Ist die Behauptung, gesetzliche Verbote würden eine abtreibungswillige Schwangere niemals von einer Abtreibung abhalten von irgendwem eigentlich ernst gemeint?

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3 Antworten

Hallo

Nein, gesetzliche Verbote haben nun beschränkt Einfluss. In Ländern, wo Abtreibung verboten ist, gibt es mehr Abtreibung als in Ländern, wo es legal ist. Es sterben in Ländern, wo es verboten ist, viele Frauen, weil die Abtreibung unprofessionel durchgeführt wird.

Beim besagten Fall hätte das Mädchen im Ausland (z. B. Holland) abtreiben können. Da könnte es dann höchstens an den Finanzen scheitern, weil niemand dafür zahlen würde. Was hat es dem Mädchen gebracht, dass es aufgrund gesetzlicher Regeln nun das Kind gebären musste?

Freundlichen Gruss

tm

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Kommentar von carn112004
06.11.2016, 20:46

"Was hat es dem Mädchen gebracht, dass es aufgrund gesetzlicher Regeln nun das Kind gebären musste?"

Eventuell nichts, aber ich bin immer wieder über die Gewissheit mancher irritiert, die behaupten, Verbote würden keine Abtreibungen verhindern; finde es ein bischen mutig bei ca. 190 Ländern weltweit und dutzenden oder hundert Millionen ungeplanten Schwangerschaften jährlich zu behaupten, dass es keinen einzigen Fall gab, bei dem ein Gesetz eine Abtreibung verhindert.

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Die Behauptung ist falsch, wer sich vom Gesetz davon abhalten lassen würde ist nicht wirklich Abtreibungswillig, sondern hegt irgendwo noch zweifel. 

Es gibt für so gut wie jeden Fall eine Ausnahme, aber diese extremen Ausnahmen werden aus der Statistik für Gewöhnlich rausgerechnet. 

Es gibt schließlich auch Leute die einen Flugzeugabsturz überlebt haben, und trotzdem würde niemand die Behauptung "Flugzeugabstürze sind Tödlich" in Frage stellen, oder? 

Dein Beispiel hat damit allerdings überhaupt nichts zu tun, Abtreibung nach Medizinischer Indikation hat nämlich weniger Hürden als die Abtreibung nach Beratung. Bei Medizinischer Indikation kann man einfach einen Abtreibungstermin machen und fertig. 

In dem von dir genannten Fall ist stark davon auszugehen, das die Eltern anders als es das Mädchen erwartet hat, ihr Unterstützung geboten haben, statt sie zu verstoßen, und sie hat sich deswegen für das Kind entschieden.

Hätte ich damals nicht abtreiben "dürfen", glaub mir, ich hätte trotzdem kein Kind bekommen! 

Es gibt sogar Frauen, die sich in der Schwangerschaft extra ungesund verhalten (Alkohol & Drogen) um den Fötus so weit zu schädigen, das sie mit medizinischer Indikation Spätabtreiben dürfen. 

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Kommentar von carn112004
08.11.2016, 22:31

"In dem von dir genannten Fall ist stark davon auszugehen, das die Eltern anders als es das Mädchen erwartet hat, ihr Unterstützung geboten haben, statt sie zu verstoßen, und sie hat sich deswegen für das Kind entschieden."

Warum irgendwas vermuten, statt einfach den Artikel zu lesen?

Die Ärtze wurden VERKLAGT, weil sie die Eltern NICHT INFORMIERTEN und dadurch der 15-jährigen ein Schaden entstand. So eine Klage wäre total sinnlos und würde auch niemand probieren, wenn die 15-jährige zeitnah nach dem Klinikbesuch die Eltern informiert hätte, denn dann wäre der behauptete Schaden aufgrund dessen, dass die Eltern nichts wissen, ja nie entstanden.

Aber ich kann dir gerne das Urteil selbst verlinken:

https://openjur.de/u/130890.html

"Die Klägerin meint weiter, die Beklagte sei zur Zahlung von Unterhalt für das geborene Kind verpflichtet. Hierzu behauptet sie, dass es bei einem rechtmäßigen Verhalten der Beklagten zu einem Schwangerschaftsabbruch gem. § 218a Abs. 2 StGB wegen medizinischer Indikation aufgrund des Alters der Klägerin, der damit einhergehenden Unreife und der durch die Geburt
entstehenden Belastung gekommen wäre."

Klage behauptet also eindeutig, dass das Mädchen die Abtreibung nach § 218 Abs. 2 StGB hinbekommen hätte, wenn die Eltern informiert worden wären, und sie die Abtreibung nicht hinbekommen hat, weil die Eltern nicht informiert wurden.

Du hast also mit deiner Vermutung vollständig unrecht, es sei denn natürlich du unterstellst der Betroffenen, dass ihr Vorbringen vor Gericht von vorne bis hinten erlogen war. Also jetzt einfach ein "Sorry, hast ja recht.".

"wer sich vom Gesetz davon abhalten lassen würde ist nicht wirklich Abtreibungswillig, sondern hegt irgendwo noch zweifel."

Und hat irgendwo mal irgendwer ermittelt, wieviele Frauen noch Zweifel in der Art haben und trotzdem abtreiben?

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Ich glaube nicht, dass irgendjemand "niemals" behaupten wuerde. Das waere eine unwissenschaftliche Aussage und nur polulaer.

Es ist aber Tatsache, von vielen Studien belegt, dass die Zahl der illegalen Abtreibungen und damit die Gesundheitsrisiken fuer die Frauen stark steiegen, wenn Abtreibung illegal ist.

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Kommentar von carn112004
06.11.2016, 19:40

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/4760449/Verbote-verhindern-Abtreibungen-nicht

"Abtreibungsverbote verhindern Abbrüche nicht. Sie drängen Frauen in die Illegalität und gefährden Gesundheit und Leben von Frauen."

Im von mir in Eingangsfrage verlinkten Fall hat Abtreibungsverbot bzw. -einschränkung wohl Abtreibung verhindert und die Schwangere wurde nicht in die Illegalität gedrängt.

http://www.woman.at/a/was-verbot-abtreibungen-bewirkt

"Denn Verbote verhindern keine Abtreibungen. Sie sorgen einzig dafür, dass Frauen diese unter oft fragwürdigen sowie unhygienischen Maßnahmen im Geheimen durchführen und somit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Das beweist eine Analyse der Daten von Abtreibungen weltweit in den Jahren 1990 bis 2014 durch das Guttmacher-Institut. "

"einzig" drückt gerade aus, dass niemals ein Verbot eine Abtreibung verhindert.

Besonders dumm ist ferner die Behauptung, dass entsprechende Guttmacher-Studien sowas "beweist"; als rein vergleichende Studien können die höchstens Korrelationen erfassen und somit gar nichts beweisen.

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