Ist die "Geiz-ist-geil"-Mentalität ein Fortschritt?

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12 Antworten

Der Solgan "Geiz ist geil" beschreibt, im Kern, das ökonomische Prinzip.

In unserer Gesellschaft setzt sich, zumindest in Teilen des eigenen Seins und Denkens, immer mehr der Homo oeconomicus, der Wirtschaftsmensch durch. Auf den kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergebrochen, bleibt es bei dem Anspruch der Nutzmaximierung.

Das ökonomische Prinzip kennt zwei Faktoren. Den Aufwand und das Ergebnis. Das Minimalprinzip besagt dabei, dass mit möglichst geringem Aufwand zum Ergebnis zu kommen. Zum Beispiel mit möglichst wenig Geld [Aufwand] den Kühlschrank füllen [Ergebnis]. Das Maximalprinzip verfolgt das Ziel mit einem fixen Aufwand ein größtmögliches Ergebnis zu erzielen. Zum Beispiel mit 30€ [Aufwand] so viel Nahrungsmittel zu bekommen wie möglich. [Ergebnis]

Wir bekommen diese Prinzipien schon in jungen Jahren anerzogen. Das ökonomische Denken verankert sich und wir wenden es auch an - ob bewusst oder unbewusst sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Billigdiscounter erlauben in dem Fall blanke Ökonomie walten zu lassen. Ich kann für sehr wenig Geld meinen Kühlschrank füllen. Wenig Aufwand für das gewünschte Ergebnis. Das Ergebnis ist auch an der Stelle der entscheidende Punkt. Die kalte Ökonomie hat keine Schnittpunkte mit Moral oder Ethik. Ich kann nicht maximal ökonomisch handeln, wenn ich mich von Moral und Ethik beeinflussen lasse, sie würden mich nur daran hindern, Maßnahmen zu ergreifen um den Aufwand zu verringern oder den Nutzen zu vergrößern. 

Das Konzept geht aber insgesamt auf und es hat sich etabliert. Im Denken wie auch im Handeln. Selbst in der Freizeit, wird diese Zeit ökonomisch verwertet - von der Arbeit brauche ich gar nicht erst anfangen.

Das ökonomische Prinzip ist der Zeitgeist der westlichen Welt, der reichsten und einflussreichsten Ländern dieser Welt, die sich als Vorbild für den Rest der Welt inszenieren. Unter diesen Umständen ist es also gar nicht so abwegig zu glauben, dass es sich auch global durchsetzen wird. Allerdings, im Bezug auf Billigdiscounter, geht das natürlich nur, wenn ein gesellschaftliches Grundgerüst steht, welches denen der westlichen Welt gleicht. Ansonsten wird nämlich schon überall so gearbeitet, nur ist das Maß der Ausbeutung wesentlich extremer als wir es kennen und der unterschied zwischen Profiteuren und Verlierern klafft sichtlich weiter auseinander.

Schlussendlich kann man nämlich festhalten: Auch die Betreiber von Kinderarbeitsstätten sind kalte Ökonomen. Wenig Aufwand, hoher Nutzen/bestmögliches Ergebnis.

Kurzum - die kalte Ökonomie setzt sich bereits überall durch. Sie ist die Lebensrealität von uns allen, manchmal nur geschönt. 

Liebe Grüße.

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Hallo!

Meine Mutter findet's zwar fürchterlich großkotzig und arrogant von mir, dass ich die "Geiz ist geil"-Haltung ablehne & lieber etwas mehr Geld in die Hand nehme ---------> aber ich bin der vollsten Überzeugung, die "Geiz ist geil"-Mentalität als Vorstufe zur Wegwerfgesellschaft bzw. Unterstützung dieser zu definieren...

Billige Produkte die von 12 bis mittags halten sind jedenfalls nicht empfehlenswert & tun auch der Umwelt nicht gut.. und auch günstige Klamotten, die kaputt sind wenn die teureren Sachen gerade mal ein Drittel ihrer Lebensdauer erreicht haben tragen nicht dazu bei.

