Ist es für Christen eine Sünde, bei Prüfungen zu schummeln?

18 Antworten

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Jeder Mensch lebt in einem System von Regeln (das tut man - das tut man nicht). Wir sind hier geschichtlich verankert. Ein Verstoß nennen wir im traditionellen Christentum Sünde /Beleidigung Gottes/ .... Gemeint ist: Wenn ich bewusst gegen meine Regeln verstoße, entspreche ich nicht dem Schöpferwillen Gottes, weil ich mir und anderen schaden kann. Schummeln?: Du musst selbst entscheiden, ob das Schummeln sinnvoll / nützlich / gefährlich ist. Wenn es auffliegt, gibt es Konsequanzen (für dich, für andere...). Von Folgen wird dich niemand bewahren. Gruß Dieter Eberhard

Aus Deinen eigenen Aussagen ist schon klar ersichtlich, dass Dir das korrekte Verhalten bewußt ist. Korrekt wäre es die angebotenen "Versuchungen" zurückzuweisen. Zudem kommt jemand zu Schaden. Es kommt die Gruppe derjenigen zu Schaden, die mit redlichen Mitteln ihre Arbeit bewältigt, denn deren Einstufung wird ein klein wenig schlechter ausfallen, wenn Du "relativ" besser dastehst. Für einen überzeugten Christen ist zudem immer das Gefühl einer Versuchung widerstanden zu haben, eine Festigung im Glauben und im Vertrauen mit seiner Orientierung auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn man prinzipiell eine Handlung für (im christlichen Sinne) unkorrekt hält, sollte man sie sogleich als Möglichkeit ausschließen. 'Trickreiches' Argumentieren zählt nicht positiv, sondern ist immer nur ein Zeichen gescheiterter Glaubenssicherheit.

Gescheiterte Glaubenssicherheit - hartes Urteil! Ich bin in dem Fall allerdings die Person, die "Versuchungen" angeboten hat. Wie würdest Du das bewerten?

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@dunkelziffer

Das ändert die Sachlage ganz erheblich. Du selbst stehst damit sicher viel besser da. Trotzdem bleibt ein erhebliches Problem: Indem du den Mitschüler zur Begehung einer "kleinen" Sünde aufforderst/verleitest, kommt er unter Umständen in Konflikte, für die Du dann verantwortlich - zumindest mitverantwortlich - bist. Das ist auch nicht gut. ---Nochmals schwieriger für Dich wäre die Situation, wenn der Mitschüler Dir gegenüber eine Erwartungshaltung zur "Hilfe" signalisiert hat. Wenn Du die dann nicht erfüllst, könnte er Dein Verhalten (das ausbleibende Zeigen der Lösungen) als "unterlassene Hilfeleistung" deklarieren. Diese Situation ist so schwierig (religionsethisch zu beurteilen), dass ich mich scheue, hier eine Lösung anzubieten.

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Du sagst es ja selber:"Auch wenn es letztlich Betrug ist...". Betrug ist eine Sünde, wenn Du nicht in Not oder Gefahr bist. Sich eine Leistung zu erschleichen ist unfair und Betrug. Punkt.

Wenn ich nun also jemanden habe von mir abschreiben lassen, der in Not und Gefahr ist, weil er bei Nichtbestehen der Prüfung zum Beispiel sein Visum nicht verlängert bekommt... Ist das dann von mir eine Sünde? Der, der abgeschrieben hat ist Muslim und hat ein schlechtes Gewissen, weil ich seiner Ansicht nach gesündigt habe, um ihm zu helfen.

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@dunkelziffer

Eine Prüfung soll die Leistung/Kenntnisse/Fähigkeiten einer Person messen, nicht wahr? Wenn Du diese Messung vereitelst oder vereiteln hilfst, ist das Betrug und ist grundsätzlich nicht in Ordnung, egal ob Du hast abschreiben lassen oder ob Du abgeschrieben hast.

Die Sünde liegt immer in der Intention, in der Frage WARUM Du etwas getan hast. Wenn Dein Bekannter ein schlechtes Gewissen hat, sagt ihm sein Inneres, daß er schlecht gehandelt hat und daß es ihm leidtut. Wenn er das spürt, hat er gesündigt. DU selbst mußt Dich fragen, WARUM Du zu diesem Unterschleif beigetragen hast und mußt das auch ehrlich Dir selbst gegenüber tun. Also nicht "ich wollte doch nur helfen", sondern "wollte ich helfen, wenn ja, warum - hatte ich dabei eigene Motive im Blick oder ging es mir um die Not eines Mitmenschen?". So kommst Du einer Sünde auf die Spur. Auch wenn Du in echter Not handelst, bleibt es eine ungerechte Tat, bleibt es etwas, das nicht in Ordnung ist. Ob es eine Sünde ist, mußt Du selbst feststellen. Das ist etwas, was auch Dein Bekannter nicht für Dich tun kann. Dein Gewissen ist Deins, seins ist seins. Jeder steht für sich selbst vor Gott mit seinem Gewissen. Und übrigens: Gott ist kein Erbsenzähler, er freut sich aber, wenn man ernsthaft bemüht ist, Unrecht zu vermeiden. Manche Gewissensfragen kann man allerdings nicht mit dem Schema "gut oder böse" klären, weil sie da nicht hineinpassen und mehr Seiten haben, als man dachte. Das weiß Gott auch. Gruß, q.

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Natürlich ist Betrug auch im Christentum verboten, aber wenn du katholisch bist, kannst du es hinterher beichten und dann ist alles wieder gut. :)

hehe... so seh ich das chrsitentum häufig auch

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Warum werden nur die Sünder nicht einfach öffentlich ausgepeitscht?

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Das stimmt nicht. Wer im Bewusstsein sündigt, dies durch Beichte erledigen zu können, hat das Christentum nicht verstanden.

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@kwon56

Doch, doch, beichten reicht, der Sünder muss nur später ehrlich bereuen und daran hapert es meistens.

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Das ist jetzt meine ganz persönliche Meinung. Moralisch betrachtet ist es Betrug. Denn derjenige der abschreibt, erbringt eine Leistung auf einem Weg, die christlich betrachtet nicht zu vertreten ist. Derjenige, der abschreiben lässt, tut dem anderen keinen Gefallen. Das hat mit Nächstenliebe, auf die du anspielst, nichts zu tun.

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