Ist es bedenklich, wenn man Gesangsstücke eines Chores auf YouTube veröffentlicht, ohne als Chor die Originalsätze eines Liedes zu besitzen?

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2 Antworten

Um erst einmal einen weit verbreiteten Mythos zu zerstören: Ob eine Veröffentlichung privat oder kommerziell vorgenommen wird, spielt urheberrechtlich überhaupt keine Rolle. Ein "Werk" an dem andere die Rechte besitzen, kann ich nicht einfach ohne dessen Zustimmung veröffentlichen.

Die essentielle Frage in diesem Fall, ist wie Shinjischneider korrekt dargelegt hat, wie alt die vorgetragenen Lieder sind. Denn 70 Jahre nach Tod des Urhebers erlischt nach §64 UrhG das Urheberrecht an einem Werk. Die Werke gehen dann in den Besitz der Allgemeinheit über und dürfen von jedem veröffentlicht werden.

Wenn die Noten jüngeren Datums sind, sind sie urheberrechtlich geschützt. Der Chorleiter hat zwar Recht damit, dass Noten zu kopieren urheberrechtlich problematisch ist. Das ist aber nicht der entscheidende Punkt. Der entscheidende Punkt ist, dass man die urheberrechtlich geschützte Komposition hören kann. Und dabei gibt es urheberrechtlich zwei Möglichkeiten, die leider das gleiche Ergebnis haben.

1. Die Melodie wurde maßgeblich verändert und eigene kreative musikalische Komponenten eingebaut. In diesem Fall ist das eine "Bearbeitung" nach §23 UrhG und der Komponist (oder seine Erben) müsste der Veröffentlichung zustimmen. Der ist aber ziemlich wahrscheinlich für einen Normalsterblichen nicht zu erreichen, was heißt, dass das Video nicht veröffentlicht werden darf.

2. Die Melodie wurde nicht verändert, sondern originalgetreu gespielt. In diesem Fall muss zwar nicht der Komponist aber die GEMA der Veröffentlichung zustimmen. Und da die GEMA ja mit Youtube auf dem Kriegsfuß steht, wird das kaum möglich sein.

Fazit also:

Wenn die Komponisten der Stücke, die vorgetragen werden, schon länger als 70 Jahre tot sind, kannst du das Video online stellen. Wenn nicht ist es problematisch. Wobei Urheberrechtsverletzungen in der Musik selten drastische rechtliche Konsequenzen haben: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2504652/Videos-mit-Chartmusik-ins-Netz

Das Risiko musst du aber natürlich selbst abwägen.

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Kommentar von Haapy
08.01.2016, 23:59

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. :-) Da ich schon öfters Videos von Chorauftritten veröffentlicht habe ist mir die Reaktion von YouTube bzw GEMA bei urheberrechtlich relevanten Inhalten bekannt. Jedoch fand ich die Antwort dennoch interessant, da sie Infos enthielt die mir noch nicht geläufig waren. Hauptsächlich ging es mir eben um die Sache mit den kopierten Noten und erwaiger Konsequenzen diesbezüglich.

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Kommentar von Shinjischneider
11.01.2016, 14:11

Auch von mir vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Aber sehe ich das richtig? Für Bearbeitungen, zum Beispiel parodistische Textänderungen eines klassischen Musikstücks, ist trotzdem noch die Erlaubnis des Urhebers oder seiner Nachfahren notwendig?

Angenommen ich wollte den Figaro aus Barbier von Sevilla mit neuem Text singen, dann bräuchte ich die Erlaubnis von Rossinis Nachkommen?

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Also Cover sind meistens weniger ein Problem. Es kann jedoch sein, dass die Urheber Einspruch gegen das Video erheben. Dann wird es einfach geblockt.

Wenn es alte Weihnachtslieder sind (also 100 Jahre und älter) macht Euch keine Sorgen. Da sind die Urheber schon lange Tod.

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