Ist die Evolutionstheorie "wahr"?

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Hallo FranziiCookiie,

die ET ist eine der am besten bestätigsten Theorien im interdisziplinären Erklärungsnetz der Naturwisseschaften. Sie wird gestützt durch eine schier unglaubliche Fülle an Daten und Befunden aus den verschiedensten Bereichen.

Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Licht der Evolution

So hat es der Biologe Dobzhansky mit Recht beschrieben. Die ET erklärt uns, warum wir diese unheimliche Vielfalt an bestens angepassten Formen finden, warum wir Ähnlichkeiten in diesen Formen finden, sie erklärt uns rudimentäre Organe und Atavismen. Sie erklärt uns das Fossilienmuster. Wir haben KEINE Daten, die ihr widersprechen.

Deine Fragen gehen aber ein wenig an den konkreten Aussagen der ET vorbei.

1) Wurden doch noch immer keine Zwischenformen des Menschen gefunden

Die "Zwischenform" ist eigentlich ein Begriff, den nur Kreationisten verwenden. In der Biologie gibt es ihn gar nicht. Es gibt nicht "die" Zwischenform. Die ET sagt Mischformen voraus - in denen also Merkmalausprägungen verschiedener Spezies nachweisbar sind.

Und das finden wir in unserem Stammbaum sehr wohl. Wir können sehen, wie sich zu älteren Vorfahren des Menschen hin Beckenform, Fußform,... verändert. Wir können in diesen Merkmalen festmachen, wo im Stammbaum unsere nächsten Verwandten - Schimpansen und andere Primaten - "abgebogen" sind. Und wir können das im Genom bestätigen.

Dass wir kein vollständiges Fossilienbild haben, das ist aber zu erwarten. Gerade unsere Vorfahren lebten in trockenen Savannengegenden. Und in solchen Gegenden ist Fossilisation leider selten. Wir finden daher nur wenige Skelette und unser Bild ist mosaikhaft, lückenhaft. Auch das ist aber eine Vorhersage der ET - und damit kein Argument gegen sie.

Welch deutliche Spuren die Evolution in unserem Körper hinterlassen hat, das kannst Du Dir z.B. in dieser 3-teiligen Miniserie von Neil Shubin erklären lassen:

http://www.zdf.de/zdfinfo/unsere-geheimen-vorfahren-37421730.html

2) Die ersten Menschen waren schwarz und als sie dann nach Europa kamen, wurden sie eigentlich relativ schnell weiß

Relativ ist halt ... relativ. Ja, die Evolution braucht lange Zeiträume. 1000 Jahre sind da gar nichts. Trotzdem würde es der Einzelne von uns als "Ewigkeit" empfinden. Der Mensch kann sich so lange Zeiträume nicht vorstellen

Dass wir weiß sind verdanken wir zufälligen Veränderungen im Genom, die sich dann aber bewährt haben. http://www.spektrum.de/news/woher-die-helle-haut-kommt/1298938

3) Immer mehr gläubige Menschen behaupten, die Evolutionstheorie wäre schon längst widerlegt worden, woran machen die das fest?

Allein an den Aussagen ihrer heiligen Schriften. Die vorgebrachten Einwände gegen die ET entpuppen sich bei näherem Hinsehen sehr schnell als vorgeschoben, unwissenschaftlich und unhaltbar. Sie bauen sehr oft auf einer falschen Darstellung der Aussagen der ET auf - wie eben z.B. das mit den Zwischenformen. Eine recht gute Zusammenfassung der Widerlegung dieser Einwände entsteht hier:

http://argumentevonkreationisten.de.tl/

Der Zweck dieser Kritik ist, die Autorität der heiligen Schrift (Bibel bzw. Koran) als absolut und wortwörtliche Wahrheit zu untermauern. Die Gleichnisse aus den Schöpfungsgeschichten werden deshalb als historischer Tatsachenbericht hingestellt. Eine Aufgabe, die diese Geschichten auch aus Sicht der Religion nicht erfüllen können oder wollen.

