Ist die Französische Revolution wirklich eine Revolution?

11 Antworten

Wie man es nimmt.

Bei "revolutio" im ursprünglichen Sinne geht es um ein Zurückrollen, ein Zurückwälzen und, im übertragenen Sinne, um eine Rückkehr zu einem früheren Zustand. Das war die Französische Revolution gewiss nicht, denn sie verfestigte im Grunde eine historische Entwicklung, die im 18. Jahrhundert unverkennbar hervorgetreten war: den Emporstieg des Bürgertums, zu dem auch der kleine, eher bürgerlich lebende Adel zu rechnen war, der zugleich einen Abstieg des alten Feudaladels bedeutete. Die Monarchie wurde im Ergebnis nicht abgeschafft, sondern in ihrer Machtfülle beschränkt, nach dem Sturz der Bourbonen sogar baldigst neu etabliert und fortentwickelt: zu einem Kaisertum (Napoleon) und der Herausbildung eines neuen Adels. Die unterprivilegierten Schichten Frankreichs waren nun in der Theorie - in der Praxis veränderte sich ihr prekäres, abhängiges Dasein nur wenig - gleichgestellte Bürger und mit Bürgerrechten ausgestattet, von denen ihnen vorher allenfalls aus patriarchalischer Gutmütigkeit des Feudalherren das eine oder andere Recht gnädigst gewährt worden war. In den Jahrzehnten nach der Revolution und dem Sturz Napoleons blieben die Monarchie und der alte Adel in ihrer Macht beschränkt, denn Frankreich war weiterhin eine konstitutionelle Monarchie und die Menschen- und Bürgerrechte blieben formell in Kraft, während das Bürgertum durch Teilhabe an der Macht profitierte. Insofern war die Französische Revolution keine "Rückkehr zu einem früheren Zustand", sondern etwas Neues, eine Fortentwicklung!

Angesichts dieser Tatsache gilt heute allgemein die französische Deutung von "Revolution" als einer Umwälzung der bestehenden politischen und/oder sozialen Ordnung und die Schaffung einer neuen Ordnung. Die Geschichte kennt gewalttätige und friedliche "Umwälzungen". Die Deutsche Revolution 1989 war eine friedliche Revolution, die Französische Revolution bot beides, friedliche Entwicklung und hemmungslose Gewaltanwendung. Weil die Französische Revolution tatsächlich eine neue politische und langfristig auch soziale Ordnung schuf, war sie ohne Frage eine "Revolution" - und der Beginn weiterer Revolutionen des 19. Jahrhunderts vorallem auch in Frankreich (1830, 1848, 1870).

MfG

Arnold

Die interessantere Frage wäre, innerhalb welches Stadiums der Geschehnisse in Frankreich kann man von einer Revolution sprechen und welche erfüllen diesen Bestand nicht.

Zu Beginn der Unruhen handelte es sich zumeist durchaus nicht um gesellschaftlich umstürzlerische Bestrebungen, sondern die ganze Entwicklung ging sehr stark daraus hervor, dass der eigentlichen Revolutionsperiode zwei strenge Winter und damit verbunden zwei Misserntusgegangen waren, die dafür sorgten, dass die Lage der einfachen Bevölkerung relativ prekär war, was durch angedachte Steuererhöhungen noch verschärft worden wäre.

Die tatsächlichen Volksmassen waren also weniger von umstürtlerischem Gedankengut als von ihrem eigenen Elend getrieben, so dass die Unruhen zunächst einmal eher den Charakter einer Hungerrevolte als der Revolution hatte.

Von einer Revolution kann man ab dem Moment sprechen, in dem es den großbürgerlichen intelektuellen gelingt sich mit diesen Massen zu verbünden und für ihren Zweck einer politischen Veränderung einzuspannen (das liest scih jetzt auf den ersten Blick etwas negativ, ist aber durchaus nicht so gemeint).

Die nächte Frage wäre dann, wann endet die Revolution in Frankreich?
Mit der jakobinischen Terrorherrschaft? Mit dem Direktorium? Mit Napoleons Erhebung zum Kaiser der Franzosen? hier kann man durchaus geteilter Meinung sein

Revolutären Charakter im Sinne eines gesellschaftlichen Umbruchsund eines Umsturzes der Machtverhältnisee hatte die französische Revolution aber durchaus.

Ja, ist sie. Sie ist sozusagen die Mutter aller Revolutionen.

Ludwig der XVI wurde von einem Kammerdiener geweckt, weil in Paris gewalttätige Unruhen ausgebrochen waren. Ludwig, etwas schläfrig meinte nur: "Oh, eine Revolte." Und der Diener antwortete: "Nein,Sire, eine Revolution." Ludwig winkte ab und schlief weiter.

Man muss ihn aber deswegen nicht für dumm halten. Denn erst seit der franz. Revolution weiß man, was eine Revolution ist.

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