Ist die Willensfreiheit im metaphysischen Sinn eine Illusion?

13 Antworten

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Der Freie Wille ist keine Illusion, sondern Teil der (physikalischen) Realität. Der Wille kommt aus dem Selbst, wobei das Selbst nicht ausschließlich durch äußere Einflüsse und Zufall entstanden ist, sondern zu einem großen Teil aus sich selbst. Es ist ein rekursiver Vorgang, deshalb kann die Erklärung ebenfalls nur rekursiv sein.

Dass der Freie Wille keine Illusion ist, lässt sich leicht durch die Kombination von Hypnose und einem Wahrheitsserum zeigen. Auf diese Weise lässt sich nämlich der Freie Wille zerstören, er kommt dann nicht mehr aus dem Selbst, sondern von außen. 

Dass sich das Selbst zu einem großen Teil selbst erzeugt, lässt sich nicht so leicht zeigen. Das physikalische Phänomen das der Selbsterzeugung zu Grunde liegt ist das Quanten-Zenon-Phänomen. Dadurch dass der Geist mit den physikalischen Zuständen des Gehirns verknüpft ist, kann er den Zerfall einer Superposition durch Beobachtung beeinflussen.

Ein Hirnforscher der den Freien Willen nachweisen will, ist vergleichbar mit einem Physiker der den Sinn eines Buches dadurch erfassen will, dass er ein Supermikroskop baut, um sich die Buchstaben genau anzusehen. 

Auf diese Weise lässt sich nämlich der Freie Wille zerstören, er kommt dann nicht mehr aus dem Selbst, sondern von außen.

Auch der Mensch dessen Freier Wille auf diese Weise zerstört worden ist, hat dann nicht mehr den Eindruck, er verfüge über einen Freien Willen (im Gegensatz zur Situation bei der reinen Hypnose).

Das physikalische Phänomen das der Selbsterzeugung zu Grunde liegt ist das Quanten-Zenon-Phänomen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Quanten-Zeno-Effekt

Wenn ein Atom spontan zerfällt, so geschieht dies nach den Gesetzen der Quantenmechanik nicht zu einem vorbestimmten Zeitpunkt, sondern zufällig, d. h. nach rein statistischen Gesetzmäßigkeiten. Dieses Ereignis kann am einfachsten als Superposition (Überlagerung) der Zustände A (nicht zerfallen) und B (zerfallen) aufgefasst werden. ... Wenn nun am Anfang das einzelne Atom im Zustand A (nicht zerfallen) ist, dann ist der Anteil des Zustandes B (zerfallen) nach kurzer Zeit äußerst gering. Bei einer Messung wird es also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht zerfallen sein. Durch die Beobachtung geht es in diesem Fall wieder in den Eigenzustand A (zu 100 % nicht zerfallen) über, und der Zerfallsvorgang beginnt wieder von Neuem.

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@WotansAuge

Oder las es mich nochmal anders formulieren.  Freier Wille im metaphysischen Sinne wäre demnach die Fähigkeit  das man sich bei bereits erfolgten Entscheidung auch bewußt hätte anders entscheiden können. 

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@WotansAuge

Soweit ich es verstehe (bin aber wie gesagt erst in der meinungsbildungdphase)  gibt es nur zwei Wege die Zukunft von Gegebenheiten zu beeinflussen und damit freien Willen zu besitzen. 1 indem ich den vorherigen Zustand des Universum Kontrollieren kann.  2  indem ich kontrolliere wie sich der vorherige Zustand in den nächsten übergeht.

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@Step77

... das man sich bei bereits erfolgten Entscheidung auch bewußt hätte anders entscheiden können.

... dass man sich bei bereits erfolgter Entscheidung auch bewusst hätte anders entscheiden können, sofern man es gewollt hätte. Dem stimme ich zu, aber wichtig ist für mich, dass der Freie Wille aus dem Selbst kommt und das Selbst nicht ausschließlich durch äußere Einflüsse (wobei auch die Gene einen äußeren Einfluss darstellen) und Zufall erwächst, sondern auch aus sich selbst.

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@Step77

Bitte sei mir nicht böse, aber hier verstehe ich nicht, worauf du hinaus willst. Geht es um die Willensbildung im Kopf?

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@Step77

Es ist wohl auch meine Fehler da ich nicht ausführlich genug war. Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken das Argument stammt ursprünglich von einem herrn miesner und wurde mir von einem Freund vorgetragen.

