte Banken der EZB Geld leihen mit ihrer tollen Eigenkapitalquote? Wenn nocht einmal 20% der Kunden ihr der Bank geliehenes Geld plötzlich zurück haben wollen, gehen die Jalousien runter und an ec-Automaten die Lichter aus. Bankfeiertage heißt dann das Zauberwort.

Dann hätten Draghi und Kumpanen aber viel zu tun, wenn nur die EZB Geld an Alle verleihen würde. Ähnliches auf anderen Gebieten und wir könnten gleich wieder den Kommunismus zurück holen.

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kein Studierter kann solche Aussagen treffen wenn er nicht selbst betroffen war

das ist ja das Problem der Politiker

die schweben in Wolkenkuckucksheim und haben überhaupt gar keine Ahnung

sondern nur Theoretiker sind das

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