Ist die Abschaffung des Sozialen Wohnungsbaus wirklich der richtige Weg um die Mietsituation in unseren Großstädten zu verbessern?

22 Antworten

Natürlich nicht.

In den letzten Jahrzehnten wurde der Soziale Wohnungsbau stark reduziert.Die Kommunen wollten und wollen Kosten sparen und sich nicht mit Mietern herumschlagen( wie das Beispiel der verkauften GBW-Wohnungen in Bayern gezeigt hat).

Erstaunlicherweise auch in Ländern und Kommunen , in denen die SPD das Sagen hatte und noch hat.

M.E. sollte neben dem Sozialen Wohnungsbau auch der Genossenschaftsbau und die Gründung von Genossenschaften gefördert und unterstützt werden.

Wien soll ja traditionell das Dorado für Sozialen Wohnungsbau in Europa sein.

Dazu schnitt Wien vor kurzem in einem Ranking als lebenswerteste Stadt ( welt-oder europaweit) ab.

Ob das auch mit den vielen Sozialwohnungen dort zusammenhängt?

Ein bisschen sozialer Wohnungsbau ist sicher nicht verkehrt, der Bedarf wird aber parallel zum Angebot immer weiter steigen. Der langfristig sinnvollere Weg wäre m.M.n., das Umland mit bezahlbarem ÖPNV besser anzubinden und auch die Infrastruktur (Geschäfte, Kultur, medizinische Versorgung...) dort zu verbessern.

Man sollte den Soli zur grundlegenden Verbesserung der Lebensbedingungen "auf dem Land" einsetzen statt zur Luxussanierung ausgewählter Gegenden...

Wie wäre es mit Stipendien und/ oder NC-Befreiung für angehende Landärzte, steuerlichen Vergünstigungen für Tante-Emma-Läden, kostenlosen/ ermäßigten ÖPNV-Tickets für Menschen, die weiter als x Kilometer von der nächsten "Stadt" entfernt wohnen, Dorf-zu-Stadt-Fahrdienste als 1€-Job...???

Müssen Menschen, die seit Jahren keinen Job "finden" oder gar nicht (mehr) arbeiten können, überhaupt in der Großstadt leben?

Wenn der ländliche Raum attraktiver gestaltet wird, könnte das den Druck auf die Wohnungsmärkte in Ballungsräumen durchaus mindern.

Und wenn Jobcenter keine Wahnsinnsmieten für die letzten Dreckslöcher bezahlen, sondern ihre "Kunden" zur "Auswanderung" animieren dürften, müsste zumindest nicht mehr der Steuerzahler für den Münchner (Hamburger, Berliner, Stuttgarter...) Wahnsinn aufkommen.

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Müssen Menschen, die seit Jahren keinen Job "finden" oder gar nicht (mehr) arbeiten können, überhaupt in der Großstadt leben?

Ein wesendlicher Beitrag!

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Und wenn Jobcenter keine Wahnsinnsmieten für die letzten Dreckslöcher bezahlen, sondern ihre "Kunden" zur "Auswanderung" animieren dürften, müsste zumindest nicht mehr der Steuerzahler für den Münchner (Hamburger, Berliner, Stuttgarter...) Wahnsinn aufkommen.

Warum dann diese Menschen nicht gleich abschieben? Hat denn so ein Münchner Hartz4-Bezieher nicht Groß- oder Urgroßeltern oder noch weiter zurück, die mal im jetzigen Polen, in Österreich .... gewohnt haben?
Mit einem Zwangsumzug (und sei es nur nach Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern) müsste der Steuerzahler dann nur noch die dann dort zu bauenden Schulen (wir haben leider Schulpflicht) zahlen.

Hier noch ein Vorschlag:
Könntest du nicht Arbeitsstelle und Wohnung mit so einem Schmarotzer tauschen und in den Wald ziehen?

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@guenterhalt

Ich finde den Vorschlag des Umzugs gut. Es gibt sehr viele lebenswerte Kleinstädte in Deutschland, in denen der € deutlich mehr wert, ist als in den Ballungsräumen. Die betroffenen Leute (insbesondere Rentner) sollten bei guter Information dazu motiviert werden. Wir haben in Europa Freizügigkeit. Insoweit geht deine (wohl bewusst) überzogene Bemerkung zum Zwangsumzug fehl.

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@lesterb42
Die betroffenen Leute (insbesondere Rentner) sollten bei guter Information dazu motiviert werden.

Das hat zwei Seiten: Menschen, die viele Jahr in einer vertrauten Umgebung gelebt haben, sollten plötzlich in eine Fremde Stadt?
Erlebe mal, wenn alte Leute, weil sie allein nicht mehr wirtschaften können, in ein Altersheim ziehen sollen. Das gibt Widerstand, böses Blut, Zerwürfnisse mit den Kindern. Einige zerbrechen ganz schnell daran. Wollen wir das?