 Ausgehend von den beiden Prämissen macht er in meinen augen eine logisch schlüssiges Argument für den Determinismus. Er schließt den freien willen dabei nicht  kategorisch aus erklärten ihn aber zu einer zusätzlichen variabel die unnötig für die Gleichung ist und somit als zusätzliche variable eine schlüssige Erklärung seitens der Verfechter bedarf.

Auf der einen seite kommt mir das Argument als eine starke Vereinfachung vor aber auf der anderen Seite liegt gerade ihren seine Schönheit. Falls dir in dem Moment ein logischer Fehlschluss auffällt wäre ich dankbar wenn du ihn aufzeigt.

https://danielmiessler.com/blog/25-lines-ruby-show-free-will-impossible/

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@WotansAuge

Ich glaube das ist der Kernpunkt wo wir bislang unterschiedlicher Meinung sind. 

 Ich sehe einfach keine Notwendigkeit für eine zusätzliche variabel die du das selbst nennst.  Wie würde man denn den unterschied zwischen einer welt sehen die dieses selbst besitzt und eine Welt in der diese Entscheidung gefühlt bewusst aber real unterbewusst im gehirn entstehen.  

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@Step77

Falls dir in dem Moment ein logischer Fehlschluss auffällt wäre ich dankbar wenn du ihn aufzeigt.

Grundsätzlich gilt dass man Probleme die so kompliziert sind, nicht in Englisch diskutieren sollte. Dafür ist die englische Sprache zu wage.

Der Beweis läuft im Grunde auf eine vollständige Induktion hinaus. Notwendige Voraussetzung dass diese hier funktioniert, ist aber dass die Zeit gequantelt ist, ein Zeitereignis sozusagen keine Umgebung hat. Die vollständige Induktion funzt z.B. bei den Natürlichen Zahlen (z.B. von 5 nach 6 gibt es einen Sprung, nichts dazwischen), aber sie funzt nicht bei den Reellen Zahlen.

Es gibt tatsächlich eine Planckzeit, d.h. kleinste Zeiteinheit. Ob aber die Zeit wirklich gequantelt ist, ist noch die Frage. Eher wahrscheinlich ist, dass wir Menschen unterhalb dieser Zeitspanne einfach die Naturgesetze noch nicht kennen.

Eine weitere notwendige Voraussetzung für den Beweis in deinem Link ist, dass es auf der Zeit eine Ordnung gibt. Wir wissen noch nicht sicher, ob das gegeben ist. In vielen physikalischen Gesetze taucht die Zeit als komplexe Zahl auf. Ist die Zeit tatsächlich komplex, dann gibt es auf ihr in kleinem Maßstab keine Ordnung.

Wir wissen lediglich aus der Befragung der Natur sicher, dass es den Freien Willen gibt. Dazu hatte ich unten meinen experimentellen Beweis genannt. Jede Hypothese über den Freien Willen muss mit dem Ergebnis dieser Naturbeobachtung verträglich sein.

Ansonsten gibt es mit dem Quanten-Zenon-Phänomen die Möglichkeit, die Zukunft zu beeinflussen. Dieses Phänomen scheint dem Autor unbekannt zu sein.

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@Step77

Ich sehe einfach keine Notwendigkeit für eine zusätzliche variabel die du das selbst nennst.

Wenn du Recht hättest, dann gäbe es keinen prinzipiellen Unterschied zwischen einem Lebewesen und einem unbelebten Gegenstand. Tatsächlich funktionieren die primitivsten Lebewesen fast wie kleine, komplizierte Maschinen. Ihre Seele oder ihr Freier Wille ist extrem klein. Aber z.B. ein Hund unterscheidet sich DEUTLICH von einem unbelebten Gegenstand. 

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@WotansAuge

Quote : Wenn du Recht hättest, dann gäbe es keinen prinzipiellen Unterschied zwischen einem Lebewesen und einem unbelebten Gegenstand.

Der Unterschied würde dann ausschließlich aus der Komplexität des unbewussten entscheidenden Nervensystem liegen.  

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@WotansAuge

Erstmal danke für deine Zeit die du hier genommen hast.  Ich bin jetzt an dem Punkt angekommen wo ich beschlossen habe mich erstmal in die Thematik weiter einzulesen Inc Quanten-Zenon-Phänomen und die daraus resultierenden Überlegungen mit einem befreundeten Mathe/Physik Experten zu besprechen.  

