Ist die Betonung der Sprache aus Willkür entstanden?

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4 Antworten

Das satzauslautende Anheben der Stimme beim Fragesatz ist (neben dem Absenken der Stimme beim Aussagesatz) soweit mir bekannt ist das einzige tonale Element in der deutschen Sprache (Intonation).

Man muss unterscheiden zwischen der Betonung (diese liegt bei "Betonung" auf der zweiten Silbe) und der Intonation (Verlauf der Stimmhöhe).

Ich denke nicht, dass dies rein willkürlich entstanden ist, man muss bedenken, dass Deutsch keinen Fragepartikel kennt, der Fragen in manchen Sprachen kennzeichnet (so im Finnischen: "tiedät" (du weißt) "tiedätkö" (weißt du?)). Man benötigt ja eine Ausdrucksweise, um zu verdeutlichen, dass man gefragt hat.

Die Intonation kann in vielen Sprachen eine bedeutungsunterscheidende Wirkung haben. Im Schwedischen gibt es mitunter "hohe" und "tiefe" Vokale, es ist eine sog. "Tonakzentsprache" (uneigentliche Tonsprache, "katterna jamar" = nur das erste a von jamar wird tief gesprochen, die anderen hoch, "die Katzen miauen").

"Richtige" Tonsprachen sind im Unterschied dazu Chinesisch oder Vietnamesisch, hier hat fast jede Silbe eine bestimmte Tonhöhe, was in der Regel auch bedeutungsunterscheidend ist. Chinesisch ist eine "Konturtonsprache", auch der Verlauf (von unten nach oben oder umgekehrt) der Stimme spielt eine Rolle (bei nahezu jedem Wort, nicht nur am Satzende).

Manche Leute führen die z.T. hohe Musikalität von Chinesen auf die Tonsprache Chinesisch zurück. Die europäische Musik hat sich durchaus auch oft am Sprachverlauf orientiert (hört man z.B. bei Richard Wagner recht gut, aber auch bei anderen Komponisten).

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Dass die Tonhöhe am Ende einer Frage anders ist als bei einer Aussage, ist in sehr vielen Sprachen so. Der Grund liegt auf der Hand: Eine Frage soll eben als solche erkennbar sein, auch wenn es keine sonstigen Erkennungsmerkmale gibt. Man vergleiche:

"De Film ist super!" mit "Der Film ist super?" (zweifelnde Rückfrage)

Dabei wird nicht in allen beteiligten Sprachen die Tonhöhe bei Fragen _angehoben_. Die Anhebung lässt sich in etwa damit begründen, dass hohe Töne eher Aufmerksamkeit erhalten und dass ein Satz, der mit einem hohen Ton endet, eher als "offen" aufgefasst wird, also eine Ergänzung erfordernd. Dem gegenüber läuft einSatz, der eine Aussage ist, von der Tonhöhe eher gemächlich nach unten aus.

Analog könnte es in der Musik sein, aber da kenne ich mich nicht aus.

Abgesehen von diesen vermuteten Einflüssen gibt es keine Erklärung für die satzauslautende Tonhöhe von Sprachen, denn deren Entwicklung ist bestenfalls gewissen anzunehmenden Tendenzen unterworfen, aber letzten Endes (z.B. welche Tendenz "sich durchsetzt") zufallsabhängig, wie Modeströmungen.

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Kompositionen orientieren sich nicht selten am Sprachgestus. Das ist vermutlich stets eine bewusste Entscheidung des Komponisten.

Dagegen sind Satzmelodien über Jahrhunderte hin entstanden und im wesentlichen gleich geblieben. Für den Einzelnen besteht da keine Willkür. Aber dass Sprache sich verändert, hängt von vielen Sprechern ab, die in der Zeit eines Wandels die Möglichkeit haben, sich für eine von zwei gebräuchlichen Varianten zu entscheiden.

Zu Beispiel steht in der gesprochenen Sprache im Deutschen nach weil das Verb häufiger an der zweiten Stelle (wie im Hauptsatz) als an der letzten (wie im Nebensatz). Irgendwann wird weil also zur Hauptsatzkonjunktion werden wie denn.

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Hallo rosepetals, 

ich weiß nicht, wie sich eine Entwicklung als willkürlich oder nicht beschreiben lassen soll. 

In jeder Kultur hat sich die Sprache anders entwickelt. Es gibt Länder in denen ein Kopfnicken "nein" bedeutet, aber auch Sprachen, in denen am Ende nicht automatisch nach "oben" gegangen wird bei einer Frage.

Was ist schon Willkür? Die Natur geht ihre eigenen Wege. 

LG Mata

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