Ist es Glück, wenn nichts (Falsches) passiert?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Grundsätzlich hast du Recht. Es gibt so viele Dinge, die für uns in einem wohlhabenden Land selbstverständlich sind, dass wir gar nicht merken, welches Glück wir haben, in solch einem Überfluss leben zu können.

Es gibt hier keine gewalttätigen Konflikte in denen Menschen um ihr Leben fürchten müssen, wir können unsere Meinung frei äußern und haben ein Gesundheits- und Sozialsystem dass uns auffängt, wenn es uns schlecht geht, oder es mal nicht so gut läuft.

Wir haben ein Bildungssystem, dass es Kindern und Erwachsenen ermöglicht, sich wissen anzueignen, ohne dafür Unsummen bezahlen zu müssen.

Natürlich ist nicht alles perfekt und es gibt immer Dinge die verbessert, oder überarbeitet werden müssen, aber wir haben sehr viel Glück, all diese Vorteile genießen zu können.

Wir haben immensen Luxus und merken es teilweise nicht einmal, weil es so normal zu sein scheint.

Wir haben nicht einfach nur sauberes Trinkwasser genug zu essen, damit wir nicht verhungern - sondern unsere Kühlschränke sind voll und wir können mit dem Lieferdienst sogar unsere Lieblings-Pizza bekommen.

Außerdem sind wir in der Lage, durch unseren Internetanschluss weltweit zu kommunizieren und können so unglaubliche Kontakte knüpfen.

Es gibt also sehr viele Gründe glücklich über ganz alltägliche Dinge zu sein.

Und noch eine Frage dazu: Ist es moralisch vertretbar zu sagen: "Ich habe Glück, weil es Anderen schlechter geht"?

Die Formulierung ist etwas schlecht gewählt, weil es sehr selbstbezogen rüberkommen, oder so klingen könnte, als freue man sich über das Unglück anderer - aber grundsätzlich ist die Aussage richtig.

"Wir sind glücklich weil es Anderen schlechter geht" - das ist leider wahr, denn unser Glück, Luxus und Wohlstand basiert praktisch immer auf dem Leiden anderer Wesen. Wo es Gewinner gibt, da gibt es auch Verlierer.

Ich habe zum Beispiel das Glück, mir zehn T-Shirts für einen Euro kaufen zu können. Es ist eine sehr vorteilhafte Situation für mich.

Mein Glück beruht auf dem Unglück Anderer.

Die Abholzung von Wäldern für Baumwollfelder, die Monokultur und die Pestizide beim Anbau von Baumwolle, der Hungerlohn für die Feldarbeiter, die Sklavenhaltung in den Textilfabriken, die ruinierte Gesundheit durch Umweltgifte Farbstoffe, der frühe Tod vergifteter, kaputtgearbeiteter Menschen...das ist die Wurzel für mein materielles Glück, meinen Wohlstand, meinen Zehnerpack T-Shirts.

Deshalb bin ich der Ansicht, dass Glück nicht allein durch die Befriedigung von Luxusbedürfnissen gewonnen wird und wir mehr Verantwortunsbewusstsein benötigen.

Darüber unglücklich zu sein, dass man nicht weiß, ob man Sneakers oder Ballerinas anziehen soll, weil man ja tausend Paar Schuhe im Schrank hat, ist ein echtes "first world problem" - ein Problem, dass durch unseren Wohlstand bedingt und absolut trivial ist, wenn man es mit den großen Krisen und Katastrophen vergleicht.

Ich hoffe, meine Gedanken waren hilfreich.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Enzylexikon
07.05.2016, 15:11

Allerdings ist "Glück" nach meiner Ansicht nach nichts, was nur an materiellen Vorteilen festgemacht werden kann.

Deshalb spreche ich auch die ganze Zeit von "Luxus" und "Wohlstand", weil dass zwar "glückliche Lebensumstände" sind, aber eben aus meiner Sicht nicht unbedingt das beschreiben, was "Glück" für mich persönlich ist.

Glück kann man nämlich auch in Armut und weitgehender Besitzlosigkeit finden, ohne jeden materiellen Wohlstand.

Für mich ist es wichtig zu erkennen, das "Glück" kein dauerhafter Zustand ist, nichts ewiges oder garantiertes. Unser Glück kann vom einen auf den anderen Moment dahin sein.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, sein "Glück" nicht von äußeren Umständen abhängig zu machen und auf scheinbare "Glücksgaranten" zu vertrauen.

0
Kommentar von nevercold24
12.05.2016, 21:44

Dieser Umstand, das Glück einfach nicht definierbar ist, macht mich irgendwie verrückt. Oder ist es doch definierbar? Das ist so ungefähr das, was ich mich Nachhinein frage.