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@Step77

Aber notwendige Voraussetzung für einen Freien Willen ist ein Bewusstsein. Und nur ein Lebewesen kann ein Bewusstsein haben.

Wie uns z.B. Schachcomputer zeigen, kann Intelligenz sehr wohl auch ohne Bewusstsein funktionieren. Aber ein Freier Wille ohne Bewusstsein ist für mich nicht vorstellbar.

Auch das Quanten-Zenon-Phänomen kann nicht ohne Bewusstsein funzen. Es hat in der klassischen Welt keine Analogie. Wenn man z.B. beim Roulette auf 35 der 37 Zahlen setzt, dann ist die Chance zu verlieren 2 zu 37, also ziemlich klein. Wenn man diese Spielweise 12 mal hintereinander macht, ist die Chance kein einziges Mal verloren zu haben noch etwas größer als 50%. Egal ob man nun nach jedem Wurf nachsieht, ob man verloren hat oder nicht. Daran ändert sich nichts. Wäre das Roulettesystem ein Quantensystem mit dem das eigene Bewusstsein verknüpft ist, könnte man durch das Nachsehen seine Gewinnchancen drastisch vergrößern.

Das ist meiner Ansicht nach der wichtigste Punkt in der Frage nach dem Leben, Bewusstsein und Freiem Willen.

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Erstmal danke für deine ausführliche Antwort. 

Als erstes möchte ich auf deine Analogie (Kombination von Hypnose und einem Wahrheitsserum)  eingehen. 

Ich habe den Eindruck das du hier die Freiheit von externen Zwängen (Wahrheitsserum) mit der Analogie Beschreibst.

Meine Frage nach der Willensfreiheit im metaphysischen Sinne, meint aber die Freiheit von Ursachen.  Wenn Willensfreiheit im metaphysischen Sinne existieren würde  dann würde  nicht der Zustand in dem sich unser Gehirn zum Zeitpunkt der Entscheidung befindet ( mit oder ohne Wahrheitsserum)  unser Wollen bestimmt, sondern etwas völlig anderes.

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@Step77

Als erstes möchte ich auf deine Analogie (Kombination von Hypnose und einem Wahrheitsserum) eingehen.

Mir geht es um folgendes: Alles was man beobachtbar beeinflussen kann, das gibt es auch in Wirklichkeit. Es gilt zwar nicht der Umkehrschluss, d.h. es gibt auch manche Dinge, die man nicht beobachtbar beeinflussen kann, aber wenn ich etwas (für mich und andere) beobachtbar beeinflussen kann, dann gibt es das auch in Wirklichkeit und ist keine Einbildung. Der Freie Wille lässt sich vielfältig beeinflussen. A) Durch Hypnose. Dann kann man von außen beobachten, dass der Hypnotisierte nicht mehr über einen Freien Willen verfügt, aber der Hypnotisierte beobachtet dies an sich selber nicht. B) Durch ein Wahrheitsserum. Hier ist es genau umgekehrt. Von außen lässt sich eigentlich nicht eindeutig beobachten, dass der Serumbeeinflusste nicht über einen Freien Willen verfügt, aber er selber empfindet es so, dass er nicht mehr über seinen vollständigen Freien Willen verfügt. C) Durch die Kombination von A und B. Hier lässt sich von außen klar feststellen, dass der Beeinflusste über keinen Freien Willen verfügt und der Beeinflusste empfindet es auch selber so, als wäre ihm der Freie Wille VOLLSTÄNDIG verloren gegangen. Es ist also hiermit bewiesen, dass es den Freien Willen in der physikalischen Realität wirklich gibt.

Ich habe den Eindruck das du hier die Freiheit von externen Zwängen (Wahrheitsserum) mit der Analogie Beschreibst.

Ich hoffe, dass das jetzt mit dem oben geschriebenen klar geworden ist.

Meine Frage nach der Willensfreiheit im metaphysischen Sinne, meint aber die Freiheit von Ursachen.

Es gibt sogar eine Freiheit von Ursachen und zugleich von Zufall, eben durch das Quanten-Zenon-Phänomen.

Wenn Willensfreiheit im metaphysischen Sinne existieren würde dann würde nicht der Zustand in dem sich unser Gehirn zum Zeitpunkt der Entscheidung befindet ( mit oder ohne Wahrheitsserum) unser Wollen bestimmt, sondern etwas völlig anderes.

