Ist die evangelische Kirche Anhänger des Kreationismus?

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6 Antworten

Eigentlich nicht, offiziell wird die Eigenverantwortung (und auch die eigene Meinung) in der Evangelischen Kirche sehr hochgehalten. Es gibt aber sehr wohl Strömungen, die das für zu wenig streng halten und unter anderem auch meinen, dass die Bibel wörtlich zu nehmen sei.

Wenn Du von der EKD sprichst ist das falsch, das gilt wohl eher fuer manche Freikirchen...

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@riara

riara, ich glaube, ich nehme Dich mal mit....(Siehe Antwort auf quopiam)

Die kreationistischen Gedanken sind weniger deutlich, zugegeben, aber die Grenzen der Toleranz gegenüber einem wissenschaftlich orientierten Weltbild werden immer wieder deutlich.

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@frank1968

Wenn Du ueber den Sinn der Ehe sprichst oder die Integration von Auslaendern wirst Du auch die unterschiedlichsten Meinungen hoeren, ich lese die Hausmitteilungen der EKD, da habe ich noch nie einen Hinweis auf Deine These gefunden, bei den Gemeindemitgliedern wird es sicher einige geben, die das mit der Evolution nicht so toll finden, ich habe jedenfalls noch niemanden getroffen der sich innerhalb der EKD als Kreationist bezeichnet...

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@riara

riara, ich provoziere natürlich ganz bewusst, und überspitze auch gelegentlich.

Ich weiss nicht genau wie Dein Evolutionsverständnis aussieht, aber wenn Du die Diskussion einfach mal bei EKD-Mitgliedern anstößt, bin ich fest davon überzeugt, dass Du Dich ein wenig wundern wirst.

Nur: Normalerweise spricht man nicht über Evolution, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Das wiederum ist meine Spezialität.

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@frank1968

In meiner Gemeinde sicher niemand, gut ich kenne die knapp 100 die wir hier in Nairobi sind und da sind keine Kreationisten, was sicher auch an dem recht hohen Bildungsstand liegt. Innerhalb der Bischofskonferenz gibt es nicht einen Verdaechtigen und auch wenn man sich mal die Themen von Synoden oder interne Mitteilungen anschaut...nischt. Ich sag mal das faengt bei der Akzeptanz von Schwulen an und geht beim recht hohen Frauenanteil bei geistlichen und Kirchenvorstaenden weiter, solches Gedankengut findest Du in wesentlich konservativeren Vereinen, mein Kirchenvostandskollege in Berlin war ganz offen schwul und selbst bei regionalen Sitzungen hat sich da niemand dran gestossen, auch in Berlin habe ich nie jemand getroffen, der irgendwas gegen die Evolution abgelassen hat...glaube mir...:-)

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Die Evangelische Kirche (Deutschlands?) ist überhaupt kein Anhänger von irgendwas. Sie stellt ihren Gläubigen frei, nach eigenem Gutdünken und nach eigener Vernunft (!) darüber zu entscheiden, was sie glauben wollen. Weder verordnet die EKD das eine noch das andere und es gibt zwischen Evolution und Schöpfungsglauben auch überhaupt keinen Widerspruch, um den sich die EKD zu kümmern hätte. Die evangelischen Landeskirchen wie auch die EKD verwalten nicht den Glauben der Gläubigen (so wie der Papst für die Katholiken), sondern die Kirchen und die Organisation kirchlichen Lebens. Gruß, q.

Naja aber es gibt doch Unterschiede zwischen der Theorie Darwins und der Schöpfungsgeschichte in der Bibel?!?! Gibt es da nicht soetwas wie eine allgemeine, öffentliche Haltung?

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@riara

Der wesentliche Unterschied ist, Pippina, daß das eine eine wissenschaftliche Theorie auf ebenso wissenschaftlicher Grundlage ist und das andere ein Mythos, der im Sinne des Judentums der Zeit um 700 - 100 vor Christus religiös gedeutet wird. Das kann man nicht vergleichen. Gruß, q.

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@riara

Sehr guter Link.

Würde ich als Grundlage empfehlen.

