Ist eine gute Tat aus eigennützigen und/oder scheinheiligen Gründen trotzdem eine gute Tat?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

In den vedischen Schriften wird zwischen Jnana-, Karma- und Bhakti-Yoga unterschieden. 

Ein "Jnani" (also jemand, der Jnana-Yoga praktiziert) erwirbt spirituelles Wissen, um "unpersönliche Befreiung" zu erlangen, also um diese Welt hinter sich zu lassen, um entweder mit Gott eins zu werden oder in Seine unpersönliche Ausstrahlung einzugehen. 

Der "Karmi" achtet verstärkt darauf, kein schlechtes Karma zu erzeugen, führt "gute" Handlungen aus, um in diesem Leben, oder im nächsten, oder in der Zeit dazwischen nicht leiden zu müssen und stattdessen die "Früchte" seiner Handlungen genießen zu können.

Der "Bhakta" stellt alle seine Handlungen in den Dienst Gottes, bedenkt bei allem was Er tut, wie sehr dies Gott gefallen wird. Natürlich bekommt er dafür ein entsprechendes "Ergebnis", dass jedoch auch wieder von seiner Motivation abhängt.

Im besten Fall, wenn er aus reiner Hingabe zu Gott und Liebe zu seinen Mitgeschöpfen handelt, wird er aus dem Kreislauf von Geburt und Tod befreit, geht zurück in die spirituelle ewige Welt. 

Steht für ihn das eigene Interesse im Vordergrund, möchte er in dieser Welt "genießen", dann wird es für ihn etwas länger dauern, bis er sein letztendliches Ziel (die spirituelle Welt) erreicht. Denn der Wunsch nach den "guten" Ergebnissen, dem zeitweiligen Genuss in dieser Welt wird ihn immer wieder ablenken.

Das sind universale Gesetzmäßigkeiten, sie sind von keiner äußeren Religion abhängig. Karma wirkt - ob man daran glaubt (oder sich dessen bewusst ist) oder nicht. Und wer Gutes tut wird dementsprechend gute Ergebnisse erlangen. 

Auch wenn man sagen mag "gut" oder "schlecht", das sei nur "relativ" - wenn es um einen selbst geht, also um das, was man selbst durch andere Menschen erfährt oder erleidet, dann ist man meist nicht mehr so "großzügig" in der Auslegung dieser beiden Begriffe. Es stimmt schon, dass wir nicht beurteilen können, was aus einer übergeordneten Sichtweise heraus gut oder schlecht für uns ist. Selbst was uns oberflächlich gesehen offensichtlich schadet baut unser negatives Karma ab, ist also im Grunde gut für uns.

Dennoch wäre es z.B. falsch zu sagen: "Wenn  ich jemanden bestehle, dann muss das sein Karma sein. Bestimmt hat er früher auch jemanden bestohlen, vielleicht sogar mich. Wenn mir der Diebstahl gelingt, dann hat er das verdient und darum darf ich es versuchen."  Denn wer das Karma hat, einen Verlust zu erleiden, der wird das sicher auch ohne unsere "Mithilfe" erleben. Aber das würde dem Dieb negatives Karma einbringen. Und der Kreislauf würde sich fortsetzen.

Auf der anderen Seite, wenn jemand in Not ist und wir dies wahrnehmen, warum sollten wir nicht helfen? Selbst wenn wir es in dem Verständnis tun, dass dies auch für uns selbst gut ist. Würdest du z.B. jemanden ertrinken oder verhungern  lassen, weil du Zweifel an deiner Motivation hast?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Raiden96
17.05.2016, 12:41

Nein würde ich natürlich nicht! :) Danke für deine ausführliche Antwort!

0

Menschen tun etwas nur dann freiwillig wenn sie Profit daraus schlagen können. Dieser Profit muss nicht materiell sein, ein gutes Gefühl, oder wie du angeführt hast, eine imaginäre Stempelkarte für den jeweiligen göttlichen Fantasiefreund können auch Motivation dafür sein.

