Ist eine theoretische oder eher eine praktische Diplomarbeit zu empfehlen?

3 Antworten

Auch wenn der Beitrag schon etwas angestaubt ist, so ist er doch aktuell. Eine Antwort muss jeder für sich selbst finden, aber ich möchte ein paar Hinweise geben:

  • Ob die Arbeit theoretischer oder praktischer Natur ist, hängt nicht davon ab, ob sie in de Industrie oder der Uni gemacht wird. Auch an Unis gibt es praktische Arbeiten und auch Unternehmen bieten theoretische Betrachtungen als Abschlussarbeiten an.

  • Deine Universität hat dir deine Ausbildung ermöglicht. Der Prof. hat Veranstaltungen vorbereitet und gehalten, die wissenschaftlichen und studentischen Mitarbeiter haben sich auch dafür ins Zeug gelegt. Ich finde es fair, wenn man seinem Prof./Fachgebiet auch etwas zurück gibt. Das kann man vor allem mit einer guten Abschlussarbeit machen, die die Forschung des Fachgebiets/Professors unterstützt. Arbeiten in der Wirtschaft bringen der Universität oft nichts, weil sie zum einen thematisch nicht passen und zum anderen oft mit Geheimhaltungsverträgen belegt sind.

  • Das universitäre Umfeld verzeiht deutlich mehr und ist meist wissenschaftlicher ausgelegt. Forschung darf auch schiefgehen.

  • Arbeiten in der Wirtschaft sind oft Entwicklungsarbeiten, in der Uni sind es eher Forschungsarbeiten.

  • Z.T. wird gerade schlechte Studenten, um deren Betreuung sich der Prof. ungern kümmern möchte, eine Abschlussarbeit in der Wirtschaft angeboten. Bei wichtigen Wirtschaftspartnern kann das jedoch auch genau andersherum sein.

  • Ob es von Vorteil ist, eine theoretische oder praktische Arbeit zu machen hängt eher davon ab, was man später machen möchte. Wenn man im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit als Experte Entscheidungsgrundlagen für Politiker zusammenstellen will, ist eine theoretische Arbeit passend. Wenn man Hochspannungsschalter bauen möchte, ist eine praktische Arbeit gut. Festlegen tut man sich aber mit keinem von beidem.

  • Wenn man eine Eintrittstür in eine Firma sucht, dann kann eine Abschlussarbeit in der Wirtschaft helfen. Das hilft dann aber nur für genau diese Firma und vermutlich auch genau diese Abteilung. Und genau dort muss dann eine Stelle frei sein/frei werden/geschaffen werden, damit das klappt. Ansonsten bringt das nichts. Als Industrieerfahrung gilt eine Abschlussarbeit in der Wirtschaft eher nicht.

  • Meiner Meinung nach sind es vor allem die Firmen, die von einer Abschlussarbeit in ihrem Hause profitieren, und das gleich mehrfach: Sie bekommen kostenlose Arbeit und sie können ganz ohne finanzielles Risiko ausprobieren, ob sie da eine gute Arbeitsbiene geangelt haben, die man dann ja möglicherweise behalten kann.

  • Arbeiten kann man noch früh und auch lang genug. Ich ganz persönlich würde die Freiheiten des universitären Umfeldes so lange es geht dem Druck eines Angestelltenverhältnisses vorziehen. Natürlich vorausgesetzt, der Arbeitsmarkt ist vielversprechend.

Alles klar? ;)

Das liegt an dir. Bist du eher der Theoretiker oder der Praktiker. Was liegt dir? Manchmal ist es bei praktischen Diplomarbeiten so, dass man sie gesponsert bekommt von einem Unternehmen. Natürlich nur wenn das Unternehmen sie auch verwerten kann. Außerdem kann ein Unternehmen dann auch Interesse an dir haben, wenn die Diplomarbeit gut war. Es wäre gut, wenn das Unternehmen schon ein Problem hat, das du lösen kannst. Bei einem eher konstruierten Thema zieren sich manche Unternehmen.

  • Generell, wenn Du später mal in der Wrtschaft arbeiten willst, ist eine praxisorientierte Arbeit sicher eine bessere Eintrittskarte in einen Job.

  • Natürlich musst Du das Thema mit dem Prof abstimmen, damit der nachher auch bereit ist, es zu korrigieren.

  • Der Aufwand ist nicht notwendigerweise höher - hängt vom Thema ab.

  • Du bekommst bei den meisten Unternehmen hinterher sogar eine Prämie für die Arbeit.

  • Du bekommst im Unternehmen von den Fachleuten meist beliebig fachliche Unterstützung - versuch mal einen Termin beim Prof zu bekommen!

  • Du arbeitest nicht für den "Papierkorb", sondern Deine Arbeit wird wirklich gebraucht.

  • Leider gibt es Hochschulen und Lehrstühle, die die Betreuung einer Diplomarbeit in der Industrie ablehnen - warum auch immer.

  • Ausserdem gibt es Hochschulen, die für die Betreuung einer solchen Arbeit - die praktisch aber meist gar nicht stattfindet - eine "Spende" in fünfstelliger Höher erwarten, was Firmen nicht notwendigerweise mitmachen.

  • Du musst also vor Beginn Deiner Suche nach einem Unternehmen erst einmal klären, ob "Dein" Prof überhaupt mitspielt und unter welchen Bedingungen.

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