Ist die Türkei nicht ein demokratisches Land?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

...leider ist die Türkei auf dem besten Weg von der Demokratie in eine Diktatur. Der Putsch war nur der Anlass, um auch gleichzeitig auch alle anderen sog. Andersdenkenden kaltzustellen, die anderer Meinung wie Erdogan sind bzw. in Opposition zu ihm stehen. Das Erdogan ein Demagoge und Despot ist, steht wohl außer Frage.

Jeder, der aufmerksam die Berichterstattungen verfolgt, wird das bestätigen können.

Es ist in einer Diktatur, meist in einer Demokratie auch, immer so, dass dem Volk Dinge versprochen werden, um es politisch "mitzureissen und zu überzeugen". Wie die Geschichte beweist, ist es zumeist immer anders gekommen.

Ich bin generell der Meinung, dass man als Außenstehender die Entwicklung in einem anderen Land sehr vorsichtig beurteilen sollte, vor allem wenn der kulturelle Unterschied zu diesem im Vergleich zur eigenen Heimat sehr groß ist. Auch sollte eine solche Einschätzung nie losgelöst von der Geschichte des Landes vorgenommen werden.

Die Türkei hat im Gegensatz zu europäischen Ländern wie England oder Frankreich noch keine lange Phase der Demokratie erlebt. Den größten Teil seiner Geschichte war es als Osmanisches Reich eine Monarchie, wobei der Herrscher (Sultan) zugleich in Anspruch nahm, das Oberhaupt (Kalif) aller Muslime zu sein.

Der erste Weltkrieg war für die Türkei eine traumatische Erfahrung, die noch weit über die Demütigung Deutschlands durch den Vertrag von Versailles hinausging. Nicht nur das Osmanische Reich ging unter, die Siegermächte versuchten selbst das türkische Kernland von der Landkarte verschwinden zu lassen und zwischen England, Frankreich, Griechenland, Italien und einem geplanten autonomen Kurdistan und Armenien aufzuteilen. Die englisch-französischen Versprechen an die Kurden und Armenier verschärften die Spannungen zwischen den in der Türkei lebenden Völkern und waren auch ein Auslöser für den Völkermord der jungtürkischen Bewegung an den Armeniern.

Dass die Türkei nicht völlig unterging, hat sie Mustafa Kemal Pascha ("Atatürk") zu verdanken. Sein Ziel war ein moderner Nationalstaat mit einer strikten Trennung von Religion und Staat. Er initiierte zahlreiche Reformen, in deren Verlauf die Türkei oft westeuropäische Gesetze zum Vorbild nahm. Er stützte sich vor allem auf das Militär, das seitdem die Bewahrung der von Kemal Pascha geschaffenen ("kemalistischen") Ordnung, insbesondere der säkularen Verfassung, als eine seiner wichtigsten Aufgaben betrachtet.

Auch unter Kemal Pascha war die Türkei noch keine Demokratie, sondern ein Einparteiensystem. Ein Mehrparteiensystem mit freien Parlamentswahlen setzte sich erst nach dem zweiten Weltkrieg durch. Mehrfach aber putschte das Militär, wenn es die Stabilität des Landes bedroht sah. Es versuchte in all diesen Fällen, die Krise durch eine Verfassungsänderung zu lösen und gab nach relativ kurzer Zeit dann die Macht an eine zivile Regierung zurück. Es gab während dieser Zeit weitere Reformen, bei denen sich die Türkei wiederum nicht selten an Westeuropa orientierte.

Erdogan war als Ministerpräsident sehr erfolgreich. Die wirtschaftliche Situation auch vieler Normalbürger verbesserte sich erheblich, die Türkei weist das beste Sozialsystem aller muslimischen Länder auf. Zugleich stärkte er als erster Regierungschef der modernen Türkei wieder - dies aber bislang behutsam - die Rolle des Islam. Ich habe auf Dienstreisen in arabische Länder selbst erlebt, dass viele Muslime Erdogan mit großen Hoffnungen betrachteten, weil er den Beweis zu erbringen schien, dass auch ein islamisches Land für die Allgemeinheit seiner Bürger wirtschaftlich erfolgreich sein kann, und nicht nur für eine kleine herrschende Minderheit.

Mit der Rückbesinnung auf den Islam musste Erdogan zwangsläufig in Konflikt mit dem Militär geraten, dessen Macht er folgerichtig einzuschränken versuchte. Die Beschneidung der innenpolitischen Macht des Militärs ist an für sich positiv zu bewerten, doch grff Erdogan auch schon vor dem Putschversuch vor einer Woche  dabei gelegentlich zu Maßnahmen, die mit einer Demokratie nach unserem Verständnis nicht vereinbar sind (umstrittene Gerichtsverfahren gegen Angehörige von Militär, aber auch der Justiz). Dieser Konflikt ist mit dem Putschversuch eskaliert, und es ist zu befürchten, dass Erdogan seine bisherige innenpolitische Vorsicht nicht mehr länger beibehält.

