Ist eine Schachpartie geistiges Eigentum der jeweiligen Schachspieler?

5 Antworten

In Deutschland wurde diese Frage schon ausführlich erörtert von Rechtsanwalt Walter Jung in der Inaugural-Dissertation der Juristischen Fakultät der Universität Erlangen mit dem Thema „Gibt es ein Urheberrecht am Schachspiel?“ aus dem Jahr 1931.

Der Autor verneinte in dieser Dissertation ein Urheberrecht an Schachpartien.

Zur Begründung seiner Auffassung führte er aus, die Begründung eines Urheberrechts setze eine individuelle geistige Schöpfung voraus, die auch eine individuelle Formgebung habe enthalten müssen.

Bei Schachpartien kämen als Mittel der Formgebung – im Gegensatz zu den Werken der Literatur und der Tonkunst – lediglich die Züge in Frage. Die Schachzüge könnten aber nicht als genügendes Ausdrucksmittel zur Darstellung der Gedankenarbeit des Schachspielers angesehen werden.

Die individuell gekennzeichnete geistige Leistung des Schachspielers gehe der Vornahme seiner Züge voraus, sie erhalte aber durch die Züge selbst keine eigentümliche Formgebung.

Die Schachzüge könnten und sollten auch gar nicht in eindeutig bestimmter und erschöpfender Weise die ihnen vorausgegangenen Erwägungen des Spielers zum Ausdruck bringen.

Sie sollten im Gegenteil während des Spiels die den Zügen zugrunde liegenden Erwägungen und verfolgten Absichten dem Gegner möglichst verborgen lassen. Gegen diese Argumentation könne man anführen, dass die einzelnen Züge einer Schachpartie in ihrer jeweiligen Aufeinanderfolge doch der Partie ein charakteristisches Gepräge gäben.

Die dadurch entstandene Partiegestaltung´könne jedoch nicht als individuelle Formgebung gelten. Eine Gestaltung in Form der geschehenen Züge müsse sich aber nach dem Wesen des Schachspiels von selbst entwickeln, da nach den Spielregeln abwechselnd gezogen werden müsse.

Anders sei es bei einem von zwei Personen geführten Dialog. Dort gäben die beiden Personen durch Rede und Gegenrede eine unmittelbare sprachliche Ausdrucksform, die unter Umständen urheberrechtlichen Schutz genießen könne.

Die Absicht des Schachspielers sei auch nicht auf eine bestimmte Gestaltung des Ablaufs der Züge, sondern auf den Gewinn der Partie gerichtet.

Die im Verlauf einer Schachpartie geschehenen Züge könnten in ihrer Gesamtheit keine individuell geformte Geistesschöpfung im Sinn der herrschenden Lehre darstellen.

Sie seien lediglich als einzelne Ergebnisse oder Handlungen der Spieler aufzufassen, währen die Gedankenarbeit selbst, auf der diese Handlungen beruhten, keine bestimmte Ausdrucksform erführen. Eine Darstellung des Verlaufs einer Schachpartie mit Hilfe der eingeführten Zeichen, die weiter nichts als die Angabe der geschehenen Züge enthalte, müsse jedermann ebenso frei stehen, wie es auch gestattet sei, sonstige rein tatsächliche Geschehnisse mitzuteilen.

 

Das hat der Vornamensvetter, Herr Jung perfekt rausgearbeitet. 

Der Unterschied wäre eine konstruierte Schachaufgabe, oder der Kommentar zu einer Partie Schach.

Für beides würde meiner Ansicht nach dann ein Urheberrecht gelten.

0
@wfwbinder
Der Unterschied wäre eine konstruierte Schachaufgabe, oder der Kommentar zu einer Partie Schach.

Für beides würde meiner Ansicht nach dann ein Urheberrecht gelten.

zu dieser Ansicht käme ich auch...

0

Bei Schachpartien haben die Gegner völlig konträre Ziele, weil sie einander mattsetzen wollen und sollen.

Natürlich sind die Züge des Weissen „geistiges Eigentum“ des Weissspielers und die des Schwarzen des Schwarzspielers. Allerdings wären dies dann „halbe Partien“. Man spielt ja nicht nur die Züge des Weißen, sondern auch die des Schwarzen nach!

Aber ebenso wie sich andere Wissenschaften weiterentwickeln, evolviert auch das Schachspiel und die Leistungen der Spitzenspieler in der Turnierpartie liegen ja nicht im Abspulen der Theorievarianten sondern im Ausprobieren und Erforschen neuer Zugfolgen, die eine Variante und ihre Bewertung ändern bzw. verbessern.

Grundsätzlich sollte man bei der Bewertung „geistigen Eigentums und seiner Urheberschaft“ auch über gewisse Kriterien nachdenken, die genauer definieren, was daran „geistige Urheberschaft“ sein und wie sie definiert werden soll.

Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist Software Teamarbeit. Heutige Betriebssysteme wie macOS oder Windows schafft niemand mehr im Alleingang. Ebenso wie Apple und Microsoft für ihre Software Geld verlangen, werden Schachspieler (zumindest die Meister!) mit Preisgeldern bezahlt. Natürlich steckt in den Partien geistiges Eigentum, doch ist nicht das Eigentum selbst das Problem, sondern dessen Bewertung!

Hätte Pythagoras vor Christi Geburt Urheberschaft beanspucht, dürfte die Mathematik vielleicht nie die Höhen erreicht haben, die sie heute hat.

Hätte Newton im heutigen Sinne Urheberschaft beanspruchen können, wäre auch die Physik noch nicht sooo weit wie sie heute ist …

Noch ein völlig verschrobenes Schmankerl: Wie sieht es dann bei der Urheberschaft für Tennisspieler aus? (Bitte keinesfalls ernst nehmen!!)

Ich lese hier sehr interessante Antworten. 

Nur habe ich mir gedacht: die Turnierorganisatoren entscheiden, und sie entscheiden: die Partieformulare (bzw. die Partie) ist per Definition Eigentum der Turnierleitung.

Es frage jemand GM Robert Hübner zu diesem Thema.

Was möchtest Du wissen?