Rentner, die eine Großstadt verlassen, brauchen normaler keine Zuschüsse vom Jobcenter oder Steuerzahler. Sie machen vielleicht eine Wohnung frei und der Besitzer kann sie gewinnbringender Vermieten. Das beeinflusst wieder den ortsüblichen Mietpreis und führt zu steigenden Mietzuschüssen für die, die noch Jahre bis zur Rente haben. Womit sich der Kreis wieder geschlossen hat.

Ein Umzug ist auch nicht kostenlos. Die sogenannte Mietpreisbremse hat es auch noch öffentlich gemacht. 15% Aufschlag ist zulässig. Wer darunter bleibt, gehört doch eingesperrt (im Sinne der Investoren). Was machen die die die Geschäfte führen?

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@guenterhalt
Das hat zwei Seiten: Menschen, die viele Jahr in einer vertrauten Umgebung gelebt haben, sollten plötzlich in eine Fremde Stadt?

Nicht sollen, dürfen. Dein Einwand ist ja berechtigt. Da wird es diese und jene geben. Ich sprach von motivieren nicht von zwingen. Einen Beitrag könnten diese Leute leisten. Und das wird ja auch gemacht. Görlitz steht da recht weit vorn in der Beliebtheit.

Ich halte diesen Ansatz für erheblich sinnvoller als sozialen Wohnungsbau. Wer die Problemviertel von heute sehen will, muss sich den sozialen Wohnungsbau von gestern ansehen. Und dann gibt es noch diese:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/sozialwohnungen-anwohner-stoppen-viele-neue-bauprojekte-a-1222616.html

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@lesterb42
Ich halte diesen Ansatz für erheblich sinnvoller als sozialen Wohnungsbau

Im Grunde ist das schon richtig. Die, die das vorschlagen und praktizieren sind aber an das gebunden, was man Zeitgeist (auch in Regeln und Gesetzte gefasst) nennt.
Es gibt ein Sprichwort: "Der Teufel scheizt auf den größten Haufen".

(gutefrage lässt das richtig geschrieben Wort nicht zu )

Anders ausgedrückt, die Politik hält ich raus, es bilden sich Zentren, die Arbeitskräfte brauchen und die werden (wie im Kosmos ein Schwarzes Loch) immer größer. In den ländlichen Regionen werden sich keine Unternehmen mit großen Namen ansiedeln, die Arbeitskräfte wollen (müssen) dorthin.
Der Arbeitnehmer hat nach diesen Regeln zum Arbeitsplatz zu kommen, nicht die Arbeit zum Wohnort. Das will aber die Politik nicht sehen (zumindest nicht die derzeit Regierenden). Die Probleme wachsen ihnen über den Kopf, Wohnungen sind nur eine Sache. Straßenverkehr und die damit verbundene Umweltbelastung die andere Seite.
Hier Wohnungen schaffen und sie dort abreißen (siehe Frankfurt/Oder, Eisenhüttenstadt ...) das ist die einzige Lösung, die sie anbieten.

Übrigens: Ich bin, als ich noch jünger war, raus aus der Großstadt. Musste aber einen längeren Weg zur Arbeit in Kauf nehmen. Es gab aber Licht im Tunnel (Rente in Sicht) .

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@guenterhalt

Dann sind wir doch schon recht dicht beieinander. Wenn sich keine Unternehmen mit großem Namen außerhalb ansiedeln, so gibt es doch eine Reihe von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die dort bereits vorhanden sind. Auch das trägt zur Entspannung bei.

Wenn ich einen Beruf habe der überall gebraucht wird (z. B. medizienischer Bereich), dann siedel ich mich doch nicht ausgerechnet da an, wo es am teuersten ist. Das bringt doch nicht automatisch mehr Lebensqualität, im Zweifel sogar weniger.

, die Politik hält ich raus,

Ja und das ist auch gut so. Wir haben Freizügigkeit und das ist auch ein Teil der Freiheit, die ich nicht missen möchte, obwohl ich nun wohl nicht mehr umziehen werde.

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@guenterhalt

War klar, dass so ein Kommentar kommen musste - die armen Omas, die armen Alleinerziehenden, die armen Hartzer, die keinen Job finden...

Aber mal ehrlich: viele Rentner müssen schon jetzt die Stadt verlassen, weil sie (selbst wenn sie eine Sozialwohnung bekämen) in den entsprechend "preiswerten" Vierteln nicht leben wollen. Vielen Kindern von Alleinerziehende würde es "auf dem Land" deutlich besser gehen, und wer sich für Zeitarbeit & Co. zu gut ist, muss nicht in den teuersten Fußgängerzonen der Republik schnorren gehen.

Außerdem hatte ich angeregt, nicht nur ländliche Regionen "aufzurüsten", sondern auch den ÖPNV zu verbessern und vergünstigen - wer nicht arbeitet, kann für seine Besuche in der Stadt auch eine gewisse Fahrtzeit einplanen...

