Ist Erleuchtung kein Thema mehr? Wo sind die Gurus? Was wurde aus der Spiritualität?

17 Antworten

Ich bin Buddhist und habe diese Entwicklungen ein wenig verfolgt.

Die moderne "New Age Szene" ist eben sehr konsumorientiert geworden. Dort wird jedes neue Konzept umgehend gewinnbringend vermarktet.

Gibt es einmal ein inspirierendes Buch, folgen qualitativ schlechtere Fortsetzungen, es gibt dann "Arbeitsbücher", Kartensets, Aromaöle - alles unter dem neuen Trendbegriff.

Stärker noch als früher gibt es diese "Trends" - eine alternative Therapie oder Selbsterfahrungsmethode gilt als non plus ultra - bis sich der nächste Unsinn findet.

Außerdem gibt es heute Dutzende von "Satsang"-Lehrern, die "Neo-Advaita" betreiben, von Nondualität reden und dabei Standardweisheiten vom Stapel lassen.

Selbsternannte Gurus gibt es also nach wie vor, nur sind es eben meist keine charismatischen Gestalten wie Bhagwan mehr.

Was es im Gegensatz zu früher verstärkt gibt, sind "Naturtherapien" wie Visionssuche in der Wildnis, Survival-Camps, Kräuterwanderungen, Naturbegegnungen verschiedener Art, so ein stille, grüne "Revolution", meist verbunden mit Öko-Ideen wie Permakultur u.a. Mir persönlich haben die 1980er Jahre sehr gut getan, ich habe viele Meditationen bei den Sannyasin mitgemacht, Rolfing und Primärtheraoie kennengelernt, und will diese grossartige Zeit der "Selbst-Erfahrung" nicht missen, sie hat mich demütiger gemacht in Bezug auf die Abgründe in uns allen.

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@JWDHF

Ja, wenn in Encounter-Gruppen ein muskulöser "arisch" anmutender Skandinavier einen als "Drecks-Juden" beschimpft, man als "Sch...-Nazi" zurückschimpft und man miteinander rangelt, nur um sich anschließend gegenseitig herzlich in den Arm zu nehmen, hat das sicher eine gewisse befreiende Qualität - raus aus dem Schema von Opfer und Täter.

Für manche war das sicher zu radikal, andere konnten diese Encounter-Erfahrungen dagegen gut für sich verwenden und damit ihr weiteres Leben deutlich verändern.

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Als ich neulich interessante und seriöse Bücher zum Thema "Hinduismus" gesucht habe, konnte ich nicht ahnen, was für eine Schlacht mir bevorstand. Zumindest im Buchhandel trifft deine Beobachtung kaum zu: die Regale brechen förmlich zusammen unter unzähligen Büchern zu Themen wie Achtsamkeit, Meditation, Yoga, Selbstfindung, heilsame Ernährung, usw.

Das Schlimme daran: ein Buch ist unseriöser als das andere! Miserable Rechtschreibung und haufenweise falsche Informationen (z.B. die, dass man als nicht-Inder kein Hindu werden könne) konnte ich selbst als Laie bereits entdecken. Die Esoterik-Branche boomt und ist offensichtlich eine wahre Goldgrube für skrupellose Geschäftemacher. Die Verlage bringen ein billiges und schnell zusammengekritzeltes Werk nach dem anderen raus und verjagen damit all jene, die ernsthaftes Interesse an solchen Themen haben.

Ich denke, das Bedürfnis nach Spiritualität und Philosophie ist bei einigen Menschen immernoch vorhanden. Aber dadurch, dass der Markt von soviel Mumpitz überschwemmt wird, dominiert hier leider sehr viel Halbwissen. Die meisten Menschen wissen ja nichtmal, dass Yoga keine Gymnastik, sondern im Kern eine religiöse Praktik ist. Geht man aber nach diesen absolut sinnfreien "Instagram-Challenges", ist Yoga eine altindische Praktik zum Abnehmen. Weil die alten Inder schon damals Themen wie "Body-Shaming" auf dem Schirm hatten. Nun ja...