Das stimmt. Der Zustand des Gehirns bestimmt (unser Selbst) unsere Entscheidung, der Zufall bestimmt und diese völlig andere, von dem du oben schreibst, nimmt ebenfalls an der Entscheidung teil. Das Sein bestimmt das Bewusstsein und das Bewusstsein bestimmt das Sein.

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@WotansAuge

Ok dann habe ich dich beim letzten Kommentar wohl Missverstanden,  du definierst also das selbst als Zustand unseres gehirns. Dann sind wir dort einer Meinung,  dann geht es um "das völlig andere" was in meinen Augen als zusätzliche variabel überflüssig ist.

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@Step77

Ok dann habe ich dich beim letzten Kommentar wohl Missverstanden, du definierst also das selbst als Zustand unseres gehirns.

Nicht ganz. Das Selbst ist nur ein Teil des Zustands unseres Gehirns, sozusagen der Kern. Andernfalls könnte ein Menschen der unter dem Einfluss von Hypnose und Wahrheitsseren steht, nicht bemerken, dass er z.B. nach dem Befehl einen Misthaufen wegzukarren, die Aktion nicht aus seinem Selbst ausführt, sondern aus einem äußeren Einfluss. Natürlich muss das Gehirn des Beeinflussten bei der Arbeit den Misthaufen zu entfernen, jede Menge leisten, und natürlich erwächst jede seiner Handlungen aus einem Zustand seines Gehirns, aber eben nicht aus einem Zustand seines Selbst. Dazu Platon: Leben ist selbstbestimmte Aktion. Dazu die Voodoo-Religion: Ein Zombie (unter dem Einfluss von Hypnose und Drogen) ist ein lebender Toter.

Und ich sage eben, dass das Selbst nicht ausschließlich aus von außen gegebenen Einflüssen und dem Zufall erwächst, sondern auch durch Selbstbeeinflussung über das Quanten-Zenon-Phänomen.

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Ist eine solche Freiheit eine Illusion wie es die Meinung von Philosophen wie Spinoza oder Schopenhauer, ist und von de Ergebnis der modernen Hirnforschung bestätigt wird.

Man muss bei solchen Überlegungen erst mal klar stellen, was genau man mit Willensfreiheit meint.

Dass unser Wille frei von Ursachen, insbesondere letzten Ursachen ist, ist leicht vorzustellen und wohl auch nicht widerlegbar, da man bei jeder Ursache ja wieder nach der Ursache dieser Ursache fragen kann.

Frei von Ursachen, ist aber nach meinem Sprachgefühl nicht das, was jemand meint wenn er vom freien Willen spricht.

Denn frei von Ursachen heißt für mich zufällig. Aber die Menschen leiten aus dem freien Willen ja die Verantwortung für das eigene Handeln/Denken/Fühlen ab. Aus einem zufälligen bzw. willkürlichem Willen kann man das aber nicht ableiten.

Determiniert darf unser Wille aber auch nicht sein, wenn er frei sein soll (ich denke es ist klar warum).

Was bleibt also wenn er weder determiniert noch zufällig ist?

Irgendwie nichts. Ich gehe also davon aus, dass es sich um eine Illusion handelt, weil ich mir keine Realität vorstellen kann, in der es einen wie oben beschriebenen freien Willen gibt.

Und wenn ja was sind die sich daraus ergebenden Implikationen z. B. Für unser Rechtssystem?

Unser Rechtssystem funktioniert weitgehend unabhängig von wissenschaftlichen Erkenntnissen, deshalb denke ich nicht dass sich daraus zwangsläufig Änderungen im Rechtssystem ergeben würden.

Erstmal danke für die Antwort 

Quote  Denn frei von Ursachen heißt für mich zufällig.. 

Gut dass du darauf hinweist ich meinte frei von einer willentlichen bzw.  bewussten Ursache und somit letztendlich determiniert.  

Quote Unser Rechtssystem funktioniert weitgehend unabhängig von wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Da hast du sicherlich recht

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@Step77

Unser Rechtssystem funktioniert weitgehend unabhängig von wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Unser Rechtssystem arbeitet sogar häufig GEGEN naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Z.B. fallen auch Aufputschmittel unter das Betäubungsmittelgesetz ;-) Der Mensch wird definiert als "alles vom Weibe Geborene". Demnach wäre auch die Nachgeburt ein Mensch, aber ein durch Kaiserschnitt zur Welt gekommener Mensch nicht. u.s.w. 

