Ist es möglich, daß eine Parkinson-Symptomatik vollkommen psychosomatisch ist?

...komplette Frage anzeigen

16 Antworten

Ein Morbus Parkinson ist sehr unwahrscheinlich bei einer jungen Patientin. Allein, dass sie ähnliche Symptome zeigt, heißt nicht, das sie diese Krankheit hat. Die geschilderten Symptome können vielerlei Ursachen haben. Eine Somatisierungsstörung kann hier durchaus die Ursache sein. Die Anorexie würde ebenso dazu passen. M.E. wurde die Diagnose Morbus Parkinson auch überhaupt nicht eindeutig gestellt, sondern eben nur ähnlich Symptome. Nur - Du bist nicht ihr Arzt und brauchst als Ergotherapeutin nicht irgendeine Diagnose, sondern solltst Deinem Wissen und Deinem Standard der Patientin helfen. Man muss immer dem Menschen helfen, nicht einer gestellten Diagnose. Denn diese kann auch falsch sein. Dir steht es immer frei, die Ärzte zu fragen, sofern sie Dir Auskunft geben.

AlphaCentauri 31.05.2009, 23:37

Danke für die Antwort. Die Parkinson-Diagnose stammte von einem Neurologen, diese wurde durch die radiologische Untersuchung infrage gestellt. Klar, die Diagnose ist zweitrangig, ich behandle den Menschen. An meiner Behandlung wird sich auch dadurch nichts ändern. Ich bin nur verlüfft, wie exakt die Symptome auf Parkinson deuten.

0

Okay. Du hast schon einen Haufen Antworten bekommen und die meisten scheinen mir ernsthaft und reich an Anregungen zu sein. Da das Problem sehr komplex ist, gibt es keine einfache Lösung. Aber vielleicht wird mit den vielen Kommentaren klar: - du wirst das Problem der Patientin nicht lösen. - du wirst nicht wirklich hilfreich sein können, wenn sie nicht bereit ist. - an deiner Stelle würde ich vermutlich den Schwerpunkt der Behandlung pragmatisch angehen: a) was sind die vorrangigen Alltagsprobleme durch die Kranktheit für die Patientin? Prioritätenlisten erstellen, Punkt 1 angehen. b) welche Ziele sind in 4 Wochen für Punkt 1 realistisch zu erreichen? c) welchen WEg wählst du mit der Patientin die Ziele anzugehen? (Methode, Inhalte) d) was machst du mit ihr in der Therapie, was macht sie selbständig täglich !!! Übertrag in den Alltag. Wenn sie dazu bereit ist, kannst du ihr und ihren Ärzten, Psychologen, Psychiatern das Feld Ursachenforschung, Zusammenhänge, Medikamente überlassen. Falls sich durch die genannten Spezialisten alles klärt und Ergotherapie überflüssig wird, prima. Falls nicht, erarbeitest du mit ihr zusammen das Handwerkszeug, das ihr jetzt für den Alltag zur Verfügung stehen kann.

Meine Erfahrung als Ergo mit weit fortschrittenem Parkinson ist, dass Einfluss, Veränderung möglich ist, sehr viel Mitarbeit und Disziplin dem Patienten abverlangt und die Erkrankung nicht durch Ergotherapie geheilt werden kann. Dass Verbesserungen für den Alltag erreicht werden können, die sehr nützlich für den Patienten und die Angehörigen sind. Es ist für alle beteiligten verdammt anstrengend in kognitiver und mentaler Hinsicht.

Viel ERfolg

AlphaCentauri 31.05.2009, 23:31

Herzlichen Dank für die Antwort. Die Herangehensweise finde ich gut beschrieben, ähnlich gehe ich auch vor. Letztendlich ist es ja egal, ob die Symptome durch Neuronenuntergang oder durch Somatisierung psychischer Probleme entstehen. Aber es war sehr überraschend für mich, daß die ursprüngliche Diagnose infrage gestellt wurde, zumal die Symptome dermaßen Parkinson-typisch sind.