Kein Mensch macht etwas was ihm nicht irgendwie einen solchen Profit verschafft, es sei denn es ist unumgänglich, wie z.B. ein Zahnarztbesuch.

Von daher ist keine "gute Tat" unneigenützig.

Nebenbei ist das sowieso irrelevant weil es weder "gut" noch "böse" tatsächlich gibt. Das sind imaginäre Begriffe um Dingen eine rein subjektive Wertigkeit zu verleihen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Raiden96
16.05.2016, 19:56

Wow, das war jetzt mal ein ordentlicher Denkanstoß, danke :)

1

Hast Du mal gelesen, was in http://www.bibleserver.com/text/EU/Matthäus25,31-46 steht? Darin enthalten ist die Aussage, dass nur wenn man jemandem hilft, aber eben nicht darauf achtet, dass es einem angerechnet wird (denn deshalb haben die Betreffenden, die geholfen haben, wieder vergessen), entsprechend etwas positives erhält, wobei dies zu einem gewissen Teil, nämlich durch die Nächstenliebe von einem selbst ausgeht.

Was die Antwort von Andrastor angeht, so kann ich dieser nicht zustimmen. Es gibt vermutlich viele, die dieser Antwort entsprechen würden, aber es gilt mit Sicherheit nicht für alle. Ich persönlich kenne viele, die gute Taten eben nicht aus Eigennutz, egal wie dieser aussehen mag, tun, sondern aus reiner Nächstenliebe und tatsächlich uneigennütziger Hilfsbereitschaft. Würde man nach der Antwort von Andrastor gehen, wäre dies ausgeschlossen, aber die Praxis zeigt, dass dem bei vielen mir bekannten Menschen nicht so ist. Und sicher geht es vielen anderen genauso.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Raiden96
17.05.2016, 12:43

Hmm...ein sehr erheiternder Gedanke :) dass man rein aus Nächstenliebe handelt, finde ich schön. :) Danke!

0

Meiner Meinung nach ist eine Tat umso besser, je geringer der Gegenwert, den man dafür erhält ist.

Beispiel: Jemand gibt einem Bettler Geld
Person 1: Der Bettler gibt mir dafür einen Tipp(o.ä)
Person2: Das ist gut für mein Karma
Person3: Wie schön, jetzt geht es ihm besser.(-->gutes Gewissen)

In diesem Fall wäre die 3.Person der "beste" Mensch, weil ihm das Wissen, geholfen zu haben als Gegenleistung genügt. Noch besser wäre es wenn selbst das zu viel wäre, aber das gute Gewissen kann man ja nicht abschalten. (Was vielleicht auch ganz gut so ist)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

eine tat ist immer gut, wenn sich ein anderer mensch durch sei weiter entwickeln kann

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Horus737
18.05.2016, 18:50

Eine gute Tat verliert aber viel an Glanz wenn derjenige, der die Tat begeht selber davon profitiert.

0

Hilfe für andere Menschen ist eine gute Tat.

Aber Jesus sagt "... liebe deinen Nächsten wie dich selbst." (Mt. 22,37-40). Jesus sagt nicht "... hilf deinem Nächsten".

Eine gute Tat als Vorleistung, die eine Gegenleistung erwartet (=ein Handel, ein Geschäft zu beiderseitigem Vorteil), ist nicht die Art von guter Tat, die das Gebot Jesu erfüllt, weil da nicht die Liebe der Beweggrund ist. Liebe erwartet keine Gegenleistung.

http://www.bibleserver.com/text/GNB/1.Korinther13

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Für mich ist das immer noch eine gute Tat was man selbst damit bezweckt ist ja erstmal egal wenn man vorher jemanden geholfen hat

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Raiden96
16.05.2016, 19:57

Guter Punkt, danke. :)

0

Was möchtest Du wissen?