Ist Dialekt nur in Deutschland ein "Problem"?

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11 Antworten

Nein, selbstverständlich gibt es in jeder Sprache Dialekte! 

Napoleon hat für Frankreich mal das Ziel definiert, dass Franzosen von Nord bis Süd sich mit einer einzigen Sprache, also Französisch, verständigen können sollten - und dieses Ziel wurde erst in den 1980er oder 1990er Jahren erreicht. Aber die regionale Färbung hört man überall heraus.


Aus linguistischer Sicht ist ein Dialekt eine Aussprachevariante, im Unterschied zur Regionalsprache mit eigener Grammatik, Wortschatz und Aussprache.

Je nach dem, welche Vorbilder eine Gruppe hat, wird ein Dialektsprecher unterschiedlich bewertet. Früher war es die Sprache bei Hofe, die als Vorbild galt (deswegen wurde ja in höfischen Kreisen in Deutschland früher Französisch gesprochen und geschrieben und es galt in gehobeneren Kreisen lange Zeit - wenn nicht immer noch - als erstrebenswert, Französisch zu lernen.

Daher wurden Dialektsprecher wegen ihrer abweichenden Aussprache gern  abgewertet, belächelt und sogar als geistig minderbemittelt angesehen. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert: inzwischen sieht an, welche Stärken bestimmte Regionen haben und bewertet deren Sprecher anders als früher.

Heute ist Dialekt Ausdruck von regionalem Selbstbewusstsein, Stolz und der Zugehörigkeit zur  eigenen Region. Er wird touristisch als Alleinstellungsmerkmal vermarktet, vermittelt Wärme, Menschlichkeit und Familiarität - und tritt damit in Gegensatz zu Mainstream-Trends. 

Selbst in der Werbung ist Dialekt im Kommen („Mir kennet elles - außer Hochdeitsch").

Jemand, der Dialekt spricht, kann selbstbewusst mit erhobenem Kopf im Berufsleben gut dastehen - auf die Persönlichkeit und die fachliche Kompetenz kommt es an!

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Kommentar von Spielwiesen
13.10.2016, 08:46

...und hat jemand schon mal darüber nachgedacht, was der Dialekt  - im übertragenen Sinn auf die Kochkunst angewandt - bedeutet ? Herrlichste Speisen aus uralter Tradition, die es nur in der Gegend mit dem entsprechenden sprachlichen Dialekt gibt. Und wenn man Glück hat, zubereitet von jemand Älterem, der oder die noch genauso spricht und es genau weiß, wie man es macht. 

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Ich denke mir, dass es auch in Großbritannien ein Problem ist. Mit einem schrägen Cockney kannst du, glaube ich, eher nicht Bankdirektor werden.

Es kann sich allerdings seit den Zeiten von Shaws Pygmalion  (Henry Higgins) auch geändert haben.

Aber ich habe mal ein Buch über "Being British" gelesen, und in dem stand, dass sich die einzelnen Schichten oder Klassen der Bevölkerung immer noch haargenau an der Sprache erkennen. Und diese Feinheiten, so stand es in dem Buch, kann man auch kaum erlernen, da muss man reingeboren sein. Allerdings haben diese Sprachunterschiede nicht nur was mit der Aussprache zu tun, sondern auch mit der Wortwahl. Ein Charles Windsor spricht jedenfalls kein Cockney.

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Wenn man absolut kein Hochdeutsch sprechen kann oder will, wird man vermutlich gar nicht erst besonders weit kommen. 

Da manche deutsche Dialekte schon immer für andere schwer verständlich waren, war es ausser im Freundeskreis, in Familie und Bekanntenkreis schon immer üblicher Hochdeutsch zu reden. Wenn ein Bayer in seinen Dialekt redend in Norddeutschland arbeiten müsste, hätte er wahrscheinlich Probleme. 

Selbstverständlich gibt es auch in anderen Ländern Dialekte.Aber in einigen Teilen geht der Gebrauch zurück. Besonders in den Städten. Ausnahmen gibt es immer. Und auch überall gibt es Dialekte, die mal mehr oder weniger beliebt sind. 

Auf lange Sicht werden viele Dialekte im Zeichen der Globalisierung verschwinden. Der Sprachenreichtum stirbt aus. 

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Kommentar von Franz577
12.10.2016, 11:47

Das wäre aber sehr schade und wird, wenn überhaupt, nur auf sehr sehr lange Sicht der Fall sein. Das werden wir und auch noch einige nachfolgende Generationen wohl nicht mehr erleben.

Darum finde ich es auch wichtig, den Dialekt zu erhalten und an die Kinder weiterzugeben. Solange das geschieht, kann er nicht aussterben.

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Kommentar von wurzlsepp668
12.10.2016, 13:24

ich habe schon auf Bairisch mit einer Berufsgenossenschaft in Hamburg telefoniert ..... (am Telefon war eine Hamburgerin ...)

ich habe genau die Auskunft bekommen, die ich gebraucht habe .....

Auf lange Sicht?

komischerweise ist bei uns auf dem Land das Brauchtum (und somit Dialekt) wieder mehr im kommen ...

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Dialekt ist kein "Problem" sondern, genauer betrachtet, eine Bereicherung was die Vielfalt jeder Gesellschaft betrifft! - Dialekte werden meines Wissens auch so gut wie in allen Ländern der Erde gesprochen, auch bei unseren nächsten europäischen Nachbarn.

