Ist die Kampfkunst/Selbstverteidigung "Wing Tsun", tatsächlich kommerziell ausgerichtet?

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3 Antworten

Hallo,

als ich meine Vertragskündigung bei der EWTO einreichte, hatte ich bereits einige Jahre in einer EWTO-Schule trainiert. Um es gleich vorweg zu nehmen: was du sagst stimmt.

Exemplarisch kann man hier die Schülergrad-Phase nennen, die mit Abstand noch die günstigste ist. In ihr muss man 12 Prüfungen absolvieren. Absolviert man die Prüfungen nicht, werden einem die weitergehenden Trainingsinhalte vorenthalten. Falls sich seit damals nichts geändert hat, beträgt die Mindestwartezeit zwischen den Prüfungen 3 Monate. Eine Prüfung darf man nicht in der eigenen Schule ablegen, sondern muss dafür einen Lehrgang besuchen. Die Lehrgangsgebühr betrug 40 €, die Prüfungsgebühren für die Schülergrade (SG) 1-4 beliefen sich auf 60 €, SG 5-8 80€ und SG 9-12 100€. Neben den monatlichen Unterrichtskosten kamen im gesamten Prüfungszeitraum bis zum Erreichen des 12. SG also weitere 720 € zusammen. Nimmt man an, dass man die SG-Phase so schnell wie möglich durchläuft, dauert sie 33 Monate, das entspräche einer zusätzlichen monatl. Belastung in Höhe von ca. 22 €.

Möchte man akzeptable Fortschritte machen, geht man zwei mal wöchentlich zum Training. Es ist zwar nicht unbedingt Bedingung, jedoch herrscht an der einen oder anderen Schule hoher gemeinschaftlicher Druck, in der Verbandskleidung aufzutauchen, spätestens wenn man einen Lehrgang besuchen muss. Für eine Hose zahlt man laut [1] gut 40 €, für zwei T-Shirts ebenfalls etwa 20 €. Die T-Shirts werden mit Aufnähern versehen, die den SG präsentieren sollen. Diese Kosten laut [1] 3,50 € pro Stück, also insgesamt 84 € für beide T-Shirts. Möchte man innerhalb der SG-Phase einen Ausbilder-Schein machen, so zahlt man auch für diesen, und natürlich auch alle anhängigen Lehrgänge, Prüfungen und die entsprechende Ausbilderkleidung.

Ab der Technikerphase geht's dann richtig ans Eingemachte. Da man zu dem Zeitpunkt schon ca. 3 Jahre trainiert hat und die Mitglieder dann hohe innere Hürden haben, nach so viel investiertem Geld noch auszutreten, verlangt die EWTO für den 1. Technikergrad um die 1000 € (zusammengesetzt aus Lehrgangs-, Sektions- und Prüfungsgebühren etc.) Die folgenden 3 Technikerprüfungen kosten dagegen abermals deutlich mehr als die jeweils vorhergehende.

Kleinere Ausgaben für Tiefschutz, Faustschoner oder allg. Verschleiß etc. habe ich bislang gar nicht aufgeführt. Auch Fahrtkosten, um zu den Lehrgangsorten zu gelangen, sind noch ausgeklammert.

Zu deiner Frage, ob die Kampfkunst so kostenverbunden sei, kann ich nur antworten, dass es natürlich nicht an der Kampfkunst, sondern am „Verein“ (Verband) liegt, der sie unterrichtet. Es gibt eine Vielzahl von Stilen (Wing Chun, Ving Tsun, ..*in *un), die bei größerer Kompetenz fairere Geschäftsmodelle haben. Aber das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Viele Grüße und einen schönen Abend, Florian

[1] http://www.ewto-shop.de/category.php?groupid=5&catid=1

EddkSpotter 31.08.2015, 07:59

Die Lehrgangskosten überschreiten Mitlerweile noch nichtmal die 60€.

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Shiranam 01.10.2015, 18:05
@EddkSpotter

Stimmt. Allerdings kommt da noch die Prüfungsgebühr dazu. Diese war zu meinen Ausstiegszeiten 2012 gestaffelt. 1-4.SG 15 €, 5.-8. SG 20€, 9.-12.SG 25€.

 Das ist genau die Art von Augenwischerei, mit der sich die EWTO einen ganz unseriösen Namen gemacht hat. Oft müssen die SG 9-12 sogar 2 teilig abgelegt werden = 1x Prüfungskosten + 2x Lehrgangskosten. Was der Lehrgang kostet, hängt vom Durchführenden ab. KRK nahm 60 €, mein "SiFu" nimmt zur Zeit 40 €

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Sorry, für die grausame Interpunktion. Das liegt am Smartphone. Das hebt dreisterweise die Absätze auf.

Schreib meinen Großmeister von Wing tsun an in facebook . Der beantwortet dir alles was du wissen willst : Sihing Egon Becker ... Er macht das schon ewig

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