Ist die Kleinunternehmerregelung kann oder muss?

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7 Antworten

Bei einer ordentlichen Kalkulation führt Steuerfreiheit zu höheren Verkaufspreisen. Da muss man schon rechnen, welchen Verkaufspreis man zukünftig nehmen muss.

Wobei trotzdem nicht übersehen werden darf, wer zum gleichen Preis wie der Mitbewerb verkaufen kann, hat unter Umständen einen minimal kleineren Gewinn.

Und jetzt geht die Rechnerei richtig los. Wenn dieser Vorteil durch die Einkommensteuer und die Zuschlagsteuern Soli und Kirchensteuer belastet wird, dann benötigt man natürlich den eigenen Grenzsteuersatz.

Das ist also in diesem Fall Dein persönlicher höchster Steuersatz, der steigt ja von Null bis 42%.

Nach dieser Berechnung gilt es einen Blick auf die Fixkosten und die größeren Investitionen zu werfen. Bei den Fixkosten verschiebt es sich seltener, aber bei den größeren Investitionen kann dies wirklich den höheren Ertrag umschlagen lassen.

Daher auch die Optionsmöglichkeit, also das Wahlrecht auf die Steuerbefreiung zu verzichten.

Zwar scheint Deine Zielgruppe im Bereich 'Endverbraucher' und damit bei Nicht-Unternehmern zu liegen. Trotzdem bitte vorsichtig sein. Denn wenn Du doch UnternehmerInnen als KundInnen gewinnen könntest, dann sind Deine Preise bei Betragsgleichheit eben für die doch viel teurer.

Um allerdings zu verhindern, dass die einmaligen Investitionen einfach in ein Jahr gelegt werden, deshalb bindet man sich für fünf Jahre an die Steuerbefreiung.

Meines Erachtens ist es auch ein Imageproblem mit der Kleinunternehmer-Regelung zu arbeiten. Kunden haben ein Interesse an einem Anbieter der in zwei Jahren noch am Markt ist.

Dieses ist bei einem kleinen Anbieter weil er von den Einnahmen nicht leben kann unwahrscheinlicher. Bedenke bitte auch, ob in dem Bereich des Kleinunternehmers mit Deiner Geschäftsidee überhaupt ein sinnvolles Ergebnis erreicht werden kann.

Immerhin kann man davon ausgehen, dass bei der Krankenkasse ein Beitrag fällig wird (erkundige Dich bitte direkt bei Deiner gesetzlichen Krankenkasse). Und betrachte die geplanten Einnahmen mit den dazugehörigen Kosten.

Bei 17.500 Euro (nächstes Jahr vermutlich erhöht auf 20.000) legt man zu dem Zweck am Besten den Betrag auf monatlich um. Zieht die Fixkosten (also immer gleichbleibenden Kosten) und die variablen Kosten (deren Höhe mit der Absatzmenge sich verändern) ab.

Dann noch den Krankenversicherungsbeitrag. Und die einkommensteuerliche Belastung dieses Betrages.

Aus dem Netto sollte man Risikorücklagen bilden. Erst hiernach ergibt sich im positiven Fall ein Überschuss für die eigene Leistung. Sei es Geld eingebracht zu haben, für das man Zinsen haben möchte. Arbeitszeit usw.

Abschließend will ich auf ein ganz allgemeines Problem hinweisen: Die Unternehmensgründungen werden nach meinen eigenen Ermittlungen zu etwa 80% innerhalb der drei- bis fünfjährigen Gründungsphase wieder vom Markt genommen.

Für den verbleibenden 20%-Rest bedeutet dieses nicht, dass die Gewinn machen. Ein Kollege hat unabhängig von mir ermittelt, dass 4% der Unternehmensgründungen überhaupt Bestand haben.

Dieses deckt sich auch mit anderen Statistiken, wie z.B. Zahlen über den erfolgreichen Einsatz von Internetseiten. Da geht man auch davon aus, dass 96% der Seiten nichts bringen.

