Ist die Wellenfunktion in der Kopenhagener Deutung nur ein Werkzeug oder Real?

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2 Antworten

Um deine Frage zu beantworten, muss man sich zunächst Folgendes klar machen:

  • Realität und Wirklichkeit unterscheiden sich ganz grundsätzlich. Niels Bohr hat seinen Studenten immer wieder gesagt: Die Physik kann nicht ergründen, wie die Natur funktioniert - die Physik kann nur darüber sprechen, wie die Natur sich uns zeigt (auf uns wirkt).
  • Realität also ist der Menschen Bild von der Wirklichkeit - nicht die Wirklichkeit selbst.
  • Mit dem Ziel, diese Realität wissenschaftlich zu untersuchen, denken Physiker sich physikalische Modelle aus, die mathematischer Natur sind. Sie beschreiben die Realität, aber unterschiedliche Modelle können ein und denselben Teil der Realität beschreiben. So ist etwa Newtons Modell der Gravitation ein ganz anderes als das von Einstein.
  • Modelle aber sind Werkzeuge, die Wellenfunktion im Sinne der Quantenmechanik ist Teil der quantenmechanischen Modelle und daher natürlich auf jeden Fall auch ein Werkzeug.

Darüber hinaus aber willst dich du ja fragen, ob die Wellenfunktion auch Teil der Realität - oder vielleicht sogar wirklich ist.

Da die Quantenphysik jedes Quant - z.B. jedes Elektron - als Wellenpaket betrachtet und die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Quant an dieser oder jener Stelle im Raum mit anderen Quanten wechselwirkt (die Wahrscheinlichkeit also, es dort "angetroffen wird", wie man auch sagt), durch seine Wellenfunktion gut beschrieben sieht, ist die natürlich Teil unseres Bildes der Wirklichkeit, d.h. sie ist Teil der Realität (kurz: sie ist real).

Die Frage, ob sie auch Teil der Wirklichkeit ist, lässt sich deswegen aber noch lange nicht beantworten. Wir werden es nie wissen, denn wie die Natur tatsächlich ist, offenbart sie uns nicht. Sie triggert lediglich unsere Sinne, die leiten Impulse an unser Gehirn, und erst das Gehirn zeichnet uns ein Bild der Wirklichkeit. Was dieses Bild zeigt, muss nicht wirklich in der abgebildeten Form auch existieren. Von uns in diesem Bild vorgefundene Farben etwa existieren nicht wirklich: Photonen sind nicht gefärbt - sie haben lediglich unterschiedliche Wellenlänge; den damit korrespondierenden Farbton erfindet unser Gehirn.  

Als mathematischer Gegenstand allerdings existiert die Wellenfunktion wirklich, obgleich sie doch gerade in dieser Eigenschaft besonders unwirklich, d.h. als nur durch Mathematiker erfunden anmutet.

Warum dieser mathematische Gegenstand die ortsabhängige Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Quant mit anderen Quanten lokal wechselwirkt, so gut beschreibt, bleibt ein Geheimnis der Natur.

Lies auch http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm#msgnr0-35 .

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Hallo Kaenguruh,

Also die Kopenhagener Deutung geht davon aus, dass Quantensysteme indeterministisch sind, bzw. den Ideen von Max Born entsprechen.

Die Wellendunktion ist dort tatsächlich nur ein Werkzeug, welches aber diese "reale" Eigenschaft beschreibt.

 Die Wellenfunktion ist nur ein Mittel, welche diesen Vorgang vorherzusagen versucht, welcher aber nicht real ist, im Gegensatz zu den Messergebnissen.

LG

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