Mir ist Qualität wichtiger: Ich fahre lieber einen alten Benz anstatt einem neuen Kleinwagen, kaufe meine Klamotten & Schuhe lieber im Fachhandel, muss nicht bei jedem Onlineshop sparen, kaufe meine Lebensmittel eher beim Metzgermeisterbetrieb vor Ort als im Discountmetzger & sage mir --------> ich lebe nur einmal & mitnehmen kann ich nix!

Ansonsten -------> Das "Geiz ist geil"-Gehabe passt nicht in eine Zeit, in der jeder Esel von Umweltschutz, "green thinking" und was noch alles redet. Aber genau die, die immer solche Sprüche kloppen rennen dann dorthin wo es alles superbillig gibt^^ man muss ja aus jedem bisschen das letzte bisschen pressen.. sorry, aber das ist der deutsche Michel in seiner Oberflächlichkeit & Beeinflussbarkeit live.

Geiz ist der falsche Weg & wiegesagt, wir gehen alle mal den selben Weg & mitnehmen können wir nix.. ich lebe lieber anstatt immer nur zu sparen.. und außerdem, wenn man ständig billige Klamotten kauft belügt man sich in die eigene Tasche ------> die halten nicht so lang wie was richtig Gutes!

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Die Metro Gruppe verflucht diesen Slogen schon was länger, da sich der Spruch wirklich ins Gedächnis gebrant hat... Aber ist Geiz wirklich Geil ?? 

NEIN: weil durch Geiz man gezwungen ist, Einsparungen zu machen. Waren es damals die Gehälter, spart man nun an der Qualität.

Geiz ist nie Geil - denn wenn das Produrkt wirklich so wenig wert ist - ist es vielleicht nicht mal Wert, gekauft zu werden ! (bevor man es 2x Kaufen muss) 

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Ich weiß garnicht, ob es hier um eine Mentalität geht. Viel eher geht es doch um die Notwendigkeit möglichst billig einzukaufen, weil man nicht genug Geld für teure Produkte zur Verfügung hat.

Und das ist definitiv ein Problem. Dann je billiger die Produkte werden, desdo weniger verdient der jeweilige Arbeiter, was eigentlich bedeutet, daß man alles teurer machen müßte.

Und erst wenn die Gehälter nachgezogen haben wird der ottonormalverbraucher auch wieder über die Wichtigkeit von Tierschutz/Naturschutz nachdenken (können).

Was andere Länder anbelangt, ich hab den Eindruck, daß es in vielen Ländern sogar deutlich schlimmer ist als bei uns.

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Kommentar von Zathy
18.07.2016, 15:07

PS: wie hast du 2 Rechtschreibfehler in deinem Namen hinbekommen? XD

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Kommentar von einfachsoe
18.07.2016, 15:11

Das Problem liegt nicht darin, dass man sich nicht mehr leisten kann. Die breite Masse WILL sich nicht mehr leisten. Sie kauft sich jedes Jahr ein neues Handy für 500€, erlaubt es sich aber nicht für lebenswichtige Nahrung etwas mehr zu zahlen. Es ist schon eine Mentalität und gewiss auch ein gesellschaftliches Problem

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Ich glaube, dass vor allem bei uns in Deutschland die "Geiz ist geil Mentalität" weit verbreitet ist. 

In Deutschland will man - auch bei kleinem Budget - jedes Konsumgut, das irgendwie "in" ist, sofort haben. 

Das geht dann eben zu Lasten der Lebensmittel. In keinem Land Europas ist der Anteil der Lebensmittelaufwendungen im Verhältnis zum Einkommen so niedrig wie in Deutschland. (Allerdings ist Wohnen in Deutschland deutlich teurer als im europäischen Vergleich.)



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Diese Mentalität erfährt gerade in Deutschland einen Umschwung. Wie lange dieser andauert stelle ich mal dahin. Die Bevölkerung merkt es halt irgendwann selber, wie es zu den Preisen kommt. Sei es durch Niedriglohn im eigenen Land -> macht sich am eignen Leib bemerkbar, oder die, mit dem Luxus wachsende, linke Gleichberechtigungsmentalität -> den Tieren geht es schlecht.

