Ist es gerecht das in Deutschland?

18 Antworten

Denn seit vielen Jahren steigt die Miete überproportional an

Diese Aussage trifft definitiv nicht zu. Das kann regional so sein, aber über ganz Deutschland betrachtet, ist das falsch.

Man muss zwei Dinge unterscheiden:

Neuvermietungen im Bestand und bei Neubauten

Bestandsmieten

Gerade die Bestandsmieten bleiben oft über viele Jahre gleich oder werden nur moderat erhöht, wenn nicht gerade eine wesentliche Modernisierung im Spiel ist.

Verglichen mit anderen Preissteigerungen oder auch mit den Lohnsteigerungen der letzten Jahre ergibt sich hier eher ein Vorteil für die Mieter.

Neuvermietungen in bestimmten Städten und Ballungsräumen sind jedoch überproportional gestiegen.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – In diesen Bereichen selbst seit langer Zeit tätig.

Die Aussage bezog sich wohl auf Neuvermietungen. Unsere Gesellschaft ist nunmal mobiler geworden. Man lebt ein paar Jahre in Stadt A, dann ein paar Jahre in Stadt B... dass Menschen viele Jahre am selben Ort verbringen, ist (zumindest in jungen Jahren) nicht mehr so. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich in meinem Leben schon umgezogen bin.

Da schlägt der Anstieg bei Neuvermietungen nunmal sehr stark ins Gewicht. Beispiel:

  • Ich bin vor 4 Jahren in eine 66qm Mietwohnung gezogen, im Gürtel einer deutschen Großstadt. Meine Vormieter zahlten 540 Euro kalt, mir wurde die Wohnung 2017 für 700 Euro kalt angeboten.
  • Wenn ich jetzt ausziehen würde, und in dieselbe Wohnung nochmal einziehe, müsste ich mindestens 900-1000 Euro kalt auf den Tisch legen.

Warum? Weil es legal ist und dem Mietenspiegel entspricht (bis zu 10% darf man ja drüber liegen). Weil in der Zwischenzeit die Wohngegend attraktiver geworden ist, aufgrund von Infrastrukturverbesserungen etc.

Die Wohnung selbst ist in keinster Weise attraktiver geworden. Kein Cent wurde zwischenzeitlich in sie investiert (zumindest nicht vom Vermieter).

Leistungslose Wohlstandssteigerung gibt es nur bei Immobilien. Gegen den Anstieg von Neumieten muss dringend etwas getan werden. Ob politisch oder marktwirtschaftlich ist mir völlig wurscht - hauptsache es tut sich was.

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@abenhard17
Leistungslose Wohlstandssteigerung gibt es nur bei Immobilien.

Das ist eine völlig falsche Annahme. Sie trifft absolut nicht zu.

Eine leistungslose Wohlstandssteigerung gibt es, wenn überhaupt, dann nur bei Erbschaften, bei denen die Erben, außer vielleicht etwas Wohlverhalten, nichts erbringen mussten, als abzuwarten, bis der Erblasser verstirbt.

Da könnte es durchaus sein, dass mal jemand ein Haus erbt mit vermieteten Wohnungen.

Wenn ich ein Haus bauen oder kaufen will, mit z. B. 3 Mietwohnungen, um daraus eine Rendite zu erzielen, muss ich zunächst einmal das Eigenkapital erarbeiten.

Der Finanzierungsanteil muss über die Mieteinnahmen bezahlt werden und es muss immer eine Rücklage gebildet werden, um das Haus in Stand zu halten oder irgendwann wieder zu modernisieren. Schließlich will auch der Staat noch bedient werden. Um eine Rendite von z. B. 3 oder 4 % zu erzielen, muss es auch möglich sein, die entsprechende Miete zu bekommen.

Auch wenn es den Anschein hat, dass an einem Haus nichts getan wird, so ist es doch irgendwann erforderlich, dass eine größere Reparatur durchgeführt wird, wenn es nicht verfallen soll. (z. B. Dach, Fassade, Heizungsanlage, Fenster, Bäder, Toiletten) Es dauert oft lange, bis soviel Rücklagen gebildet wurden, dass solche Reparaturen überhaupt in Angriff genommen werden können. In dieser Zeit und gerade in den letzten Jahren sehr deutlich zu beobachten, steigen die Material- und Lohnkosten stark an. Mieterhöhungen dienen also auch dazu, die irgendwann notwendigen Sanierungen auch durchführen zu können.

