Ist die Doppelzüngigkeit der SPD bei der Abstimmung über die weitere Zulassung von Glyphosat irgendwo in der Presse erwähnt worden?

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3 Antworten

Mal an dieser Stelle ein Beitrag von greenpeace mit Genehmigung des Autors. Sonst wird anderswo der Schwanz immer länger. Der berechtigte Inhalt scheint mir bei allen Diskussionen sonst deutlich zu kurz zu kommen.

Guten Abend
 Liebe Leserinnen und Leser,

dass sich der Streit um die Bewertung des Unkrautvernichtungsmittels
Glyphosat diese Woche noch einmal massiv zugespitzt hat, haben Sie
sicherlich verfolgt. Ausgangspunkt war eine neue Bewertung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den tatsächlichen
Gesundheitsrisiken des Stoffes für den Menschen. Darin war die
Organisation zu dem Ergebnis gekommen, dass eine unmittelbare Gefahr,
etwa an Krebs zu erkranken, nicht besteht.

Daraufhin entbrannte eine wahre Schlacht um die Deutungshoheit dieser Ergebnisse. Die Einen
sahen den Beweis erbracht, dass Glyphosat nun doch als unbedenklich
einzustufen ist, die Anderen verwiesen auf vorherige Gefahrenanalysen
der internationalen Krebsforschungsagentur IARC, die den Wirkstoff zuvor
grundsätzlich als „wahrscheinlich krebserregend“ bezeichnet hatten. Im
Anschluss zog man gegenseitig die Aussagekraft von Studien in Zweifel,
Manipulations- und Lobbyismusvorwürfe machten die Runde.

Die Auseinandersetzung kreiste fast ausschließlich um die Frage, ob der
Verbraucher durch den massenhaften Einsatz von Glyphosat in der
Landwirtschaft nun
krank werden kann oder nicht.

Ziemlich in Vergessenheit geraten ist dabei, was der Stoff in der Umwelt
anrichtet. Wir sind uns dann halt doch immer selbst die Nächsten.

Glyphosat wurde in den 1970er Jahren vom Agrarchemieriesen Monsanto entwickelt
und wird mittlerweile auch in Deutschland auf rund 40 Prozent der
Ackerfläche eingesetzt. Auch Autobahnstreifen und Wege werden so von
Unkraut frei gehalten und sogar die Bahn setzt rund 80 Tonnen Glyphosat
jährlich auf den 30.000 Kilometern Schienennetz ein, um den
unerwünschten Gleisbewuchs im Zaum zu halten.

In der Landwirtschaft werden die Präparate immer dann versprüht, wenn auf den
Äckern möglichst nichts überleben soll. Den Acker „räumen“ nennt sich
das in der Fachsprache, weil dann alle Pflanzen, die dort gerade
wachsen, absterben. Das hat Folgen für die Artenvielfalt: Eine
langjährige Anwendung lässt sogenannte Unkräuter in der Nähe von Äckern
verschwinden. Das Fehlen der von vielen Menschen gering geschätzen
Pflanzen wirkt sich aber negativ auf die Nahrungskette aus. Davon
betroffen sind nicht nur Insekten, sondern unter Anderem auch Vögel.
Durch Glyphosat werden Boden-Mikroorganismen negativ beeinflusst,
Populationsgleichgewichte verschieben sich und empfindliche chemische
und biologische Prozesse im Boden werden gestört. Außerdem vergiftet der
Stoff bei Kontakt mit Wasser dort lebende Amphibien, verändert die
Organe von Aalen und Karpfen und reduziert die Fortpflanzung von
verschiedenen Wasserorganismen.

All das spricht für eine sehr kritische Beurteilung einer weiteren Zulassung von Glyphosat und ähnlichen Stoffen. Durch das Hickhack um die Krebsgefahr sind diese Fakten jedoch ins Hintertreffen geraten. Die bisher bei verschiedenen Untersuchungen festgestellten Konzentrationen des Stoffes in
Lebensmitteln oder im Urin von Probanden befanden sich alle weit unter
den relativ strengen deutschen Grenzwerten. Die Auseinandersetzung um
Glyphosat sollte also weniger aus der Perspektive der
Gesundheitsgefahren als vielmehr der Auswirkungen auf die Natur geführt
werden. Das führt auch näher zur eigentlichen Kernfrage dieses
Streitfalls: Was für eine Form der Landwirtschaft wollen wir in Zukunft?
Eine, die auf Ackergifte verschiedenster Art setzt oder eine
nachhaltige, biologische Anbaukultur im Einklang mit der Natur?

Kurt Stukenberg
Mitglied der Chefredaktion

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Nun die wissenschaftliche Beurteilung lässt zurzeit kein begründetes uneingeschränktes Verbot zu. Daher würde ich auch eine Verlängerung der Zulassung begrüßen unter der Voraussetzung, wie vom Parlament gefordert, dass ein schnelles Verbot bei Änderung der Datenlage möglich ist.

Zur Presse, es finden solche Meldungen i.d.R. schon immer Erwähnung, nur denke ich, dass diese spezielle Meldung kein großes Aufsehen wert ist und daher weniger präsent veröffentlicht wurde.

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Kommentar von Sonnenstern811
14.05.2016, 17:08

Dazu schreibt "Die Welt"


"Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Glyphosat als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht hingegen keine Gefahr für die Gesundheit. Menschen kommen mit dem Herbizid über Lebensmittel,
Trinkwasser oder etwa die Arbeit in der Landwirtschaft in Kontakt.

Die Agrarminister von Bund und Ländern hatten sich vor vier Wochen in Mecklenburg-Vorpommern für eine Reduzierung des Glyphosat-Einsatzes ausgesprochen. Die Zustimmung zur Neuzulassung sollte an Auflagen geknüpft werden, zum Beispiel an das Verbot der Nutzung auf öffentlichen Grünflächen und zu privaten Zwecken. «Dies schien mir ein guter Kompromiss, den Bund und Länder und somit auch die Grün- und SPD-geführten Landwirtschaftsressorts gemeinsam getragen haben», erklärte Backhaus.

Der Grünen-Obmann im Agrarausschuss des Bundestags, Harald Ebner, sagte: «Die SPD kann sich bei Glyphosat jetzt kein Umfallen mehr erlauben.» Sollten die Sozialdemokraten «die groß angekündigte deutsche Enthaltung»in Brüssel letztlich nicht durchsetzen, wäre ihre umweltpolitische Glaubwürdigkeit zerstört. Mit Blick auf die Intervention des Kanzleramtes mutmaßte Ebner: «War das am Ende (von der SPD) sogar kalkuliert, um als «unschuldig» dazustehen?"



Meine persönliche Meinung:

Erstaunlich,diese gegensätzlichen Auffassungen. Was hierzu die Herrschaften Lobbyisten beigetragen haben, wissen wir nicht. Ein Schelm, der solches denkt?

Bestehen nur geringste Zweifel an der Unschädlichkeit, so müssten die zuerst geklärt werden.
Wirwissen doch alle, wie es in der Praxis auf dem Gebiet der
Schädlingsbekämpfung und genauso bei Antibiotika Zugaben im bäuerlichen Bereich aussieht. Papier ist geduldig.

Übrigens bin ich kein Anhänger der "Grünen", möchte lediglich, dass auch junge Menschen noch gesund wieterleben könnnen und die Chance haben, gesund alt zu werden.






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Wenn man die ganzen Jahre verfolgt hat, wo die SPD uns überall auf oft dreisteste Weise belogen und betrogen hat, frage ich mich, wie die überhaupt noch über 5% kommen.

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