Zu deinem Vorschlag: Nein, könnte ich nicht. Selbst wenn ich Job und Wohnung kündige, wird mein Vermieter keinen Arbeitslosen akzeptieren und mein Arbeitgeber keinen Ungelernten.

Aber wenn ein Ex-Münchner HartzIV-Empfänger in die Provinz zieht und dort statt 600€ KdU "nur noch" 300€ braucht, könnte man mit dem gesparten Betrag schon fast eine Umschulung finanzieren...

Was hältst du von entsprechenden Angeboten für ensthaft Arbeitswillige?

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@lesterb42
Ja und das ist auch gut so. Wir haben Freizügigkeit und das ist auch ein Teil der Freiheit,

Is das auch gut für die älteren Leute, die aufs Land gezogen sind, nicht mehr Auto fahren können oder dürfen und dann doch mal zum Arzt müssen?
Ärzte (das passiert schon in den Großstädten) lassen sich dort nieder, wo die meisten Privatpatienten wohnen. Durch diese Freizügigkeit steigt natürlich die Lebensqualität, nicht für die Patienten, die jetzt keinen Arzt mehr haben.
Zur Lebensqualität gehört auch, Milch und Brötchen nicht aus 50km Entfernung holen zu müssen.
Hier versagt die Freizügigkeit. Oder auch nicht, die Rentner ziehen eben nicht aufs Land. Ist das dann auch gut so?

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@guenterhalt

Natürlich versagt die Freizügigkeit hier nicht. Ist wird niemand gezwungen aufs flache Land zu ziehen oder da wohnen zu bleiben. Alt und gebrechlich kommt ja nicht so völlig überraschend. Da muss man halt vorsorgen.

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@lesterb42

was ist das für eine Logik? Mit 65 in Rente und ab ins flach Land,war das nicht deine Empfehlung? Mit 75 , vielleicht doch schon alt und gebrechlich wieder zurück. Wer da Vorsorge getroffen hat, seine Stadt-Wohnung aber behalten hat, der hat dann wirklich mehr vom Leben.

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@guenterhalt
was ist das für eine Logik? Mit 65 in Rente und ab ins flach Land,war das nicht deine Empfehlung?

Nein, war es nicht. Ich sprach nicht - wie du nun - vom flachen Land ohne Arzt Milch und Brötchen sondern von lebenswerten Kleinstädten mit einer entsprechenden Infrastruktur. Davon gibt es in Deutschland sehr viele.

Es gibt nicht nur München und Pampa, sondern eben auch noch sehr viel dazwischen. Görlitz hatte ich als Beispiel bereits genannt.

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Es gibt im Wesentlichen 3 Gruppen von Vermietern:

  1. private Vermieter mit nur wenig Mietwohnungen
  2. Wohnungsgesellschaften in privater Hand
  3. Wohnungsgesellschaften in öffentlicher Hand

Von privaten Vermietern kann man nicht verlangen, dass sie ihre Wohnungen an wenig zahlungskräftige Mieter vermieten. Sie sollen weiterhin die Wohnungen stellen, die im mittleren und gehobenen (Preis-)Segment angeboten werden. Das passt dann auch mit den zahlreichen Pflichten zusammen, die durch Gesetz und diverse Gerichtsurteile auferlegt werden.

Wohnungsgesellschaften mit einer großen Zahl von Mietwohnungen (z. B. > 100) sollten hingegen einen bestimmten Prozentsatz ihres Bestandes als Sozialwohnungen mit entsprechender Belegung vorhalten müssen. Für die Verwaltung dieser Wohnungen sollte es dann einerseits strenge Regeln geben, aber andererseits auch entsprechende Steuervergünstigungen.

Wohnungsgesellschaften in öffentlicher Hand sollten sowieso nur Sozialwohnungen anbieten. Zumindest mit einem sehr hohen Prozentsatz.

Mieter von Sozialwohnungen sollten regelmäßig dahin gehend geprüft werden, ob ihnen eine solche noch zusteht und wenn nicht, innerhalb gewisser Zeit umziehen müssen, um Fehlbelegung weitgehend zu vermeiden.

Hier wurde schon erwähnt, dass das Land unbedingt attraktiver gemacht werden muss und zwar nicht nur in der Infrastruktur und Versorgung, Kultur etc., sondern auch vom Image her.

Ich bin dagegen, dass in kleinen abgelegenen Dörfern viele Wohnungen gebaut werden, aber es gibt viele Kleinstädte ab ca. 5000 EW aufwärts, die sehr attraktiv sind und keineswegs "verschlafen", langweilig oder "zu eng", wie es oft heißt.

Niemand soll zwangsweise umziehen müssen, aber mit einem entsprechenden Angebot können solche kleinen Städte sehr reizvoll sein, denen die Großstadt sowieso nichts mehr zu bieten hat, weil es aus gesundheitlichen Gründen gerade für ältere oder sonstwie mobilitätseingeschränkte Menschen immer schwieriger ist, dort zu leben.

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