Ein Haus ordentlich zu verwalten, ist eine Leistung. Von leistungslosem Einkommen kann also nicht gesprochen werden. Fällt bei der Vermietung noch etwas für den Lebensstandard des Eigentümers ab, ist es angesichts des Aufwands nur recht und billig.

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@bwhoch2

Du sprichst sicherlich von privater Vermietung. Ich von einem größeren Wohnungskonzern, der sicher nicht am Hungertuch nagt.

Ich bin schockiert vom rasanten Anstieg der Neuvermietungs-Mieten in meiner Gegend. Das kann nicht alles damit erklärt werden, dass der Vermieter ja Rücklagen für Instandhaltung bilden muss etc. -> Für diese Zwecke setzt man am Anfang eine vernünftige Miete fest, und behält die dann eine Zeitlang bei.

  • Erhöhungen für Inflation und gestiegene Handwerkerkosten: Gerne. Kann ich prima nachvollziehen und ist auch in meinem Interesse als Mieter.
  • Erhöhungen einfach nur, weil die Wohngegend attraktiver geworden ist? Für mich nicht nachvollziehbar -> ist aber laut geltendem Recht möglich. Wenn die DB eine neue S-Bahn-Strecke baut, oder das Land einen neuen Flughafen, was hat der Vermieter dazu beigetragen? Nüscht.

Klar, man kann es nicht nur schwarz oder weiß betrachten. Private Vermieter, die sich ordentlich um ihre Immobilien kümmern, bewundere ich. Leider gibt es genug schwarze Schafe, grade bei den Vermietungskonzernen.

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Diese Frage läßt sich nicht pauschal mit "gerecht" oder "ungerecht" beantworten .

Natürlich ist es absolut richtig , Menschen in Nöten zumindest eine Basisexistenz und ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen , denn nicht jeder Mensch kann körperlich oder geistig in Vollzeit und / oder jegliche Tätigkeit gleichermaßen ausüben .

Natürlich darf man aber auch nicht vergessen , was die Politik seit den letzten etwa 15 bis 20 Jahren im Arbeitsmarkt und bei den Immobilien / Mieten alles selber in den Sand gesetzt hat mit dem Resultat der jetzigen Situation .

Der Staat hatte selber große Teile seines "Tafelsilbers" in Form sozialen und bezahlbaren Wohnungsbaus nebst Grundstücken verscherbelt , Restbestände gleichzeitig weiter abgebrochen und jahrzehntelang nicht für angemessenen Ausgleich in der Neuschöpfung solches Wohnraumes gesorgt .

Auf der anderen Seite wurden immer mehr Öko- / Sanierungs- / und Bürokratieauflagen an privatgewerbliche Vermieter herangetragen , was Neuschöpfungen auch da durch Verteuerung genauso erschwerte , wie auch bei Bestandssanierungen . Diese Vorinvestitionrn müssen letztlich im Nachgang von den Mietern getragen werden .

Gegen Invest-Heuschrecken im Immobilienmarkt wurde auch nie wirklich etwas getan . Ganze Straßenzüge mit 100.000 Wohneinheiten wandern damit spekulationsorientiert seit Jahrzehnten von Heuschrecke zu Heuschrecke bei immer höheren Mieten ohne Investion zugunsten möglichst hoher Profite und Renditen .

Damit geriet der gesamte Wohnungsmarkt gewaltig in Schieflage zum Nachteil günstigen Wohnraumes . Diese Zeche zahlt der Staat nun rückwirkend in Form immer höherer Beteiligungskosten an Unterkünften für Menschen mit nicht ausreichenden Finanzmitteln . Hätte der Wohnungsmarkt nicht eine derart ungünstige Schieflage aus o.g. Gründen , würde es mangels Nachfrage heute nicht so einen Boom für Wohnungen mit Wuchermieten geben .

Im Rest glaubst Du ja wohl auch nicht , daß sich Menschen lieber regelmäßig dem Stress und Druck von leistungsgebenden Behörden aussetzen , als durch ihrer Hände Schaffenskraft im Rahmen ihrer Befähigungen und Möglichkeiten lieber ihre Bedarfe senken würden , oder im Bestfall sogar ganz ohne staatliche Unterstützung auskommen zu können .

