Ist Deutsch eine schwierige Sprache?

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7 Antworten

Meines Wissens nach gibt es keinen linguistisch eindeutig definierten Parameter "Schwierigkeit einer Sprache" (falls einer da doch etwas derartiges kennen sollte, bitte Bescheid geben - mich würde es interessieren).

Es kommt immer darauf an, welchen Gesichtspunkt (oder welche Gesichtspunkte) man in Betracht zieht. Auch hängt es sehr stark von der Muttersprache des Lernenden ab.

Nehmen wir mal Finnisch vs. Deutsch. Für einen Niederländer ist bestimmt Deutsch "einfacher" (er kennt die Wortstämme größtenteils, die Grammatik größtenteils). Für einen Esten ist aber Finnisch "einfacher" (aus denselben Gründen).

Von der Grammatik her ist Chinesisch keineswegs schwer (keine Verbalkonjugation, kein Genus, keine grammatischen Zeiten, keine Deklination). Es ist (für uns!) vor allem aufgrund der anderen Wortstämme, der Phonetik und des Schriftsystems aufwändiger zu erlernen als indogermanische Sprachen. Es gibt Leute, die sagen, sie haben (in Bezug auf das Sprechen, nicht in Bezug auf das Lesen) weniger Probleme mit Chinesisch (als z.B. mit Spanisch).

Japanisch ist eine ganz andere Kiste (kann man nicht mit Chinesisch vergleichen). Eine Bekannte von mir hat sowohl Chinesisch als auch Japanisch gelernt, sie sagt, im Nachhinein sei Japanisch schwieriger gewesen (in Übereinstimmung mit dem, was ich weiter vorne geschrieben hatte). Der Ausdruck "asiatische Sprachen" ist zu hinterfragen, wir sprechen hier von verschiedenen Sprachfamilien, die z.T. sehr wenig miteinander zu tun haben.

Innerhalb der germanischen Sprachen (ich kann Deutsch, Englisch, Schwedisch, ein ganz klein wenig Isländisch) ist Deutsch (gemeinsam mit Isländisch) die konservativste und formenreichste Sprache. 3 Genus (Englisch hat - abgesehen von den Personalpronomina - 1, Schwedisch hat 2). 4 Kasus (Englisch und Schwedisch haben nur Genitivformen abgesehen vom Nominativ). 6 Tempus (Russisch hat nur 3).

Die deutsche Rechtschreibung ist m.E. nach schwierig, wir schreiben Doppelkonsonanten, wenn der Vokal kurz ist, wir haben 3 "e-Phoneme", schreiben aber "e" (und "eu" ist "oi" und "ei" ist "ai" - phonetisch völlig unintuitiv). Wir haben 2 "ch-Phoneme" ("ich" "ach") und schreiben "ch". Weiches und scharfes "s" wird oft nicht unterschieden.

Übertroffen wird diese nur noch von der gälischen Schreibung (diese ist immer noch ein Mysterium für mich). Dagegen ist die finnische Rechtschreibung leichter (wenngleich man mit doppelten Vokalen und doppelten Konsonanten da auch gewisse Herausforderungen hat).

Die deutsche Verbkonjugation würde ich als schwierig bezeichnen. Man kann (als Nichtmuttersprachler) nicht ableiten, ob ein Verb stark oder schwach ist. Wenn es stark ist, kann man immer noch nicht genau wissen, wie z.B. das Präteritum gebildet wird.

z.B. schlafen > ich schlief, rufen > ich rief; dagegen strafen > ich strief (?) (schon falsch...), versuchen > ich versiech (?) (nein, auch falsch); "ich schlafte" oder "ich rufte" sind natürlich auch falsch. Man muss die Verben praktisch in mehreren Formen lernen. Übrigens verzichtet die Umgangssprache sehr oft auf das Präteritum (wer benutzt Formen wie "du hieltest" oder "du riefst"? in der Praxis spielen sie keine Rolle). Mal einen Test: wie heißt 1.Person Singular Präsens (und Präteritum) von "mähdreschen"?

Im Deutschen gibt es bestimmte und unbestimmte Formen (das kleine Haus, ein kleines Haus; man beachte, wie das Adjektiv geändert werden muss). Finnisch kennt diese Unterscheidung nicht (pieni talo), einen Artikel (der im Deutschen auch noch dekliniert wird) gibt es auch nicht.