Bei jüngeren Menschen würde ich deinen Ansichten also durchweg zustimmen. Die "Generation Instagram" interessiert sich leider überwiegend kein bisschen mehr für spirituelle oder religiöse Themen. Schade, aber es hat sicher auch mit der Unübersichtlichkeit des Themas zu tun.

Ja, so wie Du sehe ich das auch, deshalb stellte ich diese Frage.

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Die Feststellung habe ich kürzlich auch gemacht.

Aber ich denke, die Gurus dieser Welt haben ihr Business Modell ein klein wenig verändert und gehen auch mit der Zeit: Sie versammeln ihre Gemeinde nicht mehr in Goa am Strand um sich, sondern eröffneten Facebook Seiten und pflegen ihre Anhänger via Instagram.

Und sie haben die Begrifflichkeiten verändert. Sie verkünden nicht mehr Erkenntnisse, die zu Erleuchtung führen soll - das scheint doch etwas anstrengend für die Anhänger zu sein - sondern nennen sich nun "Heiler". Und DIE Szene boomt, kann ich dir sagen!

Was früher nur Reiki und Channeling war und als Erkenntnis von Baghwan kam, geht heute mit dem Trend, dass jeder und alles therapiert werden will und wechselte ins Lager der (Geist)Heiler. Statt selbst seinen Weg zu gehen, nimmt man den Bus und lässt (man beachte das Passivum) sein Karma reinigen. Ist auch weniger mühselig. Für die Healer heisst das, man kann Fernheilung anbieten, gegen Vorauszahlung versteht sich. Wunder schienen jedenfalls immer och zu funktionieren, denn das Geld fliesst den Berg hoch, dorthin, wo schon sehr viel davon vorhanden ist.

Ist der Schüler bereit (zu zahlen), erscheint der Lehrer (und kassiert). Das ist geblieben.

Oh, ja, da sagst Du was! Du hast völlig recht! Dieser Trend boomt gewaltig! Danke für den Hinweis und die "Erleuchtung"!

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Wie soll man die absolute Wahrheit finden?

Hallo gutefrage.net,

ich hoffe ich werde hier eine Antwort oder zumindest einen hilfreichen Denkanstoß finden. Ich befasse mich immer mehr mit der Suche nach der Wahrheit (über alles: Leben, Willen usw.) und ich stoße auf zahlreiche verschiedene Theorien die sich allerdings alle gegenseitig widersprechen. Die Leute die sich nur auf die Wissenschaft verlassen sagen eins, die Leute die über Spiritualität und Erleuchtung reden sagen wieder etwas anderes und die Leute die über Religionen reden wieder was komplett anderes.

Das wichtigste Beispiel für mich: Wenn man sich mit Erleuchtung und Meditation befasst hört man immer wieder, dass es darum geht sein Ego zu verlieren, dass man selbst so eine Art Gott ist und, dass alles eine Illusion ist und ich habe sogar selbst schon einige Erkenntnisse in diese Richtung gemacht. Andererseits allerdings kommen dann die meisten Christen daher und meinen, dass genau diese Weltanschauung die Versuchung Satans und seiner Dämonen ist und auch das (egal wie abgefahren das klingt) macht in irgendeiner Weise Sinn weil es doch sehr genau ähnlich klingt. Wiederum sagen die Erleuchter dass man von diesem fundamentalistischen göttlichen Denken ablassen soll.

Ich möchte hier von euch nicht noch eine Theorie oder Anschauung in diese Richtung sondern ich möchte wissen wie ich wirklich die Wahrheit herausfinden kann, denn ich glaube nicht, dass Gott (wenn es ihn gibt) will, dass ich an ihn glaube weil ich Angst vor der Hölle oder sonstigem habe. Ich möchte wissen wie ich bei so vielen logisch klingenden aber sich widersprechenden und angsteinflößenden Theorien die Wahrheit finden kann! Vor allem kann ich aber auch meinem Verstand nicht mehr genau trauen weil ich auch da schon auf so viele Illusionen und Glaubenssätze getroffen bin die ich für 100% wahr gehalten habe aber die sich dann als (zumindest scheinbarer) Irrtum erwiesen.

MfG Zetterin

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