Zu der Rechnung, die ich oben bereits beschrieben habe, sollte man wirklich eine aufmachen, die die Auswirkungen der Umsatzsteuer genau beschreibt. Auch hier kann bei Berücksichtigung des (Total-)Verlust-Risikos sich die Entscheidung ein weiteres mal anders darstellen.

Einen Punkt möchte ich noch klar ansprechen: Bei einem Kleinunternehmer kann jeder wissen von wie viel Geld er lebt. Weil die Kosten innerhalb einer Branche sind zwar unterschiedlich, aber unter dem Strich liegen sie in einem üblichen Bereich.

Daraus kann man mit wenig Fachwissen abschätzen, was Dir höchstens aus dem Gewerbe zur Verfügung steht. Was geht es aber Kunden und Nachbarn an?

Erst in den letzten Jahren hat die etwa 20 Jahre alte Kleinunternehmerregelung überhaupt an Bedeutung gewonnen. Nämlich bei denen, die steuerlich nicht beraten sind. Die meisten Steuerberatungen haben auf die Anwendung der Regel in den Jahren davor verzichtet.

Mit einem richtig positiven Nebeneffekt: Wenn das Unternehmen an die Grenzen kommt, um die Kleinunternehmerregelung verlassen zu müssen, dann kommt es von heute auf morgen zu Problemen.

Ich persönlich sage aus all diesen Gründen auch: Vergesst die Kleinunternehmerregelung, sie macht nur Ärger und bringt so selten etwas, da braucht man sich nur in konkreten Einzelfällen mit befassen.

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Das geht. Du kannst auch freiwillig Umsatzsteuer abführen (und Vorsteuer abziehen). Es ist auch gar nicht mal schlecht - denn wer teilt schon gerne jedem Auftraggeber mit, wie viel (bzw. wie wenig) Umsatz er hat.

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Kommentar von Hefti15
07.08.2016, 12:03

Wer, z.B. jemand der zum größten Teil nur eine Dienstleistung anbietet, der so gut wie keine Vorsteuer geltend machen kann, viele private Kunden hat und deshalb einen Endpreis hat, der um 19% unter dem der Wettbewerber liegt, die die USt ausweisen....

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§ 19 Abs. 2 UStG

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Nein, das musst du nicht.

Es ist jedoch sehr sinnvoll keine § 19 UstG Reglung zu nutzen, so hast du die Möglichkeit, deine verausgabte MwST für Betriebsmittel steuerlich geltend zu machen und du wirst auch Geschäftskunden finden.

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Kommentar von Nettozahler
07.08.2016, 11:08

ich verkaufe ware an verbraucher, ich nehme das wohl doch in anspruch, ich habe mich umentschieden^^

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eine wahl vorschrift die man nur 1x wählen klann meines wissens.

aber sei sicher das es auch klar ist dass du einen gewinn machst? denn es könnte schnell sein dass das finazamt es als hobby später erkennt und dann darfst du alles nachzahlen?

bekannter der gärtner ist wollte nicht schwarzarbeiten und machte ein gewerbe dann sagten die auf einmal hobby und muster über 10 000€ zurück bezahlen innerhalb kurzer zeit.

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Kommentar von Nettozahler
07.08.2016, 11:09

der flunkert da etwas, dann muss er auch min 50k umsatz gefahren haben

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Kommentar von Griesuh
07.08.2016, 11:10

So wie du das schreibst kann es nicht gewesen sein. Er hat sicherlich seine Steuern  nicht gezahlt.

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Kommentar von robi187
07.08.2016, 11:13

muss ja nicht so sein wenn ihr nicht glauben wollt? ich sagte ja nur vorsichtig sein? würde es lieber mit dem finazamt absprechen?

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Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG ist eine KANN-Vorschrift. 

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Der Unternehmer hat ein Wahlrecht.

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