Ist die Welt durch den Urknall entstanden?

24 Antworten

Hallo DerRoteApfel,

wenn Du schon das Thema "Philosophie" an diese (täglich wiederkehrende Murmeltierfrage) dran klatschst, dann lass Dir sagen, dass wir im philosophischen Sinne nichts beweisen können außer unserer eigenen Existenz. Im philosophischen Sinne kannst Du nicht einmal beweisen, dass der Bildschirm existiert, auf dem Du dies hier liest.

Verlange also für den Urknall nicht etwas, was schon beim Bildschirm vor Deiner Nase nicht klappt.

Wir haben aber sehr gute Beobachtungsdaten, die belegen, dass unser beobachtbares Universum in einem heißen, dichten Anfangszustand begonnen hat.

1) Rotverschiebung der Galaxien

Hubble (der Mann, nicht das nach ihm benannte Teleskop) entdeckte in den 1920ern, dass sich andere Galaxien von uns entfernen - umso schneller, je weiter sie von uns weg sind. Diese Fluchtbewegung lässt sich am besten verstehen, wenn wir annehmen, dass sich der Raum ausdehnt, in dem die Galaxien eingebettet sind. Dadurch wachsen die Abstände zwischen den Galaxien mit an.

Mit der Ausbreitung des Alls ergibt sich der Urknall als konkrete Möglichkeit in der Vergangenheit: Denn wenn das beobachtbare Universum expandiert, dann war es gestern kleiner. Und vorgestern noch kleiner ... und so fort.

2) Hintergrundstrahlung

In den 1940ern berechneten Physiker dann, wie dicht und heiß das Universum an Anfang gewesen ist, wenn es im Urknall entstanden ist: Unvorstellbar dicht und heiß. So dicht, dass sich Starhlung am Anfang gar nicht ausbreiten kann - es kommt sofort wieder zu einer Wechselwirkung.

Das Universum muss sich am Anfang also erst einmal eine Zeit lang ausdehnen und abkühlen, bevor sich das Licht ungehindert ausbreiten kann.

Aus dieser Überlegung berechnete man, dass es eine Art Nachhall im Universum geben muss, wenn es im Urknall entstanden ist: Das entfernteste Licht, das man beobachten kann, das muss in alle Richtungen aus der Zeit stammen, als das Universum durchsichtig wurde: Das erste Licht, das sich im Universum ausbreiten konnte. Die Vorhersage war eine gleichmäßig aus allen Richtung kommende Strahlung, bis heute abgekühlt durch die Expansion auf unter 3 Kelvin.

1964 haben Penzias und Wilson diese Hintergrundstrahlung entdeckt - obwohl sie gar nicht danach suchten. Sie gilt bis heute als einer der besten Belege für den Urknall, weil die Mikrowellenstrahlung in keinem anderen kosmologischen Modell derart zwanglos erklärbar wird.

Um das noch einmal zu betonen, warum eine solche korrekte Vorhersage ein ganz wichtiger Beleg ist: Ab diesem Punkt müssen alle Leugner des Modells erst mal erklären

  • wie sie die Hintergrundstrahlung mindestens ebenso plausibel in ihr Modell einbauen
  • wie ein völlig falsches Modell einer so konkrete Vorhersage korrekt hinkriegen soll

3) Die Häufigkeiten der Elemente im Universum

Nur in den ersten Minuten ist es im Urknallmodell heiß genug, damit sich im ganz jungen Universum Elementarteilchen bilden können. ("Primordiale Nukleosynthese") Deswegen bestimmt die im Modell beschriebenen Temperatur- und Druckkurven, wie viel Materie wir in Universum beobachten und in welchem Verhältnis der Elemente.

Die errechneten Verhältnisse von Wasserstoff und Helium stimmen sehr, sehr gut mit den Beobachtungen im Universum überein. Das Urknallmodell erklärt also dieses beobachtete Verhältnis. Wir haben hier also ein zweites Feld an Beobachtungsdaten, das die Leugner des Modells wie oben in Erklärungsnot bringt.

Auf beide Fragen habe ich übrigens noch nie eine saubere Antwort von solchen Leugnern bekommen.

4) Bestätigungen in Teilchenexperimenten

In Teilchenbeschleunigern beobachten genau die vorhergesagten Effekte, die wir im dichten heißen Anfangszustand für die ersten Sekundenbruchteile nach dem Urknall erwarten. Weil ganz am Anfang das Universum so dicht ist, spielen hier Quanteneffekte eine Rolle - deswegen können wir kosmologische Modelle in Teilchenbeschleunigern mittesten.

Falls Du Englisch kannst:

https://profmattstrassler.files.wordpress.com/2014/03/universehistoryreliability2.png

In diesem Bild siehst Du, dass unsere Daten das Urknallmodell bis in die ersten Sekunden hinein bestätigen.

Was wir nicht wissen, ist, welche Vorgänge in den ersten Sekundenbruchteilen abgelaufen sind und was diese herbeigeführt hat.

Das liegt aber halt auch daran, dass der Urknall ein Beobachtungshorizont ist: Wir können in den im Bild rot markierten Bereichen unsere Modelle nicht an Beobachtungen testen.