0
autsch31 01.06.2009, 03:59
@AlphaCentauri

Parkinson-Symptome (und da gibt es auch viele verschiedene) können auch von Neuroleptika, anderen Medikamenten, mit dem Entzug von Medikamenten, von Angst- oder Panikstörungen etc. ausgelöst werden. Wie alt ist deine Patientin? Ich möchte dir weiterhin empfehlen, ihre Anorexie und ihre Grundlagen für ihre alltägliche Entscheidungen zu thematisieren und n i c h t mit Gesprächen über Parkinson oder andere Symptome Therapiezeit zu verlieren.

0
AlphaCentauri 02.06.2009, 22:01
@autsch31

Die Patientin ist Anfang 30, bekommt keine Neuroleptika. Natürlich verbringe ich die Therapiezeit nicht mit Gesprächen über Diagnosen, die ich eh nicht stellen kann, aber in diesem Falle bestand ein großes Gesprächsbedürfnis seitens der Patientin über die Infragestellung der Diagnose. Das kann ja auch ein guter Aufhänger sein, um bei anderen Themen "anzuklopfen".

0

Die Patientin leidet an Anorexie und das ist eine schwere psychische Erkrankung, die auch alle möglichen psychischen Krankheitsbilder zusätzlich beinhalten kann. Durch den extremen Nährstoffmangel kann es im Körper auch zu allen Erkrankungen körperlicher Art kommen. Das lenkt die Ärzte und Betreuer jedoch vom Kern der Krankheit weg. Die Anorexie verlangt unbedingt eine psychiatrische Behandlung und psychologische Betreuung. Ein Lebenskonflikt kann von der Seele nicht verarbeitet werden, es kommt zu Wahnvorstellung zum eigenen Körperbild (zu dick zu sein). So wird der ungelöste Konflikt über den Körper dargestellt. Es können sich verschiedene Formen von Essstörungen ablösen. Aus Anorexie kann Bulimie werden, oder umgekehrt, etc. Leider stürzen sich viele Helfer auf Ess- und Lebens-Ratschläge und nicht auf die Ursache der Magersucht. Und damit ist niemandem geholfen.

Eine Sucht hat als beste Freundin immer die Lüge! Die Patientinnen lügen sich selbst vor, alles im Griff zu haben und sie belügen ihr Umfeld, ohne zu erkennen, dass sie sich selbst damit am meisten schaden. Wenn du schreibst, „…die Patientin ist reflektiert und vertrauenswürdig,…versichert glaubhaft…“da bist du schon in die Falle gegangen. Suchtpatienten (aller Art!!) werden ständig (unbewusst wie bewusst)für unzählige Nebenschauplätze sorgen, damit die wichtigen Fragen nicht gestellt werden und die Verantwortung für das eigene Leben immer bei anderen deponiert wird. Professionelle Suchttherapeuten wissen um diese Gefahr und begeben sich regelmässig zur Supervision. Lies mal unter dem Thema Anorexie im GF.

AlphaCentauri 31.05.2009, 23:42

Du hast recht, was den Umgang Süchtiger mit ihrer Umwelt angeht. Vielleicht bin ich auch wirklich "in die Falle" gegangen, ich weiß es nicht. Was mich extrem verblüfft ist, wie sehr die Symptome der Patientin denen einer Parkinsonpatientin gleichen.