Das Mein Glück beruht auf dem Unglück Anderer ist für mich anfangs ein unmoralischer Konflikt gewesen. Doch, wenn man daran denkt, das die Oberschicht nur durch die Unterschicht existiert und anders rum ebenso, dann macht das natürlich. Den Punkt habe ich irgendwie dabei ausgelassen, Danke dafür!

"Aus meiner Sicht ist es wichtig, sein "Glück" nicht von äußeren Umständen abhängig zu machen"
Meinst du damit eine Art Adaption? Also eine persönliche Anpassung an die äußeren Umstände? 

Ich finde, hier kann man "psychistisch" und materialistisch denken. Mich fasziniert dann die Auffassungen Mancher, die sich eine gewisse Mitte positionieren. Funktioniert bei mir nicht. 

Aber auf jeden Fall, vielen Dank für deine Antwort!

0

Interrssante Frage/These. Ich persönlich empfinde das aber nicht als Glück, sondern wertschätzung. Man kann in allem Dein sozusagenes "Glück" finden. Du liegst mit gebrochenem Bein im Krankenhaus? "Ein Glück, dass es nicht Krebs ist" Dein Haus ist abgebrannt? "Ein Glück, dass noch 3 Steine stehen." Für mich ist so ein Denken zwanghaft und ich befürworte es nicht. Wenn man so denkt, verschließt man die Augen vor allem Schlechten vollkommen. Es ist okay sich zu beklagen und traurig zu sein. Auch wenn es sich nur um ein runtergefallenes Brot handelt. Leid liegt im Empfinden und nicht in der Situation. Das vergessen viele. Ich bleibe lieber dabei, dass es Glück ist, wenn etwas Positives passiert ist, nicht, wenn nichts Negatives bzw nichts noch Schlimmeres passiert ist. Schlimmer geht immer. Ich bin auch der Meinung, dass man Negatives erfahren muss, um die positiven Dinge besser genießen zu können. Wenn man sich ständig über jeden Pups freut, nimmt das doch das gewisse Etwas. Licht wirkt in der Nacht eben viel heller als am Tag.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von nevercold24
12.05.2016, 21:34

Genau auf diese Relation wollte ich mich beziehen. Meine Frage hätte wohl besser "Wann ist es Glück" lauten sollen. Mich wundert dann immer, ob Glück nun jetzt wirklich situationsbedingt (Durch die Umwelt) oder durch einen Selbst ensteht (also durch die Ansicht, das etwas als Glück wahrgenommen wird). 

Trotzdem vielen Dank für deine Antwort!

0

Was mir aufgefallen ist, ist, dass du Glück meist mit körperlicher Unversehrtheit verbindest.
In (fast) all deinen Beispielen wäre die Chance, dass einem etwas schlimmes passiert, gering. Das Gehirn macht die Situation meist nur schlimmer als sie tatsächlich ist. Die Chance, dass einem etwas so 'schlimmes' passiert, um es dann mal jetzt nicht auf Körperliche Unversehrtheit zu beziehen, ist ziemlich gering. Somit könnte man natürlich von 'sehr wenig Glück' sprechen, aber wäre das sinnvoll? Ist es denn Glück?
Mal ein Beispiel:
Wenn ich in einem Kriegsgebiet 1km laufe oder auf einem Hochsicherheitsgang 1km laufe, ist es beim letzteren dann Glück, dass ich diesem ganz unversehrt entkommen bin? Nein, das war kein Glück, sondern vorhersehbar. Alles war vorhersehbar ist, ist kein Glück. Um somit auf deine moralische Frage zu kommen: vielmehr sollte der Satz lauten: „ich habe Glück, dass es mir besser geht (als anderen)“
Dein Satz wäre moralisch wohl zwar noch vertretbar, aber das ergibt indes nur wenig Sinn, denn das hängt von den jeweiligen Verhältnissen ab und wie man selber seine Verhältnisse sieht! Kennst du die kurzgeschichte mit einem Fischer und und einem Touristen? Ich weiß leider nicht mehr, wie diese heißt, allerdings geht es darin genau darum. Der 'ärmere' sieht sich in einer so glücklichen Lage in einigen Momenten, sodass jemand, der 'reicher' ist, diese Momente vielleicht nicht erlebt. Wer hat denn jetzt mehr 'Glück'?
Es gibt Glücksforscher, die befassen sich genau damit. Das wäre doch was für dich, wenn es dich so interessiert :)
Einfach mal bei YouTube oder im Internet danach suchen und dir Doku's etc anschauen, da bekommst du bestimmt eine Menge Infos.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von nevercold24
12.05.2016, 21:36

Ich habe mich genau deswegen auch auf andere Beispiele wie "Das 10 Euro Beispiel" ausgelegt um eine in Fragestellung einer Fragestellung zu verhindern.

Trotzdem danke für deine Antwort.

0

es ist doch kein glück wenn man sich ein bein bricht und nicht beide

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

es liegt nicht in unserer macht, was passiert, sondern lediglich, wie wir damit umgehen

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?