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@Pippina

Auch wenn's jetzt nach Wochen vermutlich niemand mehr liest, muss ich doch darauf hinweisen, dass es nicht "DIE" Schöpfungsgeschichte der Bibel gibt, sondern dass es ZWEI unterschiedliche Geschichten sind, geschrieben von unterschiedlichen Priestern, zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten: Die eine ist die Sieben-Tage-Geschichte. Die erzählt von einer wasserreichen Urwelt, in der Gott erst mal das Wasser zurückdrängen muss und Land schaffen, dann Licht macht, Pflanzen, Vögel, Landtiere und schließlich die Menschen als zweierlei Geschlecht. Das alles wird durch das Wort erschaffen, auch der Mensch. Die andere Geschichte beginnt in einer trockenen Urwelt, wo es Gott erst mal regnen lassen muss und da erschafft er erst mal einen Menschen (männlich, aus Lehm), dem er dann nach und nach zur Gesellschaft Tiere erschafft, die aber nicht zum Menschen passen und darum wird letztlich die Frau aus seiner Seite geformt. Es sind völlig gegensätzliche Geschichten und das ist schon der Hinweis darauf, dass es keine Wissenschaften sind, sondern Glaubenserzählungen...

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"Die evangelische Kirche Deutschlands ist überhaupt kein Anhänger von irgendwas"

Aha, das hatte ich also bis jetzt vollkommen falsch verstanden. Ich bin davon ausgegangen, die Kirche hängt dem Glauben an, dass es einen Gott gibt, und dass Jesus mit diesem Gott irgendwas zu tun hat(um es vorsichtig auszudrücken). Aber gut, soll mir recht sein.

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@frank1968

Und, lieber quopiam, ich hielt am Wochenende einen kleinen Vortrag zu neuen Erkenntnissen der Evolutionsforschung vor einer Gruppe von evangelischen Christen.

Die hättest Du aber mal erleben sollen, Deine neutralen Evangelischen!

Fairerweise muss ich bemerken, dass es auch sehr bedachte und vernünftige Diskutanten gab, die Deine Sichtweise stützen. Sie waren aber definitiv in der Minderheit!

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@frank1968

Komisch ist nur, dass mehr als 60% aller Bundesbuerger eindeutig die Evolution anerkennen, die Kreationisten duerften eine sehr kleine Gruppe darstellen und in der EKD wird solches Gedankengut sicher nicht befoerdert...

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@riara

Werte/r riara,

40% sind nicht wenig, und ich vermute bestimmt nicht falsch, wenn ich die Kreationisten fast ausschließlich unter den Religiösen vermute.

Und die Leutchen am Wochenende gehörten sicher keiner Extremgruppe an, hatten sich aber natürlich angesichts des Themas meines Vortrags ein wenig konzentriert, ist klar.

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@frank1968

Das heist ja nicht, das 40% Kreationisten sind...:-)...Es sind ja auch nicht alle Konfessionslosen Atheisten. Was meinst Du wieviel Menschen keine Meinung zu dem Thema haben? Ich denke die Zahl wirklicher Kreationisten liegt sicher weit unter 10%...

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Nein, eher nicht. Aber es ist regional unterschiedlich: in ehemaligen geislichen Erweckungsgebieten wie Siegerland und Schwaben gibt es viele Evangelische, die an die 6-Tage-Schöpfung glauben. Die ev. Kirche selbst steht eher auf Seiten der Evolutionstheoretiker. Evolution ist nämlich nicht bewiesen und zumindest gleichwertig mit Schöpfungsglauben zu behandeln!

Nein, mitnichten. Evo ist eine fundierte wissenschaftliche Theorie, der Schöpfungsglauben ist eine reine Behauptung.

Genauer gesagt sind all die unterschiedlichen, sich gegenseitig widersprechenden Schöpfungsgeschichten reine Behauptungen, es gibt ja nicht nur eine einzige.

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@Couchjumper

Solange etwas nicht bewiesen ist, bleibt es eine Theorie.

Für die Schöpfung gibt es übrigens gute Gründe, wer sich mal reinlesen will: www.wortundwissen.de

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@freto

Es geht bei wissenschaftlichen Theorien nicht darum, sie zu beweisen, das ist mangels Dogmabereitschaft in den Naturwissenschaften nicht möglich, sondern darum, die Theorie zu prüfen und Belege für oder gegen sie zu suchen.