Zum Problem wird ein Dialekt nur, wenn man sich mit ihm in seinem Umfeld nicht mehr verständlich machen kann.

Aber dafür sprechen dann die gebildeteren Schichten der Gesellschaft, dies gilt auch für entsprechende Berufszweige und Positionen in Politik und  Wirtschaft, mindestens ein halbwegs verständliches Hochdeutsch. - Selbst der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann konnte sich noch immer verständlich machen. :-)

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Kommentar von Franz577
12.10.2016, 12:57

Sehe ich ganz genauso, darum habe ich das Wort "Problem" auch unter Anführungszeichen gesetzt.

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Bei uns in der Deutsch-Schweiz ist der Dialekt, eigentlich nie ein Problem egal in welchen Berufsfeld man arbeitet, ausser natürlich wenn man mit Deutschen zusammen arbeiten muss, dann spricht man Hochdeutsch nicht unbedingt weil es höflich ist sondern schlicht weil die meisten Deutschen Schweizerdeutsch nicht verstehen.

Soweit ich weiss ist das Sprechen im Dialekt auf der Arbeit auch im Englischen Sprachraum sehr ungern gesehen. 

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Kommentar von Franz577
12.10.2016, 11:26

Klar, für einen Deutschen ist es "Schweizerdeutsch", aber in der Deutsch-Schweiz reden ja mehr oder weniger alle so, weshalb es da auch keine Probleme gibt.

Ist ja in den jeweiligen Regionen Deutschlands nicht viel anders.

Wer den Dialekt seiner Region spricht und auch dort arbeitet, hat selten ein Problem. Nur dann, wenn er woanders eingesetzt werden soll oder viel nach außen hin kommunizieren muß.

Das sollte man dann natürlich auch auf Hochdeutsch können, denn man schreibt ja auch nicht im Dialekt, sondern auf Hochdeutsch.

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Dialekt wird in allen Ländern gesprochen. Bei uns ist es für den Landsmann noch einigermaßen verständlich. In Spanien muss es extrem sein.

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Kommentar von Malavatica
12.10.2016, 13:49

Wie kommst du da drauf? 

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In FRankreich ist ein unreines Französisch eine Karrierebremse. Die Franzosen achten auch sehr auf genaue Schreibweise.

Bei den Briten ist es ähnlich, wer sich geschliffen ausdrückt ist klar im Vorteil, mit Liverpooler Hafenjargon kommt keiner in eine Führungsposition.

Als Sizilianer mit entsprechendem Akzent, keine Chance in Rom, Florenz, oder Mailand.

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Kommentar von Franz577
12.10.2016, 12:44

Ok, so hab ich das gemeint.

Wobei es vermutlich auch im Ausland davon abhängt, ob man auch die "saubere" Sprache sprechen kann, denn die Herkunft wird sich nie ganz verleugnen lassen.

Auch wenn ein Bayer Hochdeutsch spricht, erkennt man an der Klangfarbe oder Betonung bestimmter Wörter, daß es ein Bayer ist.

Das allein darf aber bei ansonsten korrekter Ausdrucks- und Schreibweise kein Ausschlußkriterium sein.

Ich schreibe ja auch fehlerfrei und kann mich in Hochdeutsch artikulieren, obwohl ich aus Bayern bin.

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Auch in den USA oder England/Schottland/Irland gibt es Dialekte, die Einheimische sofort mit ländlicher Herkunft und schlechter Bildung assoziieren, genau wie bestimmt in den meisten anderen Ländern.

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Kommentar von Spielwiesen
12.10.2016, 12:08

Hach, da fällt mir eine Episode ein, als ich Ende der 70er Jahre in Neuseeland eine Busreise machte, bei der ich als Deutsche dem Rest an Amerikanern gegenüberstand. Da geschah es wahrhaftig, dass ein Texaner und ein Mann von der US-Ostküste sich partout nicht verstehen konnten - so dass ich - mit meinen Worten - 'dolmetschte'. Dann klappte es und alle waren zufrieden - aber mir blieb die Komik der Situation in Erinnerung.

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Dialekte in Deutschland sind schon deutlich stärker ausgeprägt als in manch anderem Land mit überschaubarer Größe.

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Kommentar von Franz577
12.10.2016, 10:59

Und worauf führst du das zurück bzw. kannst du mir ein Land vergleichbarer Größe nennen, in dem es nicht so viele Dialekte wie in Deutschland gibt?

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In Österreich gibt es viele Dialekte. Ob das im Beruf ein Problem wäre, kommt darauf an, welchen Beruf man ausübt. Aber in den meisten Berufen ist dies sicherlich kein Problem.

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Kommentar von Franz577
12.10.2016, 11:11

Als Deutscher könnte man jetzt behaupten, daß ganz Österreich ein Land ist, in dem Dialekt gesprochen wird, denn die Amtssprache ist ja auch dort Deutsch und ein "Österreichisch" oder "Hochösterreichisch" gibt es ja nicht.

Aber in ganz Österreich wird Deutsch mit "österreichischem" Dialekt gesprochen, der natürlich auch von Region zu Region unterschiedlich ist.

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das gibts in jedem Land,  in vielen Ländern sogar deutlich schlimmer als bei uns

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