0

Also mal im Ernst...das hier ist kein Fach-Forum ;-)...da bekommst Du sicher nicht ganz die gesuchte Meinung...ich kann Dir nur sagen dass es sich lohnt nach Alternativen zu suchen und der Patientin wenn sie völlig klar ist wie Du schreibst glauben zu schenken...ich selbst leide schon seit einer weile an "Asthma" das sich aber nicht schulmedizinisch rausgestellt hat...nun habe ich nach langer Sucherei herausgefunden das wir Wohngifte haben die auch asthmatische Beschwerden hervorheben und wo die Medikamente nicht helfen...und noch später habe ich herausgefunden dass ich eine Stoffwechselstörung habe die mich speziell für Wohngifte sensibel macht. Nun wird die Störung behandelt und siehe da ... das Asthma wird besser...und ich höre mir schon soooo lange an...das ist alles nur psychisch...glaub mir ich kann es nicht mehr hören...Für die Patientin ist ganz wichtig das Du ihr glauben schenkst und hilft das Problem zu behandeln. Die von mir genannte Stoffwechselstörung heisst KPU (kannst Du mal nach googeln) die hat wahnsinnig viele Symptome die fälschlicherweise oft nicht richtig behandelt werden. Angeblich leiden 10% der Bevölkerung daran. Mit einfacher Vitamingabe kann sie behandelt werden...ich kann nur sagen mir hilft es zum Glück echt und ich hab schon alles probiert ;-)

Mit dieser Frage rate ich dir, dich an einen Arzt zu wenden, der sowohl Neurologe als auch Psychiater ist. Gerade auf Grund der Komorbidität mit Anorexie würde ich eine psychosomatische Komponente im Sinne einer Somatisierungsstörung, d.h. eine psychogene Verursachung, nicht ausschließen, zumal die Bildgebung gegen Parkinson zu sprechen scheint. Nicht beantwortet hast du die Frage, ob die Patientin auf Medikation angesprochen hat oder ob nicht. Letzteres wäre weiteres Indiz für deine Vermutung. Anell

AlphaCentauri 30.05.2009, 20:16

Ich schrieb "Klassische Symptome eines Morbus Parkinson vom akinetisch-rigiden Typus, die unter Medikation zurückgehen". Also, die Patientin spricht auf Medikamnte an.

0

Wenn die Patientin es sich leisten kann, sollte sie auch mal einen HP aufsuchen und sich dunkelfeldmikroskopisch und irisdiagnostisch untersuchen lassen. Das kann einem wertvolle Hinweise liefern.
Aufgrund der Anoxerie ist ein Blutbild wichtig, da Stoffwechselentgleisungen auch schwere neurologische Störungen hervorrufen können (wie oben schon erwähnt). Weitere Ideen, die neurologische Störungen verursachen könnten und labortechnisch abgeklärt werden sollten:
* Borreliose
* Schwermetalle / Toxine(Urinprovokationstest, Haarmineraluntersuchung)
* Medikamentenmißbrauch / Laxantien

AlphaCentauri 31.05.2009, 23:38

Herzlichen Dank, da habe ich eine gute Ideensammlung für die Patientin.

0

Mir sind auch schon Fälle mit Parkinson-(ähnlicher)Symptomatik begegnet, die keinen "echten" Parkinson hatten! In einem Fall sogar die ganz typische Schüttellähmung - aber aus der Lebens- und Krankengeschichte ergab sich einfach "nur" ein sehr starkes Kontrollbedürfnis, welches die Symptome verursachte.

In der Psychiatrie sind diese Symptome als "Parkinsonoid" bekannt, als Nebenwirkung von Neuroleptika.

Bitte Informationen (Google) zum Krankheitsbild "Myoklonie" einholen, das Geschilderte geht meines Erachtens in die Richtung. Es existieren aber Medikamente (Neurologie) dagegen.

Bin nicht vom Fach, habe aber gelesen irgendwo, dass das möglich ist. Neuere Forschungen in Hypnose und Placebo zeitigen oft gesundes Verhalten, obwohl sogar Dopaminmangel im Blut nachgewiesen wurde. Nicht selten haben Parkinsonpatienten "Vorbilder" in nächster Nähe erlebt und tatsächlich eine extreme Kontrollwunsch-Persönlichkeit bis zum "Starrsinn", was sich auch körperlich ausleben will. Loslassen, Zulassen, Geschehenlassen im geschützten Rahmen oder zunächst spielerisch (auch der dahinter befindlichen, massiven Angst) können geeignete Übungen sein, Kontrolle ab- oder aufgeben, Vertrauen zu Anderen und Anderem lernen usw.