Dass die AKP im letzten Jahr nach dem Patt der ersten Wahl die zweite Wahl klar gewonnen hat, haben sich die Oppositionsparteien überwiegend selbst zuzuschreiben. Sie waren einfach nicht bereit, für die Bildung einer Dreierkoalition über den parteipolitischen Tellerrand hinauszuschauen. Viele Türken haben daher bei der zweiten Wahl auf Stabilität gesetzt, hoffentlich nicht vergebens.

Insgesamt würde ich die Türkei seit dem zweiten Weltkrieg als demokratisches Land bezeichnen, das es aber noch nicht geschafft hat, die Demokratie stabil in seiner Gesellschaft zu integrieren. Man sollte aber von einem Land, das sich kulturell deutlich von Europa unterscheidet, nicht erwarten, dass es europäische Maßstäbe 1:1 kopiert. Wir sollten unsere Erwartungen hinsichtlich der Übertragbarkeit gesellschaftlicher und politischer Modelle von einem Kulturkreis in einen anderen deutlich herunterschrauben. Das US-amerikanische Konzept des "Nation Building" und einer globalen Verbreitung US-amerikanischer Demokratie (was letztendlich auch eine ganz undemokratiche Idee ist) bedeutete für die meisten als Experimentierfeld benutzten Länder Tod und Verderben.

Hi Deniz,

ich habe eine Menge Freunde, die in der Türkei leben, die meisten in Istanbul. Diese Leute haben derzeit einfach nur noch Angst. Sie gehören nämlich zu denen, die aufgrund ihrer gehobenen Bildung derzeit das Land nicht mehr verlassen dürfen. Die Zustände dürften vergleichbar sein mit dem frühen Hitler-Deutschland; niemand traut sich, auch nur ein kritisches Wort gegen Erdogan zu äussern. Die Leute, die Erdogan nicht feiern, trauen sich kaum noch auf die Strasse. Man weiss auch nicht mehr so genau, wem man noch trauen kann oder wer einen vielleicht als regierungs-kritisch anschwärzt. Und das ist definittiv keine Demokratie mehr.

Warum Erdogan trotzdem von vielen verehrt wird, dürfte damit zusammenhängen, dass man sich erhofft, dass er den Islam dort stärkt, die Schariah ausruft und einen "Gottesstaat" gründet. Spätestens dann wird auch der letzte kapieren, dass wir es hier mit einem Diktator zu tun haben, nicht aber mit dem Präsidenten einer Demokratie.

Du kannst schonmal ein Gästezimmer bereithalten für die türkischen Flüchtlinge, die wir demnächst begrüßen können.

Erdogan errichtet gerade eine faschistische Diktatur.
Demokratisch war die Türkei auch vorher schon nicht, bestenfalls ansatzweise auf dem Weg dorthin.

Schau mal, Erdogan zeigt sogar Satiriker hier in Deutschland an. Das zeigt schon, wie kleingeistig der Typ ist. 
Türkei war mal eine Demokratie, nun ist damit Schluss. 

Also WENN die Türkei jemals eine Demokratie war, dann ist das jetzt vorbei!

Von mir aus sollen sie auch aus der NATO rausfliegen!

Das alles liegt an den deutschen Medien.. die Berichten nur das was ihnen passt. Die Türkei hat erdogan gewählt und hat sich gegen den Soldaten der Parallelen Organisation, dessen Kopf heute noch in Amerika lebt, verteidigt. Erdogan ist demokratisch korrekt. Denn mehr als die Hälfte des Volkes steht hinter dem Typen. Die paralelle Organisation ist in paar Sätzen nicht beschreibbar, jedoch ist dem Volk der Türkei klar, dass sie die Türkei gezwungener Art regieren möchte. die Organisation existiert schon seit ca. 1983 .. dass Erdogan heute noch lebt ist ein wunder.. er hat nämlich schon mehr als 200 Attentaten überlebt. Die wollen die Demokratie stürzen wie in Ägypten...

Die deutschen Medien haben also den Ausnahmezustand, die hunderten angeklagten Journalisten, Denker, Satiriker, Geschäftsleute, Blogger und einfache Social-Medianutzer einfach mal erfunden? Die politische Säuberung von Opposition, Gerichten, Schulen,Ämtern? Die Reiseverbote gegen weite Teile der Gebildetenschicht?

Mach dich nicht lächerlich.

Ja, er wurde gewählt. Das wurde Hitler auch (nur als Beispiel,ich will trotz Allem Erdogan nicht in die Nähe von Hitler setzen - dafür hat er nicht das Format). Aber Demokratie passiert nicht alle vier Jahre an der Urne, Demokratie ist eine Lebensweise - und diese wird gerade umgestürzt.

2

Die Medien dürfen nur das berichten, was sie gestattet bekommen. Sprich was zuteils USA erlaubt. Merkel sagt ja au nichts wenn se abgehört wird. Sie folgt den Anweisungen Usaas. und die medien "dürfen" auch nur das berichten was sie erlauben.

0

Was möchtest Du wissen?