Genus * Kasus gerechnet kommt man auf 3*4 = 12 (Deutsch) und 1*12 = 12 (Finnisch) Formen des Substantives im Singular, wenn man noch bestimmt/unbestimmt dazu nimmt, wird Deutsch (bei den Adjektiven) da schon schwieriger.

Letztendlich ist es oft auch Geschmackssache (die Empfindung, was schwer ist, ist sehr unterschiedlich).

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Kommentar von OlliBjoern
02.07.2016, 23:00

Natürlich ist Russisch eine slawische Sprache (keine germanische), das Beispiel mit dem Tempus habe ich nur gebracht, um darauf hinzuweisen, dass auch in einer als "schwierig" geltenden Sprache Gesichtspunkte vorhanden sein können, die "einfacher" sind als z.B. im Deutschen.

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Als Deutsch-Muttersprachler ist die Frage nicht ganz leicht zu beantworten, da natürlich die Erfahrung fehlt, die Sprache erst lernen zu müssen. Ich denke aber, dass Deutsch eher im Mittelfeld anzusetzen wäre, wenn man denn tatsächlich eine Rangfolge schwieriger Sprachen erstellen möchte. Deutsch hat zwar einiges an Wortbildungsmorphologie, die man sich anlernen muss (Bsp.: entsetzen, zersetzen, versetzen...), aber andere deutsche Merkmale gibt es in vielen anderen Sprachen wesentlich ausgeprägter.

Die Flexionsmorphologie (Konjugation u. Deklination) ist im Deutschen - im Vergleich zu früheren Sprachstufen -schon stark abgebaut, da hat man es in anderen Sprachen schwerer. Ich denke da u.a. an Sprachen, in denen es bspw. wesentlich mehr Kasus gibt als im Deutschen. Darüberhinaus gibt es Sprachen, die über 3 Genera eigentlich nur lachen können, Stichwort Nominalklassifikation; dort hat man quasi dutzende Genus-ähnliche Unterscheidungen bei Nomen. Auch agglutinierende Sprachen, also Sprachen, in denen ein ganzer Satz quasi in ein einzelnes Wort gepackt wurde, welches dann ellenlang ist und (für uns) unzählige Affixe (Vor- und Nachsilben) enthält, wären für uns wahrscheinlich schwer zu erlernen.

Was ich mir auch schwierig zu lernen vorstelle, sind Tonsprachen, wo es auf den Ton des Wortes ankommt, was es bedeutet. Das ist doch relativ weit weg von unseren europ. Sprachen.

Alles in allem finde ich also, Deutsch zu lernen ist im Großen und Ganzen schon relativ schaffbar. Man muss ja nicht von jedem schlussendlich muttersprachliches Niveau erwarten.

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Meiner Meinung nach ist es keine leichte Sprache z.b. wegen den Artikeln die in englischen vorhanden sind aber dennoch nicht die schwerste weil Ruwsisch wessentlich Anspruchsvoller ist.

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Kommentar von Rudolf36
03.07.2016, 10:42

keine leichte Sprache z.b. wegen der Artikel

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Nein keinesfalls. Wen du so vergleichst schon gar nicht. Ich habe nachträglich (also andere muttersprache) deutsch gelernt und finde es eine sehr einfache verständliche sprache. Englisch zählt auch zu den einfacheren. Schwierig wirds bei de slawischen (russisch, serbisch, polnisch etc.) sprachen. 

Die haben meist nicht vier fälle (dativ etc) sondern 7 oder mehr. Das ist schwierig! Oder asiatische sprachen. 

Man sagt das ein chinese bis zu seinem lebensende nicht alle zeichen lernen wird.

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Ja, ziemlich schwer. Japanisch und Chinesisch sind im Vergleich super einfach aufgrund einfacher Grammatik (keine Deklinationen, wenig Konjugationen usw.)

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Ja ist es auch es gibt da ein Sprichwort Deutsche Sprache schwere Sprache :D

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Kommentar von Rudolf36
03.07.2016, 10:54

Das ist kein Sprichwort, keine Volksweisheit! Das hat irgendjemand mal gesagt, dem das Deutschlernen schwer fiel. 

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Schwierig nicht, aber für manche Ausländer schwer zu lernen. Für manche Deutsche offenbar auch. 

Es ist wohl eine Frage des Gehörs und des Verständnisses für die Logik einer Sprache. 

Ein anderes Thema ist das, was Rechtschreibung genannt wird. Das hat mit Sprache nicht mehr viel zu tun. Da muss man neben der Sprache auch die Aussprache lernen. 

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