Ist ein psychologe verpflichtet das jugendamt einzuschalten?

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5 Antworten

Es kann vorkommen. Ja. Es besteht eine Schweigepflicht des Psychologen, aber der Schutz des minderjährigen Klienten ist das höhere Rechtsgut.

Allerdings würde ich die Schweigepflicht niemals hinter dem Rücken eines Patienten brechen, sondern dies sehr gut mit ihm besprechen. Meist kann man dann auch Bedenken und Ängste ausräumen.

Ich habe dies einmal getan, als ein 15 j. Mädchen mir erzählte, dass sie regelmäßig vom Stiefvater missbraucht würde. Es hat drei Sitzungen gebraucht, aber dann war sie einverstanden. Aber sie wusste, dass ich zu ihrem Schutz das Jugendamt auch dann eingeschaltet hätte, wenn sie dagegen gewesen wäre. Aber niemals hinter ihrem Rücken.


Gesetztlich verpflichtet ist er nicht (in Deutschland) - nur eben moralisch. Es hängt daher stark von seinem Ermessen ab, ob bzw. wie schnell er eine Info an das Jugendamt für notwendig hält. Ein guter Psychologe wird sich bemühen sich dem "Tempo" seines Klienten anzupassen und an seiner Einwilligung zu arbeiten, für den Schritt mit den Eltern zu sprechen oder auch für den Schritt das Jugendamt einzubeziehen - bzw. diese Schritte eben erst mit ihm besprechen und dann tun, wenn der Klient dazu bereit ist.

Je nachdem jedoch, was er erzählt bekommt und wie DRINGLICH dies auf ihn wirkt (z.B. wenn davon ausgegangen werden muss, dass es jeden Abend wieder eskalieren kann in der Familie und die Schläge so heftig ausarten, dass der Klient jederzeit lebensgefährlich von seinen Eltern verletzt werden kann, o.ä.) - kann er das Jugendamt auch einschalten, ohne den Willen des Klienten.

Und dann - also spätestens wenn der Psychologe von einer "akuten bzw. schnell akut-werden-könnenden- Kindeswohlgefährdung" ausgehen muss, fällt das, im Gegensatz zu einer der Aussagen hier, nicht mehr unter die Schweigepflicht: Kinderschutz geht vor Datenschutz!

Um Hilfe bei der Einschätzung zu erhalten OB (überhaupt) er eine Meldung an das Jugendamt machen muss (ob von einer Kindeswohlgefährdung ausgegangen werden muss) und wann - hat der Psychologe die Möglichkeit sich mit einer "iseF - insoweit erfahrenen Fachkraft" ANONYM über den Fall zu beraten. So kann er letztlich besser einschätzen, ob er seine Schweigepflicht für das Kindeswohl brechen muss oder nicht.

Ob auch was mit den Geschwistern "passiert" hängt dann allein vom Jugendamt ab - damit hat der Psychologe nix mehr zu tun. Das Jugendamt wird sich selbst ein Bild von der Familie und allen Kindern machen und ist verpflichtet, stets immer erst mit den "niedrigschweligsten" Mitteln zu versuchen eine Kindeswohlgefährdung aufzuheben oder zu verhindern. Es wird also zunächst Hilfen anbieten und nur im schlimmsten Fall - wenn für alle Kinder eine akute Gefährdung vorliegt - die Kinder in Obhut nehmen bzw. vorläufig schützen.

Kommt drauf an. Ein Psychologe im staatlichen Krankenhaus müsste die Behörden informieren. Denn als Staatsangestellter ist er dem Kindeswohl verpflichtet.

Ein privater Psychologe kann abwägen. Der ist theoretisch an die Schweigepflicht gebunden, darf aber Meldung erstatten, da es sich bei Gewalt gegen Kinder IMMER um eine Straftat handelt. (Eltern haben kein Züchtigungsrecht mehr). Ein vernünftiger Psychologe wird die Behörde informieren.

Wäre der "Patient" jedoch schon 18 und ist noch urteilsfähig, müsste der Psychologe schweigen, dürfte also auch nicht zur Polizei.

das bedeutet ein psychologe in einer psychiatrie MUSS es melden(gegen den willen des patientes)?

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@mirismiley

OK, sorry meine unklare Antwort. Nun juristisch korrekt: Nach Art. 203 StGB würde sich ein Psychologe strafbar machen, wenn er dein Geheimnis weitererzählt. Eine Ausnahme bildet jedoch Art. 4 KKG (Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz). Art. 4 gibt dem Psychologen das Recht, Behörden zu informieren, wenn er die Voraussetzungen im KKG einhält. Es muss also eine Beeinträchtigung des Kindeswohls vorliegen (bei Gewalt gegeben) und eine Kooperation mit deinen Eltern muss aussichtslos sein. Dann darf er das Jugendamt benachrichtigen.
Eine Pflicht zur Meldung hat er nur, wenn er davon ausgehen muss, dass an dir weitere Gewalt angewendet wird.

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nee kann ich mir nicht vorstellen ohne Beweise. Wenn er dies trotzdem macht hat er von Eltern Verleumdungsklage

Das wäre ja ganz neu !

hä wie meinst du das

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@Harald2000

Wenn er begründet von einer Kindeswohlgfährdung ausgehen muss nicht - dann ist er davon "befreit" : Kinderschutz geht vor Datenschutz.

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@HobbyPianistin

So weit gefasst ist das Kindeswohl allerdings nicht, dass in diesem Fall diese Grenze überschritten werden müsste.

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@Harald2000

Wie gesagt: Er MUSS nicht, aber wenn er es tut, weil er begründet davon ausgehen kann - dann DARF er (trotz Schweigepflicht) und dann ist das Kindeswohl soweit gefasst, dass es VOR Datenschutz geht. Und zur Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung: siehe meine Antwort, Stichwort "iseF".

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@Harald2000

Also ich muss darüber nicht diskutieren, ich weiß es aus meiner alltäglichen Arbeit. Wie gesagt er DARF (es ist nicht von MÜSSEN die Rede) - denn: KINDERSCHUTZ (soll besser der unterminiert werden ?!!) VOR DATENSCHUTZ.

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