Ist die männliche Nerd-Kultur ein Hemmnis für junge Frauen in MINT-Fächern?

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4 Antworten

Also ich bin weiblich, studiere ein MINT-Fach, wenn auch nicht Ingeneurswissenschaften, und mir sind schon eine Menge Nerds über der Weg gelaufen (Gerüchten zufolge soll ich auch einer sein ...) und mein Eindruck ist eigentlich ein anderer: Die "Szene" wenn wir es Mal so nennen wollen (oder zumindest der Mikrokosmos an meiner Uni) ist eigentlich überhaupt nicht grundsätzlich frauenfeindlich sondern allen Geschlechtern (und sexuellen Orientierungen) gegenüber offen.
Das Einzige, womit es ein Problem gibt, das sind die Mädchen-Überraschungsei-Spielerfrauen-Glitzerbarbies, um es Mal böse zu sagen.

Es gibt einfach immer noch die Situation, dass Mädchen quasi beigebracht wird, dass sie rosa toll finden, sich jede Menge Makeup ins Gesicht klatschen und das Rollenbild als schwaches Geschlecht erfüllen müssen und schon bekommen sie für ein Wimpernklimpern, was sie wollen. Ich würde behaupten, dass man diesen Frauen ein frauenfeindliches Weltbild mitgegeben hat, und damit kommt man unter den Nerds nicht weiter. Entgegen aller ich-hab-noch-nie-ein-Mädchen-gesehen-und muss-sabbern-sobald-eins-mich-anspricht Stereotypen haben viele männliche Nerds, sobald sie erstmal aus der Schule raus sind doch auch eigentlich ganz gute Chancen bei Frauen, feste Beziehungen und können da differenzieren.

Die MINT-lerin existiert zumindest im Laufe des Studiums durchaus. Nur wenn man sie Mal auf Partys treffen sollte, dann trägt sie ungebügelte Kleidung, wirre Haare und kein Makeup (ja, ich überspitze gerade). In meinem Studiengang sind wir als Frauen sagar in Überzahl - und dabei haben wir nicht einmal Biologie im Titel.

Aber das sind nur meine 5 Cent aus der Studentinnensicht - ob sich das einfach gerade Generationentechnisch ändert, meine Uni eine Ausnahme ist, odder ein guter Teil meiner Kommilitoninnen sich am Ende für die Karriereoption "Hausfrau und Mutter" entscheiden, das kann ich nicht sagen.

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Kommentar von lordbuerzel
06.07.2016, 19:08

Vielen Dank für den Kommentar und fürs ausführliche Antworten. Freut mich sehr. Mich interessiert noch:

- was bei Dir den Ausschlag für deine Studienwahl gegeben hat (Lehrer, Elternhaus, sonstige Vorbilder, Begabung, Boys/Girls Day, Schulpraktikum etc.)

- ob und wie an deiner Schule das Thema Frauen in technischen Berufen angefasst wurde

- was hat evtl. andere Leute bei euch, deine Freundinnen, Mitschülerinnen davon abgehalten, MINT zu wählen?

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Kommen wir gleich zum Thema. Ich denke nicht, dass der Zeitpunkt der Pubertät, jetzt nur auf das Körperliche bezogen, einen Einfluss darauf hat, ob du dich für Technik interessierst oder dein Selbstbewusstsein über dein Wissen darüber definierst. Grundlegend möchte ich ersteinmal zustimmen, dass gerade die Informatik doch eher von Männern dominiert wird. Ich studiere den Quatsch selbst und sehe das immer im Hörsaal.

Es stimmt. Einige in diesem Hörsaal sind deine so schön beschriebenen Nerds. Wir nennen sie liebevoll Anti-Dusch-Front. Diese machen aber nur einen kleinen Teil der Anwesenden aus. Ja und viele haben auch etwas autistisches an sich, mich selbst auch eingeschlossen. Das heißt aber noch lang nicht, dass es sich hier um eine reine Nerd-Kultur handelt und dass sich diese Leute schon in der Schulzeit ausgegrenzt haben. Nehmen wir mal mich selbst als Beispiel. Ich studiere Informatik, war schon in der Schule eher mehr naturwissenschaftlich begabt und auch immer vom Notendurchschnitt immer im oberen viertel der Klasse.  Ich konnte auch damals schon programmieren und war auch in der Informatik-AG. Trotzdem hab ich mich nie von meinen Klassenkameraden abgegrenzt. Im Gegenteil. Ich hab Nachhilfe gegeben und auch oft einfach so mit ihnen rumgehangen und meine Pubertät war auch nicht unbedingt früh, falls das von Belang ist.