Und in Zivilprozessen ist ab dem Landgericht aufwärts Rechtsbeugung eher die Regel als die Ausnahme.

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Ich halte es mit Epikur, der als Monist ausgegangen ist von einem Sein als ununterbrochenem Prozess und Wandel von Bindungen und Erscheinungsformen (schon bei Heraklit). Monisten lehnen den Dualismus ab mit seiner künstlichen Einteilung in Geist und Materie. Wir sind integraler Teil der immer im Umbruch befindlichen Welt, alles was wir tun hat Folgen. Freiheit ohne Verantwortung (der gesellschaftliche Aspekt der Tatsache, dass unser Tun nie folgenlos ist) gibt es nicht. Freiheit ist also immer eingebunden und relativ zu den Verhältnissen der Person und seiner Umgebung. Doch darum muss man nicht gleich das Wort Freiheit streichen, sondern nur das unterstellte Wort absolut, weil eine absolute Freiheit gibt es in der Tat nicht.

Da unsere Lebensorientierung (davon ist Wollen nur ein Teil) von unserer Erfahrung und den darüber gebildeten Meinungen geprägt wird, ist Aufklärung, falsche Meinungen ablegen eine Eroberung persönlicher Integrität und von mehr Freiheit. Lebensorientierung sucht der ganze Mensch, nicht nur sein Gehirn. Und er sucht es nicht allein, sondern meist in reflektierenden Gruppen, aus denen er, sich selbst immer mehr findend hinauswächst oder in die er sich neu integriert.

In einem ewigen Prozess nach Kausalität, nach Ursache zu suchen ist wie den Anfang eines Kreises bestimmen zu wollen. Kausalität ist ein menschliches Verhalten, ist das verständliche Streben des Menschen, sich in einer fast unübersichtlich vielfältigen Welt Orientierung zu geben. Sie reicht von primitiven Ursachenzuweisungen zu komplexen wissenschaftlichen Theorien, und wie die Wissenschaftsgeschichte zeigt, hat der Mensch schon über Jahrhunderte an falschen Theorien gehangen und weiterführende erst nach Jahrhunderten in der Dunkelheit des Vergessens wieder neu entdeckt. Wie sicher also ist Kausalität?

Ein Merkmal idealistisch geprägter, begriffsfixierter Denkweise wie des Dualismus ist das Denken in Polaritäten, in schwarz und weiß, in Licht und Dunkel, in Gott und Teufel usw., oder wie hier auch in Beeinflusser oder Beeinflusster. Wie wäre es mit der Idee der Rückkoppelung und Reaktion, die keinen isolierten Beeinflusser zulässt, sondern ihn immer auch als beeinflussenden Beeinflusster sieht. Niemand erfindet die Welt neu, wir gestalten immer nur mehr oder weniger mit. Das Maß der Freiheit dabei hängt von vielen Faktoren ab, von meinem Wissen über die Umstände, von der richtigen Einschätzung der Kräfteverhältnisse und meiner Kunst, sie mir geneigt zu machen. Aber der Mensch träumt halt schon immer gern, er wäre ein kleiner Gott, endlich mal frei und ungebunden und Urlaub von diesen nervigen Verantwortungen.

Quote  Freiheit ist also immer eingebunden und relativ zu den Verhältnissen der Person und seiner Umgebung. Doch darum muss man nicht gleich das Wort Freiheit streichen

Die Freiheit von Ursachen nach der ich hier fragte aber schon oder habe ich dich Missverstanden??

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@Step77

Es gibt "Geflechte von wechselseitigen Beziehungen und Verkettungen" und innerhalb dieser Geflechte gibt es immer wieder relative Freiheiten. Der Begriff Ursache schließt eine Perspektive ein, der in einem Geflecht von Beziehungen Wirkketten von einem persönlichen Standpunkt aus beschreibt. Meist wird in einem Wirkungskneul ein einzelner Wirkungsstrang herausgepickt und auf eine lineare Wirkung reduziert und in der Regel irgendwo ein Anfang, ein Ursprung postuliert. Dieses Problem hatte z.B. Aristoteles mit Demokrit. Aristoteles wollte unbedingt einen ursprünglichen Beweger. Demokrit hätte zurückgefragt: Wo in einem Kreis willst Du einen Anfang setzen, ohne willkürlich zu verfahren.

