Ist ein vorgeschlagenes Remis im Schachspiel nicht vielmehr ein Aufgeben?

6 Antworten

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  1. Es ist durchaus möglich, dass ein Spieler in einer Verluststellung ein Remisangebot macht, um zumindest einen halben Punkt ins Trockene zu bringen. Dies dürfte jedoch unter den besten Schachspielern kaum vorkommen.
  2. Dies dürfte sich nicht verhindern lassen, da grundsätzlich immer ein Remisangebot gemacht werden kann. Frage 3 wäre damit eigentlich auch beantwortet.
  3. Die meisten Spiele, zumindest unter Profispielern, werden nicht bis zum schachmatt gespielt. In 99 von 100 Fällen gibt der Spieler mit einer Verluststellung vorher auf.

Oh, vielen Dank für den Stern.

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Warum genau wird nicht bis zum Schachmatt gespielt? Dauert zu lange? Wie "Gehrsitz" anführte: eine Schmach?

Der Gewinner will doch seinen Sieg auch als Schachmatt "auskosten"? Im Fußball wird ja auch bis zum Abpfiff gespielt, auch wenn es bei der 85. Minute 4:0 steht (Zugegeben, der Vergleich hinkt vielleicht etwas). Und schließlich haben wir (habe ich zumindest) doch als Kinder gelernt, ein Spiel auch zu Ende zu spielen und Niederlagen dabei einzustecken, aber sich auch über den Sieg zu freuen.

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@mcr89x

Ja, man kann es als eine Art Schmach bezeichnen, wenn der Verlierer sich das Schachmatt "vorführen" lässt. Unter Amateurspielern und Anfängern mag dies sicher anders sein, aber unter den besten Spielern gehört es einfach zum guten Ton, die Segel zu streichen, sobald man sieht, dass man auf der Verliererstrasse ist und praktisch keine Aussicht mehr auf ein Remis besteht.

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@odinwalhall

Wirklich gut dargestellt, den Worten kann ich mich komplett anschliessen.

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1. nein, ein Remisangebot ist ein Remisangebot, und eine Aufgabe ist eine Aufgabe/Kapitulation

2. ein Angebot kann abgelehnt werden (natürlich kann man auch in Verluststellung ein Remisangebot machen, aber der Gegner wird dies dann normalerweise ablehnen)

3. nein, der Gegner kann entscheiden, ob er das Angebot annimmt oder ablehnt (in diesem Fall wird einfach weitergespielt); der Schiedsrichter wird nur dann gebraucht, wenn es Streitfälle gibt. Bei einem normalen Remisangebot wird er nicht gebraucht.

Bei Mannschaftskämpfen ist es üblich, dass man vor einem Remisangebot den Mannschaftsführer fragt, ob man das machen soll (oder lieber nicht). Der Mannschaftsführer darf dann seine Meinung aufgrund der Spielsituation sagen (er darf aber keine stellungsbezogenen Kommentare machen).

Man muss noch einen Fall unterscheiden: es gibt eine sog. "Remisreklamation", das ist vom Remisangebot zu unterscheiden. Zum Beispiel kann man vor einer dreimaligen Stellungswiederholung (bevor man den Zug auf dem Brett ausgeführt hat) auf Remis reklamieren. Wenn dies zurecht geschieht (was durch die Notation belegbar ist, denn die Züge müssen ja in langen Partien aufgeschrieben werden), endet die Partie auch remis an dieser Stelle (ohne dass nun "abgelehnt" werden darf).

Das kann (muss aber nicht) manchmal zu Streitfällen führen, da das genaue Prozedere nicht immer eingehalten wird. Z.B. führen manche den Zug aus, und reklamieren dann auf Remis durch dreimalige Stellungswiederholung. Dann muss der Schiedsrichter aber im Grunde auf Weiterspielen bestehen. Das ist so eine Feinheit, die manche Spieler nicht beachten.

4. natürlich darf man aufgeben (das ist sogar die häufigste Art, wie eine Partie endet, neben dem Remis), bis zum Matt wird eher selten weitergespielt (gibt es aber auch, auch in hohen Spielklassen). Man sagt, "ich gebe auf", reicht dem Gegner die Hand, notiert das Ergebnis auf der Notation (und informiert ggf. den Mannschaftsführer, wenn es ein Mannschaftskampf ist, denn es wird dann ja eine Gesamtwertung erstellt).
Bei Open-Turnieren gibt man das Formular zusammen mit der Ergebnismeldung (ebenfalls schriftlich) ab.

Nun noch zur Frage, warum man Remis anbietet, das kann unterschiedliche Gründe haben:
- die Stellung ist so ausgeglichen, dass man keinen Sinn mehr darin sieht, weiterzuspielen (man rechnet nicht mehr damit, dass der Gegner noch einen Fehler machen kann)
- man steht besser, aber man hat einen stärkeren Gegner vor sich (gegen den man mit einem Remis durchaus zufrieden ist)
- man könnte weiterspielen, aber aufgrund der Mannschaftssituation (z.B. ein halber Punkt reicht für den Mannschaftssieg) genügt das Remis, und man will lieber nicht riskieren, doch noch zu verlieren
- in mehrrundigen Turnieren (es gibt 7-rundige, oder auch 9-rundige) ist es manchmal energiesparend, ab und an ein Remis einzulegen, um etwas Kraft/Konzentration für die folgenden Runden zu sparen (man soll nicht unterschätzen, wie (mental) anstrengend ein Turnier sein kann)

Es kommt z.B. öfters vor, dass ein (von der Wertungszahl nicht so starker) Gegner mir ein Remis anbietet, und ich das Remis trotz schlechterer Stellung ablehne. Damit riskiere ich natürlich, zu verlieren (für den Fall, dass mein Gegner korrekt weiterspielt), andererseits erhalte ich meine Chance zu gewinnen (für den Fall, dass mein Gegner doch einen Fehler macht). In so einem Fall hoffe ich eben darauf, dass mein Spiel z.B. in den Zügen 30 bis 40 besser ist als die vielleicht nicht so gut verlaufene Eröffnung.

Schach ist auch ein psychologisches Spiel, und auch bei Remisangeboten spielt die Psychologie eine große Rolle. Es gibt Spieler, die mehr zu Remisangeboten tendieren als andere.

Wie du selbst sagtest: du mußt ein Remisangebot ja nicht annehmen, sondern kannst jederzeit weiterspielen. Ein Remisangebot ist was es ist und keine Aufgabe. Wenn du ein Remisangebot von einem Gegenüber annimmst, der hinten liegt ist es deine eigene Schuld. Aufgeben kann man jederzeit. Geprüft werden muß weder das Remisangebot, noch die Aufgabe, wie sollte das auch vonstatten gehen? Beides ist ja Regelkonform.

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