Die beschriebenen Symptome deuten schon eindeutig auf Parkinson hin. Wenn die Symptome sich unter der Einnahme von L-Dopa verbessern, bestätigt dieses die Diagnose. Ich würde allerdings empfehlen eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. (Am besten in einer Parkinson Klinik, oder in einer Spezialambulanz für neurologische Bewegungsstörungen) Um ganz sicher zu gehen, würde ich der Patientin empfehlen sich zu einem Datscan überweisen zu lassen. mit diesem läßt sich Parkinson zu 97% bestätigen bzw. ausschliessen.

Parkinson hat auch nichts mit dem Alter zu tun, der jüngste Betroffene ist 13 jahre alt.

AlphaCentauri 02.06.2009, 21:58

Das ist das verrückte an der Geschichte: Aufgrund des Datscan wurde Morbus Parkinson ausgeschlossen. Die Symptome sind aber wirklich klassisch für ein Parkinson vom akinetisch-rigiden Typ. Ich habe der Patientin empfohlen, eine zweite Meinung eines weiteren Neurologen einzuholen. Sollte es sich tatsächlich um eine Somatisierungsstörung handeln, fände ich das extrem verblüffend.

0

Ich (Physiotherapeut)würde mit dem behandelten Arzt versuchen,ob es hilfreich wäre,eine Psychologische Anamnese zu machen.Die Wahrscheinlichkeit durch eine Psychoanalyse unbewußte Reaktionen zu analysieren,könnten hilfreich sein.Unbewußt heißt ja,der Patient weiß es eben nicht.Man könnte zumindest ausschließen, das Nebenwirkungen von Medikamentenkonsum o.ä.die Ursache ist.Wir beraten in dieser Hinsicht als Psychologische-und physiotherapeutische Berater,so manchen Patienten und zeigen den Weg,gehen muß er alleine.Ein Netzwerk aus Psychologen und Ärzten hilft,den Patienten aufzufangen.Der Kommentar von "Angel 84" paßt dazu!

denke eher, die Anorexie kann mit dran schuld sein. Neuropathien, Muskelschwäche und Gangunsicherheiten sind da bestimmt keine Seltenheit . Das Unbewusste KANN auch mitspielen- schliesse ich aber eher aus...

Aus meiner Sicht ist JEDE körperliche Erscheinung die Folge einer Hintergrundgeschichte des Unbewussten. Ich bin kein Arzt, aber nach meinem Empfinden steht da eine panische Angst dahinter, als Folge eines Missbrauchs. Diese Angst veranlasst sie dazu, alles kontrollieren zu wollen, was einen Großteil der Symptomatik ausmacht. Vielleicht hilft dies weiter...

Behandelst Du alle Deine Patienten durch Fragen und Antworten aus dem Internet?

uli1972 30.05.2009, 20:00

ER ist ERGOTHERAPEUT, kein Mediziner...!

0
dieAnkili 30.05.2009, 20:01
@uli1972

Trotzdem... Diagnosen kann man nicht aus dem Internet herausstellen durch eine Antwort aus einem Forum

0
AlphaCentauri 30.05.2009, 20:14
@dieAnkili

Nein, ich behandle meine Patientin nicht mit Hilfe von Internet-Foren. Aber dieser Fall ist so außergewöhnlich, daß ich Tipps auch von außergewöhnlichen Quellen suche. Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht. Eine Diagnose erwarte ich hier nicht zu finden.

0
HPKallmeyer 31.05.2009, 16:10
@dieAnkili

Ich finde es als ein Zeichen von Stärke Rat bei anderen zu suchen, auch wenn's 'nur' das Internet ist. Die meisten Ärzte sind oft zu gestresst oder eingefahren, um Alternativen zu bedenken. Da kann es nicht schaden mal Ideen zu sammeln.

0

lol, ich glaube da solltest du einen Arzt fragen.

Was möchtest Du wissen?