Insofern ist die Evo eine reichhaltig gestützte wissenschaftliche Theorie (egal wie oft die Religiösen hier auf diesem Begriff herumreiten, er zeugt nur von ihrem fehlenden Begriffsverständnis), während die Schöpfung eine reine Behauptung bleibt. Gründe gibt es für einen Menschen viele zu glauben, z.B. das Wissen um die eigene Sterblichkeit. Belege hingegen gibt es keine. In dieser Beziehung sind die Schöpfungsgeschichten nicht gewichtiger als das Monster von Loch Ness.

Übrigens sind heute ebenfalls weder die Atomtheorie noch die Gravitationstheorie "bewiesen". Dass auch sie bislang nicht fallengelassen wurden, liegt daran dass auch sie eben stark gestützt sind.

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@Couchjumper

"Evo ist eine fundierte wissenschaftliche Theorie, der Schöpfungsglauben ist eine reine Behauptung."

Also, dass Evo wissenschaftlich sein soll, halte ich für eine reine Behauptung. Was nun?

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@RFMusiker

Nun darfst du dir für deinen Kommentar ein Klebebildchen von den WortundWissen-Leuten hinter dem Link oben abholen.

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Kein Christ, der seine Religion ein bißchen versteht, kann Anhänger des Kreationismus sein. Der Kreationismus bezieht sich auf eine WÖRTLICHE Auslegung des ALTEN Testaments. Das AT ist aber VOR-christlich, es ist die Heilige Schrift der Mosaischgläubigen. Christlich ist ausschließlich das, was Jesus verkündigt hat und nur ausnahmsweise anerkennt er einzelne Sätze aus dem AT (etwa die 10 Gebote). Für den Christen ist "Gott" definiert als das geistige Prinzip in dieser Welt, als der ("Heilige") GEIST, als Erkenntnisfähigkeit. Also stellt sich ein Christ nicht gegen die Erkenntnis, das wäre "gottfern".

"Christlich ist ausschließlich das, was Jesus verkündigt hat und nur ausnahmsweise anerkennt er einzelne Sätze aus dem AT"

Ja, so kann man die Bibel auch auslegen und völlig ignorieren, wie das Alte Testament auf das Neue Testament hindeutet. Wenn Du Deine Bibel so verstehst, dann ist Deine Aussage

"Kein Christ, der seine Religion ein bißchen versteht, kann Anhänger des Kreationismus sein."

nur konsequent.

Ich nehme mir die Freiheit, das Alte Testament nicht zu verwerfen, aber die Wissenschaftlichkeit der EvolutionsTHEORIE anzuzweifeln und nehme mal an, dass ich meinen Glauben schon ein bisschen verstehe.

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@RFMusiker

Da habe ich mich wohl nicht richtig ausgedrückt. Es geht darum, was Christentum ist und was nicht. Es geht nicht darum, wie jemand die Bibel liest und interpretiert. Christlich ist, was Christus verkündet hat, und was das Abendland dann darunter verstanden hat. Zu Lebzeiten von Jesus war die Volksreligion und Staatsreligion das Judentum. Deshalb ist es schon zulässig, anzunehmen, daß das AT (die Heilige Schrift der Juden) auf die Lehre Jesus' eingewirkt hat. Er verkündet ja auch tatsächlich manche Sätze aus dem AT. Und die Christen nehmen an, daß schon im AT gewisse Stellen auf das Kommen Jesus' hindeutet. Also ist das Kommen Jesus' das Wesentliche und die Lehre Jesus', nicht etwa das, was sonst noch so alles im AT steht, zwei Schöpfungsgeschichten und Anleitung zum Völkermord.

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natürlich. sie glaubt dass Gott die erde und alle lebewesen auf erden erschaffen hat.

Das ist aber kein Kreationismus...Die EKD wie die katholische Kirche bekennt sich zur Evolution...

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@riara

Eigentlich nicht, weil Evolution ja kein Bekenntnis ist. Sie nimmt die Ergebnisse der Naturwissenschaften zustimmend zur Kenntnis, aber nicht alle ideologischen Folgerungen.

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@dreadnought

Richtig, ich war wohl irgendwie zu sehr im theologischen Kontext...:-)

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