Grüße

Begriffe wie "wahr" oder "falsch" finden in der Wissenschaft wenig bis gar keine Anwendung. Im Falle der Evolutionstheorie würde man wohl von "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zutreffend" sprechen. 

Einen endgültigen Beweis, der die ET zu 100 % bestätigt, gibt es nicht und wird es auch nie geben, einfach weil das mit den Methoden der Wissenschaft nicht in Einklang gebracht werden kann. Wenn etwas als zu 100 % sicher behandelt wird, kann es nicht mehr zugunsten neuer Erkenntnisse aufgegeben werden. Die ständige Prüfung und Selbstkorrektur ist aber das zentrale Element der Wissenschaft. Darum müssen wir uns mit einer "nur" nahezu 100 %-igen Sicherheit begnügen.

Durch dieses "nahezu" wird für zukünftige Generationen die Möglichkeit offen gelassen, die ET in ihrer jetzigen Form zu verbessern oder zu ersetzen, wenn es denn aufgrund neuer Befunde nötig wird. Dieses "nahezu" heißt nicht, dass uns im Moment tatsächlich Befunde vorliegen, die die ET in Zweifel ziehen.

Zu 1) Die Richtigkeit der ET hängt nicht davon ab, ob wir unsere Geschichte lückenlos rekonstruieren können. Niemand würde erwarten, dass wir von jeder Art, die je auf der Erde gelebt hat, einschließlich aller Vorfahren des Menschen, mindestens ein Fossil finden. Dazu sind die Voraussetzungen für die Fossilation einfach viel zu unwahrscheinlich. Wenn wir Glück haben, finden wir vielleicht Überreste von jeder millionsten ausgestorbenen Art.

Aber die Abfolge von Fossilien könnte man mit einem (Stumm)film vergleichen. Um die Handlung eines Films nachzuvollziehen, musst du nicht jedes einzelne Bild wahrnehmen. Selbst wenn du nur ein Bild alle paar Sekunden betrachten könntest, ergeben sie hintereinander abgespielt einen Sinn, auch wenn der Film dann zurecht abgehackt erscheint.

Je länger ein Fossil im Gestein liegt, desto eher kann es auch durch geologische Umwälzungen zerstört werden. Deshalb finden wir von der recht jungen Gattung Mensch sogar vergleichsweise Fossilien, von denen viele den Übergang zwischen ursprünglichen "affenähnlichen" (die Anführungszeichen, weil der Mensch selbst ein Affe ist. Seine Merkmale sind damit auch Affenmerkmale.) und modernen typischen Menschenmerkmalen zeigen. Die Behauptung, es gäbe keine Fossilien, die die Entwicklung des Menschen dokumentieren, ist damit auch schlichtweg falsch. Hier ist eine bebilderte Liste zu den fossilen Menschen, einige Funde sind weniger, andere mehr erhalten und eindeutig.

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_human_evolution_fossils

Zu 2) "Schnell" ist relativ, besonders wenn es um geologische Zeiträume geht. Auch wenn manche Forscher von einer phasenweise sprunghaften Evolution ausgehen, dauert es trotzdem viele hunderte, tausende  oder mehr Jahre, bis sich ein Merkmal im Genpool durchsetzt (soll heißen, bis es nur noch helle Haut und keine dunkle mehr gibt).

Mit der modernen Gesellschaft der Menschen kann man nur bedingt argumentieren, wenn es um Evolution geht. Aufgrund unserer Lebensweise wirkt die "klassische" Selektion im Sinne von Überleben des Angepasstesten auf uns kaum mehr ein. Wer eine körperliche Schwäche aufweist, wird heute nicht von Wölfen gefressen, sondern bekommt vom Arzt eine Behandlung. Selbst Menschen mit so schwerwiegenden Problemen wie Asthma, Sehschwäche etc. haben die Chance, zu überleben und sich fortzupflanzen (zum Glück!), ein wesentlich geringerer Nachteil, der durch die Hautfarbe in Verbindung mit der Klimazone entsteht, kommt da noch viel weniger zum Tragen.