Was aber sehr oft verwechselt wird: Es ist zweierlei, ob wir uns fragen, OB das Universum in diesem heißen Anfangszustand angefangen hat - oder ob wir uns fragen, welche physikalischen Prozesse dazu geführt haben, bzw. dabei abgelaufen sind. Man kann den heißen Anfangszustand nachweisen, völlig ohne zu wissen, welche Prozesse dabei abgelaufen sind.

Es ist also nicht erstaunlich oder ein Mangel des Urknallmodells, dass wir nicht nachweisen können, was zum Urknall geführt hat: Entscheidend ist, dass wir den Anfangszustand selbst sehr gut nachweisen können.

Religiöse Aussagen haben bei solchen naturwissenschaftlichen Fragen nie etwas zu suchen. Hinter den Beobachtungshorizont einfach einen Lückenbüßergott zu knallen, ist ein willkürliches Abschneiden der Fragekette, keine naturwissenschaftliche Antwort auf irgendwas. Ein solches Vorgehen ist gleichbedeutend mit dem Hinweis "Hier wohnen Drachen" auf den weißen Bereichen mittelalterlicher Karten.

Und glaubt ihr selber daran

Ich habe versucht, zu erklären, dass naturwissenschaftliche Fragen keine Glaubensfragen sind. In der Naturwissenschaft beurteilt man Modelle, indem man faktische Beobachtungsdaten auf den Tisch knallt und das Modell intersubjektiv anhand dieser Daten beurteilt.

Ja, ich bin davon überzeugt, dass unser beobachtbares Universum in einem heißen Anfangszustand begonnen hat. Vor rund 14 Milliarden Jahren, vielleicht ein paar Jährchen mehr. Weil uns das die Daten sagen. Wir haben die Natur selber gefragt.

Und anders als Kreationisten weiß ich zudem, dass ich damit über Gott oder meine religiöse Ausrichtung nicht das Geringste ausgesagt habe. Das ist zweierlei.

Grüße

Das Eine schliesst das Andere ja nicht aus.

Der Weltall ist sich immer noch am ausdehnen. Von daher ist die biblische Auslegung der Entstehung unserer Erde mit den Wesen die sie heute besiedeln klar nicht mehr Aktuell.

Die Evolution lässt sich so wenig verleugnen wie der Holocaust.

Das heisst nun aber nicht, dass es Gott nicht gibt. Es könnte doch auch sein, dass er in seinem riesigen Labor diesen Urknall verursachte und voller Freude schaut was sich da so entwickelt, was sich bewährt oder ausgetauscht wird.

Ach neee - immer die gleiche Frage kommt ja nun schon fast täglich hier im GF-Forum.

Also nochmal für Dich. Du darfst Galube und Wissenschaft nicht miteinander vermischen. Beides schließt aber das jeweils andere nicht aus. Der Glaube ist etwas für Religionen. Wissenschaftliche Theorien beruhen dagegen auf Beobachtungen, mathematische und physikalische Gleichungen sowie experimentelle Versuche.

Und für die Urknalltheorie gibt es wirklich sehr schlagkräftige Belege. Welche das sind? Da bemühst Du Dich bitte selber - da gibt es hier auf GuteFrage ja mittlerweile unzählige gute Beiträge.

glaubt ihr selber daran oder denkt ihr das Gott die Welt erschaffen hat.

Gott hat uns meiner Ansicht nach geschaffen. Ich bin Christ.

Ich glaube, dass diese Welt durchdacht und geplant wurde, ich glaube nicht, dass die Erde "einfach so" entstanden ist. Auch gibt es die Meinung, dass für den Urknall ein Eingreifen von Gott nötig ist.

Wenn Du mehr wissen möchtest, was mich überzeugt, dass es Gott gibt, dann kannst Du mich z.b. fragen oder auf mein Profil gehen.

Man kann sich auch als gläubiger Mensch mit Naturwissenschaften beschäftigen. Glaube und Wissenschaft müssen sich nicht immer widersprechen. So hat zum Beispiel Mendel, ein katholischer Mönch, wichtige Entdeckungen bei der Genetik gemacht. Der Mensch, der die Urknalltheorie aufgestellt hat, war katholischer Priester.

Laut der katholischen Kirche ist die Evolutionstheorie mit dem Glauben vereinbar.

Stelle dir vor, es gibt absolut "nichts".

Und dann entsteht ein Knall, welcher die Billionen von Sternensystemen auseinander jagt und auf der Erde sogar Leben erzeugt.

Glaubst du, ein "kleines Kind" würde das glauben ??

Das glaubt eher, was in "Gottes Wort" (Joh.17,17) geschrieben steht: "Ps.53,2".

Der Verantwortliche (1.Mose 3,1) für diesen "Irrglauben" (Joh.8,44; Offb.12,9)

ist das ursprünglich klügste Wesen (Hes.28,15), welches unser ewige Vater geschaffen hat (Jes.14,12).

Der wird in Bälde eingesperrt (Offb.20,2).

Woher ich das weiß:Recherche

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