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@berkersheim

Wie könnte diese "relative" Freiheit in einem alltäglichen Beispiel aussehen?  

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@Step77

Schau Dir nur nüchtern unseren Alltag an. Als Wesen der Natur bist Du an ihre Gesetze gebunden und kannst nicht fliegen, es sei denn, es gelingt Dir durch Hilfe der Wissenschaft ein Flugzeug zu besteigen. Ob Du das willst oder nicht ist je nach Situation Deine Entscheidung, vorausgesetzt, Du hast die nötigen Mittel, die Flugkarte zu bezahlen. Da wären wir bei den gesellschaftlichen Schranken. Doch auch sie sind keine unüberwindbaren Hindernisse sondern Ausdruck eines gegenseitig gedeihlichen Miteinanders. Es hindert Dich niemand daran, mit Tempo 300 über eine Straße zu flitzen, vorausgesetzt, Du fährst nach Hockenheim oder auf den Nürburgring, wo man Sportwagen ausfahren kann. Wir haben viele relative Freiheiten, die durch gesellschaftliche wie natürliche Gesetze nicht ganz verbaut oder determiniert sind, wohl aber nur in bestimmten Grenzen möglich.

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@berkersheim

Ich kann bei deinen Ausführungen, so sehr ich ihnen auch zustimme, nicht erkennen, wie sie zur Klärung der Frage beitragen, ob der Zustand unseres Gehirns ausschließlich durch äußere Einflüsse und Zufall beeinflusst wird, sondern auch durch etwas drittes, was wir im allgemeinen als den Freien Willen bezeichnen.

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@WotansAuge

Das Gehirn ist keine isolierte Existenz. Es ist Teil des Körpers und kommuniziert mit allen. Der Wille ist ein Lebenskraftausdruck der ganzen Person, nicht nur des Gehirns allein.

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Hallo Step77, ich grüße dich.

Eine ausführliche Antwort nähme 1000 Seiten in Anspruch, daher nur kurz.

  1. Wille, das Wollen und seine Ausführung ist abhängig von einer Entscheidung.
  2. Eine vorhergehende Entscheidung ist, ob bewusst oder unbewusst, nur bedingt abhängig vom Gehirn, wenn damit der Verstand gemeint ist. Sie ist abhängig von den eigenen Bedürfnissen, Emotionen, Eigenheiten, Abneigungen usw., also von den dabei vorhandenen Gefühlen, selbst dann wenn sie nicht unmittelbar bemerkt werden, welche als die intrinsischen Anlagen bezeichnet werden können.
  3. Diese Bedingungen liegen in der Seele des Einzelnen begründet. (Wenn man ihm denn eine Seele zubilligt und nicht einem nebulösen Irgendetwas eine Steuerung unterstellt.)
  4. Folglich ist eine Entscheidung, auch wenn sie eine rationale sein soll, von der Seele abhängig, womit eine Entscheidung nicht frei ist.
  5. Der Wille, das Wollen zu einer Umsetzung ist nur der Antrieb zu einem Ausführungsakt, welcher einer Entscheidung folgt.
  6. Dieser Wille kann stark, kraftvoll, mäßig, unduldsam, niederschmetternd, rücksichtslos oder wie auch immer sein, aber er kann nie als frei bezeichnet werden.
  7. Mithin ist der freie Wille ist eine Illusion.
  8. Mithin kann der Mensch auch nur ohne Verantwortung handeln. Denn seine Seele kann er nicht beeinflussen.
  9. Andererseits gehören Seele und Menschen unmittelbar zusammen. Wodurch ihm die Verantwortung wieder zugeschrieben werden muss. Er ist jedoch eine Verantwortung, die er selbst kaum steuern kann.
  10. In dem Dilemma, zwischen 9 und 10, befindet sich ein Rechtssystem, das eine Abwägung treffen muss, in der Form einer Bestrafung bei Verstößen. Hieraus ergibt sich die Frage: Was ist dann eine Bestrafung und welches Ziel verfolgt sie? Ist sie eine Sühne für eine Tat, einen vollzogenen Willensakt, oder soll sie nur eine Nachdenkzeit (???) sein oder bewirken, um einen neuerlichen Vollzug zu unterbinden?

Ich hoffe, dass die Ausführungen hilfreich sind.

