Ist die Menschheit überhaupt in der Lage, langfristig in Frieden zu leben?

20 Antworten

Ist die Menschheit überhaupt in der Lage, langfristig in Frieden zu leben?

"Die Menschheit" - ein umfassender, Milliarden Menschen bezeichnender Begriff. Kann man soviele Individuen auf ein solches Ziel, "langfristig in Frieden zu leben", verpflichten?

Spontan lautet die Antwort - sh. die bisherigen Antworten auf die Frage - wohl: Nein!

Aber man sollte die Frage differenzierter angehen. Wir können die Geschichte der Menschheit i. S. des "homo sapiens", also des modernen Menschen, erst seit einigen Tausenden von Jahren näher verfolgen. Wir stellen fest, dass die Menschheit in dieser Zeit erstaunliche Entwicklungen durchlebt, zahlreiche bemerkenswerte Errungenschaften hervorgebracht und sehr viel gelernt hat. Gewiss, es gab im Verlauf der Geschichte immer wieder Rückschläge, die aber im Ergebnis wenigstens langfristig meist positive Folgen gezeitigt haben.

Ein Ergebnis ist, dass die sog. "Westliche Welt" den Angriffskrieg und Völkermord als strafbare Handlungen völkerrechtlich bewertet und geächtet hat mit der Folge, dass Verstöße bestraft werden können - und auch schon bestraft worden sind. Das gab es noch nie in der Weltgeschichte.

Wenn man das bedenkt, dann schaut man nicht allzu pessimistisch in die Zukunft. Ohne eine sichere Zeitangabe geben zu können, wird in der Zukunft dieser Grundgedanke des friedlichen Zusammenlebens der Völker, die etwaige Konflikte ohne Krieg und nur noch durch Verhandlungen mittels Konsens beilegen sollen, sich vollkommen durchsetzen. Garant der Einhaltung und auch Institution, Verstöße zu verhindern oder strafrechtlich zu verfolgen, wird die UNO sein.

Kurz: Ich negiere die Frage nicht und schaue mit Optimismus auf die weitere Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Nicht nur Kriege, sondern auch andere drängende Probleme, die die ganze Menschheit betreffen, werden in nicht näher festzulegender Zukunft in die Kompetenz der UNO überführt und einvernehmlich zwischen allen Staaten der Welt geregelt werden.

MfG

Arnold

beschäftige dich mit Anarchien - in Anarchien hat niemand so viel Macht, dass er Herrschen kann, geschweige denn wird er es auch nur schaffen 10 Dörfer zu besiegen ohne selbst besiegt zu werden. Die Polis in Griechenland waren Anarchistisch angelegt. Es waren die Polis, die 2x die Perser mit ihren 1 000 000 Soldaten besiegt haben und das war kein Zufall.

Das Bildungssystem in Anarchien sieht vollkommen anders aus. Alles wird in dem Dorf organisiert. Du lernst wo du Wasser findest, was du essen kannst, wie man Sachen anbaut, wie man kämpft (geheime Tricks und neueste Technik, weil Kreativität in einer Anarchie auf der höhsten Stufe ist), wie man Krankheiten heilt, aber du musst auch die neuesten Technologien weiter entwickeln - all dies war in Sparta eine Selbstverständlichkeit. Jeder Mann bis zum 18. Lebensjahr musste die Führungsrolle im Notfall übernehmen können. Die Perser haben also nicht gegen normale Soldaten gekämpft, sondern gegen Ingenieure, Architekten, Taktiker und Krieger gleichzeitig. Jeder Spartaner musste völlig allein in der Natur überleben können.

Die Höchststrafe bei den Spartanern war nicht der Tod oder eine Gefängnisstrafe sondern 10 Jahre lang durfte man Sparta nicht mehr betreten und im Wald hausen. Man sollte so lernen, dass in der Zivilisation zu leben, bei Menschen, die sich gegenseitig vertrauen, ein ungeheurer Luxus ist. Stell dir mal vor, man würde heute einen Intensivstraftäter drei Monate auf einer Felseninsel in der Ostsee schicken - Sturm, Regen, Kälte - der Typ würde sich jede Minute wünschen endlich da weg zu kommen. Wer dann noch mal die Spartaner verraten hat, musste auf ewig im Wald leben.

Heute würde eine Anarchie vom Prinzip wie ein Campingplatz aussehen. Da sind die Menschen vergnügt, auf der selben Augenhöhe, jeder ist willkommen. Kleiner Unterschied wäre aber, dass die Menschen auf diesem Campingplatz sich selbst verteidigen würden und dafür selbst sinnvolle Regelungen finden müssten.

Stell dir also eine Welt vor, wo jeder ein schönes großes Haus hat, was man mit seinem Dorf gemeinsam gebaut hat, an den Häusern hast du schöne Schwimmteiche, viel Natur, Hunde und Katzen, die Menschen arbeiten zusammen - aber mit Freude und mit wenig Zwang. Die Kinder würden schon allein durch zu schauen viel lernen und schnell fest stellen, wofür sie sich selbst am meisten interessieren.

Wenn nun ein Dorf doch ein anderes Dorf angreifen wollte, würde es vielleicht ein oder zwei Dörfer vernichten können, aber alle anderen Dörfer werden dieses Dorf als Bedrohung ansehen und es zerstören. Schon kleine Kriege würden sich schnell rumsprechen und die Leuten werden die Konsequenzen kennen, wenn sie selbst zu Angreifern werden würden.

Sparta ist sicher interessant, ich verstehe nur nicht, was der Begriff "Anarchie" hier zu suchen hat. Sparta hatte feste politische Strukturen, eine Verfassung (große Rhetra), ein Doppelkönigtum, und andere politische Institutionen.

Das Militär war straff durchorganisiert.
Noch heute benutzen wir das Adjektiv "spartanisch", wenn man ausdrücken will, dass jemand mit einem Minimum auskommt. Eine "lakonische" Bemerkung ist eine kurze, trockene Bemerkung.

 

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@OlliBjoern

Ein Anarchist kann in jedem System leben. Damit er aber ein Anarchist ist, muss er eben im Notfall in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen, ein schnelles Haus zu bauen, Feuer machen, Kleidung herstellen, Nahrung finden und selber anbauen können und grundlegende medizinische Fähigkeiten beherrschen.

Wenn man sich ein anarchistisches Dorf anschaut, dann gibt es da auch einen Schmied, einen Milchbauern etc. - aber im Notfall kann eben jeder Bürger, die anderen ersetzen. Es wäre ziemlich schädlich für das Dorf, wenn z.B. der Brunnenbauer stirbt und niemand mehr weiß wie man einen Brunnen baut.

Dieses Modell kann man auch in die Zukunft übertragen. An meiner ehemaligen Uni haben Studenten einen Computer aus Glas gebaut - diese könnte man also fast überall auf der Welt herstellen, weil man für die Produktion von Glas Luft, Hitze und Sand braucht. Man könnte also auch moderne Geräte ohne das sie der Umwelt schaden, herstellen.

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Was ist "Frieden"?

Wenn du das ausschließlich als Gegensatz zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Ethnien, Völkern, Staaten verstehst, dann
ja.

Jedenfalls ist die Menschheit im Laufe der letzten Jahrtausende immer friedlicher geworden. Es gab trotz zweier Weltkriege immer weniger Kriegstote und auch im Innern immer weniger Tote durch Mord und Totschlag. S. dazu überzeugend: Steven Pinker, Gewalt.

Dieser Prozess könnte durchaus weitergehen. Voraussetzung ist, dass sich nicht immer mehr Menschen um immer weniger Ressourcen streiten müssen.

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