Ist die AFD jetzt eine rechtsradikale Partei oder eine bürgerliche Partei rechts von der CDU?

8 Antworten

Ist die AFD jetzt eine rechtsradikale Partei oder eine bürgerliche Partei rechts von der CDU?

Das Eine schließt das Andere nicht aus.

In der politischen Einordnung (und völlig emotionsfrei) ist die AfD eine "rechtsradikale", mindestens aber eine "rechtsextreme" Partei. 

  • Rechts = stark hierarchisch orientiert, konservative und reaktionäre Wertebilder vertretend
  • Radikal = strebt eine erhebliche Veränderung der herrschenden Gesellschaftsordnung an
  • Extrem = die politischen Einstellungen und Bestrebungen finden sich am Rand des Wertesystems der Gesellschaft wieder

Das ist, wie gesagt, völlig wertfrei. Einfach nur den Definitionen der Begriffe folgend.

Ich hab gelesen das sie die Nazis rausschmeißen dann wäre die Partei ja nicht rechts.

"Rechts" macht diese Partei nicht nur die Mitgliedschaft von "Nazis", sondern deren Wertesystem. Und das ändert sich nicht durch den Rauswurf von Nazis.

Was würde sich ändern wenn die an die Macht kämen?

Die AfD steht für einen ultra-neoliberalen Staat. (Noch weit mehr, als die FDP jemals zu träumen wagt.) Daraus folgt:

  • Weniger Rechte für Arbeitnehmer; dafür mehr Rechte für Arbeitgeber.
  • Reiche geringer besteuern
  • Einführung von "Volksrundfunk" (also zu 100% aus Steuern finanzierte Fernseh- & Radio-Sender)
  • Weniger Staat; also weniger soziale Fürsorge (Arbeitslosengeld, Krankenkassen, etc.)
  • Zerschlagung von Sozialversicherungen - dafür mehr "private Vorsorge" (was, wie man seit rund 8 Jahren mit Null-Zinsen sieht, hervorragend funktioniert, um Kleinsparer systematisch zu enteignen)
  • Arbeitslosenversicherung privatisieren
  • Auflösung der Europäischen Union und Rückkehr zur europäischen Kleinstaaterei (was Deutschland vermutlich zumindest am Anfang Millionen Arbeitsplätze kosten würde, weil das Land EXTREM außenhandelsorientiert und folglich darauf angewiesen ist, dass es selbst nicht "zu stark" wird)
  • Ablehnung des Islam und folglich der Moslems.
  • Traditionelle Familie (Ausgrenzung von Alleinerziehenden, etc.)
  • Ablehnung von Homosexualität (sehr witzig, da ein aktueller Beisitzer im AfD-Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern selbst schwul ist; und ein weiterer ebenfalls Schwuler sogar eine Petition gegen Schwule unterschrieben hatte, um seinen Partei-Posten nicht zu gefährden)
  • Ablehnung von Klimaschutz, sofern es die Wirtschaft bremst
  • Alkoholiker und Drogenabhängige sollen in Lager gesteckt werden
  • Kinder ab 12 Jahren voll strafmündig machen und nach Erwachsenenstrafrecht verurteilen
  • ...

Mehr dazu findest du hier: https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/sites/7/2016/05/2016-06-27_afd-grundsatzprogramm_web-version.pdf

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Man sollte nicht vergessen: Die AfD wurde von Leuten gegründet, denen die "FDP zu lasch" war. Sie wollten mehr Neoliberalismus und sehr viel weniger Staat. 

Wenn man jetzt also "die Nazis rauswirft", bleibt immer noch die ultra-neoliberale Partei übrig. Und falls du nicht weißt, was Neoliberalismus bedeutet, kannst du dich einfach umschauen: Große Teile dessen, was du heute siehst - vom Niedriglohn bis zur Staatsfinanzen-Krise - ist ein Ergebnis des Neoliberalismus.

Nur weil eine Partei "rechts" ist, ist sie noch nicht rechtsradikal, geschweige denn nationalsozialistisch. Ebenso ist eine Partei ohne Nazis nicht automatisch "mitte" oder "links" .. sie kann immer noch "rechts" sein.

Auch wenn die AFD die Nazis rausschmeißen will (ich glaube nicht, dass das geht) .. wird sie immer rechts der CDU und auch rechts der CSU bleiben.

Der Ausdruck "an die Macht kommen" klingt immer gleich so wie die Machtergreifung Hitlers. Dabei geht es viel mehr um eine Regierungsbildung. Diese wird die AFD sicher nicht alleine Bilden können, da sie dafür 50% der Stimmen bräuchte und koalieren will auch keiner mit der AFD. Das weiß der AFD aber auch sehr gut, zumal sie mit der Rolle der Opposition eh besser zufrieden ist. Da können sie immer schön Kontra geben, ohne wirkliche Inhalte zu haben (außer Flüchtlingspolitik).

Doch rechts sind sie trotzdem, nur nicht radikal - also nationalkonservativ / rechtskonservativ / rechtsliberal / rechtspopulistisch 

Was sich ändern würde : die Leute würden verstehen dass die Flüchtlinge doch nicht an allem Schuld sind, die Reichen werden reicher und die Armen ärmer 

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