Ich grüße Dich und bleib gesund.

Ich bin zwar gerade erst dabei mir zu dem Thema eine Meinung zu bilden sehe allerdings keinen Grund warum man in die Hypothese die Seele einbauen sollte außer um religiöse/theologische Positionen zu rechtfertigen.  Für mich gibt es bislang keinen pausieblen Grund davon auszugehen das unsere Entscheidungen nicht in unserem Gehirn (bewusst oder unbewusst) entstehen und nach ockhams razor halte ich die Hypothese die mit den wenigsten Grundannahmen zurecht kommt für die wahrscheinlichste. 

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@Step77

Hallo, kurzer Hinweis dazu.

Der Begriff "Seele" hat zwar einen religiös/theologischen Beigeschmack, ist jedoch nicht so gedacht. Du kannst den Begriff "Seele" auch als Platzhalter für "Informationsfeld, Nullpunktraum oder Hyperraum" ansehen, wie es in der neuen Physik geschieht. Nur sind darin die 3 Begriffe nicht personalisiert, während der Begriff der Seele einen unmittelbaren Bezug zum einzelnen Menschen hat und sie damit zu "einem ihn ausmachenden Etwas" wird. Nichts gegen Ockham (1288–1347, also schon älter), sein Rasiermesser hat noch Gültigkeit. Dennoch kannte er, aus verständlichen Gründen, die heutige Physik, Neurophysiologie und Genetik nicht.

Ich grüße Dich und bleib gesund.

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@Step77

Ich möchte es einmal so beantworten. Was irgendjemand in der Vergangenheit gesagt hat oder in der heutigen Zeit vermeldet, dass nehme ich mit Interesse zur Kenntnis. Es ist jedoch nur peripher Interessant. Ich gestatte mir selbst zu denken. Nicht jeder der den Satz "Ich denke" formuliert ist ein Anhänger Descartes und nicht jeder der über den Verstand schreibt ist ein Anhänger Kants. Obwohl ich sagen muss, dass Kant für mich ein hervorragender Lehrer war.

Du kannst nicht die wenigen Zeilen, die ich als Antwort schrieb, für die vollständigen Überlegungen nehmen, die sich dahinter verbergen, die als eine Erläuterung dazu gehören. Es sind mehr als 1000 Seiten. Zu weiteren Erklärungen empfehle ich die Seite  - http://www.schwingungen-beherrschen.de - und dort die gleichnamige Lektüre. Der Autor hat interessantes zu sagen.

Ich grüße Dich und bleib gesund.

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Kann man so sagen, ja. Solange man auf die sogenannte Realität fixiert ist, besteht keine Willensfreiheit. Sobald man die Aufmerksamkeit allerdings von der gegenständlichen Welt abzieht und sich auf die Welt der Illusion fokussiert, kann man die angestrebte Freiheit erfahren. 

In der Welt der Illusion kann man sich von den Ursachen befreien bzw. man erkennt, dass die Ursache des Materiellen in der Illusion liegt und nur scheinbar in einer materiell begründeten Kausalität. 

Oder anders: Jeder kann seinen eigenen Geisteszustand jederzeit frei wählen, solange bis er (aus Gewohnheit) meint, äußere Umstände würden diesen bewirken. Das interessante ist, dass der Geisteszustand die Umstände bewirkt und nicht -wie die meisten Menschen annehmen- umgekehrt. Beim Geistestzustand besteht Wahlfreiheit, bei den Umständen nicht. 

Quote: Kann man so sagen, ja. Solange man auf die sogenannte Realität fixiert ist..

Ja bin ich ;) 

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@Step77

Ich nicht, weil ich sie für eine Illusion halte. :-D 

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@Step77

Nein, eher so wie in deinem Traum. Stell dir vor, du unterhältst dich in deinem Traum mit einer schönen Frau. Dann ist diese Frau eine Abspaltung deines Bewusstseins und handelt scheinbar autark. 

So ähnlich sehen viele Religionen den Menschen und das Universum (z.B. auch der Wotanismus). Demgemäß ist das Universum der Traum eines Gottes. Der Mensch ist eine Abspaltung des Bewusstseins dieses Gottes und hat einen simulierten Freien Willen. 

Ich wollte aber nicht zu religiös daher kommen, bevor wie nicht die naturwissenschaftlichen und philosophischen Grundlagen diskutiert haben.

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