Informatiker oder generell auch Ingernieure sind doch keine total weltfremden Nerds, die die ganze Zeit nur unter sich sind. Ganz im Gegenteil. Die Elektrotechniker-Fete ist unter Studenten bekannt dafür, dass da alle möglichen Studenten sich einfach zusammen besaufen. Ich kann da beim besten Willen nicht wirklich eine Nerd-Kultur entdecken, die junge Frauen abschrecken könnte. Wenn dann ist es die weit verbreitete Meinung über diese Stüdiengänge, die sich aus Vorurteilen begründen und nicht im Bezug zur Realität stehen. Das ist genauso als würde man sagen, dass alle Gamer Nerds sind. Das ist eine falsche Implikation, die sicher auch aus der Meinung stammt, die einem die Medien vermitteln. Dort wird andauernd auf der Internetkultur rumgehackt und man versucht alles so negativ wie möglich darzustellen. Es ist aber nicht alles schwarz und weiß. Es gibt viele Grautöne dazwischen.

Zurück zum Thema: Meines Erachtens nach ist der überwiegende Teil der Frauen, die nicht diese Fächer studieren, einfach nicht an diesen Dingen interessiert. Warum ließe sich jetzt sicher auf mehrere Gründe zurückführen, aber darum geht es ja in deiner Frage nicht.

Diese Nerds, die ihr Selbstbewusstsein nur über ihr Wissen definieren und immer alles besser wissen sind auch bei uns nicht beliebt und grenzen sich auch an der Uni aus, selbst in einem Studium, was laut allgemeiner Meinung ja eh nur Nerds machen.

So, runden wir das Ganze noch ein wenig ab mit etwas Kritik an den Medien: Die einzigen, die sicher keinen wirklichen Zugang zu den Leuten in einem solchen Studiengang finden, sind überschmikte Tussies, die solche Erwartungen von diesen Studiengängen haben. Das liegt aber daran, dass man im Gespräch mit einem solchen Indiviuum das bedrückende Gefühl hat seine kostbare Zeit zu verschwenden und das ist ja in den meisten Fällen sogar angebracht. Die Medien legen auch offenbar keinen Wert darauf Nerds oder einfach nur Menschen, wie man sie auch nennen könnte, anders darzustellen. Auch The Big Bang Theorie macht da keinen sehr guten Job XD.

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Da ihnen die ersehnte Anerkennung sowohl durch andere Jungen als auch durch Mädchen verwehrt bleibt, gewinnen diese Jungen ihre Bestätigung aus der Beschäftigung mit Technik und Computern, und aus der anerkennenden Kommunikation darüber. Durch die Technik scheint auch eine Brücke geschlagen zu sein zu technischen Fächern. MINT-Fächer gelten in dieser Kultur nicht mehr als uncool, sondern eben gerade als cool und alternativ-männlich. Technik allgemein ermöglicht als Bezugsebene die Bewältigung des biologischen Auftrages, zum Mann zu werden. Die MINT-Fächer profitieren davon. 

Aus dieser Gruppe rekrutiert sich nun der Hauptteil der Ingenieursstudenten. Ihr Habitus des technikaffinen Machos bringen sie mit ein. Wobei das Machohafte eher nicht im Vordergrund steht, da es öffentlich nicht ausgelebt werden kann. Es ist schon eher eine Randnote, die aber beständig im Hintergrund mitschwingt.

Junge Frauen, die ein Ingenieurstudium beginnen, treffen auf diese Nerd-Kultur. Sie sind dann mit einer Mischung aus geschlechtsbezogener Ablehnung und auf der anderen Seite neugierig-unsicherem Umgang mit dem weiblichen Geschlecht konfrontiert. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass dies viele Mädchen abschreckt.

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Das einzige Hemmnis ist die geringere Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit und Begabung von Frauen.

Damit schließe ich übrigens nicht aus, dass es einzelne Frauen bei genügend Einsatz auch zu Höchstleistungen in MINT-Fächern bringen, ich hatte selbst eine Kommulitonin, die mich in den meisten Fächern außen überholt hat, obwohl ich auch gute Leistungen hatte.

Der größte Anteil von Frauen faselt aber lieber etwas von Work-Life-Balance, anstatt sich den A..... für ihr Studium aufzureißen. Beliebt bei Frauen ist auch, die Schuld auf andere zu lenken, zum Beispiel auf die angebliche Nerd-Kultur bei den Männern.

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Kommentar von lordbuerzel
06.07.2016, 19:16

OK, also weniger Engagement für die Karriere bei gleichzeitigem Abwehren der Verantwortung für das eigene Vorankommen
Danke. Ich bin übrigens keine Frau. Ich überprüfe hier nur meine Hypothese und rackere mir den A... ab. ;)

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