Die Niedrigpreise sind keine deutsche Erfindung. Die Chinesen sind mit Ihrem "Made in China"-Ramsch Marktführer.

Das System kann nicht auf der ganzen Welt gleichermaßen funktionieren, da irgendwo gespart werden muss und jemand darunter leidet. Unter der westlichen Welt leiden zum Beispiel die Arbeiterklasse Chinas, die quasi für Nichts arbeitet. Oder Kinderarbeit in Indien/Bangladesch/Afrika.

Wie schon erwähnt schwenkt diese Mentalität in Deutschland geht, da es uns hier flächendeckend GUT geht. Wir können es uns leisten darüber zu diskutieren und gevenzusteuern. Dies ist in den restlichen westlichen Ländern nicht zu denken, da dort eine größere Armut herrscht. Siehe USA (Spaltung von Arm und Reich)

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Während Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt und (a) das Preisgefüge entsprechend Angebot und Nachfrage reguliert (oder regulieren sollte) oder (b) Innovationstreiber ist (oder sein sollte), so meine ich, dass Geiz nicht unbedingt geil ist. "Billig" geht immer zu Lasten der Qualität und/oder den Beteiligten in der Wertschöpfungskette, meist den Schwächsten. Somit führt z.B. Geiz bei Kleidung zu Ausbeutung von Arbeitskräften in Billiglohnländern bis hin zur Kinderarbeit, bei technischen Geräten zur Verwendung billigerer Komponenten (zu Lasten der Langlebigkeit) oder Herabsetzung von Servicequalität.

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Gibt es Länder, wo das anders ist? Der Preis spielt doch immer eine Rolle. Entweder man hat wenig Geld, dann muss es möglich billig sein, oder man hat viel Geld, dann muss es möglichst protzig sein. Natürlich stimmt das nicht immer, aber die Tendenz ist da.

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Kommentar von tommygilbert
18.07.2016, 15:07

In Frankreich achtet man z.B. eher auf die Qualität. 

Zudem bezahlt man in Deutschland im Verhältnis zum Einkommen wenig Geld im Vergleich zu anderen Ländern.

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Kommentar von einfachsoe
18.07.2016, 15:12

China -> mikriger Lohn und relativ gesehen hohe Preise. Die kaufen sich wirklich nur was sie sich annähernd leisten können

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Nein es ist kein Fortschritt.

Es ist eine Abwärtsspirale, die in die Massenverarmung führt, weil ordentlich bezahlte Arbeitsplätze vernichtet werden, Mittelständischen Betrieben wirtschaftlich die Luft ausgeht.

Das trifft auch irgendwann einmal die besser bezahlten Akademiker, die ihre Arbeitsleistung wegen harter Konkurrenz dann auch zu Discount- Preisen verkaufen dürfen.

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es ging dabei nur um den verkauf der dinge die keiner braucht .  wer eine festanstellung hat kann nur nach der arbeit die drei tv geräte mit sky und internet nutzen .

der kopf hat aber nur zwei augen für eine bildfläche. nebenher noch smartfone und laptop bedienen - ist auch noch pflicht .  kindererziehung - wozu ?  stört nur dat blag .

aber :  must have !

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Nein. In fast keinem anderen Land haben Lebensmittel so wenig "Bedeutung" wie in Deutschland. Überall ist Essen um einiges teurer als hier, was auch richtig ist! Ich glaube eher, dass diese "Geiz ist geil"-Mentalität aktuell rückläufig ist und immer mehr darauf geachtet wird, WAS man kauft, weil sie Leute sich informieren, viele Unternehmen nachhaltig produzieren und verkaufen und die Menschen einfach aufgeklärter sind.



Ökologisch und nachhaltig ist gerade auch einfach "in".
Es informieren sich immer mehr Bürger, woher das Essen auf dem Tisch kommt und für Qualität wird auch gerne mal etwas mehr gezahlt.



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Leider sieht es momentan so aus, ja. Es wird weniger bewusst konsumiert, Hauptsache günstig..

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