Für den staatlich verschuldeten Umstand eines überproportional großen Dumpinglohn-Sektors Deutschlands im Vergleich zu der EU - Gesamtheit können die betroffenen Menschengruppen ansonsten genau so wenig , wie für extrem hohen Grad an Prekärisierung in diesem Metier .

Natürlich wäre es damit auch schön , aus einem sozialversicherungspflichtigen Halbtagsjob problemlos 1000 bis 1200 Euro Brutto / ca. 750 bis 850 Euro Netto generieren zu können bei ausreichender Verfügbarkeit an kleinen Wohnungen im Preisbereich um etwa 300 bis 350 Euro warm . Und selbst da hätte man dann noch ( freiwillig ) das Recht auf Inanspruchnahme staatlicher Förderleistungen .

Aber wer hat schon gerne ständig Verwaltung und Bürokratie im Nacken , wenn er dieses zur Führung eines bescheidenen Lebenswandels nicht haben müßte . 🙄 Daher lassen nicht wenige Menschen in solch einer Situation staatliche Hilfen trotz prinzipieller Ansprüche brach liegen .

Das ganze System ist nicht gerecht. Nehmen wir an jemand arbeitet 40 Jahre lang und wird arbeitslos, die Person bekommt Arbeitslosengeld 1 und muss dann ihr Vermögen aufbrauchen um Harz 4 zu bekommen, hat aber 40 Jahre gebuckelt und an jeder Ecke gezahlt.

Jeder der keine Leistung erbracht hat ist vielleicht einfach in Harz 4 gekommen, ohne Anstalten.

Was ist die Ungerechtigkeit? Du zahlst und zahlst, Steuern, aber dafür sind wir hier ja abgesichert und es ist doch nicht so und wenn du mal schwächelt nimmt man es dir.

Ein Halbtagsjob mit 20 Wochenstunden bei Mindestlohn und Steuerklasse 1 bringt Netto ca. 640€.

Wohngeld beantragen!

Zum Thema kann sich jeder selbst eine Meinung bilden.

Die Frage ist durchaus berechtigt! Es muss natürlich auch etwas für die Armen in unserer Gesellschaft getan werden.

Auch ohne die Mietproblematik geht es manchem Geringverdiener schlechter, als Leuten die gar nicht arbeiten.

Auch ohne die Mietproblematik geht es manchem Geringverdiener schlechter, als Leuten die gar nicht arbeiten.

Das ist so selbst mit der noch existenten Agenda 2010 nicht richtig . Jeder Niedriglöhner hat die selben Rachtsansprüche auf ergänzende Sozialleistungen , wie Personen gänzlich ohne Beschäftigung .

Eine Person in Teilzeit hat gegenüber einer erwerbslosen Person im ALG II - Bezug bei bereinigten Einkünften von z.B. 800 Euro Netto im Monat auch jetzt schon ca. 240 Euro mehr . Ja, das ist proportional wenig , aber es revidiert immerhin die zitierte Aussage .

Zudem werden auch bei (teil-) beschäftigten Personen die Kosten einer angemessenen Unterkunft entsprechend berücksichtigt .

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@Paroto92

Ich habe nicht gesagt, dass der Geringverdiener (offiziell) weniger Geld hat. Es geht ihm ggf. schlechter, weil er mitunter hart arbeiten muss, während der Hartz4 Empfänger sich während seiner Tagesfreizeit mit Schwarzarbeit noch etwas dazu verdienen kann.

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@HanniManni04

Du diskutierst am zitierten Kern Deiner Ausage leider vorbei und wirst im 2. Teil Deiner Kommentierung leider sehr polemisch mit unsachlicher Vorurteilshaltung .

Schwarzarbeit kann sich durch alle sozialen Schichten ziehen , und provokante Betrügerschaften des deutschen Sozialsicherungssystems schädigen insgesamt unser System . ( ja , "DIE" gibt es zu kleinen Anteilen auch )

Aber da wirst Du niemanden sehen , wo in nachweislichen Leistungshemmnissen den Staat und die Sozialgemeinschaft betuckt , weil es da normalerweise garnicht möglich ist. Zu Leistungs und Steuerbetrug gehört ansonsten schon echt viel kriminelle Energie in den meisten Fällen .

Bei den kriminellen Fällen sitzen dann aber auch AN und AG in einem Boot .

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