Würde man, rein theoretisch, eine Gruppe von hellhäutigen Menschen in den Tropen aussetzen und sie von der modernen Technik und Medizin isolieren, würde sich bei ihren Nachfahren über die Jahrhunderte eine immer dunklere Hautfarbe durchsetzen, da diese einen Schutz gegen die Sonneneinstrahlung darstellt. Andersrum geht das genauso, bei einer Gruppe von dunkelhäutigen Menschen, die man in Skandinavien aussetzt, würde man nach einer sehr langen Zeit einen Trend zu heller Haut beobachten, da die Pigmentierung der Haut eine Barriere für das Sonnenlicht darstellt, das zur Synthese von Vitamin D notwendig ist. In den mittleren Breiten muss man jedes bisschen der kärglichen Sonneneinstrahlung dafür nutzen, darum ist dunkle Haut hier ein Nachteil.

Zu 3) Ich hoffe doch sehr, dass es immer weniger statt immer mehr werden. Aber ja, die ET und viele andere Bereiche der Wissenschaft werden von religiösen Extremisten und Fanatikern abgelehnt. Die meisten moderaten Gläubigen haben kein Problem damit, die ET mit ihrem Glauben in Einklang zu bringen (schließlich besagt die Biologie ja nirgendwo, dass es keinen Gott gibt), aber wenn man davon ausgeht, dass der Schöpfungsbericht der Bibel/des Korans etc. eins zu eins der Wirklichkeit entspricht, werden andere Ansichten damit ausgeschlossen.

Die Argumente von Kreationisten bauen meist auf Fehlverständnis oder Unwissen der ET auf. Unwissen an sich ist ja nicht so tragisch, schließlich kann nicht jeder promovierter Biologe sein, aber wenn das mit religiösen Dogmen zusammenkommt, entsteht dabei ganz schnell eine "Widerlegung" der ET.

Als Beispiel: "Wenn Menschen von Affen abstammen, warum gibt es dann immer noch Affen?" Bei dieser Frage ist entscheidend, wer sie stellt. Ist es ein kleines Kind, dem man gerade anhand eines Bilderbuchs von den Dinosauriern erzählt? Dem kann man erklären, dass der Stammbaum des Lebens sich immer weiter verzweigt und die Menschen einen dieser Zweige darstellen und die Schimpansen einen anderen. Das Kind wird das wahrscheinlich interessieren und verstehen.

Oder kommt die Frage von einem besserwisserischem Wachtturmvertreter? Auf den kannst du einreden, solange du willst, am Ende wird er trotzdem immer noch denken, gerade ein Argument gegen die Evolution vorgebracht zu haben. Der Unterschied zum Kind ist der, dass er zwar genauso schlecht informiert ist, aber trotzdem denkt, dass er bestens Bescheid weiß. Er wird kaum bereit sein, dazuzulernen oder auch nur zuzuhören.

Einem solchen wird jedes ungeklärte Detail und jeder Sachverhalt, den er nicht versteht, als Widerlegung der ET dienen, weil er immer davon ausgeht, dass sie ohnehin nicht stimmen kann. Eine tatsächliche Aussagekraft haben seine Argumente aber nicht.

1. Doch es wurden verschiedene frühere Entwicklungsstadien von Menschen gefunden. Natürlich gibt es Lücken, aber das widerlegt nicht die Entwicklungsgeschichte.

2. Es heißt Evolution und nicht Revolution, weil es halbe Ewigkeiten dauert. Menschen mit dunkler Hautfarbe können sich im Norden schlechter mit Vitamin D versorgen und haben deshalb einen gewissen Nachteil. Der führt nach vielleicht hundert Generationen zu überwiegend hellhäutigen Menschen.

3. Das solltest Du dir von denen erklären lassen. 

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